Die Bundeswehr bietet ihren Soldatinnen und Soldaten sowie zivilen Patientinnen und Patienten eine umfassende neurologische Versorgung. Diese umfasst das gesamte Spektrum der Diagnostik und Therapie neurologischer Erkrankungen. Im Folgenden werden die verschiedenen Aspekte der neurologischen Untersuchung und Behandlung innerhalb der Bundeswehr detailliert beleuchtet.
Neurologische Versorgung in Bundeswehrkrankenhäusern
Die Bundeswehr unterhält mehrere Krankenhäuser, die eine spezialisierte neurologische Versorgung anbieten. Zu diesen gehören unter anderem das Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz und das Bundeswehrkrankenhaus Hamburg und Ulm. Diese Kliniken bieten sowohl stationäre als auch ambulante Behandlungsmöglichkeiten an.
Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz
Die Klinik für Neurologie des Bundeswehrzentralkrankenhauses Koblenz deckt das gesamte Spektrum der Diagnostik und Therapie neurologischer Erkrankungen ab. Es werden sowohl Soldatinnen und Soldaten als auch zivile Patientinnen und Patienten aller Kassen stationär aufgenommen. Ambulant können Soldatinnen, Soldaten und Privatpatienten untersucht und behandelt werden.
Bundeswehrkrankenhaus Hamburg
Das Schlaflabor der Klinik IX Neurologie am Bundeswehrkrankenhaus Hamburg ist durch die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) akkreditiert.
Bundeswehrkrankenhaus Ulm
Die neurologische Abteilung des Bundeswehrkrankenhauses Ulm versorgt im stationären und ambulanten Bereich sowohl Soldaten als auch zivile Patienten. Als Haus der Maximalversorgung bietet sie ein breites Behandlungsspektrum neurologischer Krankheitsbilder. Auch Patienten mit schweren intensiv-überwachungspflichtigen Erkrankungen werden auf den Intensivstationen betreut.
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Diagnostische Möglichkeiten
Zur Diagnostik neurologischer Erkrankungen stehen in den Bundeswehrkrankenhäusern alle notwendigen technischen Verfahren zur Verfügung. Dazu gehören:
- Elektrophysiologische Untersuchungen: Diese umfassen Elektromyographie (EMG), Elektroneurographie (ENG), evozierte Potentiale (EP) und Elektroenzephalographie (EEG). Diese Untersuchungen dienen der Darstellung der Muskelfunktion und der Nervenleitung einschließlich Rückenmark und Gehirn.
- Ultraschall: Leistungsfähige Ultraschallgeräte ermöglichen die Darstellung der Arterien, die das Gehirn mit Blut versorgen.
- Bildgebende Verfahren: Die Radiologie unterstützt mit hochwertigen bildgebenden Verfahren wie Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT). Auch CT/MR-Angiographien stehen zur Verfügung.
- Laboruntersuchungen: Ein chemisches Labor untersucht Nervenwasserproben selbstständig. Die Kooperation mit externen Laboren ermöglicht auch komplexe Fragestellungen.
- Neuropsychologische Testverfahren: Diese werden beispielsweise bei Gedächtnisstörungen auch computerunterstützt durchgeführt.
- Schlaflabor: In Schlaflaboren können nächtliche Anfälle und Schlafstörungen multidimensional aufgezeichnet und analysiert werden.
Behandlungsschwerpunkte
Die neurologischen Abteilungen der Bundeswehrkrankenhäuser decken ein breites Spektrum an neurologischen Erkrankungen ab. Besondere Schwerpunkte sind:
- Multiple Sklerose
- Schlaganfälle (außerhalb eines kritischen Interventionsfensters)
- Bewusstseinsstörungen einschließlich Epilepsie
- Neurokognitive Störungen, z.B. Demenzen
- Infektionen des Nervensystems
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Polyneuropathien und andere Erkrankungen des peripheren Nervensystems und der Hirnnerven
- Schlafstörungen
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Um eine optimale Betreuung der Patientinnen und Patienten zu gewährleisten, arbeiten die neurologischen Abteilungen interdisziplinär mit den vielen Fachabteilungen der jeweiligen Häuser zusammen. Für die Therapie neurologisch schwer erkrankter Patientinnen und Patienten besteht Expertise in spezieller neurologischer Intensivmedizin und eine enge Zusammenarbeit mit den interdisziplinären Intensivstationen.
Schlaganfallversorgung
Die Akutversorgung für Schlaganfallpatienten im Bundeswehrkrankenhaus Ulm findet nach dem sogenannten Stroke Unit Konzept statt. Hier beginnt die Versorgung schon in der Notfallaufnahme, wo innerhalb kürzester Zeit die Diagnostik abgeschlossen und eine spezifische Therapie (Thrombolysebehandlung) oder lokale Lyse durch einen Neuroradiologen begonnen werden kann. Eine Weiterversorgung findet dann interdisziplinär zuerst auf der internistischen Intensivstation statt, nach Stabilisierung des Patienten erfolgt dann die Verlegung zur Abklärung der zugrundeliegenden Ursache und zur Einleitung erster rehabilitativer Maßnahmen in die Neurologische Abteilung.
Rehabilitative Maßnahmen
Zur optimalen Weiterbehandlung bieten die Kliniken stationär unter anderem Ergotherapie, Physiotherapie und physikalische Therapien als rehabilitative Maßnahmen an.
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Fachärztliche Untersuchungsstelle/Ambulanz
In den fachärztlichen Untersuchungsstellen bzw. Ambulanzen werden sowohl ambulante als auch stationäre Patientinnen und Patienten mit neurologischen Begleiterkrankungen versorgt. Bei Bedarf können die Patientinnen und Patienten meist noch am selben Termin im Anschluss an Anamnese und körperliche Untersuchung mit moderner neurophysiologischer Diagnostik untersucht werden.
Zugang zur neurologischen Versorgung
Soldatinnen und Soldaten werden bei der Terminvergabe bevorzugt behandelt. Kassenpatientinnen und -patienten benötigen für eine prästationäre Untersuchung zur Abklärung der Notwendigkeit einer stationären Therapie eine Krankenhauseinweisung der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes. Privatversicherte Personen können sich ohne Einweisung oder Überweisung zur ambulanten Behandlung anmelden.
Aus-, Fort- und Weiterbildung
Die neurologischen Kliniken der Bundeswehr betreiben umfangreiche Aus-, Fort- und Weiterbildung im ärztlichen, pflegerischen und fachlich-assistierenden Bereich. Die Klinik in Hamburg verfügt über eine Weiterbildungsbefugnis von 36 Monaten. In Kooperation mit dem Zentrum für seelische Gesundheit und dem Universitätsklinikum Eppendorf besteht volle Weiterbildungsbefugnis für Neurologie. Eine weitere Befugnis besteht für die Zusatzbezeichnung Schlafmedizin. Es werden auch externe Ärztinnen und Ärzte elektrophysiologisch ausgebildet. Ebenfalls werden Famulaturen und PJ-Tertiale für Medizinstudierende angeboten.
Einsatzmöglichkeiten für Reservistinnen und Reservisten
In einem Sanitätsunterstützungszentrum oder einem Sanitätsversorgungszentrum werden alle Qualifikationen benötigt, wie sie auch im Zivilen in der hausärztlichen und fachärztlichen Versorgung zu finden sind. Dazu gehören Fachärztinnen/Fachärzte für Neurologie.
Zentrum für Sportmedizin der Bundeswehr Warendorf
Das Zentrum für Sportmedizin der Bundeswehr (ZSportMedBw) in Warendorf nimmt eine Sonderrolle ein. Es ist die zentrale Untersuchungs-, Beratungs-, Behandlungs- und Ausbildungsstelle auf dem Gebiet der Sportmedizin, Prävention und Rehabilitation. Hier werden auch Soldatinnen und Soldaten mit neurologischen Erkrankungen behandelt, insbesondere solche, die im Einsatz an Körper oder Seele verwundet wurden oder im Dienst oder im Privatleben schwer verletzt wurden.
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Funktionsbereiche des ZSportMedBw
- Innere Medizin: Internistisch-sportmedizinische Gesundheitsuntersuchung und Leistungsdiagnostik.
- Orthopädie: Untersuchung, Beratung und Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Verletzungen und chronischen Beschwerden sowie dauerhaften Funktionseinschränkungen am Bewegungsapparat.
- Physiotherapie: Umfassendes Spektrum der physikalischen Therapie, Krankengymnastik, manueller Therapie, Akupunktur, medizinischer Trainingstherapie und Aquatherapie.
- Sportmedizinische Ambulanz: Anlaufstelle für das Personal der Sportschule der Bundeswehr sowie der Lehrgangsteilnehmerinnen und -teilnehmer.
- Prävention/Rehabilitation: Präventivmedizinische Fragestellungen, Ernährungsberatung und individuelle Planung einer Sporttherapie.
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