Die PRP-Therapie (Platelet-Rich Plasma), auch bekannt als thrombozytenreiches Plasma, hat sich als eine vielversprechende Behandlungsoption für eine Vielzahl von Erkrankungen des Bewegungsapparates etabliert, einschließlich Gelenk-, Band-, Sehnen- und Muskelverletzungen. Ursprünglich in den 1960er Jahren etabliert und wissenschaftlich dokumentiert, hat die PRP-Therapie in den letzten Jahren aufgrund verbesserter Verfahren zur Thrombozytenanreicherung durch modifizierte Zentrifugationsprotokolle eine Renaissance erlebt.
Grundlagen der PRP-Therapie
Die Anwendung von thrombozytenreichem Plasma basiert auf der Erkenntnis, dass Thrombozyten bei der Blutgerinnung Wachstumsfaktoren freisetzen, die einen positiven Einfluss auf den Heilungsverlauf haben. Durch die lokale Konzentrationserhöhung dieser Wachstumsfaktoren können Wundheilungs- und Regenerationsprozesse in Defekten beschleunigt werden.
Wie funktioniert PRP?
Der Prozess der PRP-Therapie umfasst mehrere Schritte:
- Blutentnahme: Dem Patienten wird eine kleine Menge Blut aus der Armvene entnommen. Die Menge des entnommenen Blutes hängt von dem zu behandelnden Bereich ab.
- Zentrifugation: Die Blutprobe wird in eine Zentrifuge gegeben, die das Blut mit hoher Geschwindigkeit dreht, um es in seine Bestandteile zu trennen. Dieser Vorgang isoliert die Blutplättchen und das Plasma von den roten und weißen Blutkörperchen.
- Vorbereitung des PRP: Das abgetrennte Plasma, das nun reich an Blutplättchen ist, wird für die Injektion vorbereitet. Dieses PRP enthält eine höhere Konzentration an Blutplättchen als normales Blut, oft drei- bis fünfmal mehr.
- Injektion: Das PRP wird in den verletzten Bereich injiziert. Dies kann mit Hilfe von bildgebenden Verfahren wie Ultraschall durchgeführt werden, um eine präzise Verabreichung an der Zielstelle zu gewährleisten.
Herstellung von PRP-Präparaten
Für die Herstellung von plättchenreichen Eigenblutprodukten wurden in den vergangenen Jahren mehrere kommerziell erhältliche Kits überprüft. Zudem wurden die Zentrifugationsprotokolle modifiziert und wissenschaftlich evaluiert. Je nach Herstellungs- und Zentrifugationsverfahren und abhängig von Einflussgrößen, die mit dem einzelnen Patienten zu tun haben, enthalten die gewonnenen PRP-Präparate unterschiedliche Mengen an Thrombozyten und Wachstumsfaktoren. Die Konzentration der Plättchen im PRP-Präparat kann ein Vielfaches der Konzentration im Vollblut betragen, meist ist sie um das Drei- bis Sechsfache erhöht.
Anwendungsbereiche der PRP-Therapie
PRP-Therapie findet in verschiedenen medizinischen Bereichen Anwendung:
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- Muskuloskelettale Verletzungen: PRP wird häufig zur Behandlung chronischer Sehnenverletzungen wie Tennisellbogen, Achillessehnenentzündung und Springerknie eingesetzt. Es wird auch bei akuten Sportverletzungen wie Muskelzerrungen und Bänderdehnungen angewendet.
- Postoperative Heilung: PRP kann zur Förderung der Heilung nach Operationen eingesetzt werden, insbesondere bei Eingriffen an Sehnen und Bändern, wie z.B. bei Rotatorenmanschettenreparaturen.
- Arthrose: PRP-Injektionen werden zur Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung bei Patienten mit Arthrose eingesetzt, insbesondere im Knie.
- Kosmetische Anwendungen: In der Dermatologie wird PRP zur Haarregeneration und Hautverjüngung eingesetzt, um Zustände wie männlichen Haarausfall zu behandeln und die Wirkung kosmetischer Eingriffe zu verstärken.
- Weitere Anwendungen: PRP wird auch bei der Behandlung von Nacken- und Rückenschmerzen erforscht und manchmal in Kombination mit anderen Behandlungen wie Physiotherapie eingesetzt.
PRP-Therapie bei Arthrose
In den vergangenen Jahren wurde eine Reihe klinischer Studien mit verschiedenen PRP-Präparaten durchgeführt. Bei der symptomatischen Behandlung der Kniearthrose zeigten sich hier gute Ergebnisse - insbesondere im frühen Stadium der Arthrose. Außerdem zeigte die PRP-Behandlung im Vergleich zur Hyaluronsäure-Therapie eine bessere Wirkung. Zusammenfassend deutet die derzeitige Studienlage darauf hin, dass PRP besonders bei noch nicht allzu weit fortgeschrittener Arthrose einen therapeutischen Stellenwert hat.
PRP-Therapie bei Sehnen- und Sehnenansatzverletzungen/ -entzündungen
In den letzten Jahren wurden eine größere Zahl von Studien zur Behandlung mit PRP bei Sehnenverletzungen, Sehnenansatzverletzungen und Sehnenentzündungen veröffentlicht (insbesondere zu Achillessehnenverletzungen, Epikondylitis / Tennis- und Golferellenbogen, Patellarsehnenverletzungen / -entzündungen). Zur Behandlung von Sehnenverletzungen gibt es eine ähnliche Studienlage wie zur Behandlung der Arthrose. Studien haben gezeigt, dass eine PRP-Therapie insbesondere bei chronischen Sehnenverletzungen zu einer besseren und schnelleren Regeneration der Verletzung und zum Abklingen der Entzündung führen kann.
PRP-Therapie an der Wirbelsäule
Auch bei Erkrankungen an der Wirbelsäule spielt die PRP-Therapie eine zunehmend wichtige Rolle. Zu den Hauptursachen von Beschwerden an der Wirbelsäule gehört die Segmentdegeneration an der unteren LWS, wobei eine Aktivierung inflammatorischer Prozesse die Schwelle nozizeptiver Schmerzgeneratoren senkt. Die aktivierte lumbale und zervikale Facettengelenksarthrose, aktivierte Costotransversalgelenke, das ISG-Syndrom und der schmerzhafte iliolumbale und sacropelvine Bandapparat gehören dabei zu den Hauptindikationen für PRP-Anwendungen. Auch bei diskogenen und peri-/neuralen Beschwerden wird PRP erfolgreich appliziert.
Der therapeutische Nutzen von PRP begründet sich vor allem in seinem hohen Anteil thrombozytenständiger Wachstumsfaktoren. Für die Wirksamkeit der PRP-Therapie ist eine korrekte und exakte Diagnose essenziell. Diese zu finden kann insbesondere an der Wirbelsäule eine Herausforderung darstellen. Der Schmerzfokus und die in der Bildgebung aufgezeigten pathologischen Veränderungen werden mit der orthopädischen, neurologischen und manualmedizinischen Untersuchung korreliert. Die betroffenen anatomischen Strukturen der spinalen Komponenten (Wirbelkörper, Facettengelenke, Nervenwurzeln, Bandscheiben) sowie angrenzender Weichteile (Muskulatur, Faszien, Ligamente) sollten dabei möglichst exakt identifiziert werden. Die Diagnose kann mittels (therapeutischer) Testinfiltration verifiziert werden.
Um erhebliche entzündliche Veränderungen, insbesondere schmerzhaft aktivierte Facettengelenke „zur Ruhe“ zu bringen, werden Kortikosteroidinjektionen häufig erfolgreich eingesetzt. Steroide bewirken jedoch keine Heilungsprozesse und haben darüber hinaus auch chondrodegenerative Effekte, was ihren Einsatz limitiert. Zahlreiche Studien bestätigen die bessere Langzeitwirkung von PRP-Behandlungen im direkten Vergleich zu Steroiden. Auch an der Wirbelsäule findet sich eine entsprechende Evidenz.
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Im Vergleich der intraartikulären Anwendung von Kortikoiden mit PRP bei Patienten mit Facettensyndrom zeigten Wu et al., dass bei Patienten mit Steroidbehandlung das Schmerzempfinden nach anfänglichem Rückgang wieder kontinuierlich anstieg, während bei Patienten, die mit PRP behandelt wurden, das Schmerzempfinden über den gesamten Beobachtungszeitraum von 6 Monaten kontinuierlich und signifikant abnahm. Eine ähnliche Überlegenheit bzgl. des Langzeiteffektes von PRP-Behandlungen konnte auch in der Studie von Braun et al. festgestellt werden.
Die aktivierte Facettenarthrose stellt an der Wirbelsäule die häufigste Indikation für PRP-Anwendungen dar. Die Applikationsart kann auf unterschiedliche Weise erfolgen: frei d.h. Landmarken gestützt, ultraschall-, C-Bogen- oder CT-gesteuert. Der Ultraschall entwickelt sich hier zunehmend zur favorisierten Methode. Geräte stehen mittlerweile in den meisten orthopädischen und unfallchirurgischen Praxen zur Verfügung. Die Methode kann schnell und einfach angewendet werden und liefert wertvolle diagnostische Informationen über die betroffene Struktur und vorliegende Pathologie. Eine Behandlung kann unter direkter Sicht, vorzugsweise in der sogenannten „in-plane-Technik“ erfolgen.
PRP bei diskogenem Schmerz
Diskogener Schmerz hat seine Schmerzursache in den degenerativen Veränderungen des intervertebralen Diskus (IVD). Die kernspintomografische Einteilung der Diskusveränder-ungen wird nach der Pfirrmann-Klassifikation vorgenommen. Ergänzend wird die Einteilung nach Modic zur kernspintomografischen Beurteilung der Endplattenpathologien verwendet.
In der Behandlung der diskogenen Schmerzen mit PRP scheint ein stadiengerechtes Vorgehen verlaufsbestimmend zu sein. So gilt aktuell Modic Grad 1-2 und Pfirrmann Grad B-C als ideale Voraussetzung zur Diskusinjektion mit PRP, wenn zuvor auch ein positiver „Memory Pain“ durch Kontrastmittelinjektion auszulösen war.
Wie schnell wirkt PRP?
Die Wirksamkeit und der Zeitrahmen für sichtbare Ergebnisse der PRP-Therapie können variieren. Es ist wichtig zu verstehen, dass PRP den natürlichen Heilungsprozess des Körpers unterstützt, was Zeit in Anspruch nehmen kann. Einige Patienten berichten von einer Verbesserung innerhalb weniger Wochen, während bei anderen die vollständigen Vorteile erst nach mehreren Monaten sichtbar werden können.
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Wie oft muss ich behandelt werden?
Die Häufigkeit und Anzahl der erforderlichen Behandlungen hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der behandelten Erkrankung, der individuellen Reaktion des Patienten auf die Therapie und der spezifischen PRP-Protokolle, die vom behandelnden Arzt verwendet werden. In vielen Fällen wird eine Serie von Behandlungen empfohlen, typischerweise 2-3 Injektionen im Abstand von mehreren Wochen. Ihr Arzt wird einen individuellen Behandlungsplan basierend auf Ihren spezifischen Bedürfnissen erstellen.
Welche Nebenwirkungen hat PRP?
PRP-Therapie gilt im Allgemeinen als sicher, da sie das eigene Blut des Patienten verwendet, was das Risiko allergischer Reaktionen reduziert. Dennoch können einige Nebenwirkungen auftreten:
- Schmerzen und Unbehagen: Patienten können Schmerzen und Unbehagen an der Injektionsstelle verspüren, die in der Regel mild und vorübergehend sind.
- Infektion: Es besteht ein Risiko einer Infektion, wenn während des Verfahrens keine angemessenen Sterilisationstechniken angewendet werden.
- Nervenverletzungen: Es besteht ein geringes Risiko von Nervenschäden, insbesondere wenn die Injektion in der Nähe eines Nervs durchgeführt wird.
- Gewebeschäden: Eine falsche Nadelplatzierung kann zu Gewebeschäden führen, die Entzündungen und Unbehagen verursachen können.
- Allergische Reaktionen: Obwohl selten, können allergische Reaktionen auftreten, insbesondere auf Materialien, die bei der Vorbereitung der PRP-Injektion verwendet werden.
- Blutgerinnsel: Es besteht ein theoretisches Risiko von Blutgerinnseln, insbesondere bei Patienten mit einer Vorgeschichte von Gerinnungsstörungen.
Wie lange dauert eine PRP-Behandlung?
Die Dauer einer PRP-Behandlung kann variieren, liegt aber typischerweise zwischen 30 Minuten und einer Stunde. Dies umfasst die Zeit für die Blutentnahme, die Verarbeitung des Blutes in der Zentrifuge und die eigentliche Injektion. Die genaue Dauer hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich der zu behandelnden Körperregion und der spezifischen Protokolle der Klinik.
Ist die PRP-Therapie schmerzhaft?
Die meisten Patienten berichten von leichten bis mäßigen Schmerzen während der PRP-Injektion. Das Schmerzempfinden kann je nach behandelter Körperregion und individueller Schmerztoleranz variieren. Viele Ärzte verwenden lokale Betäubungsmittel, um das Unbehagen während der Injektion zu minimieren. Nach der Behandlung können vorübergehende Schmerzen oder Unbehagen auftreten, die in der Regel mit Over-the-Counter-Schmerzmitteln behandelt werden können.
Wird die PRP-Therapie von der Krankenkasse übernommen?
In den meisten Fällen wird die PRP-Therapie nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, da sie oft als experimentelle Behandlung eingestuft wird. Die Kosten müssen daher in der Regel vom Patienten selbst getragen werden. Es ist ratsam, vor der Behandlung mit Ihrer Krankenkasse zu sprechen, um die genauen Details der Kostenübernahme zu klären.
Kann PRP-Therapie mit anderen Behandlungen kombiniert werden?
Ja, PRP-Therapie kann oft mit anderen Behandlungsmethoden kombiniert werden, um die Heilung zu optimieren. Häufig wird PRP in Verbindung mit Physiotherapie, Osteopathie oder anderen regenerativen Therapien eingesetzt. Die Kombination mit anderen Behandlungen kann die Wirksamkeit erhöhen und zu besseren Ergebnissen führen. Ihr behandelnder Arzt wird einen individuellen Behandlungsplan erstellen, der möglicherweise PRP mit anderen geeigneten Therapien kombiniert.
ACP-Therapie: Eine spezielle Form der PRP-Behandlung
Die ACP-Therapie ist eine spezielle Form der PRP-Behandlung. Durch ein standardisiertes Aufbereitungsverfahren wird das Plasma zusätzlich „konditioniert“. So werden unerwünschte Bestandteile entfernt und ein besonders reines, hochkonzentriertes Plasma gewonnen. Diese Variante bietet eine sehr gute Verträglichkeit und wird in der Orthopädie häufig bei Arthrose, Knorpelschäden und Sehnenreizungen eingesetzt.
PRP vs. ACP: Was ist der Unterschied?
Bei beiden Verfahren gewinnen wir Blutplasma, das wertvolle Thrombozyten, Proteine und Wachstumsfaktoren enthält. Der entscheidende Unterschied liegt in der Konzentration dieser Bestandteile: PRP weist eine höhere Dichte an Thrombozyten auf, während ACP eine besonders gleichmäßige und für orthopädische Anwendungen gut geeignete Zusammensetzung bietet.
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