Ein sekundärer Hirntumor entsteht, wenn sich Krebszellen aus einem anderen Organ im Gehirn ansiedeln und dort Metastasen bilden. Im Gegensatz zu primären Hirntumoren, die direkt im Gehirn entstehen, sind sekundäre Hirntumoren immer bösartig, da sie von bösartigen Krebserkrankungen abstammen. Dieser Artikel beleuchtet die Prognose, Diagnose und Behandlungsansätze für sekundäre Hirntumoren, wobei besonderes Augenmerk auf dem Glioblastom liegt, einer häufigen und aggressiven Form von Hirntumoren.
Was ist ein Glioblastom?
Das Glioblastom ist ein bösartiger Hirntumor, der zu den Gliomen gehört und von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dem Grad IV zugeordnet wird, dem höchsten Schweregrad. Es ist die häufigste Form der Gliome und der häufigste primäre bösartige Hirntumor bei Erwachsenen. Glioblastome entstehen aus Gliazellen, den Stützzellen des zentralen Nervensystems.
Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Glioblastomen:
- Primäres Glioblastom: Entsteht direkt aus gesunden Gliazellen und betrifft vorwiegend ältere Menschen im sechsten bis siebten Lebensjahrzehnt.
- Sekundäres Glioblastom: Entwickelt sich aus einem bereits bestehenden, weniger aggressiven Hirntumor (Astrozytom Grad II oder III) und stellt das Endstadium einer länger verlaufenden Tumorerkrankung dar. Betroffene sind meist zwischen 40 und 60 Jahre alt.
Häufigkeit von Glioblastomen
In Deutschland erkranken jährlich etwa 4.800 Menschen an einem Glioblastom. Studien geben die Häufigkeit mit 5 bis 7 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner an. Männer sind etwa 1,6-mal häufiger betroffen als Frauen. Glioblastome machen ca. 80 Prozent aller bösartigen Gehirntumoren aus und etwa 10 Prozent aller Hirntumoren (gutartige und bösartige).
Symptome eines Glioblastoms
Oft verursacht ein Glioblastom über lange Zeit keine erkennbaren Symptome, bis es plötzlich zu Beschwerden kommt, die sich rasch verschlimmern. Bei der Diagnosestellung hat der Tumor häufig bereits einen Durchmesser von 2 cm oder mehr. Die Symptome sind vielfältig und hängen von der betroffenen Hirnregion ab.
Lesen Sie auch: Sekundärer Diabetes: Ein umfassender Überblick
Mögliche Symptome sind:
- Häufige und starke Kopfschmerzen, besonders nachts und morgens
- Übelkeit und Erbrechen
- Gleichgewichtsstörungen, Schwindelgefühle
- Benommenheit, Ohnmacht
- Vergesslichkeit, Konzentrationsschwäche, mangelnde Aufmerksamkeit und Denkstörungen
- Epileptische Anfälle
- Koordinationsstörungen
- Lähmungserscheinungen
- Empfindungsstörungen bei Berührung, Kälte oder Hitze
- Störungen beim Sehen, Hören, Sprechen, Schlucken
- Veränderungen der Persönlichkeit, Aggressivität, Antriebslosigkeit, Ängstlichkeit, Desorientierung
- Müdigkeit und allgemeine Abgeschlagenheit (Fatigue-Syndrom)
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen für die Entstehung von Glioblastomen sind weitgehend unbekannt.
Als gesicherter Risikofaktor gilt eine frühere Bestrahlung des Kopfes mit ionisierender Strahlung, beispielsweise durch Röntgen oder im Rahmen einer Strahlentherapie. Ein möglicher Einfluss von Radiofrequenzstrahlung durch mobile Telefone und Mobilfunknetze wird diskutiert, ist aber bislang nicht belegt.
In seltenen Fällen können genetische Faktoren eine Rolle spielen, insbesondere bei bestimmten Erbkrankheiten wie dem Li-Fraumeni-Syndrom oder dem Turcot-Syndrom. Familiäre Vererbung als Glioblastom-Ursache spielt jedoch nach Ansicht der Fachleute praktisch keine Rolle.
Diagnose von Glioblastomen
Bei Verdacht auf ein Glioblastom sind bildgebende Verfahren von großer Bedeutung.
Lesen Sie auch: Parkinson: Primär oder sekundär?
- Magnetresonanztomografie (MRT): Das wichtigste diagnostische Verfahren, um den Hirntumor nachzuweisen und seine Größe, Lage und Ausdehnung zu beurteilen.
- Computertomografie (CT): Kann als Alternative zur MRT eingesetzt werden, insbesondere in Notfallsituationen.
- Magnetresonanzspektroskopie (MRS): Dient dazu, den Stoffwechsel im erkrankten Hirngewebe zu untersuchen und Glioblastome von anderen Tumorarten zu unterscheiden.
- Positronen-Emissions-Tomografie (PET): Macht Bereiche des Gehirns mit erhöhter Stoffwechselrate sichtbar und erleichtert die Therapieplanung.
- Biopsie: Eine Gewebeentnahme (Biopsie) sichert die Diagnose endgültig und ermöglicht die Bestimmung der Gewebeeigenschaften und des MGMT-Promotor-Methylierungsstatus, der für die Therapieplanung von Bedeutung ist.
Behandlung von Glioblastomen
Die Behandlung von Glioblastomen kombiniert in der Regel die operative Entfernung des Tumors (Resektion) mit Strahlen- und Chemotherapie. Ziel ist es, den Tumor so weit wie möglich zu entfernen, das Wachstum zu verlangsamen und die Lebenserwartung zu verlängern. Eine Heilung ist derzeit jedoch nicht möglich.
- Operation: Die Operation sollte schnellstmöglich nach der Diagnosestellung erfolgen. Je vollständiger die Entfernung, desto besser sind die Aussichten für die verbleibende Lebenserwartung. Bei der Resektion können Fluoreszenzfarbstoffe wie 5-ALA eingesetzt werden, um die Wahrscheinlichkeit einer makroskopischen Komplettresektion zu erhöhen.
- Strahlentherapie: Nach der Operation folgt standardmäßig eine Strahlentherapie, um verbliebene Tumorzellen zu zerstören. Die Strahlentherapie dauert in der Regel mindestens 6 Wochen, mit Bestrahlungen bis zu 5-mal pro Woche. Moderne Strahlentherapie zielt darauf ab, krankes Gewebe zu zerstören und gesundes Gewebe zu schonen. Eine moderne und schonende Verfahren ist die Protonentherapie.
- Chemotherapie: Die Glioblastom-Behandlung wird meist durch eine Chemotherapie ergänzt, um das Wachstum der Krebszellen zu hemmen. Temozolomid ist das Standard-Therapeutikum in der Glioblastom-Chemotherapie. Oft werden Strahlentherapie und Chemotherapie gleichzeitig begonnen (Radiochemotherapie nach dem Stupp-Schema).
- Tumortherapie-Felder (TTF): Ergänzend zur Radio-/Chemotherapie können Tumor-Therapie-Felder zum Einsatz kommen.
- Experimentelle Therapieansätze: In klinischen Studien werden derzeit verschiedene alternative Behandlungsansätze untersucht, um die medikamentöse Behandlung zu optimieren.
Prognose von Glioblastomen
Die Prognose bei einem Glioblastom ist trotz intensiver Therapie ungünstig. Ohne Therapie beträgt die mittlere Lebenserwartung etwa drei Monate. Bei bestmöglicher Therapie lässt sich diese Spanne auf bis zu zwei Jahre ausdehnen. Bis zu 10 Prozent der Menschen mit Glioblastom überleben sogar fünf Jahre und länger.
Verschiedene Faktoren verbessern die Prognose:
- Niedrigeres Lebensalter
- Besserer Allgemeinzustand
- Frühzeitige Entdeckung des Tumors
- Möglichst vollständige Entfernung des Tumors
- Operation ohne Komplikationen
- Keine neurologischen Ausfälle nach der OP
Es ist wichtig zu beachten, dass die Lebenserwartung und -qualität auch von individuellen Faktoren abhängen. Die Tumorzellen haben nicht bei jedem Betroffenen dieselben Eigenschaften, und einige lassen sich besser behandeln als andere. Auch die Verträglichkeit von Chemo- und Strahlentherapie ist individuell unterschiedlich.
Vorbeugung und Früherkennung
Der Entstehung eines Glioblastoms kann nicht vorgebeugt werden. Eine frühzeitige Erkennung der Erkrankung kann jedoch die Heilungsaussichten verbessern. Regelmäßige neurologische Untersuchungen und bildgebende Verfahren bei Verdacht auf einen Hirntumor sind daher wichtig.
Lesen Sie auch: Hirntumorbedingter Schlaganfall
Rehabilitation und Nachsorge
Auch ein erfolgreich behandelter Hirntumor kann Spätfolgen haben. Eine individuelle Rehabilitation und Nachsorge sind daher sehr wichtig, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und sie bei der Rückkehr in ihren Alltag zu unterstützen.
tags: #sekundarer #hirntumor #prognose