Brummen im Kopf: Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten

Viele Menschen erleben gelegentlich ein Brummen im Kopf, das beunruhigend sein kann. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Tinnitus, ein Symptom, das verschiedene Ursachen haben kann. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Ursachen von Brummen im Kopf, die verschiedenen Arten von Tinnitus, Diagnoseverfahren und umfassende Behandlungsmöglichkeiten, um Betroffenen zu helfen, ihre Lebensqualität zu verbessern.

Was ist Tinnitus?

Tinnitus bezieht sich auf die Wahrnehmung von Geräuschen im Ohr oder Kopf, die nicht von einer externen Schallquelle verursacht werden. Diese Geräusche werden oft als Summen, Klingeln, Pfeifen oder Brummen beschrieben und können von Person zu Person unterschiedlich sein. Ein Tinnitus kann vorübergehend oder chronisch auftreten und das tägliche Leben und die Schlafqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

Schätzungen zufolge leiden in Deutschland etwa 10 bis 15 % der Gesamtbevölkerung an Tinnitus. Bezieht man sich auf den chronischen Tinnitus, leiden deutschlandweit schätzungsweise 2 bis 3 Millionen Menschen an chronischem Tinnitus. Weltweit wird davon ausgegangen, dass 10 bis 15 % der Weltbevölkerung von Tinnitus betroffen sind, davon 1 bis 2 % von chronischem Tinnitus.

Ursachen für Brummen im Kopf

Ohrgeräusche können viele verschiedene Ursachen haben, wodurch Tinnitus nicht als eigenständige Krankheit zu verstehen ist, sondern als Symptom, das auf verschiedene Ursachen zurückgeführt werden kann. Diese können sein:

  • Hohe oder langfristige Lärmbelastung: Laute Geräusche, wie sie beispielsweise bei Konzerten oder am Arbeitsplatz auftreten, können das Gehör schädigen und Tinnitus verursachen.
  • Altersbedingter Hörverlust: Mit zunehmendem Alter kann das Gehör nachlassen, was zu Ohrgeräuschen führen kann.
  • Infektionen: Mittelohrentzündungen oder andere Infektionen im Ohrbereich können Tinnitus auslösen.
  • Nebenwirkung der Einnahme bestimmter Medikamente: Einige Medikamente können als Nebenwirkung Ohrgeräusche verursachen.
  • Psychische Ursachen: Anhaltender Stress, Angstzustände und Depressionen können Tinnitus verstärken oder auslösen.
  • Hörstörungen und Krankheiten: Erkrankungen wie Morbus Menière oder ein Hörsturz können mit Tinnitus einhergehen.
  • Kopfverletzungen und Traumata: Unfälle oder Verletzungen im Kopfbereich können das Gehör schädigen und Tinnitus verursachen.
  • Vaskuläre Probleme: Blutgefäßanomalien oder Durchblutungsstörungen im Ohrbereich können Ohrgeräusche verursachen.
  • Ungewöhnliche Muskelkontraktionen im Ohr: Verspannungen der Muskeln im Mittelohr können zu Vibrationen und Geräuschen führen.
  • Kiefergelenkprobleme: Probleme mit dem Kiefergelenk können sich auf das Gehör auswirken und Tinnitus verursachen.
  • Stoffwechselstörungen: Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen können die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigen und Tinnitus fördern.
  • Schilddrüsenerkrankungen: Funktionsstörungen der Schilddrüse können ebenfalls zu Ohrgeräuschen führen.
  • Nierenerkrankungen: Auch Nierenerkrankungen können in manchen Fällen Tinnitus verursachen.
  • Fremdkörper im Ohr: Verstopfungen durch Ohrenschmalz oder andere Fremdkörper können ebenfalls Ohrgeräusche verursachen.
  • Entzündungen im Hals-Nasen-Ohren-Trakt: Erkältungen oder andere Entzündungen können vorübergehenden Tinnitus verursachen.

Arten von Tinnitus

Grundsätzlich wird unterschieden, ob ein subjektiver oder ein objektiver Tinnitus vorliegt. Etwa 99 % der Betroffenen leiden an subjektivem Tinnitus. Bei dieser Art können die Ohrgeräusche ausschließlich von den Betroffenen selbst wahrgenommen werden, während sie beim objektiven Tinnitus unter bestimmten Umständen auch durch den Arzt hörbar sind. Darüber hinaus wird der Tinnitus nach der Dauer des Auftretens eingeteilt. Von einem akuten Tinnitus spricht man, wenn die Ohrgeräusche plötzlich einsetzen, erst seit kurzer Zeit bestehen und zeitlich begrenzt sind. In vielen Fällen verschwindet der akute Tinnitus von selbst wieder. Halten die Ohrgeräusche jedoch mindestens drei Monate an, wird dies als chronisch-komplexer Tinnitus bezeichnet. Die Unterscheidung zwischen akutem und chronischem Tinnitus ist entscheidend für die Entwicklung einer geeigneten Strategie zur Linderung der Symptome und zur Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können den Verlauf des Tinnitus positiv beeinflussen.

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Symptome von Tinnitus

Die Symptome von Tinnitus können sich sehr unterschiedlich äußern. Sie reichen von Rauschen, Pfeifen, Klopfen oder Brummen im Ohr bis hin zu Ohrensausen. Oft geht ein Tinnitus auch mit einer Hörminderung einher.

  • Ohrgeräusche: Typischerweise treten unangenehme Ohrgeräusche wie Rauschen, Pfeifen, Piepen, Brummen, Klopfen, Pochen oder Ohrensausen auf.
  • Geräuschempfindlichkeit: Zusätzlich zum Tinnitus kann eine gesteigerte Geräuschempfindlichkeit (Hyperakusis) auftreten, die die Belastung für die Betroffenen verstärkt.
  • Begleitsymptome: Außerdem können Begleitsymptome wie Schwindel, Schlafstörungen, Stimmungstiefs oder Konzentrationsstörungen hinzukommen.
  • Pulssynchroner Tinnitus: Eine besondere Ausprägung ist der pulssynchrone Tinnitus, der sowohl einseitig als auch beidseitig auftreten kann. Ein pulssynchroner Tinnitus wird oft als ein rhythmisches Geräusch beschrieben, das mit dem eigenen Puls oder Herzschlag synchronisiert ist. Dieses pulsierende Geräusch kann wie ein Pochen, Klopfen oder rhythmisches Rauschen wahrgenommen werden.

Diagnose von Tinnitus

Die Diagnose der Ursache für Vibrationen im Ohr ist entscheidend für eine wirksame Behandlung. Zunächst wird ein umfassender Hörtest durchgeführt, um die Hörfähigkeit zu bewerten und mögliche Hörprobleme zu identifizieren. Bildgebende Verfahren wie MRT oder CT-Scans können strukturelle Anomalien oder neurologische Ursachen aufdecken. Audiometrie und Tympanometrie sind weitere wichtige Tests, die die Beweglichkeit des Trommelfells und den Luftdruck im Mittelohr messen. Eine gründliche Untersuchung durch einen Facharzt ist unerlässlich, um die genaue Ursache der Vibrationen zu bestimmen und eine geeignete Behandlung zu planen.

  • Audiometrie: Ein grundlegender Hörtest, bei dem die Hörfähigkeit einer Person in verschiedenen Frequenzbereichen gemessen wird. Dieser Test kann helfen, Hörverlust oder andere Hörprobleme zu diagnostizieren.
  • Tympanometrie: Misst die Reaktion des Trommelfells auf Druckveränderungen. Kann Mittelohrprobleme geben, die Vibrationen im Ohr verursachen könnten.
  • MRT (Magnetresonanztomographie): Ein bildgebendes Verfahren, das hochauflösende Bilder zu erzeugen. Kann Gefäßanomalien und Entzündungen zu identifizieren.
  • CT-Scan (Computertomographie): Ein bildgebendes Verfahren, das Querschnittsbilder zu erstellen. Kann strukturelle Probleme im Ohr zu erkennen, die Vibrationen verursachen könnten.
  • Magnetenzephalografie (MEG): Mittels Magnetenzephalografie (MEG) lassen sich magnetische Signale aufzeichnen, die durch die Aktivität von Nervenzellen im Gehirn entstehen. Darüber hinaus testen die Forschenden das Hörvermögen der Teilnehmenden und erfassen die spezielle Art des Tinnitus.

Behandlungsmöglichkeiten von Tinnitus

Es gibt verschiedene Ansätze der Tinnitus Behandlung, die von der Identifizierung und Behandlung der zugrunde liegenden Ursachen bis hin zur Linderung der Symptome reichen. Die Wahl der Behandlungsmethode hängt dabei von der Ursache und Schwere des Tinnitus ab. Nach medizinischer Diagnostik ist oft eine multidisziplinäre, also fachlich kombinierte Herangehensweise sinnvoll. Zu den Behandlungsmöglichkeiten zählen eine Hörgeräteversorgung sowie auch eine Beratung zum Stressabbau, etwa durch Entspannungsverfahren und regelmäßigen Sport. Bei Auftreten von psychischen Beeinträchtigungen wie Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, innerer Unruhe oder depressiven Symptomen kann eine Tinnitus-Bewältigungstherapie (TBT, früher Tinnitus-Retraining-Therapie) mit psychotherapeutischer Unterstützung eingeleitet werden.

  • Medikamentöse Therapie: Je nach Ursache können Medikamente wie ACE-Hemmer oder Kalziumantagonisten eingesetzt werden, um die Symptome zu lindern. In einigen Fällen können Antidepressiva verschrieben werden, um die Symptome von Tinnitus zu lindern, insbesondere wenn Stress oder Angst eine Rolle spielen.
  • Chirurgische Eingriffe: In einigen Fällen kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein, um strukturelle Probleme zu beheben. Die Tympanoplastik ist ein chirurgischer Eingriff zur Reparatur des Trommelfells. Eine Stapedektomie ist ein chirurgischer Eingriff zur Entfernung und Ersetzung des Steigbügels, eines kleinen Knochens im Mittelohr. In Fällen von pulsierendem Tinnitus, der durch Gefäßanomalien verursacht wird, kann eine Gefäßchirurgie erforderlich sein, um die Anomalie zu korrigieren und die Symptome zu lindern.
  • Entspannungstechniken und Stressmanagement: Stress kann Vibrationen im Ohr verstärken. Entspannungstechniken und Stressmanagement können helfen, die Symptome zu reduzieren. Techniken wie progressive Muskelentspannung, Atemübungen und Meditation können helfen, den Stress zu reduzieren und die Symptome von Tinnitus zu lindern.
  • Kognitive Verhaltenstherapie (CBT): Kann helfen, negative Gedanken und Verhaltensweisen zu ändern, die den Stress verstärken und die Symptome von Tinnitus verschlimmern. CBT unterstützt dabei, die emotionale Reaktion auf Tinnitus zu verändern und Strategien zur Bewältigung der Symptome zu entwickeln.
  • Biofeedback: Ist eine Technik, bei der Patienten lernen, ihre physiologischen Funktionen zu kontrollieren, um Stress zu reduzieren und die Symptome von Tinnitus zu lindern.
  • Tinnitus-Retraining-Therapie: Hilft dem Gehirn, die Ohrgeräusche zu ignorieren.
  • Hörgeräte: Können bei Tinnitus in Verbindung mit Hörverlust helfen, die Symptome zu lindern.
  • Physiotherapie und manuelle Therapie: Bei Tinnitus, der durch Nackenverspannungen oder CMD verursacht wird, kann Physiotherapie helfen. Durch gezielte Übungen werden die Muskeln entspannt und die Durchblutung verbessert.

Was kann man selbst gegen Ohrrauschen tun?

Neben professionellen Behandlungen gibt es auch Maßnahmen, die du selbst ergreifen kannst, um deine Symptome zu lindern:

  • Stressreduktion und Entspannungstechniken: Stress verschlimmert Tinnitus oft. Techniken wie Yoga, Meditation oder Atemübungen können helfen, Stress abzubauen und die Symptome zu lindern.
  • Veränderungen im Lebensstil: Eine gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung können das allgemeine Wohlbefinden verbessern und Tinnitus reduzieren.
  • Vermeidung von Lärm und Ohrenschutz: Schütze deine Ohren vor lauten Geräuschen, indem du Ohrstöpsel trägst oder laute Umgebungen meidest.

Wann sollte man bei Ohrgeräuschen zum Arzt?

Es ist wichtig, einen Arzt aufzusuchen, wenn Vibrationen im Ohr plötzlich auftreten, anhalten oder von anderen Symptomen wie Hörverlust, Schwindel oder Schmerzen begleitet werden. Ein Facharzt kann die genaue Ursache der Vibrationen feststellen und eine geeignete Behandlung empfehlen. Wenn Sie über längere Zeit starken Geräuschen ausgesetzt waren oder eine Ohrverletzung erlitten haben, sollten Sie ebenfalls einen Arzt konsultieren. Bei Verdacht auf eine Infektion oder eine strukturelle Anomalie im Ohr ist eine ärztliche Untersuchung unerlässlich.

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Prävention von Tinnitus

Präventiv, um einem Rauschen im Kopf vorzubeugen, lassen sich allgemeine Empfehlungen für eine seelische und körperliche Gesundheit geben. Diese könnten beispielsweise folgende Verhaltensweisen umfassen:

  • Ausreichend zu schlafen (mind. 6h pro Nacht im Erwachsenenalter)
  • Ruhe- und Entspannungszeiten einzuplanen
  • Stress geringzuhalten
  • Sich gesund und abwechslungsreich zu ernähren
  • Regelmäßig zu bewegen oder sportlich aktiv sein
  • In soziale Kontakte zu gehen
  • Freizeitaktivitäten zu finden
  • Aufenthalte im (strahlungsarmen) Tageslicht
  • Zeit an frischer Luft (möglichst schadstoffarmer) zu verbringen
  • Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen
  • Substanzen mit Abhängigkeitspotenzial zu meiden
  • Konflikte zeitnah zu klären
  • Für sich selbst sinnerfüllenden Tätigkeiten nachzugehen

Forschung zu Tinnitus

Eine Forschungsgruppe der Neurochirurgischen Klinik des Uniklinikums Erlangen untersucht, welche Prozesse im Gehirn dafür verantwortlich sind, dass akut auftretende Ohrgeräusche chronisch werden, und sucht für ihre Studien noch Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Forschenden verfolgen verschiedene Ansätze, um Risikofaktoren für die Entwicklung von Tinnitus zu identifizieren und neurophysiologische Prozesse aufzudecken, die eine Chronifizierung von Ohrengeräuschen begünstigen. In den beiden Studien konzentrieren sie sich deshalb auf auditive und vor allem auch auf nichtauditive Abläufe, die die Klang- und Phantomwahrnehmung bei Tinnituspatientinnen und ‑patienten beeinflussen.

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