Sekundärer Diabetes: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Diabetes mellitus ist eine weit verbreitete Erkrankung, die Menschen jeden Alters betrifft. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass es verschiedene Arten von Diabetes gibt, die jeweils unterschiedliche Ursachen und Behandlungsansätze erfordern. Neben den bekannten Typen 1 und 2 gibt es auch sekundäre Diabetesformen, die als Folge anderer Erkrankungen oder bestimmter Medikamente entstehen können. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze von sekundärem Diabetes, insbesondere im Hinblick auf das Nervensystem.

Was ist sekundärer Diabetes?

Sekundärer Diabetes, auch bekannt als Typ-3-Diabetes oder "sonstige Diabetes-Typen", umfasst alle Formen der Zuckerkrankheit, die nicht unter Typ 1 oder Typ 2 fallen. Diese Kategorie beinhaltet seltene Diabetesformen, die durch Mischungen verschiedener Merkmale gekennzeichnet sind. Im Gegensatz zu Typ-1-Diabetes, bei dem das Immunsystem die Insulin produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört, und Typ-2-Diabetes, der durch Insulinresistenz und unzureichende Insulinproduktion gekennzeichnet ist, entsteht sekundärer Diabetes als Folge anderer zugrunde liegender Erkrankungen, genetischer Defekte, Medikamente oder Infektionen.

Ursachen von sekundärem Diabetes

Die Ursachen für sekundären Diabetes sind vielfältig und können in folgende Kategorien eingeteilt werden:

Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse

Schädigungen oder Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) können die Insulinproduktion beeinträchtigen und zu Diabetes führen. Dazu gehören:

  • Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis): Entzündungen der Bauchspeicheldrüse können die Insulin produzierenden Zellen schädigen.
  • Bauchspeicheldrüsenkrebs: Tumore in der Bauchspeicheldrüse können die normale Funktion des Organs beeinträchtigen.
  • Mukoviszidose: Diese genetische Erkrankung kann zu einer Schädigung der Bauchspeicheldrüse und einer Beeinträchtigung der Insulinproduktion führen.
  • Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit): Eine übermäßige Ansammlung von Eisen im Körper kann die Bauchspeicheldrüse schädigen.
  • Verletzungen der Bauchspeicheldrüse: Unfälle oder Operationen, bei denen die Bauchspeicheldrüse verletzt wird, können zu Diabetes führen.

In diesen Fällen ist vor allem die Insulinsekretion betroffen und das klinische Bild ähnelt einem Typ-1-Diabetes.

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Hormonelle Störungen

Hormonelle Ungleichgewichte, bei denen entweder die Produktion oder die Wirksamkeit von Hormonen gestört ist, können den Zuckerstoffwechsel beeinflussen und Diabetes verursachen. Beispiele hierfür sind:

  • Überproduktion von Kortisol (Hyperkortisolismus): Kortisol wirkt kontrainsulinär und hemmt die Glukoseaufnahme in periphere Gewebe. Außerdem trägt es zu einer gesteigerten Glukoneogenese in der Leber bei.
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose): Eine Schilddrüsenüberfunktion kann die Insulinempfindlichkeit verschlechtern und die hepatische Glukoneogenese steigern.
  • Akromegalie: Eine Überproduktion von Wachstumshormon wirkt kontrainsulinär und führt zu einer verminderten Glukoseverwertung.
  • Tumore an der Bauchspeicheldrüse oder dem Darm: Diese Tumore können Hormone produzieren, die den Blutzuckerspiegel beeinflussen.
  • Männlicher Hypogonadismus: Ein Testosteronmangel kann zu einer Abnahme der Muskelmasse und einer Zunahme der Insulinresistenz führen.

Medikamente

Bestimmte Medikamente oder Giftstoffe können sich ungünstig auf den Zuckerstoffwechsel auswirken und das Risiko für Diabetes erhöhen. Dazu gehören:

  • Kortison-Präparate: Glukokortikoide wirken kontrainsulinär und können die Glukoseaufnahme in periphere Gewebe hemmen.
  • Betablocker: Diese Medikamente können die Insulinsekretion beeinträchtigen.
  • Immunsuppressiva: Einige Immunsuppressiva können die Insulinresistenz erhöhen.
  • Antipsychotika (Neuroleptika): Diese Medikamente können den Blutzuckerspiegel erhöhen.
  • Diuretika: Thiaziddiuretika können zu einer leichten Verschlechterung der Stoffwechsellage führen.
  • Statine: Eine Statintherapie ist mit einem geringen Risiko für sekundären Diabetes verbunden.
  • Immun-Checkpoint-Inhibitoren: Unter der Therapie mit einigen Immunmodulatoren können Autoimmunphänomene auftreten, bei denen ein dem Typ-1-Diabetes ähnliche Diabetesform entsteht.
  • Proteaseinhibitoren zur HIV-Therapie und Somatostatin-Analoga.

Oft bildet sich der Diabetes wieder zurück, wenn die Medikamente nicht mehr eingenommen werden. In manchen Fällen können die Medikamente jedoch auch die insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse zerstören, wodurch der Diabetes dauerhaft bestehen bleibt.

Genetische Defekte

Verschiedene monogene Erbkrankheiten können Diabetes begünstigen oder auslösen. Dazu gehören:

  • MODY-Diabetes (Maturity Onset Diabetes of the Young): Hierbei handelt es sich um eine Gruppe vererbbarer Diabetesformen, die selten auftreten und in der Regel zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr bemerkbar machen. Die Ursache ist eine Veränderung einzelner Gene, die Störungen in den insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse bewirkt.
  • Chromosomen-Anomalien: Chromosomen-Anomalien wie das Down-Syndrom oder das Klinefelter-Syndrom können Diabetes auslösen.
  • Basenpaar-Wiederholungs-Syndrome: Basenpaar-Wiederholungs-Syndrome wie die Friedreich-Ataxie oder die Huntington-Krankheit können Diabetes verursachen.
  • Erkrankungen des endoplasmatischen Retikulums: Erkrankungen des endoplasmatischen Retikulums wie das Wolfram-Syndrom können Diabetes verursachen.
  • Erkrankungen des Fettgewebes: Lipodystrophien können seltene Ursachen eines Diabetes sein.
  • Adipositas-Syndrome: Personen mit einem schweren Adipositas-Syndrom, wie dem Bardet-Biedl- oder dem Prader-Willi-Syndrom, entwickeln häufig durch starkes Übergewicht zunächst eine Insulinresistenz und später einen Typ-2-Diabetes.

Infektionen

Es gibt mehrere Viren, die mit Diabetes in Verbindung gebracht werden. Studien deuten darauf hin, dass das Risiko für Diabetes nach bestimmten Infektionen erhöht ist. Zu den Viren, die in seltenen Fällen zu Diabetes führen können, gehören:

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  • Hepatitis-Viren
  • Mumps- und Röteln-Virus
  • Coxsackie-Viren

Es wird auch diskutiert, dass Atemwegsinfektionen bei Kleinkindern in den ersten Lebensjahren das Risiko für Typ-1-Diabetes erhöhen könnten.

Seltene Formen des autoimmunvermittelten Diabetes

Ein autoimmunvermittelter Diabetes kann sich in seltenen Fällen durch das "Stiff-Person"-Syndrom oder durch sogenannte "Anti-Insulinrezeptor-Antikörper" entwickeln.

Symptome von sekundärem Diabetes

Die Symptome von sekundärem Diabetes können je nach Ursache und Schweregrad der Erkrankung variieren. Einige häufige Symptome sind:

  • Häufiges Wasserlassen (Polyurie): Insbesondere nachts ist der Harndrang besonders stark.
  • Starker Durst (Polydipsie): Der Körper versucht, den durch die Polyurie auftretenden Flüssigkeitsverlust auszugleichen.
  • Unerklärlicher Gewichtsverlust: Trotz normalem oder gesteigertem Appetit nimmt das Gewicht ab, weil dem Körper Energie fehlt.
  • Müdigkeit und Schwäche: Ohne Zucker in den Zellen fehlt Kraft - Muskeln und Gehirn leiden.
  • Verschwommenes Sehen: Hohe Blutzuckerwerte lassen die Linse im Auge anschwellen.
  • Erhöhte Infektanfälligkeit: Z. B. Pilzinfektionen der Haut oder schlecht heilende Wunden.
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Füßen (Polyneuropathie): Durch einen dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel treten mit der Zeit deutliche Schäden am peripheren Nervensystem auf.
  • Erektionsstörungen: Bei männlichen Senioren können durch unbehandelten Diabetes Erektionsstörungen auftreten.
  • Heißhungerattacken: Treten plötzlich aus unerfindlichen Gründen bei einem zu betreuenden alten Menschen Heißhungerattacken auf, kann das ebenfalls für eine Diabetes-Erkrankung sprechen.
  • Schlechte Wundheilung: Von Diabetes betroffene geriatrische Patienten sind äußerst anfällig für Hautinfektionen und zeigen zudem eine deutlich schlechtere Wundheilung.

Es ist wichtig zu beachten, dass einige Symptome, wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen oder Leistungsschwäche, bei älteren Menschen oft auf das Alter geschoben und nicht mit Diabetes in Verbindung gebracht werden. Daher ist es wichtig, alle auftretenden Symptome im Zusammenhang zu betrachten.

Auswirkungen von Diabetes auf das Nervensystem

Ein schlecht eingestellter oder unbehandelter Diabetes kann schwerwiegende Auswirkungen auf das Nervensystem haben. Zu den häufigsten Komplikationen gehören:

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  • Diabetische Polyneuropathie: Dies ist eine der häufigsten Komplikationen von Diabetes und betrifft die peripheren Nerven. Symptome sind Kribbeln, Taubheitsgefühl, Schmerzen und Muskelschwäche, insbesondere in den Füßen und Beinen.
  • Autonome Neuropathie: Diabetes kann auch das autonome Nervensystem schädigen, das für die Steuerung unwillkürlicher Körperfunktionen wie Herzfrequenz, Blutdruck, Verdauung und Blasenfunktion zuständig ist. Dies kann zu einer Vielzahl von Problemen führen, darunter Herzrhythmusstörungen, Verdauungsstörungen, orthostatische Hypotonie (Blutdruckabfall beim Aufstehen) und sexuelle Dysfunktion.
  • Erhöhtes Risiko für Schlaganfall: Diabetes erhöht das Risiko für Schlaganfälle, da hohe Blutzuckerwerte die Blutgefäße schädigen und die Bildung von Blutgerinnseln fördern können.
  • Kognitive Beeinträchtigung: Studien haben gezeigt, dass Diabetes mit einem erhöhten Risiko für kognitive Beeinträchtigungen und Demenz verbunden ist.

Diagnose von sekundärem Diabetes

Die Diagnose von sekundärem Diabetes erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus Anamnese, körperlicher Untersuchung und Labortests. Zu den wichtigsten diagnostischen Kriterien gehören:

  • Nüchternblutzucker: Ein Wert von 126 mg/dl (7,0 mmol/l) oder höher deutet auf Diabetes hin.
  • HbA1c-Wert: Ein Wert von 6,5 % oder höher zeigt den durchschnittlichen Blutzucker der letzten 2-3 Monate an.
  • Oraler Glukosetoleranztest (OGTT): Zwei Stunden nach Glukosetrunk ≥ 200 mg/dl.

In Zweifelsfällen oder bei Verdacht auf spezielle Diabetesformen können weitere Tests durchgeführt werden, z. B.:

  • Antikörpertests: Zum Nachweis von Typ 1
  • C-Peptid-Bestimmung: Gibt Auskunft über die eigene Insulinproduktion
  • Genanalysen: Bei Verdacht auf MODY

Es ist wichtig, die zugrunde liegende Ursache des sekundären Diabetes zu identifizieren, um die bestmögliche Behandlung zu gewährleisten.

Behandlung von sekundärem Diabetes

Die Behandlung von sekundärem Diabetes richtet sich nach der Ursache des Diabetes und schließt bei organspezifischen Ursachen die Therapie der Grunderkrankung mit ein. Hier ist oft eine interdisziplinäre Zusammenarbeit notwendig, um für den Patienten ein optimales Behandlungsergebnis zu erreichen.

Zu den wichtigsten Behandlungsstrategien gehören:

Behandlung der Grunderkrankung

Die Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung, die den Diabetes verursacht, ist von entscheidender Bedeutung. Beispielsweise kann die Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion oder die Entfernung eines Tumors die Blutzuckerwerte verbessern.

Lebensstiländerungen

Eine gesunde Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität und Gewichtsabnahme können dazu beitragen, den Blutzuckerspiegel zu senken und die Insulinempfindlichkeit zu verbessern. Die optimale Ernährung für Diabetes-Patienten besteht zu 50 bis 55 % aus Kohlenhydraten, 30 bis 35 % Fett und 10 bis 15 % Eiweiß. In der Regel ist keine besondere Diabetes Diät notwendig. Trotzdem sollte vor allem bei stark übergewichtigen Senioren das Körpergewicht langsam reduziert werden, indem die Kalorienzufuhr langsam heruntergeregelt wird.

Medikamentöse Therapie

In vielen Fällen ist eine medikamentöse Therapie erforderlich, um den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren. Dazu gehören:

  • Insulin: Insulin ist oft notwendig, um den Blutzuckerspiegel bei sekundärem Diabetes zu senken, insbesondere wenn die Bauchspeicheldrüse nicht mehr ausreichend Insulin produzieren kann. Es gibt verschiedene Arten von Insulin, darunter langwirksames Insulin, das den Grundbedarf abdeckt, und kurzwirksames Insulin, das zu den Mahlzeiten gespritzt wird.
  • Orale Antidiabetika: Es gibt verschiedene orale Antidiabetika, die auf unterschiedliche Weise wirken, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Dazu gehören Metformin, Sulfonylharnstoffe, Glitazone, DPP-4-Inhibitoren, GLP-1-Rezeptoragonisten und SGLT-2-Hemmer. Metformin ist gemäß vieler aktueller Leitlinien das Präparat der ersten Wahl, wenn eine Änderung des Lebensstils nicht ausreicht, um das Therapieziel zu erreichen.
  • Pankreasenzyme: Bei Patienten mit pankreoprivem Diabetes ist eine bedarfsgerechte orale Substitution von Pankreasenzymen wichtig, um die Stoffwechseleinstellung zu optimieren.

Überwachung des Blutzuckerspiegels

Eine regelmäßige Überwachung des Blutzuckerspiegels ist unerlässlich, um die Wirksamkeit der Behandlung zu beurteilen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen. Dies kann durch Blutzuckermessungen zu Hause oder durch kontinuierliche Glukosemesssysteme (CGM) erfolgen.

Behandlung von Komplikationen

Es ist wichtig, Komplikationen von Diabetes frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Dazu gehören regelmäßige Untersuchungen auf diabetische Polyneuropathie, autonome Neuropathie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenerkrankungen und Augenerkrankungen.

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