Eine Chemotherapie ist eine wirksame Behandlungsmethode gegen Krebs, die jedoch mit verschiedenen Nebenwirkungen verbunden sein kann. Diese Nebenwirkungen entstehen, weil die Chemotherapie nicht nur Tumorzellen, sondern auch gesunde, sich schnell teilende Zellen angreift. Besonders betroffen sind Zellen des Knochenmarks, der Schleimhäute, der Haut und der Haare. Wenn sich die Chemotherapie-Substanzen im Rückenmark oder Gehirn ansammeln, können Langzeitfolgen wie Kribbelparästhesien in Händen und Füßen und Schmerzsyndrome (Allodynie) auftreten. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Nebenwirkungen der Chemotherapie, insbesondere im Zusammenhang mit dem Rückenmark, und stellt Behandlungs- und Präventionsstrategien vor.
Auswirkungen der Chemotherapie auf das Knochenmark
Eine der häufigsten und schwerwiegendsten Nebenwirkungen der Chemotherapie ist die Knochenmarksuppression, auch Myelosuppression genannt. Sie entsteht durch die Schädigung der blutbildenden Zellen im Knochenmark.
Verminderung der Blutzellen
Die Chemotherapie kann die Bildung aller drei Arten von Blutzellen beeinträchtigen:
- Leukozyten (weiße Blutkörperchen): Ein Mangel an Leukozyten, insbesondere neutrophilen Granulozyten (Neutropenie), erhöht das Risiko für Infektionen. Um dies zu verhindern, können Granulozyten-Wachstumsfaktoren (G-CSF) gegeben werden, die die Bildung der Granulozyten im Knochenmark fördern.
- Erythrozyten (rote Blutkörperchen): Ein Mangel an Erythrozyten führt zu Anämie, die sich durch Müdigkeit, Blässe und Kurzatmigkeit äußern kann. In schweren Fällen können Bluttransfusionen mit Erythrozyten-Konzentraten notwendig sein oder Erythropoese-stimulierende Agenzien (ESA) verabreicht werden, die die Bildung von Wachstumsfaktoren anregen. Diese Substanzen können jedoch auch Nebenwirkungen wie thromboembolische Komplikationen und Bluthochdruck verursachen.
- Thrombozyten (Blutplättchen): Ein Mangel an Thrombozyten (Thrombozytopenie) erhöht die Blutungsneigung.
Thrombozytopenie: Ursachen, Symptome und Behandlung
Thrombozytopenie bezeichnet einen zu niedrigen Wert an Blutplättchen, den Thrombozyten. Zu den Aufgaben der Thrombozyten gehört es, ein Blutgefäß im Falle einer Verletzung wieder zu verschließen und dabei gerinnungsfördernde Stoffe freizusetzen, damit sich anschließend ein stabiler Wundverschluss bilden kann. Bei einer Thrombozytopenie besteht daher eine erhöhte Blutungsneigung.
Thrombozyten werden wie die roten und weißen Blutkörperchen im Knochenmark gebildet. Wird das Knochenmark während der Chemo- oder Strahlentherapie geschädigt, kann dadurch die Entstehung der Blutplättchen beeinträchtigt werden. Es kommt zu einem Mangel an Thrombozyten - einer Thrombozytopenie.
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Der normale Thrombozytenwert liegt zwischen 140.000 und 440.000 Zellen pro Mikroliter (µl). Während oder nach der Chemotherapie kann eine Thrombozytopenie entstehen, wenn Ihr Thrombozytenwert abfällt.
Bei zu vielen Thrombozyten ab 450.000 pro µl liegt übrigens eine Thrombozytose vor. Wenn diese die Blutzirkulation stört, muss eine blutverdünnende Therapie begonnen werden.
Symptome einer Thrombozytopenie:
- Schwindel
- Anhaltende Kopfschmerzen
- Verschwommene Sicht
- Leichte Bewusstseinsstörungen/Verwirrung
- Starke Müdigkeit
- Das Auftreten von Petechien (kleine, stecknadelkopfgroße rote Flecken auf der Haut)
- Vermehrte Bildung von Blutergüssen
- Zahnfleischbluten
- Anhaltendes Nasenbluten
- Starke Blutungen auch bei kleinen Verletzungen
- Dunkel gefärbter/rötlicher Urin
- Blut im Stuhl/schwarzer Stuhl
- Stärkere und längere Menstruationsblutung
Wenn Sie bei sich folgende Symptome beobachten, könnte das ein Hinweis auf eine Thrombozytopenie sein. In diesem Fall sollten Sie Ihren Arzt kontaktieren. Dieser kann den Verdacht unter anderem durch eine körperliche Untersuchung, sowie durch Blut- und/ oder Knochenmarkanalysen bestätigen.
Vorsichtsmaßnahmen bei Thrombozytopenie:
Auch kleine Verletzungen können bei zu wenig Thrombozyten zu starken Blutungen führen. Daher werden folgende Vorsichtsmaßnahmen empfohlen:
- Vermeiden Sie enge Kleidung und raue Stoffe.
- Verzichten Sie auf scharfe Rasierer, benutzen Sie lieber Elektrorasierer oder Enthaarungscreme.
- Messen Sie Fieber oral (unter der Zunge), statt rektal (über den After).
- Nehmen Sie ohne ärztliche Abstimmung keine Medikamente, die die Blutgerinnung herabsetzen. Hierzu zählen auch Schmerzmittel wie ASS oder Ibuprofen.
- Trinken Sie täglich 8 bis 10 Gläser Flüssigkeit und zusätzlich immer, wenn sich Ihr Mund trocken anfühlt.
- Verzichten Sie auf alkoholische Getränke.
- Sollten Sie einen starken Husten entwickeln, bitten Sie Ihren Arzt um die Verordnung eines Hustensafts, um so Reizungen im Hals zu mindern.
- Schützen Sie Ihre Hände vor Verletzungen; tragen Sie zum Beispiel zum Abwaschen Einmal-Handschuhe.
- Putzen Sie Ihre Zähne mit einer weichen Zahnbürste.
- Benutzen Sie keine Zahnseide.
- Verwenden Sie keine Mundspülungen mit Alkohol. Empfehlenswert sind beispielsweise Meridol® Mundspülung, oder Elmex® Sensitive.
- Benutzen Sie regelmäßig Lippenbalsam (beispielsweise Weleda Everon®).
- Verwenden Sie während der Menstruation keine Tampons, sondern Binden.
- Vermeiden Sie riskante Sportarten.
Verletzen Sie sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen und können die Blutung trotz Druckkompresse nicht stoppen, sollten Sie sofort den Rettungsdienst (112) benachrichtigen.
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Behandlungsmöglichkeiten bei Thrombozytopenie:
Die Therapie bei zu wenig Thrombozyten variiert je nach Ursache und Schweregrad.
- Liegt nur eine leichte Thrombozytopenie vor, wird in vielen Fällen keine Behandlung nötig.
- Ist die Thrombozytopenie auf Medikamente zurückzuführen, sollten diese nach Möglichkeit in Absprache mit dem Arzt abgesetzt oder geändert werden, um die Anzahl der Thrombozyten wieder zu erhöhen. Hinweis: Setzen Sie keine verordnete Medikation ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt abrupt ab.
- Bei einer sehr geringen Anzahl an Thrombozyten kann ein Thrombozytenkonzentrat helfen. Diese Infusion aus Blutspenden enthält eine hohe Menge an Thrombozyten und kann den Mangel ausgleichen.
Vorbeugung von Thrombozytopenie:
Einer Thrombozytopenie kann im Rahmen einer Krebsbehandlung nur sehr begrenzt vorgebeugt werden. Sie können Ihren Körper bei einer Thrombozytopenie neben geeigneten Medikamenten mit einer gesunden, vitaminreichen und ausgewogenen Ernährung und durch regelmäßige und moderate Bewegung dabei unterstützen, die Thrombozyten zu erhöhen.
Weitere Nebenwirkungen der Chemotherapie
Neben den Auswirkungen auf das Knochenmark kann die Chemotherapie eine Vielzahl weiterer Nebenwirkungen verursachen, die das Wohlbefinden der Patient:innen erheblich beeinträchtigen können.
Übelkeit und Erbrechen
Übelkeit und Erbrechen sind häufige Nebenwirkungen der Chemotherapie. Daher ist die vorbeugende (prophylaktische) Gabe von Medikamenten gegen Übelkeit und Erbrechen, sogenannten Anti-Emetika, heute Standard.
Verfügbare Substanzen:
- Serotonin-Rezeptor-Hemmer (5-HT3-Rezeptor-Antagonisten): Wirkung über Blockade der peripheren und zentralen Serotonin-Rezeptoren. Verfügbare Substanzen: Granisetron, Ondansetron, Palonosetron und Tropisetron jeweils i.v. und oral
- Neurokinin-1- (Nk1-)-Rezeptor-Hemmer: Wirkung über Blockade der Neurokinin-Rezeptoren.
- Kortikosteroide
- Metoclopramid (MCP)
- Benzodiazepine (z. B. Diazepam, Lorazepam): Keine primäre antiemetische Wirkung, können jedoch durch ihre angstlösende (anxiolytische) Wirkung und ihren beruhigenden (sedierenden) Effekt insbesondere beim antizipatorischen und unstillbaren Erbrechen wirkungsvoll sein.
Mukositis und Stomatitis
Mukositis und Stomatitis bezeichnen entzündliche Veränderungen der Mundschleimhaut, die durch die Chemotherapie hervorgerufen werden können. Es werden Radikale freigesetzt, die die Basalschicht der Schleimhaut angreifen. Es gibt vier Stadien der Mukositis, die von leichten Läsionen und Schluckbeschwerden bis hin zu starken Schmerzen und Ernährungsproblemen (Ernährung eventuell über eine Magensonde) reichen.
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Vorbeugung und Linderung:
- Um die Mundschleimhaut zu schützen, ist eine regelmäßige und konsequente Mund- und Zahnpflege wichtig.
- Patienten sollten vor Beginn der Therapie einen Zahnarzt aufsuchen, um mögliche Probleme (freiliegendes Zahnfleisch oder lockere Krone) zu behandeln.
- Eine gute Mundhygiene, der Verzicht auf Rauchen und Alkohol sowie eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind ebenfalls wichtig.
- Lippenpflege ist auch nicht zu unterschätzen, da wenig Speichel produziert wird, man einen trockenen Mund hat, und man man sich häufig die Lippen leckt. Dementsprechend können Leckekzeme entstehen.
- Bei der Ernährung sollte die Mundschleimhaut nicht gereizt werden und auf säurehaltige Lebensmittel wie Tomaten, Zitrusfrüchte, Sauerkraut, eingelegtes Gemüse, Dressing verzichtet werden. Stattdessen empfiehlt sich Schonkost wie gegartes Gemüse, Obst und Mus.
- Zur Linderung können Kamillentee, Pfefferminztee und Kochsalzlösung zum Spülen verwendet werden.
- Bei leichten Beschwerden einer Mundschleimhautentzündung können auf der Schleimhaut direkt wirkende Schmerzmittel in Form von Lösungen oder Sprays eingesetzt werden.
- Antimykotika stehen als Lutschtabletten, Lösungen, Kapseln oder Tabletten zur Verfügung. Dabei haben sich Medikamente zum Einnehmen als wirksamer erwiesen als solche, die örtlich aufgetragen werden.
Diarrhö (Durchfall)
Der durch eine Tumortherapie hervorgerufene Durchfall (Diarrhö) ist eine häufige und die Patient:innen belastende Nebenwirkung, die bei schweren Verläufen lebensbedrohlich sein kann. Außer einer Chemotherapie können auch zielgerichtete Therapien und die immunonkologische Therapie Durchfall verursachen. Ebenso ist eine Bestrahlung des Dick- und Dünndarms eine mögliche Ursache.
Behandlung:
- Aufgrund der Datenlage gibt es keine generelle Empfehlung für eine medikamentöse Prophylaxe des Durchfalls als Standardvorgehen.
- Zur Behandlung hat sich bei unkompliziertem Verlauf von Durchfall unter Chemotherapie oder Bestrahlung die Gabe von Loperamid als Standardtherapie empfohlen. Loperamid ist ein im Darm wirksames Opioid, das zur Verlangsamung der Darmbewegungen (Peristaltik) und Verminderung der Sekretion beiträgt.
- Durchfall während einer immunonkologischen Therapie beruht auf einer überschießenden Immunreaktion, die eine Darmentzündung (Kolitis) hervorrufen kann. Daher müssen umgehend die behandelnden Ärzt:innen darüber informiert werden.
Haut- und Nagelveränderungen
Hautzellen teilen sich relativ schnell. Dementsprechend haben viele Chemotherapien auch dort Einfluss. Es kann zu Haarausfall (Alopezie), Nagelveränderungen (Nägel verformen oder verfärben sich), akneähnlichen Hautveränderungen, allergischen Reaktionen und zum Hand-Fuß-Syndrom kommen. Gegen den Juckreiz können cortisonhaltige Präparate eingesetzt werden. Zur Pflege der Haut eignen sich harnstoffhaltige Salben, die Feuchtigkeit spenden. Dadurch kann sich die Haut schneller regenerieren.
Akneiformes Exanthem:
Als Nebenwirkung von Krebsmedikamenten kann ein akneähnlicher (akneiformer) Hautausschlag mit Rötung und Schuppung, Knötchenbildung und juckenden Pusteln auftreten. Das ist besonders häufig der Fall bei zielgerichteten Medikamenten, die sich gegen den epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor (EGFR) richten. Für einige dieser zielgerichteten Medikamente steht die Hautreaktion im direkten Zusammenhang mit dem Ansprechen auf die Therapie und kann ein Hinweis darauf sein, dass das Medikament gut wirkt. Zur Vorbeugung und Behandlung der Hautreaktionen sind je nach Bedarf verschiedene Medikamente verfügbar. Zudem ist ein sorgfältiger Schutz der Haut vor Druck, Hitze, Feuchtigkeit und Verletzungen durch die Patient:innen selbst wichtig.
Hand-Fuß-Syndrom (HFS):
Das Hand-Fuß-Syndrom (HFS), medizinisch auch palmar-plantare Erythrodysästhesie (PPE) genannt, bezeichnet eine schmerzhafte Rötung und Schwellung an den Handinnenflächen und Fußsohlen. Erste Anzeichen können Gefühlsstörungen wie Taubheit, Kribbeln oder Brennen sein. Als vorbeugende Maßnahmen empfehlen die Leitlinien: Reibungen, Hitze und Druck auf Händen und Füßen vermeiden. Zur Behandlung des HFS können je nach Bedarf und Schweregrad verschiedene Medikamente angeboten werden.
Fatigue
Als Fatigue wird eine besonders starke, krankhafte Müdigkeit und Erschöpfung beschrieben, unter der viele Krebspatient:innen leiden und die sehr belastend für die Betroffenen und ihr familiäres und soziales Umfeld sein kann. Die Fatigue lässt sich nicht auf eine Ursache allein reduzieren, sondern hat viele Auslöser, die oft gleichzeitig vorhanden sind.
Schmerzen
Die Diagnose Krebs ist bei vielen Menschen mit der Befürchtung verbunden, dass früher oder später unerträgliche Krebsschmerzen auftreten werden. Aber die heutigen Möglichkeiten der Schmerztherapie bei Krebskranken erreichen bei jedem Betroffenen eine Schmerzlinderung und bei 85 bis 90 Prozent der Patienten sogar eine weitgehende Schmerzfreiheit.
Arten von Schmerzen:
- Nozizeptive Schmerzen: Entstehen an Schmerzrezeptoren von Haut, Muskeln, Knochenhaut oder Gelenken (somatische Schmerzen) oder im Bauch-, Brust- oder Beckenbereich (viszerale Schmerzen).
- Neuropathische Schmerzen: Entstehen durch Reizung oder Zerstörung von Nervenbahnen.
Chemotherapie-induzierte periphere Polyneuropathie (CIPN)
Wenn sich die Chemotherapie-Substanzen im Rückenmark oder Gehirn ansammeln, können Langzeitfolgen wie Kribbelparästhesien in Händen und Füßen und Schmerzsyndrome (Allodynie) auftreten. Solche Erkrankungen des peripheren Nervensystems, auch Neuropathie genannt, können als Folge einer Behandlung mit Krebsmedikamenten oder einer Strahlentherapie auftreten. Aber auch der Tumor selbst kann eine Nervenschädigung hervorrufen. Besonders Nerven an Händen sowie Füßen, die für das Tastempfinden, die Schmerzweiterleitung und das Temperaturempfinden zuständig sind, sind von der nervenschädigenden Wirkung der Krebstherapien betroffen. Verantwortlich für Symptome wie Kribbeln, Brennen, Taubheitsgefühle, Muskelschwäche oder Schmerzen in den Fußsohlen oder Fingerspitzen sind meist Chemotherapie-Medikamente. Diese zerstören Nervenenden, Nervenzellen oder auch die isolierende Hülle um die Nervenzellfortsätze herum und behindern den Stoff- und Informationsaustausch zwischen Nervenzellen und Gewebe.
Zumeist ist der sicherste Weg, Beschwerden vorzubeugen, die Dosis des nervenschädigenden Medikaments zu verringern. An dieser Stelle muss jedoch sorgfältig zwischen Nutzen und Schaden abgewogen werden, denn eine Verringerung des Medikaments geht häufig mit Einbußen bei den Heilungschancen einher. Standardisierte prophylaktische Maßnahmen existieren bislang nicht. Einzig ein regelmäßiges Bewegungstraining, insbesondere der Finger- und Zehenfunktionen, wird von Expertinnen empfohlen. Sehr wichtig ist darüber hinaus, bereits vor der Einleitung der Chemotherapie bestehende neurologische Beschwerden ernst zu nehmen und demder behandelnden Arzt*Ärztin davon zu berichten.
Es gibt einige individuelle Faktoren, die das Risiko erhöhen, an Neuropathie zu erkranken. Neben der onkologischen Erkrankung können das auch Begleiterkrankungen wie Diabetis mellitus oder Niereninsuffizienz sein. Sehr wahrscheinlich ist ebenfalls, das Patient*innen mit einem hohen Alkoholkonsum ein größeres Erkrankungsrisiko haben. Auch genetische Faktoren beeinflussen den Schweregrad der Chemotherapie-induzierten Neuropathie. Momentan ist die Wissenschaft noch nicht so weit, dass Medikamente zum Schutz der Nerven entwickelt werden konnten. Es ist weitere Forschung nötig, um von den Erfahrungen aus dem Bereich der Nervenschädigungen bei Diabetes Mellitus profitieren und diese auf die Chemotherapie-bedingten Nervenschäden anwenden zu können.
Bei zunehmender Schädigung der Nerven nehmen Betroffene an Händen und Füßen oft keine Schmerzen, Wärme oder Kälte mehr wahr. Diese Taubheit führt zu Schwierigkeiten bei feinmotorischen, alltäglichen Aktivitäten, wie Schreiben oder Haus- und Gartenarbeit. Sind die Füße betroffen kann es zu Gleichgewichtsstörungen und Stürzen kommen. Sind eher Nerven, die Muskeln aktivieren, sogenannte motorische Nervenbahnen, betroffen, kann es zu unwillkürlichem Muskelzucken oder zu Muskelkrämpfen kommen. Einige Krebspatient*innen klagen auch über Kraftlosigkeit in Armen und Beinen, sodass sie Probleme beim Greifen und Gehen haben. Hör- und Sehstörungen können bei Schädigungen von Hirnnerven auftreten.
Eine neue Studie untersuchte, ob ein sensomotorisches Training das Auftreten von Nervenschäden verhindern kann. Eine Gruppe führte Gleichgewichtsübungen auf einem zunehmend instabilen Untergrund durch, während die andere auf einer Vibrationsplatte trainierte. Besonders profitierten Studienteilnehmende vom Gleichgewichtstraining. In kleineren Studien wurde zudem getestet, ob eine Kältebehandlung der Hände und Füße (Kältehandschuhe und -socken) während der Chemotherapie hilfreich sein kann. Auch die Kompression der Hände mit OP-Handschuhen haben Forschende untersucht.
Allgemeine Empfehlungen zur Linderung von Nebenwirkungen
- Offene Kommunikation: Sprechen Sie offen mit Ihrem Behandlungsteam und teilen Sie auch geringere Begleiterscheinungen mit.
- Supportive Therapien: Nutzen Sie supportive Therapien, die Nebenwirkungen lindern können.
- Ernährung: Achten Sie auf eine gesunde, vitaminreiche und ausgewogene Ernährung.
- Bewegung: Regelmäßige und moderate Bewegung kann helfen, viele Nebenwirkungen zu lindern.
- Psychologische Unterstützung: Psychologische Unterstützung kann helfen, mit den emotionalen Belastungen der Krebserkrankung und der Behandlung umzugehen.
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