Eine neue Brille verspricht oft eine klare und scharfe Sicht, doch manchmal bringt sie unerwünschte Begleiterscheinungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit oder Doppelbilder mit sich. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte, die mit einem Brillenwechsel einhergehen können, von der Eingewöhnungszeit über mögliche Unverträglichkeiten bis hin zu langfristigen Lösungen wie Augenlaserbehandlungen oder Linsenimplantationen.
Die Eingewöhnungszeit: Eine Umstellung für das Gehirn
Der häufigste Grund für anfängliche Sehprobleme mit einer neuen Brille ist die Eingewöhnungszeit. Dies gilt besonders für Brillenerstträger, aber auch bei neuen Glasstärken, einem neuen Brillengestell oder einem anderen Brillentyp. Das Sehzentrum im Gehirn muss sich erst an die neuen Sehbedingungen anpassen, was wenige Stunden bis mehrere Wochen dauern kann.
Beschleunigung der Eingewöhnung
Die Eingewöhnungszeit lässt sich durch konsequentes Tragen der neuen Brille beschleunigen. In potenziell gefährlichen Situationen wie Autofahren, Treppensteigen oder Sport sollte man jedoch erst nach der Eingewöhnung auf die neue Brille umsteigen.
Stark veränderte Gläserwerte
Die Sehleistung des Auges verändert sich meist unbemerkt. Regelmäßige Sehtests alle zwei Jahre sind daher empfehlenswert. Bei einer deutlichen Verschlechterung des Sehvermögens sollte man jedoch umgehend augenoptisches Fachpersonal aufsuchen, da stark veränderte Sehwerte die Eingewöhnungszeit verlängern können.
Gleitsichtgläser: Eine besondere Herausforderung
Gleitsichtbrillen ermöglichen scharfes Sehen in der Nähe, Ferne und im Zwischenbereich. Da das Gehirn diese Art des Sehens jedoch nicht gewohnt ist, kann es beim Umstieg von Einstärkengläsern auf Gleitsichtgläser zu anfänglichen Schwierigkeiten kommen. Die Eingewöhnungszeit kann bis zu drei Wochen dauern, wobei ältere Menschen aufgrund des größeren Unterschieds zwischen Nah- und Fernwert oft länger brauchen. Der Kopf muss für Gleitsicht mehr mitbewegt werden, das kann gerade beim Gehen und Treppensteigen ungewohnt sein. Manchem wird etwas schwindelig. Beim Lesen oder Stricken können anfangs Schwierigkeiten wie unscharfe Sicht auftreten, wenn man durch die falsche Sehzone des Gleitsichtglases schaut. Der untere Glasteil deckt die Nahsicht unter 0,5 Meter ab. Mit einer Gleitsichtbrille kann man problemlos Autofahren. Das Sehen bis zum Computermonitor ist bei Gleitsichtbrillen etwas eingeschränkt. Auch beim Wandern, Fahrradfahren oder anderen sportlichen Aktivitäten profitiert man vom neuen Sehen mit Gleitsichtbrille. Die Neigungen des Kopfes gewöhnt man sich dafür schnell an.
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Falsche Glasstärke trotz Sehtest
Auch bei einem aktuellen Sehtest kann es vorkommen, dass die Glasstärken der neuen Brille nicht stimmen, da das Sehvermögen Schwankungen unterliegt, die durch Stress, Schlafmangel oder Medikamente ausgelöst werden können. In solchen Fällen ist von einem Sehtest abzuraten, um eine zu schwache oder zu starke Brille zu vermeiden.
Unzureichende Anpassung
Ein rutschender, drückender oder schief sitzender Sitz der Brille mindert nicht nur den Tragekomfort, sondern auch die Abbildungsschärfe. Die optische Mitte wird basierend auf dem Augenabstand (PD-Wert) in das Brillenglas geschliffen. Befinden sich die Pupillen nicht hinter den Glasmittelpunkten, entstehen Verzerrungen, die zu müden Augen, Kopfschmerzen oder Schwindel führen können.
Falscher Anwendungszweck
Nicht jeder Brillentyp ist für jeden Anwendungszweck geeignet. Eine Arbeitsplatzbrille ist beispielsweise ideal für den Nah- und erweiterten Zwischenbereich, aber nicht für den Alltag, da sie in der Ferne keine scharfe Sicht ermöglicht. Daher sollte man sich vom augenoptischen Fachpersonal beraten lassen, welcher Brillentyp für die eigenen Sehwerte und Zwecke am besten geeignet ist.
Schwankendes Sehvermögen bei Krankheiten
Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck sowie die Einnahme bestimmter Medikamente können das Sehvermögen beeinträchtigen. In solchen Fällen sollte man sich an eine Augenärztin oder einen Augenarzt wenden.
Neue Brille überprüfen lassen
Wenn man auch nach einer gewissen Eingewöhnungszeit mit der neuen Brille schlechter sieht als mit der alten, sollte man ein Optikergeschäft aufsuchen, um Sitz und Glasstärke überprüfen zu lassen.
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Auswirkungen des Nichttragens einer Brille
Das Nichttragen einer notwendigen Brille führt zwar nicht zwangsläufig zu einer Verschlechterung des Sehfehlers, kann aber Beschwerden wie Kopfschmerzen, Ermüdung der Augen oder erhöhte Anstrengung beim Sehen verursachen. Eine Brille korrigiert eine Fehlsichtigkeit, indem sie den Brechungsfehler des Auges ausgleicht. Bei Kurzsichtigkeit (Myopie) wird das Licht vor der Netzhaut gebündelt, bei Weitsichtigkeit (Hyperopie) dahinter. Trägt man eine notwendige Brille nicht, wird das Sehen wieder unscharf. Das Gehirn muss aber verstärkt arbeiten, um die Unschärfe zu kompensieren. Dies kann zu Kopfschmerzen, Konzentrationsproblemen und Ermüdung führen.
Mythos: Brille macht die Augen "faul"
Es hält sich hartnäckig die Annahme, dass das Tragen einer Brille die Augen "faul" macht und die Sehkraft verschlechtert. Dies ist jedoch nicht der Fall. Eine Brille sorgt dafür, dass das Sehen angenehmer wird und die Augen weniger belastet werden. Die Wahrnehmung einer Verschlechterung der Sehkraft nach Beginn des Tragens einer Brille liegt oft daran, dass sich das Auge an den verbesserten Seheindruck gewöhnt.
Bedeutung der Korrektur von Sehfehlern bei Kindern
Bei Kindern ist eine rechtzeitige Korrektur von Sehfehlern besonders wichtig, da eine unbehandelte Fehlsichtigkeit die Sehentwicklung beeinträchtigen kann.
Brillenunverträglichkeit: Wenn die neue Brille Probleme verursacht
Wenn die Symptome der Eingewöhnung anhalten oder sich verschlimmern, kann eine Brillenunverträglichkeit vorliegen. Diese bezieht sich auf unangenehme körperliche Reaktionen oder Symptome, die beim Tragen einer neuen Brille oder nach einer Aktualisierung der Sehkorrektur auftreten können.
Symptome der Brillenunverträglichkeit
Zu den Symptomen einer Brillenunverträglichkeit gehören:
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- Kopfschmerzen
- Übelkeit
- Doppelbilder
- Schwindel
Ursachen der Brillenunverträglichkeit
Die Brillenunverträglichkeit kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter:
- Fehlanpassung der Gläser: Eine falsche Brillenstärke oder eine nicht korrekt zentrierte Brille kann die Augen überanstrengen.
- Verändertes Sehen: Die Anpassung an die veränderten Bedingungen kann vorübergehende Kopfschmerzen auslösen.
- Verzerrtes peripheres Sehen: Neu korrigierte Gläser können das periphere Sehen verzerrt erscheinen lassen.
- Sensorische Überlastung: Das Gehirn kann Schwierigkeiten haben, sich an stark veränderte visuelle Eindrücke anzupassen.
Was tun bei Brillenunverträglichkeit?
- Regelmäßiges Tragen der Brille: Die konsequente Nutzung der neuen Brille gibt den Augen Zeit, sich anzupassen.
- Vermeidung intensiver Aktivitäten: In den ersten Tagen sollte man intensive Aktivitäten wie Lesen kleiner Schriften oder lange Bildschirmarbeit vermeiden.
- Pausen und Entspannung: Regelmäßige Pausen und Entspannungsübungen für die Augen können helfen.
- Augenübungen: Leichte Augenübungen können die Augenmuskeln stärken und entspannen.
Diagnose der Brillenunverträglichkeit
Die Feststellung einer Brillenunverträglichkeit erfolgt durch eine sorgfältige Untersuchung und Bewertung durch einen Augenarzt. Dies umfasst:
- Anamnese: Eine ausführliche Befragung des Patienten zu aktuellen Beschwerden und Symptomen.
- Sehprüfung: Eine gründliche Sehprüfung, um die Korrektheit der Brillenstärke zu überprüfen.
- Prüfung der Brillengläser: Überprüfung der Brillengläser auf mögliche Fehler oder Verzerrungen.
- Augengesundheitsüberprüfung: Eine Untersuchung der allgemeinen Augengesundheit, um andere Ursachen auszuschließen.
- Zusätzliche Tests: In einigen Fällen können zusätzliche Tests durchgeführt werden.
Alternative zur Brille: Augenlasern und Linsenimplantation
Für Menschen, die keine Brille mehr tragen möchten, bieten sich Augenlaser-Behandlungen oder Linsenimplantationen als dauerhafte Lösungen an.
Augenlasern
Eine Augenlaserbehandlung kann Kurzsichtigkeit bis zu -10 Dioptrien, Weitsichtigkeit bis zu +4 Dioptrien und Hornhautverkrümmungen bis zu 6 Dioptrien dauerhaft korrigieren. Die Behandlung ist in der Regel schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten.
Linsenimplantation
Eine Linsenimplantation (phake Intraokularlinsen, ICL) kann eine gute Wahl sein, insbesondere für Menschen, die nicht für eine Laserbehandlung geeignet sind, eine besonders hohe Fehlsichtigkeit haben oder einen reversiblen Eingriff bevorzugen. Moderne Multifokallinsen ermöglichen gutes Sehen in Ferne, Nähe und Zwischenbereich und korrigieren Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit und Hornhautverkrümmung. Der refraktive Linsentausch stellt einen operativen Eingriff dar, bei welchem die natürliche Augenlinse durch eine künstliche ersetzt wird.
Die richtige Brillenstärke: Ein entscheidender Faktor
Die richtige Brillenstärke ist entscheidend für eine klare und scharfe Sicht. Eine zu starke Brille (Überkorrektion) kann zu einer Reihe unangenehmer Symptome führen, darunter:
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Übelkeit
- Verschwommenes Sehen
- Müde, gerötete, brennende oder juckende Augen
Risiken einer zu starken Brille
- Verschlechterung der Sehschwäche: Eine zu starke Brille kann das Sehvermögen langfristig beeinträchtigen.
- Fehlende Anpassungsfähigkeit: Die Augen haben Probleme, sich an verschiedene Distanzen anzupassen.
- Gefahr im Straßenverkehr: Die eingeschränkte Sicht kann die Reaktionsfähigkeit vermindern.
Was tun bei einer zu starken Brille?
- Sehtest vereinbaren: Eine genaue Überprüfung der Sehstärke ist der erste Schritt.
- Brillengläser anpassen oder neue Brille: Das augenoptische Fachpersonal kann die Brillengläser anpassen oder eine neue Brille empfehlen.
- Brille nur bei Bedarf tragen: Um die Belastung für die Augen zu minimieren, sollte die Brille nur dann getragen werden, wenn es unbedingt notwendig ist.
- Aktivitäten einschränken: Vorübergehend sollte man auf Aktivitäten verzichten, die eine scharfe Sicht erfordern.
Vermeidung einer falschen Brillenstärke
- Regelmäßige Augenuntersuchungen: Idealerweise sollte man alle ein bis zwei Jahre zum Sehtest gehen.
- Auf Anzeichen achten: Anzeichen wie häufige Kopfschmerzen oder verschwommenes Sehen sollten nicht ignoriert werden.
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