Canyon Neuron vs. Cube Stereo: Ein Vergleich von All-Mountain- und Trailbikes

All-Mountain- und Trailbikes sind vielseitige Mountainbikes, die sich sowohl für anspruchsvolle Anstiege als auch für rasante Abfahrten eignen. Sie sind leichter als Enduro-Bikes, bieten aber mehr Abfahrtsperformance als reine Trailbikes. In diesem Artikel vergleichen wir zwei beliebte Modelle: das Canyon Neuron und das Cube Stereo, um Ihnen bei der Entscheidung zu helfen, welches Bike besser zu Ihren Bedürfnissen passt.

All-Mountain-Bikes im Überblick

All-Mountain-Bikes sind die perfekten Begleiter für Tourenfahrer, die gerne anspruchsvolle Trails unter die Stollen nehmen oder sogar den gelegentlichen Besuch im Bikepark nicht ausschließen. Da Enduro-Bikes jedoch zu kleinen Mini-Downhillern mutiert sind, wird es immer schwieriger, heimatnahe Trails zu finden, die dem Potenzial eines modernen Enduros gerecht werden. Außerdem sind Enduros mit 160 mm Federweg und mehr in den letzten Jahren verdammt schwer geworden. Ein weiterer Vorteil von All-Mountain-Bikes ist, dass es viele spannende Modelle unterhalb der 2000-Euro-Grenze gibt.

Canyon Neuron: Der Klassiker für Touren

Das Canyon Neuron ist ein Klassiker im All-Mountain-Segment und überzeugt mit Fakten. Es gibt spannende Alu-Modelle, die auch unter 3000 € das Thema Gewicht nicht vernachlässigen. Die neueste Neuron-Generation bleibt Werten treu, die man seit jeher mit dem Canyon Neuron verbindet: Das Bike stellt geringes Gewicht und vortriebsorientierter Ausstattung die Tourentauglichkeit über alles und ist der perfekte Begleiter für Alpenüberquerungen oder ausgedehnte Touren im Mittelgebirge. Die Abgrenzung zum Canyon Spectral 125 oder dem Spectral CF bleibt damit erhalten. Auch dem schärfsten Konkurrenten Cube tritt man selbstbewusst gegenüber. Klassische All Mountains, wie zum Beispiel das Canyon Neuron, klettern etwas besser.

Neuron:ON - Die elektrische Variante

Das Canyon Neuron:ON ist die E-Mountainbike-Version des Neuron, die auf Effizienz setzt und schlanke 140 mm Federweg an Front und Heck bietet. Das Neuron ist ohne Motor Canyons erfolgreichstes Mountainbike. Neuron-Fahrer schätzen und lieben den Komfort, die Effizienz und das ausgewogene Fahrverhalten des gutmütigen Allrounders. Canyon bewirbt das Neuron:ON mit adrenalingeladenen Trail-Eskapaden, aber schon die dünnwandigen Reifen sind nicht für die harte Gangart gemacht. Auch die Sitzposition spricht eher für komfortables Dahingleiten als für aggressives Trail-Shredden. Das Neuron:ON hat eine moderne Geometrie mit langem Reach mit 485 mm in Größe L. Trotz des langen Hauptrahmens fällt die Sitzposition erstaunlich aufrecht aus. Das liegt neben dem steilen Sitzwinkel auch am langen Steuerrohr. Das Steuerrohr bringt das Cockpit weit nach oben, wodurch der Fahrer aufgerichtet wird.

Das Top-Modell der Neuron:ON Familie trägt den Zusatz CF 9 und kostet 6.999 Euro. Die Ausstattung ist top-aktuell, denn geschaltet wird via Funk mit SRAMs brandneuer Transmission-Schaltung. Die restliche Ausstattung lässt sich als zweckmäßig und vernünftig beschreiben. Dafür, dass das Neuron:ON CF 9 die Speerspitze der Produktlinie darstellt, fällt die Wertigkeit der Komponenten erstaunlich durchschnittlich aus. Das Neuron:ON ist leichter als das Cube Stereo Hybrid. Unser Testbike bringt schlanke 22,8 kg auf die Waage. Für ein Full Power E-MTB mit großem Akku ein beachtlicher Wert - vor allem in der Preisklasse. Der stärkste Kompromiss für kontrollierten Geländespaß sind die Reifen. Zwar messen die Schwalbe Nobby Nic eine Breite von 2,4“ - doch montiert auf den 30 mm breiten DT Swiss Felgen wirken die Reifen ziemlich schmal. Die Reifen finden auf losem Untergrund nur mäßigen Halt. Auch in Sachen Pannensicherheit sind die Reifen keine Referenz - entsprechend hoch sollte der Luftdruck gewählt werden. Das wirkt sich auf den Komfort aus. Breitere Reifen mit einer weicheren Gummimischung und einer zäheren Karkasse würden dem Neuron:ON gut zu Gesicht stehen - zumindest wenn man den Weg ins grobe Gelände sucht.

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Die Steifigkeit des Rahmens ist deutlich zu spüren - das Neuron:ON fühlt sich an wie ein Brett - oder besser gesagt wie ein T-Träger. Effizient ist auch das straffe Fahrwerk. Obwohl der Rock Shox Deluxe Select Dämpfer ohne Lock-Out-Funktion auskommt, verhält sich der Hinterbau beim Treten erstaunlich neutral - also ruhig. Der Hinterbau des Neuron:ON reagiert zwar feinfühlig auf kleine Schläge, ist aber keineswegs plush. Im Gegenteil: der Hinterbau ist straff, nutzt den Federweg sehr definiert und gibt direktes Feedback vom Untergrund. Auf moderaten Singletrails führt das zu einem hohen Sicherheitsempfinden. Man spürt bestens, was das Rad unter einem macht. Das Neuron:ON verhält sich sehr vorhersehbar - Fahrfehler verzeiht es hingegen kaum. Geht es im Gelände wild zur Sache, reicht der Hinterbau starke, tiefe Schläge an den Fahrer weiter. In extremem Gelände wird das Bike unruhig. 140 Millimeter sind eben nur 140 Millimeter Federweg.

Das Neuron:ON ist ein Touren-Bike - genau wie sein Bruder ohne Motor. Wem die Reichweite des 750er Akkus noch nicht genug ist, der bekommt mit Boschs neuem PowerTube Range Extender weitere 250 Wh. Satte 1.000 Wh stehen dann zur Verfügung. Canyon bewirbt die Erweiterung durch den Range Extender zwar nicht, doch auf Anfrage wurde uns bestätigt, dass der Range Extender mit dem Neuron:ON kompatibel ist. Der Bosch CX Motor verdreifacht die eigene Muskelkraft, denn seine Unterstützung liegt bei 340 Prozent. Im Turbo-Modus geht es damit wie im Flug nach oben. Alles, was es dafür braucht, ist die kostenlose E-Bike Flow App von Bosch. Der Motor gibt einem satt Unterstützung - so viel, dass man auch anspruchsvolle Pfade berghoch erklimmen könnte. Denn das Neuron:ON ist grundsätzlich ein guter Kletterer. Eingeschränkt wird das Uphill-Abenteuer allerdings durch die mäßige Traktion am Hinterreifen und die hohe Front. An steilen Rampen steigt das Vorderrad. Auf mäßig steilen Pfaden hingegen marschiert das Canyon souverän nach oben.

Geht es bergab, zeigt sich das Neuron:ON mit zwei Gesichtern - je nach Untergrund und Gefälle. Auf moderaten Trails begeistert das Bike mit einem präzisen Handling. Der steife Rahmen und das straffe Fahrwerk resultieren in einem direkten Lenkverhalten. Je ruppiger und loser der Trail jedoch wird, desto mehr verliert das Neuron:ON seinen souveränen Charakter. Wer extreme Strecken ohnehin meidet, wird mit dem Canyon glücklich. Das straffe Fahrwerk ist Licht und Schatten zugleich: einerseits fühlt sich das Bike sehr definiert an, andererseits reichen die Federelemente schnelle, harte Schläge an den Fahrer weiter. Allerdings muss man auch hier den Reifen eine Teilschuld geben. Canyon richtet sein Neuron:ON stringent für lange Touren auf moderaten Trails aus. Dicker Akku, effizienter Vortrieb, viel Schub im Uphill. Denn durch die konsequente Ausrichtung ist das Canyon Neuron:ON kein Schweizer Taschenmesser. Anspruchsvolle Abfahrten verlangen dem Fahrer viel Kraft und Konzentration ab. Das Bike ist auf flowigen Trails zu Hause.

Cube Stereo: Der Allrounder mit exzellenter Preis-Leistung

Cube wirft mit dem Stereo One44 ein All-Mountain auf den Markt, nach dem sich viele Tourenfahrer sehnen. Es ist leicht, es ist gut ausgestattet und es ist bezahlbar. Das Cube Stereo One44 macht bergab Spaß, ist aber weder Highspeed-Bügeleisen noch eine verspielte Trailmaschine. Das Cube ist ein sehr guter Allrounder mit exzellenter Preis-Leistung. Wer demnächst die Alpen überqueren will, wird im Preisbereich um 4000 € kein besseres Bike finden. Bergab gibt es Bikes mit 140 mm Federweg und mehr Potenzial. Auch wenn die Carbonmodelle zu einem guten Preis über die Ladentheke gehen, fehlen attraktive Alu Bikes im Preisbereich um 2000 €.

Stereo Hybrid - Die elektrische Variante

Das Top-Modell der Neuron:ON Familie trägt den Zusatz CF 9 und kostet 6.999 Euro. Obwohl Cube über den Fachhandel an den Start geht, ist das Hybrid 140 HPC ActionTeam 200 € günstiger als das Canyon. Auf eine elektronische Funkschaltung muss man zwar verzichten, dafür bietet das Cube eine stärkere Bremsanlage, eine hochwertigere Sattelstütze und vor allem ein edles Fox Factory Kashima Fahrwerk. Doch in einer Sache behält das Canyon Oberwasser: beim Gewicht. Ganze 1,5 kg ist das Neuron:ON leichter als das Stereo Hybrid. Das ist eine Ansage.

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Mit langem Reach und kürzeren Kettenstreben zielt das Canyon auf Fahrspaß im Trail-Einsatz. Dazu passt das knackig-spritzige, wenn auch weniger sensible Rockshox-Fahrwerk. Cube nimmt auch hier konsequenterweise die komfortorientierte Touren-Klientel ins Visier: Gabel und Hinterbau arbeiten sehr sensibel und satt - das schont Biker auf langen Ausfahrten und erleichtert unerfahreneren Piloten holperige Abfahrten.

In Sachen Ausstattung punktet Cube bei Bremsen und Schaltung: Sie stammen aus Shimanos XT-Linie, bei Canyon muss man sich mit Deore begnügen. Doch die Koblenzer kontern mit dem Bosch-Connect-Modul: GPS-Tracker und Bewegungssensor versprechen bestmöglichen Diebstahlschutz. Obendrein ist das Versender-Bike günstiger.

Am Ende liefern sich das Canyon Neuron:On CF7 und das Cube Stereo Hybrid 140 HPC zwar ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Sieg nach Punkten, sprechen aber doch etwas unterschiedliche Zielgruppen an: Canyon den eher trail-hungrigen, Cube den mehr komfortorientierten Touren-Biker.

Vergleich der Trailbikes von Canyon, Cube & GT

Es gibt auch ein Test von Trailbikes von Canyon, Cube und GT. In diesem Test wurden die wuchtigeren, langhubigeren Trailbikes von Canyon, Cube und GT herausgepickt. Mit Federwegen zwischen 140 und 150 Millimeter an der Gabel und 130 bis 140 Millimeter am Heck rangieren diese schon eher zwischen den Kategorien Trail und All Mountain.Trail-Mountain-Bikes zwischen 2999 und 3999 Euro, wenn man so will. Doch nicht alle unsere Testkandidaten drücken so vehement auf die Waage wie das GT Sensor Carbon Elite. Mit ganzen 2,5 Kilo weniger auf den ”Rippen” zeigt das Cube Stereo One44 für 3299 Euro eine andere Interpretation der Gattung Trailbike.

So unterschiedlich wie die Gewichte fallen auch die Einsatzbereiche und damit die Stärken der Bikes aus. Geht es um die Touren-Qualität und das reine Strecke machen, so geben Canyon und Cube den Ton an. Aufgrund der sportlicheren Sitzposition und der noch schnelleren Reifen hat das Neuron hier sogar den Reifen vorne - trotz Gewichtsnachteil. Das GT Sensor tut sich erwartungsgemäß schwer. 15,8 Kilo wollen erst mal in Schwung gebracht werden. Gerade in welligem Terrain und auf verwinkelten Trails, wo permanente Antritte gefragt sind, hinkt das träge Sensor den anderen beiden Trailbikes deutlich hinterher. Auf technischen Uphills hingegen kann auch das GT punkten: Zum einen verfügt es über die griffigsten Reifen, zum anderen sorgt das Stahlfederheck für beste Traktion. So erklimmt das GT, wenn auch gemütlich, knifflige Passagen. Im Vergleich dazu hat das leichte Cube früher mit einer steigenden Front und fehlender Traktion zu kämpfen. Dank des sensiblen Hinterbaus und der sportlichsten Sitzposition klettert auch das Canyon sehr anständig, bis die schnellen Reifen schließlich ebenfalls am Limit sind.

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Bei einem Anschaffungspreis zwischen 3000 und 4000 Euro kommen beim Herzstück der Test-Bikes - dem Rahmen - unterschiedliche Materialien infrage. Während Cube bereits komplett auf leichtes Carbon setzt, kombiniert GT einen Kohlefaser-Hauptrahmen mit Alu-Kettenstreben. Das Canyon Neuron besteht komplett aus Alu. Da ein Alurahmen in der Produktion nach wie vor deutlich günstiger ausfällt, bleibt unterm Strich mehr Geld für die Ausstattung übrig. Cube und selbst das teure GT haben hier das Nachsehen.

Dreimal Trailbike, dreimal unterschiedlicher Charakter. Unsere Testbikes von Canyon, Cube und GT zeigen deutlich, wie verschieden man ein Bike dieser Gattung interpretieren kann. Während das schwere GT komplett auf Abfahrtsspaß gepolt ist, blüht das leichte Cube im Touren-Einsatz auf. Das Neuron kann alles auf hohem Niveau und gewinnt damit diesen Vergleich.

Vergleich von Light-E-MTBs: Canyon vs. Cube

Keine Bike-Kategorie sorgte in den letzten Jahren dermaßen für Empörung unter preisbewussten Bikern wie die Riege der Light-E-MTBs. Nun stellen die beliebten Preis-Leistungs-Marken Cube und Canyon Einstiegsmodelle für unter 5000 Euro in die Shops. Beide kommen schon mit Vollcarbonrahmen und attraktiven Gewichten. Auch wenn Canyon die 20-Kilo-Schallmauer verpasst: Klassische Power-E-MTBs dieser Preisklasse landen im Schnitt bei 24 bis 25 Kilo. Ein drastischer Unterschied. Cube schafft es mit seinem Günstig-Flitzer AMS Hybrid One44 Race sogar auf 18,7 Kilo. Ein Wert, den selbst viele High-End Light-E-Bikes nicht knacken.

Unsere zwei Kandidaten beweisen: Das Handling unterscheidet sich drastisch von dem der schwereren Full-Power-Brüder, und das Fahrgefühl landet näher an dem eines klassischen Mountainbikes als am E-Bike-Feeling. Gerade das leichte Cube AMS wieselt spaßig und flink um enge Ecken und lässt sich leichtfüßig von einer Linie auf die andere hoppen.

Bei Motor und Akku setzen Cube und Canyon auf das identische System. Für Vortrieb sorgt Boschs Performance SX. Der ist im Light-Vergleich nicht besonders kompakt und auch nicht rekordverdächtig leicht. Dafür liegt die Spitzenleistung extrem hoch. Bei schnellem und sportlichem Tritt schiebt der kleine Bosch spritzig und stark an. Doch ein Sorglos-Tool für lange Entdecker-Touren sind die Bikes mit diesem Antrieb nicht. Denn an steilen Anstiegen ist das geringere Drehmoment des Performance SX deutlich spürbar. Hier sind engagiertes Treten und eine sportlich hohe Trittfrequenz gefragt. Für den einen ist das ein No-Go, für manch andere vielleicht genau das Richtige.

Nachteil des Bosch SX: Auf dem Trail klappert der Motor aus dem Getriebe. So sind beide Bikes in der Abfahrt nicht ganz leise. Gerade bei Light-E-MTBs, die ein natürliches, dezentes Fahrerlebnis liefern wollen, ist das ein deutlicher Wermutstropfen. Auch bei der Reichweite muss man für das geringe Gewicht Abstriche machen. Mit 400 Wattstunden, obendrein fest im Unterrohr verbaut, fällt die Reichweite der beiden Bosch-SX-Bikes deutlich geringer aus, als bei klassischen E-MTBs. Auf langen Touren, gerade in den Alpen, muss man bewusst planen und behutsam mit der Motor-Power umgehen.

Beide Bikes bieten die Möglichkeit, mit einem optionalen Zusatz-Akku die Reichweite etwas aufzustocken. 250 Wattstunden liefert der Bosch Power More 250. Wie eine Trinkflasche kann das 1,6 Kilo schwere Teil aufs Unterrohr geschnallt werden. Über ein Kabel wird die zusätzlich Batterie mit dem Ladeport des Bikes verbunden.

Das Canyon Neuron:Onfly CF 7 ist sehr ausgewogen, kann in der Günstig-Variante aber nicht voll abräumen. Fahrwerk und Reifen beschränken das Trail-Können. Vor allem bei Fahrspaß und Handling zeigt das Cube AMS Hybrid One44 Race der Konkurrenz die Rücklichter. Ein echter Spielkamerad.

Cube und Canyon beweisen, dass das Konzept Light-E-MTB auch im erschwinglichen Preisrahmen aufgehen kann. Mit sportlich- spritzigem Fahrgefühl sind diese Bikes mehr Mountainbike als E-Bike. Das insgesamt noch stimmigere Cube AMS* kann bei Gewicht und Fahrverhalten noch mehr punkten.

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