Canyon Neuron:ON AL – Ein umfassender Test der Neuauflage

Canyon hat das Neuron:ON komplett überarbeitet und präsentiert mit dem Neuron:ON AL ein E-Mountainbike, das Komfort, Leistung und ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis vereinen soll. Der Aluminiumrahmen des E-Mountainbikes wurde neu entwickelt und modernisiert. Er bietet 145 mm Federweg am Heck und wird von einem Bosch-Motorsystem angetrieben. In diesem Artikel werden wir die verschiedenen Aspekte des neuen Neuron:ON AL beleuchten und seine Stärken und Schwächen aufzeigen.

Bosch-Antriebssystem im Fokus

Der Einsatz eines Bosch-Motorsystems ist zwar bei Canyon und beim Neuron:ON prinzipiell nicht neu. Die Carbon-Version gibt es schon länger mit Bosch, aber die Aluminium-Variante setzte bis dato auf Motorsysteme von Shimano. Beim neu entwickelten Neuron:ON AL verbaut Canyon jetzt den Bosch Performance Line CX-Motor (Gen5) nebst 800er-Akku, LED-Remote und, je nach Modell, Purion 200 oder Kiox 300-Display. Hiermit verabschiedet sich Canyon bei Bikes dieser Produktfamilie von Motoren aus dem Hause Shimano. Der kraftvolle und leise Bosch Performance Line CX (Gen5) Motor hat noch immer die selben Kennzahlen wie das Vorgängermodell (85 Nm max. Drehmoment, 600 Watt Spitzenleistung), wiegt aber etwas weniger und klappert nicht mehr. Natürlich kann am Canyon Neuron:ON AL auch der Range Extender von Bosch genutzt werden.

Connect Module 3100 für zusätzliche Sicherheit

Bosch eBike Systems bietet mit dem Connect Module 3100 ein Sicherheits- und Tracking-Modul für E-Bikes mit Bosch-Antriebssystemen an. Ob dieses Modul beim Neuron:ON AL verbaut ist, wird nicht explizit erwähnt, ist aber eine interessante Option für zusätzliche Sicherheit.

Design und Funktionalität des Rahmens

Der moderne Aluminiumrahmen sieht hübsch aus und ist funktional gestaltet. Alle Rahmengrößen bieten Platz für eine 600-ml-Trinkflasche mit Sideloader-Käfig. Dank zwei Montagemöglichkeiten können Bikende zwischen einer tieferen Position für bessere Gewichtsverlagerung oder einer höheren für leichteren Zugriff wählen. Das innovative Quixle-Thru-Achsen-Design verleiht dem Hinterbau mehr Steifigkeit und ermöglicht eine werkzeugfreie Radmontage. Selbstverständlich verfügt das Canyon Neuron:ON AL auch über eine Ständeraufnahme. Hauseigene Komponenten beim Cockpit und versteckte Züge sorgen für einen cleanen, hochwertigen Look.

Clevere Details für den Trail-Einsatz

Das Neuron:ON AL überzeugt mit cleveren Details, die auf dem Trail den Unterschied machen. Eine faserverstärkte Schutzplatte bewahrt den Motor und das Kettenblatt zuverlässig vor Steinschlägen. Zudem erfüllen die speziell von Canyon entwickelten Lenker und Vorbauten die E-MTB-Sicherheitsstandards und fügen sich nahtlos in das Steuerrohr-Design ein.

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Entnehmbarer Akku für mehr Flexibilität

Der Akku im Canyon Neuron:ON AL lässt sich bequem über eine große Öffnung aus dem Unterrohr entnehmen. Je nach Modell hat der Akku 600 bzw. 800 Wh. Der Akku ist selbstverständlich über eine große Öffnung aus dem Unterrohr zu entnehmen.

Geometrie für Komfort und Performance

Canyon verpasst dem 2025er Neuron:ON AL eine progressive, ausgewogene, moderne und komfortable Geometrie, um maximale Performance, sowohl on- als auch offroad zu garantieren. Angeboten wird dieses Bike in fünf Rahmengrößen (XS-XL) - bei denen die beiden kleinsten mit 27,5-Zoll-Laufrädern ausgestattet sind - und es verspricht mit einem langen Radstand und zentraler Sitzposition viel Traktion beim Klettern, hohe Laufruhe bei hoher Geschwindigkeit und volle Kontrolle auf Abfahrten. In der neuesten Evolutionsstufe verfügt das Neuron:ON AL über einen entspannten 64,5°-Lenkwinkel, einen effizienten 76,7°-Sitzwinkel sowie 455 mm lange Kettenstreben, die für mehr Kletterstabilität und Traktion sorgen.

Geometrievergleich in der Datenbank

Es ist hilfreich zu wissen, dass man in Geometrics - Canyons Datenbank für Fahrrad-Geometrien - viele aktuelle E-Bikes miteinander vergleichen und auf den ersten Blick die Unterschiede sehen kann. Canyon Neuron:ON AL mit Geometrieangaben in Rahmengröße L.

Ausstattungsvarianten und Preise

Die Versendermarke aus Koblenz, die vor einiger Zeit einen großen Flagship-Store in München eröffnete, bietet das Canyon Neuron:ON AL in drei unterschiedlichen Ausstattungen an.

  • Neuron:ON AL 7: Das Einstiegsmodell ist ab 3.799 € (UVP) erhältlich und kommt mit RockShox-Fahrwerk, Shimano-Schaltung und -Bremsen, Schwalbe-Reifen und wahlweise 600er- oder 800er-Akku.
  • Neuron:ON AL 8: Dieses Modell geht für eine UVP von 4.999 € über den Ladentisch und setzt beim Fahrwerk auf Produkte aus dem Hause Fox.
  • Neuron:ON AL 9: Das Topmodell setzt auf ein RockShox-Fahrwerk, SRAM DB8-Bremsen, SRAM S1000 AXS Eagle Transmission-Schaltung und stabile Laufräder von DT Swiss. Der Preis hierfür: 5.499 € (UVP).

Erster Testeindruck und Fahreigenschaften

Bereits einige Wochen vor der offiziellen Markteinführung ermöglichte uns Canyon, das Neuron:ON AL einem ersten Test zu unterziehen. Schon beim ersten Draufsetzen bemerkte der Tester die hohe Front und den angenehm großen Hauptrahmen. Canyon hat das Steuerrohr bewusst etwas länger gestaltet - in Rahmengröße L misst es 143 mm -, damit die Sitzposition angenehm aufrecht und komfortabel ist.

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Komfort und Performance im Einklang

Die Geometrie des Canyon Neuron:ON AL ist auf Komfort und Performance ausgelegt. Die Geometrie wurde aber nicht nur im Hinblick auf Komfort angepasst, sondern natürlich auch auf die Performance im Uphill als auch im Downhill. Geht es den Berg hinauf, brilliert das neue E-MTB von Canyon mit einer ausgewogenen Balance und klettert dank der 455 mm langen Kettenstreben, der stimmigen Gewichtsverteilung und mithilfe des kraftvoll unterstützenden Bosch CX-Motors souverän den Trail hinauf. Auf ausgiebigen Trailtouren überzeugt die komfortable Sitzposition des Canyon Neuron:ON AL.

Tourenfahrer im Fokus

Beim Canyon Neuron:ON AL dreht sich viel mehr um Komfort und entspanntes Tourenfahren als um verspieltes Trailgeballere. Gerade für eine verspielte Fahrweise ist dieses Bike mit knapp 25 Kilogramm Lebendgewicht etwas zu schwer und etwas zu plush. Auch wenn das Gewicht des Bikes nicht unbedingt zum Spielen einlädt, so macht es dennoch Spaß damit, schnell über die Trails zu düsen. Das Canyon Neuron:ON AL hat andere Qualitäten. Der Hinterbau, das Balancing und das RockShox-Fahrwerk - welches von den verbauten Produkten gut zum anvisierten Einsatz passt - generieren ein plushes, sattes Fahrgefühl.

Komponenten im Detail

Weit verbreitet in der Klasse der Bikes um 5.000 EUR sind die SRAM DB8-Bremsen. Ausgedehnte Touren fordern Mensch und Material. Wie gut, dass Canyon am Topmodell des Neuron:ON AL haltbare Laufräder von DT Swiss einsetzt und diese mit stabilen Schwalbe-Reifen ausstattet. Der Grip ist an Vorder- und Hinterrad auf trockenen Böden sehr gut. Im Hinblick auf die Reifen kann man sich am Canyon Neuron:ON AL 9 auf die Pneus von Schwalbe verlassen. Weniger durchdacht findet der Tester die exponierte Position des Bosch Kiox 300. Canyon hat das Display mittig vor dem Lenker montiert.

Optik und Gesamteindruck

Nach der Tour steige ich vom Neuron:ON AL ab, trete einen Schritt zurück und betrachte den Aluminiumrahmen noch einmal genauer und denke mir: Wie schön du doch bist. Optisch macht des Canyon Neuron:ON AL mit dem neu entwickelten Aluminiumrahmen eine richtig gute Figur. Mit dem Neuron:ON AL hat Canyon einen komfortablen Allrounder im Programm. Der schicke Aluminiumrahmen ist hübsch, wirkt haltbar, kann mit einer stimmigen Geometrie aufwarten und punktet mit dem starken, kultivierten Bosch Performance Line CX. Wer ein langlebiges, modernes E-Mountainbike zum günstigen Preis sucht, wird hier fündig.

Canyon Neuron Plattform im Überblick

Canyon verordnet seiner kompletten Neuron-Plattform eine Frischzellenkur. Canyon legt eines seiner beliebtesten Modelle für 2023 neu auf. Das Canyon Neuron ist der VW Golf der Bike-Branche. Denn es zählt zu den meistverkauften All Mountains weltweit. Der Vorgänger war seit 2019 unverändert auf dem Markt. Nach vier Jahren spendieren die Koblenzer ihrem Kassenschlager einen neuen Rahmen.

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Evolution statt Revolution?

Wer mit dem Gedanken im Hinterkopf auf das neue Neuron blickt, der wird stutzig. Denn die offensichtliche Evolution, die in der Vergangenheit für das Image von Canyon gesorgt hat, wird auf den ersten Blick nicht ersichtlich. Design, Zugverlegung und Geometrie bekommen 2023 ein Update. Der beliebte formschlüssige Kabelschacht des Carbon-Vorgängers am Unterrohr weicht einer aktuellen internen Zugverlegung durch den Steuersatz. Die konstruktiven und optischen Vorteile überwiegen hier dem Argument der einfacheren Wartung. Das aktuelle Alumodell hat eine ganz klassische Zugführung, ohne die Leitungen durch das Steuerrohr zu leiten.

Modellbezeichnungen und Laufradgrößen

Ganz offensichtlich neu ist außerdem die Typenbezeichnung, die Canyon mit der Neuron-Palette 2023 einführt. Wie in der Automobilindustrie versucht Canyon mit den Kürzeln M118 & M 119 dem Kunden klarer zu machen, um welche Modellreihe es sich handelt. Alle Aluminiumneurons haben die Modellkennzeichnung M118. Die Carbon-Plattform wird mit dem Kürzel M119 gekennzeichnet. Unangetastet dagegen bleibt die Strategie bei den Laufrädern. Ab der Größe M wächst der Laufraddurchmesser auf das standsgemäße 29er-Maß. Die Rahmengrößen XS & S rollen dagegen auf 27,5 Zoll Reifen.

Bewährte Technik bleibt erhalten

Was sich im Vergleich zum Vorgänger nicht geändert hat, ist das geschraubte BSA-Tretlager und die Hinterbaukinematik. Denn ein prägendes Merkmal der alten Neuron-Serie war der erstklassige Hinterbau. Antriebsneutral, sensibel und mit genügend Reserven für größere Schläge. Drehpunkte und Dämpferaufhängung bleiben unverändert zum Vorgänger. Der Direktvergleich NEU (links) VS. ALT (rechts). Wir gratulieren den Konstrukteuren zum Mut, etwas Gutes, Bewährtes unangetastet vom Vorgänger zu übernehmen. Die Hinterbaukinematik bleibt unverändert im Vergleich zum Vorgänger. 130 Millimeter Federweg kitzelt der Hinterbau aus dem 50 Millimeter Hub des Dämpfers.

Gewicht und Uphill-Performance

Canyon ist sich des realen Einsatzbereichs von so einem Tourenfully anscheinend bewusst und hat in der Neuentwicklung penibel auf das Gewicht geachtet. Das Neuron 7 kostet 2700 € und wiegt 14,4 Kilo inklusive Pedale, Schläuchen in den Reifen und Flaschenhaltern. Ohne Pedale und Flaschenhalter haben wir es in Größe M mit 13,9 Kilo gewogen. Das kann sich sehen lassen für ein Alu-Bike dieser Preisklasse. Der Alurahmen kommt mit Steckachse und Sattelklemme auf 3060 Gramm. Laut Canyon wiegt der Carbonrahmen satte 600 Gramm weniger. Wir sind verschiedene Neuron Modelle über 8000 Höhenmeter bergauf gefahren. Sowohl im technischen Gelände als auch auf einfachen Schotterpisten. Und hier kommt die Geometrie des Neurons gut zum Vorschein. Denn in der neuesten Version nimmt man eine minimal sportlichere Haltung im Sattel ein als beim Vorgänger. Der steilere Sitzwinkel lässt einem in steilen Anstiegen noch effizienter klettern.

Geometrie im Detail

Mit Canyons Vergleichsmöglichkeit auf bike-test.com wird eindeutig ersichtlich, dass die größte Veränderung beim aktuellen Neuron in der Geometrie liegt. Zwei Sachen sind dabei sehr auffällig: Der Lenkwinkel wird flacher, der Reach deutlich länger. Im Sitzen fühlt sich das Bike ähnlich, aber dennoch minimal sportlicher an wie der Vorgänger. Aber sobald man den Sattel versenkt und im Stand über die Trails rollt, wird der Unterschied eindeutig. Denn das Handling auf dem Trail ist erwachsener geworden. Vor allem auf alpinen Trails entpuppte sich der längere Reach- und Radstand vom neuen Neuron als Vertrauensfaktor, wenn es im groben Gelände mal schneller wird. In steilen Trailabschnitten lässt einen der angewachsene Stack des neuen Models sehr souverän hinter dem Lenker stehen.

Neuron vs. Spectral 125

Neuron und Spectral 125 haben exakt den gleichen Federweg an der Gabel, zielen aber auf völlig unterschiedliche Zielgruppen. Bei gleichem Federweg steckt im Spectral 125 nämlich meist eine 36er-Gabel, wohingegen das Neuron auf 34 Standrohre setzt. Die dickere Gabel am Spectral ist deutlich steifer und damit auch bereit für eine gröbere Gangart im Downhill. Der flachere Lenkwinkel und das gröbere Reifenprofil des Spectrals schlagen in exakt die gleiche Kerbe wie die Federgabel. Auch bei der Hinterbaukinematik kommt im direkten Vergleich raus, dass das Spectral 125 deutlich progressiver arbeitet. Kurzum: Wer newschool mäßig shredden, skippen, fliken will, für den ist das Spectral 125 eine gute Option. Wer das Thema Mountainbiken ganzheitlicher sieht und auf langen Touren gerne Singletrails genießt, der wird mit dem Neuron glücklicher. Für das Spectral ist der Uphill lediglich ein Pflichtpunkt, das Neuron sieht ihn als Teil des großen Ganzen und nicht als lästig an.

Preisgestaltung und Fazit

Der preisliche Einstieg bei den Neurons liegt bei 1899 € und damit auf demselben Niveau wie das Rockrider AM 100 S von Decatlon. Ab 3000 € bekommt man bei Canyon bereits einen Carbonrahmen. Canyon macht mit der Neuauflage des Neurons eine Gratwanderung. Die Koblenzer erhalten so viele Elemente wie möglich vom Vorgänger. Die Änderungen, die es in das neue Bike geschafft haben, verbessern das Fahrgefühl aber deutlich. Allem voran ist hier die neue Geometrie zu erwähnen. Auch die neuste Neuron-Generation bleibt den bei den Vorgängern so beliebten Werten treu: Das Bike stellt die Tourentauglichkeit über alles und ist der perfekte Begleiter für Alpenüberquerungen oder ausgedehnte Touren im Mittelgebirge. Die Abgrenzung zum Spectral 125 bleibt damit erhalten.

Canyon Neuron:ON CLLCTV - Für ambitionierte Fahrer

Für alle, die ihre Grenzen verschieben wollen, hat Canyon das Neuron:ON CLLCTV entwickelt. Diese neue, aggressivere CLLCTV-Variante nimmt alles, was Rider am vielseitigen, preisgekrönten Neuron:ON lieben - und legt in Sachen Performance noch mal ordentlich nach, um eine neue Generation von Fahrer:innen anzusprechen.

Geometrie und Federweg

Auch wenn das neue Neuron:ON CLLCTV auf den ersten Blick dem Neuron:ON ähnelt, steckt jede Menge Geometrie-Magie drin. Ein komplett neues Rocker-Linkage macht bei den Größen M bis XL ein Mullet-Setup möglich (und sorgt bei XS und S für 27,5”-Laufräder vorne wie hinten) - anders als beim klassischen Neuron:ON mit 29”-Laufrädern. Dazu kommt ein Plus von 10 mm an der Front. Bedeutet: 160 mm sattes RockShox-Zeb-Federungsgefühl mit massiven 38-mm-Standrohren.

Motor und Konnektivität

Der bewährte, geschmeidige Bosch-Performance-Line-CX-Motor (Gen 5) bekommt hier ein kräftiges Upgrade: satte 100 Nm Drehmoment und bis zu 750 W Spitzenleistung. Über das Kiox-Display behältst du alle Daten im Blick und kannst sie über das Bosch-Connect-Modul nahtlos mit der eBike Flow App synchronisieren.

Komponenten und Bremsen

Mehr Federweg und Power brauchen Komponenten, die das Potenzial auch nutzen. Deshalb setzt das Neuron:ON CLLCTV auf verstärkte Lager an allen Drehpunkten - alle mit einem einzigen 8-mm Inbus wartbar - und ein Setup, das maximale Traktion und Zuverlässigkeit liefert. Und weil all das Geschwindigkeit bringt, braucht’s Bremsen, die mithalten: die stärksten am Markt - SRAM Maven. Damit das Bike auch härteste Lines wegsteckt, rollt es auf DT Swiss H1900-Laufrädern - gebaut für harte Schläge - mit den legendären Schwalbe Magic Mary Gravity-Reifen.

Zertifizierung und Preis

Während einige Varianten des Neuron:ON AL aufgrund unterschiedlicher Komponenten und Testanforderungen 3E zertifiziert sind, hat das CLLCTV-Modell die alle 4E-Tests bestanden und ist entsprechend zertifiziert. Mit einem Preis von 5.499 € ist das Neuron:ON CLLCTV ab Dienstag, 29. Juli, in den Größen XS bis XL exklusiv auf Canyon.com und in der Canyon App erhältlich.

Neuron:ON CLLCTV im Detail

Das neue Canyon Neuron:ON CLLCTV soll die Lücke zwischen Trail- und Enduro-E-MTB schließen. Die Basis stellt der bekannte Neuron:ON-Rahmen, allerdings mit überarbeitetem Rocker-Linkage. Ab Rahmengröße M fährt das CLLCTV im Mullet-Setup, während XS und S auf 27,5” vorn und hinten setzen. An der Front wächst der Federweg auf 160 mm - realisiert über eine glänzend rote RockShox Zeb Ultimate mit 38er-Standrohren. Der Rahmen blieb dabei unverändert und zeigt sich schnörkellos und mit klarem Design. Das Aggregat der Wahl - ein BOSCH CX der neuesten Generation mit satten 100 Nm Drehmoment.

Geometrie des CLLCTV-Modells

Neu an der CLLCTV-Version ist der überarbeitete Rocker-Link, der bei den Größen M bis XL ein Mullet-Setup erlaubt. In den Rahmengrößen XS und S rollt das Neuron:ON CLLCTV auf 27,5 Zoll vorn wie hinten. Die 10 mm mehr Federweg an der Front ergeben einen Lenkwinkel von rund 64,1°. Der effektive Sitzwinkel in der getesteten Größe L beträgt 76,4°, was zwar nicht sonderlich steil anmutet, dennoch eine angenehme und aufrechte Sitzposition ermöglicht. Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass ich eine Größe kleiner für mich gewählt habe, um das Quäntchen mehr Agilität herauszukitzeln. Denn bei einem Gewicht von über 26 kg (inkl. Pedale) wähle ich trotz meiner Körpergröße von 1,94 m die kleinere Option mit 480 mm Reach und 656 mm Stack.

Komponenten und Performance des CLLCTV

Mehr Power und Federweg verlangen nach standfester Ausstattung. Canyon verbaut deshalb eine RockShox Zeb mit 160 mm an der Front und kombiniert sie mit einem Super Deluxe Ultimate-Dämpfer. Dazu kommt eine SRAM Eagle 90 Transmission für präzise Schaltvorgänge und die neuen, extrem kräftigen SRAM Maven-Bremsen. Nach der ersten Ausfahrt mit dem Neuron:ON CLLCTV entscheide ich mich dazu, einen Lenker mit mehr Rise (35 mm statt 20 mm) zu verbauen. Das bringt mich in eine etwas aufrechtere Haltung, welche meinen persönlichen Ergonomievorlieben entgegenkommt. Das Canyon schreckt weder vor steilen noch vor losen und technischen Uphills zurück. Das Bosch-Aggregat mit seinem 100-Nm-Update stellt zu keiner Zeit den limitierenden Faktor dar; ich reduziere meist sogar auf Tour- oder eMTB-Modi, um die Kraft besser auf den oftmals losen Untergrund zu bekommen. Satt und kontrolliert pflügt man über den Trail, Grip gibt es dabei ohne Ende. In ruppigem Gelände blüht das Canyon förmlich auf.

Hinterbau und Handling des CLLCTV

Überraschend sind die 145 mm Federweg am Heck, die von einem eher simplen RockShox Super Deluxe Select ohne separate Druckstufenverstellung verwaltet werden. Denn die Hinterbauperformanz fühlt sich wider Erwarten satt und kontrolliert an, kein unkontrolliertes Aufschaukeln noch unerwarteter Gripverlust treten ein. Vielleicht ist das CLLCTV-Neuron kein Agilitätswunder - dennoch lässt es sich durch eine willige Hand und etwas mehr Nachdruck spaßig über Trails und Jumplines jagen. Auch in Sachen Handling muss sich das Neuron:ON CLLCTV nicht verstecken. Das kleine Hinterrad hilft dabei, zackig ums Eck zu kommen. Das Canyon liebt es, lässig Kurven zu räubern, es lässt mich auch bei zu optimistisch gewählter Kurveneingangsgeschwindigkeit nicht im Stich. In der Luft verhält sich das eMTB wie zu erwarten souverän. Es liegt lieber stabil in seiner Flugbahn, als dass es sich aus der Ruhe bringen lässt.

Reifenwahl beim CLLCTV

Die grundsätzliche Reifenwahl passt zum Einsatzbereich und Charakter des Bikes. Grobstollige Magic Mary-Pneus mit stabiler Gravity-Karkasse. Dennoch habe ich zeitweise Probleme mit der Radialkarkasse, denn diese kann bei „normalen Luftdrücken“ um 1,8 bis 2,0 bar am Vorderrad (bei einem Systemgewicht von ca. 130 kg) gern mal wegknicken.

Fazit zum CLLCTV-Modell

Das Neuron:ON CLLCTV ist kein Agilitätswunder - aber ein ehrlicher, robuster Trailfresser, der durch satten Grip viel Selbstvertrauen schenkt. Seine beeindruckenden Klettereigenschaften und die hohe Tourentauglichkeit machen es zudem erstaunlich vielseitig.

Canyon Neuron:ONfly - Das leichte E-Trailbike

Nachdem Bosch bereits seit einigen Jahren Fullpower-Motoren im Angebot hatte, folgte 2023 der Sprung ins noch recht undefinierte Light-Support-Segment. Mit dem Performance Line SX brachte der Motorenhersteller seine eigene, etwas unkonventionelle Interpretation auf den Markt. Eingepackt und schön versteckt arbeitet der Bosch SX mit 600 W und neuerdings 60 Nm.

Design und Ausstattung des ONfly

Schlankes Unterrohr trifft auf Ladebuchse. Understating und eher zurückhaltend spezifiziert Canyon die Bedienelemente: Reduziert aufs Wesentliche erlauben der System-Controller und die Bluetooth-Remote die Bedienung. Für diejenigen, die kein Display brauchen, perfekt. Mit 400-Wh-Akku fest verbaut im Unterrohr macht Canyon keine Experimente. Das Bike wird nur in dieser Spezifikation ausgeliefert, Strom gibt es über eine Ladebuchse am Rahmen.

Geometrie und Handling des ONfly

Einem massentauglichen Bike mit wenig Federweg die richtige Geometrie zu verpassen, ist kein einfaches Unterfangen. Unser Testrad in Rahmengröße L fällt mit 485 mm Reach eher groß aus. Überraschend flach fällt der Lenkwinkel mit 64,5° aus. Canyon verbaut über alle Rahmengrößen hinweg die gleiche Kettenstrebenlänge: 450 mm - große Fahrende profitieren von ausreichend Druck auf dem Vorderrad, in den kleinen Rahmengrößen hat man damit jedoch mit einem recht üppigen Radstand zu arbeiten.

Ausstattungsvarianten des ONfly

Das Canyon Neuron:ONfly ist in vier Ausstattungsvarianten erhältlich. Den preislichen Einstieg gibt es bereits unter 5.000 € mit dem CF-7-Modell. Mit Fox 34 Fit4 und Float DPS aus der Factory-Baureihe setzt der Hersteller auf ein leichtes Fahrwerk, das mit wenig Dämpfungs-Einstellungen aber Lockout-Möglichkeit überzeugen soll. Deutlich wird der Leichtbau-Fokus auch beim Blick auf den Antrieb: Am SX-Motor ist eine Carbon-Kurbel aus der XX-Baureihe montiert, passend zur SRAM XX Eagle Transmission. Der SRAM-XX-Transmission-Antrieb passt ins edle Gesamtbild. Neben hauseigenen Anbauteilen bei Cockpit und Sattelstütze rundet Canyon mit Carbon-Laufrädern aus dem Hause Reynolds in Kombination mit Schwalbe-Reifen ab.

Fahreindruck des ONfly

Steigt man das erste Mal auf, stellt sich ein sehr erwartbares Gefühl ein - das E-Bike fühlt sich an, wie es aussieht: Schnell scheint es und das nicht zufällig, sondern wegen der Ausstattungs-Optimierung auf Geschwindigkeit. Das Canyon Neuron:ONfly CF geht ordentlich nach vorn, fühlt sich im Antritt sehr effizient und direkt an. Nach vorne will das Neuron:ONfly im Anstieg gerne. Zum Glück ist es dabei aber nicht abgehetzt, denn die Sitzposition ist modern und erinnert wenig an die XC-Gene, die das Bike im Antritt preisgibt. Auf nassen Wurzeln hilft der traktionsstarke Hinterbau, im steilen Gelände haben wir uns über die längere Kettenstrebe gefreut.

Nehmerqualitäten und Fahrverhalten des ONfly

Gerade für Menschen, die selten Bikes mit wenig Federweg fahren, ist es immer wieder faszinierend, genau das mal wieder zu tun. Vertrauen fassen und reinhalten geht mit dem Neuron:ONfly recht schnell. Auf dem Neuron:ONfly steht es sich wie auf einem modernen Enduro-Bike - zentral und eher aufrecht. Das kleine Canyon lässt sich überraschend schnell über den Trail bewegen. Der eher direkte Rahmen und das straffe Fahrwerk unterstützen dieses Fahrgefühl und regen dazu an, Geländestufen wegzudrücken und aktiv zu nutzen, um die Geschwindigkeit zu halten oder gar zu erhöhen. Sein direktes Fahrverhalten macht Spaß - jeder Input wird willig umgesetzt. Aber hier kommt auch ein ganz anderer Punkt zur Geltung: der Fehlerteufel. Wer sich überschätzt oder unkonzentriert ist und versucht herauszufahren, was das Neuron:ONfly anmuten lässt, der ist auf einem schmalen Grat unterwegs - die Nehmerqualitäten sind limitiert.

Fazit zum ONfly

So sehen wir das Canyon Neuron:ONfly in einer etwas indifferenten Positionierung: Der Rahmen kann ordentlich was, wird aber durch die Ausstattung stark eingeschränkt. Das Neuron:ONfly bietet das Potential, wesentlich außerhalb seiner Federwegsklasse zu boxen! Das spiegelt sich in seiner langen, gutmütigen Geometrie, dem sehr schönen Industriedesign, aber auch dem direkten Fahrverhalten wieder. Mit eher steifem Rahmen und sportlichem Fahrwerk spricht sein Charakter eher sportliche Fahrer an - sowohl Marathonisti auf der Suche nach Komfort als auch Abfahrts-Experten auf der Suche nach einem leichten und pfeilschnellen Spaßrad zum Trail-Kilometer schrubben. Seine etwas indifferente Ausstattung beschneidet die Zielgruppe aber zumindest ein Stück weit, sodass das Neuron:ONfly seinem Potential etwas hinterher fährt.

Das BIKE-Fazit zum Canyon Neuron:On AL

Wer Rekordgewichte oder ein Innovationsfeuerwerk sucht, ist beim Canyon Neuron:On AL falsch. Dafür überzeugt das neue Alu-E-Bike mit extrem gutem Preisleistungsverhältnis, super Reichweite und ausgewogenen Fahreigenschaften. Wer ein universelles E-Mountainbike zum fairen Preis sucht, das sich auch im Gelände extrem gut schlägt, der ist hier goldrichtig!

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