Die Rolle des limbischen Systems in der Körpersprache: Emotionen sichtbar machen

Die Körpersprache ist ein mächtiges Werkzeug der nonverbalen Kommunikation, das oft mehr über unsere wahren Gefühle und Absichten verrät, als es Worte vermögen. Sie umfasst eine Vielzahl von Signalen, darunter Mimik, Gestik, Körperhaltung und Habitus. Diese Signale werden nicht bewusst gesteuert, sondern entspringen oft dem limbischen System, einem tief im Gehirn liegenden Areal, das eine Schlüsselrolle bei der Verarbeitung von Emotionen und Trieben spielt.

Das limbische System: Der Ursprung unserer instinktiven Reaktionen

Früher wurde angenommen, dass das limbische System isoliert von anderen Gehirnregionen arbeitet, doch heute ist bekannt, dass auch andere Bereiche des Gehirns einen wichtigen Einfluss darauf haben. Emotionen und Triebe entstehen durch das Zusammenspiel verschiedener Gehirnregionen, nicht nur durch das limbische System. Es ist zudem an der Freisetzung von Endorphinen, unseren körpereigenen Glückshormonen, beteiligt.

Das limbische System, oft auch als "emotionales Gehirn" bezeichnet, ist ein stammesgeschichtlich alter Teil des Gehirns, der für die Verarbeitung von Emotionen, das Entstehen von Trieben und die Steuerung von Instinktverhalten verantwortlich ist. Es besteht aus verschiedenen miteinander verbundenen Strukturen, darunter die Amygdala, der Hippocampus und das Septum.

  • Amygdala: Die Amygdala spielt eine zentrale Rolle bei der Bewertung von Situationen und der Einschätzung von Gefahren. Sie ist an der Entstehung von Angst, Furcht und Aggression beteiligt.
  • Hippocampus: Der Hippocampus ist wichtig für die Bildung und das Abrufen von Erinnerungen. Er ermöglicht es uns, Erfahrungen zu verarbeiten und aus ihnen zu lernen.
  • Septum: Das Septum ist an der Entstehung von Gefühlen der Freude und Befriedigung beteiligt.

Die Bedeutung der Körpersprache

Die Körpersprache ist eine wichtige Form der nonverbalen Kommunikation und umfasst sowohl bewusste als auch unbewusste Signale wie Mimik, Gestik, Körperhaltung und Habitus (Umgangsform). Diese nonverbalen Äußerungen beeinflussen nicht nur die Wahrnehmung unserer gesprochenen Worte, sondern auch die Wirkung von uns auf unseren Gegenüber. Unter anderem in Form von Lächeln, intensivem Blickkontakt oder einem festen Händedruck. Denn die Körpersprache äußert sich bei Menschen auf ganz unterschiedliche Art und Weise.

Wie das limbische System unsere Körpersprache beeinflusst

Das limbische System steuert unsere Körpersprache auf verschiedene Weise:

Lesen Sie auch: Funktionen des limbischen Systems

  • Unbewusste Reaktionen auf Emotionen: Wenn wir eine Emotion empfinden, löst das limbische System automatisch körperliche Reaktionen aus, die sich in unserer Körpersprache widerspiegeln. Zum Beispiel kann Angst zu erhöhtem Herzschlag, Schweißausbrüchen und einer angespannten Körperhaltung führen. Freude kann sich in einem Lächeln, einer offenen Körperhaltung und lebhaften Gesten äußern.
  • Instinktives Verhalten in Stresssituationen: In Stresssituationen übernimmt das limbische System die Kontrolle und steuert unser Verhalten instinktiv. Dies kann sich in Flucht-, Kampf- oder Erstarrungsreaktionen äußern, die sich in unserer Körpersprache zeigen.
  • Nonverbale Kommunikation von Emotionen: Das limbische System ermöglicht es uns, Emotionen nonverbal auszudrücken und die Emotionen anderer zu erkennen. Zum Beispiel können wir anhand der Mimik eines Menschen erkennen, ob er traurig, wütend oder glücklich ist.

Beispiele für limbisch gesteuerte Körpersprache

Es gibt viele Beispiele dafür, wie das limbische System unsere Körpersprache beeinflusst:

  • Gesten des Schutzes: Wenn wir uns in einem Gespräch unwohl fühlen, zeigt unser Körper schnell Signale des Unbehagens. Was wir in dieser Situation unbewusst tun, ist, uns selbst zu schützen und zu beruhigen. Indem wir zum Beispiel eine Hand auf unseren Hals legen, denn der Hals zählt zu unseren verletzlichsten Teilen des Körpers. Dadurch schaffen wir eine kleine Barriere zwischen uns und dem Gesprächspartner. Das Auflegen der Hand vermittelt Schutz und kann durch die Berührung gleichzeitig Trost spenden.
  • Spiegelverhalten: Während eines Gesprächs passen wir unsere Körpersprache oft unbewusst der des Gegenübers an und bauen so eine Verbindung auf. Dieses Nachahmen kann Gefühle von Verständnis und Anerkennung in uns erzeugen und unser Vertrauen stärken. Evolutionär betrachtet dient das Spiegeln dazu, sich der Umwelt anzupassen und das gemeinsame Miteinander zu stärken. Aus diesem Grund sehen wir auch häufig Gruppen von Menschen, die unbewusst ähnliche Positionen am Tisch einnehmen. Doch diese Technik können wir auch ganz bewusst nutzen, um uns auf die Stimmung und Emotionen der anderen einzustellen. Wenn du dich mit jemandem unterhältst, der beim Sprechen ausholende Gesten und Bewegungen macht, kannst du beginnen, diese Bewegungen dezent nachzuahmen. Dein Gegenüber wird unbewusst darauf reagieren, indem er seine Gesten verringert und seine Haltung anpasst. Dieses "Spiegelverhalten" führt häufig dazu, dass Menschen, die regelmäßig Zeit miteinander verbringen, eine ähnliche Körpersprache und gleiche Verhaltensweisen entwickeln.
  • Impulse des Trostes: Worte erzählen eine Geschichte, während unser Körper gleichzeitig etwas ganz anderes sagen kann. Als Zuhörer bekommen wir so schnell das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Wegsehen, Bein wackeln, hektisches Arm reiben: Das sind subtile Anzeichen dafür, dass sich dein Gesprächspartner versucht selbst zu beruhigen. Dabei entsteht Serotonin in unserem Körper, der Stoff, der unser Stresshormon "Cortisol" unterdrückt.
  • Die Ausrichtung der Füße: Die Ausrichtung der Füße verrät oft sehr viel über das Wohlbefinden des Gegenübers. Denn dort wo die Füße hinzeigen, will der Betreffende meistens auch hin! Zeigen Kopf, Rumpf und Füße zum Gesprächspartner, dann ist das ein positives Zeichen. Es zeigt, dass sich die Person über den Kontakt freut. Ist lediglich der Oberkörper einem zugewandt, die Füße deuten aber in eine andere Richtung, dann heißt das i.d.R. ganz simpel, dass die Person lieber gehen würde. Beobachten Sie also entsprechende Veränderungen während eines Gespräches. Auch wenn Sie beispielsweise in einer Verhandlungssituation mit Geschäftspartnern oder bei einem Vorstellungsgespräch die Fußsohlen Ihres Gegenübers gezeigt bekommen, sollten Sie aufmerksam werden. Wenn Menschen den Fuß anheben, als ob sie gerade auf das Bremspedal eines Autos treten würden, dann signalisieren sie auch genau das: Stopp, mir gefällt die Richtung dieses Gespräches nicht! In diesen Momenten wäre es u.U.
  • Die Sitzposition: Möchten Sie in einem Gespräch eine entspannte Atmosphäre erzeugen, so sollten Sie auf den richtigen Winkel Ihrer Sitzposition achten. Am besten wählen Sie hierfür einen Winkel von 45 Grad zu Ihrem Gegenüber, da dies für ein vertrauensvolle und offene Kommunikation förderlich ist.
  • Verschränkte Arme: Verschränkt eine Person ihre Arme vor ihrem Rumpf, kann das natürlich etwas mit Bequemlichkeit zu tun haben und der Betreffende fühlt sich einfach nur wohl in dieser Pose. Taucht diese Geste allerdings völlig unvermittelt während eines Gespräches auf, sollten Sie aufmerksam werden und den weiteren Verlauf bewusst beobachten.
  • Die Hände: Das Potenzial der Hände ist für die nonverbale Kommunikation durchaus bemerkenswert. Daher verwundert es nicht, dass wir bewusst oder unbewusst unser Augenmerk bevorzugt auf die Hände richten, um Stimmungslage und Charakter unseres Gesprächspartners einzuschätzen. Auch zahlreiche Studien widmen sich der Wirkung von Handgesten. Dabei wurde u.a. festgestellt, dass durch Handflächen, die während des Sprechens nach oben zeigen, viel positivere Reaktionen erzeugt werden, als wenn wir diese nach unten richten. Natürlich muss man beim Deuten der Körpersprache stets Vorsicht walten lassen. Wie oben bereits angedeutet bedeutet nicht jeder verschränkte Arm sofort Unbehagen. Außerdem können einzelne Bewegungen verschiedene Bedeutungen haben! Kontext und Menschenkenntnis sind unerlässlich, um die Signale eines Individuums richtig interpretieren zu können. Aber es gibt sie, diese universellen und verräterischen Reaktionen des Körpers, die dem Kenner in jeglicher Kommunikation große Vorteile verschaffen. Denn Körpersprache ist wie gesprochene Sprache, aber sie kann nicht lügen.
  • Untersuchungen zur neutralen Körpersprache: Tübinger Forscher um Professorin Marina Pavlova und Professor Andreas Fallgatter von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie sind diesem Thema mittels Magnetresonanztomografie bei gesunden Versuchspersonen nachgegangen. Die überraschenden Ergebnisse zeigen, dass das limbische System an der Erkennung neutraler Körpersprache maßgeblich beteiligt ist. Die Kommunikation zwischen der rechten Amygdala und der Inselregion kann nämlich dazu genutzt werden, vorherzusagen ob der neutrale Ausdruck richtig erkannt wird. Bisher wurde angenommen, dass diese Bestandteile des limbischen Systems ausschließlich zur Wahrnehmung von Emotionen beitragen. Die in der renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA erschienenen Befunde legen nahe, dass die Verarbeitung von Emotionen und die Erkennung neutraler Ausdrücke im limbischen System eng verzahnt sind.

Die Bedeutung der Kenntnis der Körpersprache

Kenntnisse zur Köpersprache sind sowohl wichtig beim Einschätzen anderer Personen als auch beim eigenen Auftreten. Der erste Eindruck von einem Menschen, der über sympathisch oder unsympathisch entscheidet, bildet sich in der Regel innerhalb weniger Sekunden. Durch diese Offenheit zeigt man seinem Gesprächspartner klar: Ich vertraue dir voll und ganz, und du kannst mir vertrauen. Zuständig für diese Einschätzung ist das limbische System, eine Hirnregion, die primitive Emotionen wie Freude oder Angst steuert und emotionale Schaltzentrum des Gehirns darstellt. Doch Körpersprache kann auch eingesetzt werden, um Personen in Gesprächen und Verhören auf den Zahn zu fühlen. Vor allem in Stresssituationen, in denen rasch Entscheidungen getroffen werden müssen, reagiert der Körper mit unbewussten Signalen. Um solche Reaktionen hervorzurufen, werden Personen durch aggressive Befragungstechnik unter Druck zu setzen. Gerade, wenn sich jemand unwohl fühlt, treten die Signale der Köpersprache deutlich hervor. Vielen Menschen achten auch unter Druck sehr darauf, dass ihr Gesicht keine Rückschlüsse auf Emotionen oder ähnliches zulässt. Viel verräterischer und oft unbedacht bewegen sich allerdings die Extremitäten. Insbesondere die Hände verraten viel über den Gemütszustand einer Person. Sind die Handflächen offen, indem man sie zum Beispiel nach oben richtet oder auch, wenn die Fingerspitzen sich berühren („Merkle-Raute“), zeigt dies Entspanntheit und Selbstbewusstsein. Während sich das Vermeiden vieler dieser unbewussten Zeichen schulen lässt, sind bestimmte verräterische Reaktionen des Köpers deutlich kaum zu steuern.

Das Lesen von Körpersprache ist auch abseits der Agentenwelt eine wertvolle Fähigkeit. Indem man auf nonverbale Kommunikation reagiert, fällt es leichter, berufliche oder private Beziehungen aufzubauen. Außerdem lassen sich kritische Situationen frühzeitig erkennen und gegebenenfalls verhindern. Falls beim Gespräch mit einem Kolleggen oder dem Chef die Körpermitte oder der Blick abgewandt wird, sollte man die Diskussion schwieriger Themen auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.

Lesen Sie auch: Geruchserinnerung und Emotionen

Lesen Sie auch: Einfluss des limbischen Systems auf unser Verhalten

tags: #limbisches #system #korpersprache