Cannondale Synapse Gabel Test: Eine Revolution in Sachen Ausdauer und Komfort

Cannondale hat mit dem komplett neu entwickelten Synapse das Ziel, an den Erfolg des Vorgängers anzuknüpfen und ihn zu übertreffen. Das Unternehmen spricht davon, den Begriff Ausdauer neu zu definieren. Das Rad wurde in der Toskana auf den Straßen der legendären "Strade Bianche" vorgestellt. Das Synapse beeindruckte besonders auf einer Testfahrt durch das Untere Saaletal nordwestlich von Halle, wo sowohl glatter Asphalt als auch raue Abschnitte und grobes Pflaster zu finden sind.

Der Rahmen und seine Besonderheiten

Das neue Synapse wird in zwei unterschiedlichen Carbon-Qualitäten angeboten. Das exklusive LAB71 Modell und das Synapse 1 kommen mit HI-MOD Carbon, bei dem durch besonders hochwertige Carbonfasern Material und somit auch Gewicht eingespart werden kann, ohne die Steifigkeit zu verringern. Auch eine günstige Version mit mechanischer Shimano 105 Gruppe ist im Angebot.

Der Rahmen des Synapse ist mit einem Staufach im Unterrohr ausgestattet. Dieses Staufach ermöglicht es, Werkzeug und ein Notfall-Kit unterzubringen. Der Akku ist über ein System im Rahmen integriert und kann einfach entnommen werden. Der Stromlieferant wird beim Einschieben an seine finale Position über einen integrierten Stecker automatisch mit dem „Bordnetz“ verbunden. Sowohl der „Deckel“ zur Öffnung des Staufaches selbst, als auch das verwendete Verschlusssystem machen einen soliden Eindruck.

Im Vergleich zum Vorgänger wurden die Kettenstreben um 10 mm und der Radstand um fast 40 mm bei Rahmengröße 54 verlängert. Die Sitzposition dürfte, der Ausrichtung als Endurance-Rennrad entsprechend, recht kommod ausfallen.

Die Gabel: Ein Schlüsselelement für Komfort und Laufruhe

Das konisch geformte Steuerrohr baut relativ hoch, was in Verbindung mit dem etwas kürzeren Oberrohr für eine aufrechtere Position auf dem Rad sorgt. Der Radstand selbst ist lang und garantiert in Kombination mit der eigenwillig geformten Gabel eine angenehme Laufruhe. Diese erinnert auf den ersten Blick etwas an die Gabel eines Steherrads. Der Grund für die negative Krümmung liegt in den damit verbundenen, besseren Dämpfungseigenschaften begründet. An diesen orientiert sich auch die Formgebung des Sattelrohres. Während dieses im oberen Bereich relativ breit ausfällt, spaltet es sich oberhalb des Tretlagers in zwei asymmetrische Streben auf. Zusammen mit dem BB30-Tretlager möchte Cannondale dadurch gleichermaßen ein hohes Maß an Steifigkeit und Flex gewährleisten. Die Amerikaner nennen diese Lösung Save+.

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Die Gabel des Synapse spielt eine entscheidende Rolle für den Fahrkomfort und die Laufruhe des Rades. Ihre eigenwillige Formgebung mit der negativen Krümmung ist nicht nur ein optisches Merkmal, sondern dient vor allem der Verbesserung der Dämpfungseigenschaften.

Ausstattung und Komponenten

Das Testmodell war sehr gut ausgestattet und gleicht fast bis ins Detail dem Peter Sagans. So findet sich beispielsweise eine komplette Sram Red montiert, in Verbindung mit einer kompakt gestuften Hollowgram-Kurbel von Cannondale und einer 10-fach Kassette mit 11 auf 25 Zähnen. Lenker und Vorbau stammen aus der SL-K-Reihe von FSA. Die Taiwaner liefern auch die eigens für den Rahmen hergestellte Stütze. Auf dieser befindet sich ein fi’zi:k Aliante.

Das Cannondale Smart Sense mit integrierter Beleuchtung und Radar-Warner ist schon vom Vorgänger Modell bekannt. Die US-Amerikaner haben ihre elektronischen Helfer jedoch umfangreich überarbeitet und erweitert. Diese Neuerung dürfte auch der Grund dafür sein, dass zunächst nur Ride Sense Modelle mit SRAM Schaltung angeboten werden. Laut Cannondale sind Shimano Di2 Gruppen aktuell nicht mit einer zentralen Stromversorgung über das Ride Smart System kompatibel. Die Synapse Carbon 3 Smart Sense und Synapse Carbon 2 Smart Sense Modelle sind zudem erst ab Mitte Juni erhältlich. Die Beleuchtung wird über den zentralen Smart Sense Akku mit Energie versorgt. Die Synapse Modelle mit Smart Sense sind bestens gerüstet für Fahrten in der Dunkelheit. Die neue Batterie hat eine Kapazität von 43,2 Wh und bietet die Möglichkeit unterwegs auch ein Smartphone oder andere Devices über einen USB-C-Port zu laden.

Die Stopper der Red XPLR AXS Gruppe setzen aktuell Maßstäbe und lassen hinsichtlich Modulation, Einstellbarkeit und Leistung wenig Wünsche offen.

Aerodynamik und Komfort

Ohne Aerodynamik geht im modernen Rennrad-Bau nur noch wenig. Wer von engagierten Radsportlern ernst genommen werden will, entwickelt seine neuen Räder so, dass sie neben all den anderen gewünschten Eigenschaften auch eine ordentliche aerodynamische Effizienz bieten. Dazu gehören nicht nur die Betrachtung aller Rohrformen, sondern auch eine weitestgehend mögliche Integration von Leitungen und Kabeln. So überrascht es wenig, dass am neuen Synapse höchstens noch Minikabel für die integrierte Bleuchtung an den Smart Sense Modellen zu sehen sind. Freilich ist das Synapse kein Aero-Rennrad, aber Cannondale hat die Aerodynamik bei allen Entwicklungsschritten mitgedacht und das neue Synapse damit deutlich schneller als den Vorgänger gemacht.

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Das Carbon-Layup wurde natürlich auch unter Komfort-Gesichtspunkten genau unter die Lupe genommen. Dank den Fortschritten bei der Konstruktion und Rahmenfertigung will Cannondale es geschafft haben, das neue Synapse „um 18 % komfortabler“ zu gestalten als den Vorgänger. Mit der auf 42 mm erhöhten Reifenfreiheit hat man zudem die Möglichkeit, mit sehr breiten Reifen und entsprechend niedrigen Luftdrücken an den Start zu gehen.

Das abgeflachte Sitzrohr gewährleistet gemeinsam mit dem Hinterbau und der D-förmigen Sattelstütze eine effektive Absorption von Fahrbahnunebenheiten. In den größeren Rahmengrößen wird eine abnehmbare Sitzstrebenbrücke genutzt. Auch die Reifenfreiheit ist beachtlich: Das Synapse der sechsten Generation ist vorne mit bis zu 48 mm breiten Reifen kompatibel, am Hinterrad sind bis zu 42 mm möglich. Dabei sind auf beiden Seiten noch mindestens 4 mm Luft. Nicht jedes Feature ist auf den ersten Blick vollständig ersichtlich: Die schlanke Stirnfläche des Steuerrohrs etwa wird erst durch den V-förmigen Delta-Gabelschaft möglich.

SmartSense System

Einige Ausstattungsvarianten des neuen Synapse sind ab Werk mit dem SmartSense-System der zweiten Generation ausgestattet. SmartSense ist ein Sicherheits-Ökosystem aus Front- und Rückleuchte, Radar und Smartphone-App. Der im StashPort untergebrachte Akku der zweiten Generation hat eine um mehr als 100 % erhöhte Kapazität, die Frontleuchte ist heller, Radar und Rücklicht sind jetzt in einem einzigen Gehäuse integriert. Kompatible Fahrradcomputer können dich warnen, wenn das Radar ein von hinten kommendes Auto erkennt. Außerdem können sie den Akkustand des SmartSense Systems anzeigen. Einzigartig ist auch die Integration mit elektronischen Sram AXS Schaltungen: Der SmartSense Akku dient jetzt gleichzeitig als Akku für Schaltwerk und Umwerfer. Seine Kapazität ist etwa 20 mal so groß wie die der serienmäßigen AXS-Akkus. Er kann auch als Powerbank oder Taschenlampe genutzt werden und funktioniert als Beleuchtung für den StashPort. Bei niedrigem Akkustand schaltet die Beleuchtung aus, damit man auch weiterhin schalten kann.

Das kompakte LED-Licht an der Front von LightSkin soll für den deutschen Markt StVZO-konform sein und 400 Lumen bieten. “Das ist hell genug, um den ganzen Tag und bis in die Nacht hinein zu fahren”, so Cannondale. Das LED-Rücklicht von Garmin hat ein Radar integriert, das vor herannahenden Fahrzeugen warnt. Die Warnsignale werden akustisch oder visuell über jeden modernen Fahrradcomputer mit ANT+ oder via Smartphone wiedergegeben.

Fahreigenschaften und Handling

Obwohl ich normalerweise auf einem 54er Rahmen unterwegs bin, passt mir beim Cannondale Synapse ein 56er Rahmen auf Anhieb. Er fühlt sich zu keinem Zeitpunkt zu groß an.

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Peter Sagan hat auf dem neuen Cannondale Synapse unter anderem den Klassiker Gent-Wevelgem gewonnen - obwohl er dem Rad gegenüber, wie er selbst zugibt, zunächst skeptisch war. Es scheint ihn also doch überzeugt zu haben. Das ist nachvollziehbar. Auf brüchigem Asphalt und grobem Pflaster braucht sich das Synapse nicht zu verstecken. Im Gegenteil! Mein sehr gut ausgestattetes Testmodell verleitet aufgrund seiner Komforteigenschaften förmlich zum Gas geben - einzig etwas agiler beim Antritt könnte es dabei sein.

Auffällig für mich persönlich ist zudem eine recht lange Sitzlänge, an der auch die gekröpfte Sattelstütze ihren Anteil beiträgt. Der im Vergleich zum Vorgänger deutlich verlängerte Radstand mag auch seinen Anteil an diesem Gefühl haben, wirkt sich jedoch nicht negativ auf das Handling aus. Das Synapse lässt sich behände ums Eck zirkeln und scheut auch schnelle Richtungswechsel keineswegs. Erfreulicherweise liegt es dabei immer sehr stabil und spurtreu auf seiner Linie. Bergab zieht das Synapse souverän seine Bahn.

Dank des niedrigen Gewichts reagiert das Testbike spontan auf Antritte. Die absolute Bandbreite der Übersetzung mit 44er Kettenblatt vorne ist zwar ausreichend, aber die Gangsprünge fallen für das reine Fahren auf Asphalt für meinen Geschmack zu groß aus. Ebenso ist es nervig, dass man auf zügig gefahrenen Bergabstücken schnell nicht mehr mittreten kann. Wohingegen der Berggang mit 44 zu 46, also mit echter Untersetzung, auch bei eher schwachen Waden ausreichend sein dürfte.

Die Sitzposition ist komfortabel und dennoch recht sportlich. Wer keine Lust auf technische Hilfsmittel hat und sein Rennrad eher als puristisches Sportgerät betrachtet, bekommt das Cannondale Synapse auch in mehreren Varianten ohne Akku oder Leuchten. Das praktische und geräumige Staufach ist dennoch immer an Bord und erleichtert nicht nur den Transport eines Notfall-Kits, sondern auch von allen möglichen weiteren Dingen, die man unbedingt dabei haben möchte. Das Platzangebot im Unterrohr ist jedenfalls riesig. Allen Modellen gleich dürfte der gebotene Komfort sein. Unser Testbike punktet hier jedenfalls schon mit den sehr geschmeidig rollenden Vittoria Corsa Pro Reifen in 32 mm Breite. Auf den Reserve Aero-Felgen mit 25,4 mm (vorn) und 24,8 mm (hinten) Maulweite bauen die Pneus rund 33 mm breit und stehen mit relativ geraden Flanken in der Felge. Dadurch konnte ich mit meinen 67 kg Lebendgewicht mit einem niedrigen Luftdruck von lediglich 3,4 bar vorn und 3,6 bar hinten fahren. Auch die recht lange und sichtbar flexende Sattelstütze zahlt auf das Komfort-Konto ein. Sie schluckt die eher groben Löcher und sorgt damit auch auf wirklich schlechten Straßen für Fahrspaß. Gut dazu passt das einteilige Carbon-Cockpit, das ebenfalls nicht zu hart konstruiert ist, um einen Komfortgewinn zu ermöglichen. Auch im Wiegetritt macht der Rahmen einen sehr steifen Eindruck.

Bei höheren Geschwindigkeiten in der Ebene zeigt sich eine sehr hohe Laufruhe. Die Fulcrum-Racing-600-DB-Laufräder sind robust und, dank der Steckachsen, recht verwindungssteif. Die Kombination mit den durch einen niedrigen Rollwiderstand und hohen Grip überzeugenden 30 Millimeter breiten Vittoria-Rubino-Pro-Reifen ist gelungen. Shimanos bis zu 1:1 übersetzte - 50/34 und 11-34 - Ultegra-Gruppe überzeugt auch am Synapse.

Bei den Testfahrten fällt außerdem auf, wie leise das Rad rollt. Besonders das SRAM-Rival-Getriebe überzeugt mit ruhigem Lauf und geschmeidigem, tadellosem Schaltverhalten. Auch sonst nehmen wir kaum Geräusche wahr, selbst der Freilauf surrt nur leise. Außergewöhnlich finden wir auch das Lenkverhalten: Bei hohem Tempo rollt das Rad fast unbeirrbar geradeaus, in schnell gefahrene Kurven muss es sogar etwas gedrückt werden. Dafür offenbart das Synapse eine besondere Stärke am Berg: Selbst bei Schrittgeschwindigkeit an steilen Anstiegen fährt es sich stabil und erfordert kaum Ausgleichsbewegungen. Die deutliche Untersetzung der Schaltung, die auch wenig trainierten Fahrern über steile Berge hilft, lässt sich so genussvoll auskosten. Selbst abseits des Asphalts würde das Rad eine gute Figur machen; mit Platz für bis zu 42 Millimeter breite Reifen lässt das Rahmen-Set auch den Einsatz als Gravelbike zu.

Zielgruppe

Für alle, die komfortabel und dennoch schnell unterwegs sein wollen. Echte Racer möchten sicher sportlicher sitzen. Wer ein echtes High-End Endurance-Rennrad mit exklusiver Ausstattung sucht, ist mit unserem Testbike Cannondale Synapse LAB71 sicher gut bedient. Dank feinster Ausstattung und dem toll funktionierenden SmartSense System bleiben hier keine Wünsche offen. Viel mehr zeigt Cannondale mit dem Top-Modell der Synapse Reihe was aktuell an integrierter Technik möglich ist. Die gebotenen Fahrleistungen und der Komfort sind auf ähnlich hohem Niveau wie die technische Ausstattung und Funktionsvielfalt. Allerdings ist auch der Preis von fast 16.000 Euro auf allerhöchster Ebene.

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