Chemotherapie-induzierte Neuropathie: Ursachen, Behandlung und Linderung

Viele Krebspatienten kennen das unangenehme Gefühl von Kribbeln in Händen oder Füßen. Diese Erkrankungen des peripheren Nervensystems, auch Neuropathie genannt, können als Folge einer Behandlung mit Krebsmedikamenten oder einer Strahlentherapie auftreten. Aber auch der Tumor selbst kann eine Nervenschädigung hervorrufen. Besonders Nerven an Händen sowie Füßen, die für das Tastempfinden, die Schmerzweiterleitung und das Temperaturempfinden zuständig sind, sind von der nervenschädigenden Wirkung der Krebstherapien betroffen.

Was ist Chemotherapie-induzierte Neuropathie?

Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathie (CIPN) ist eine häufige Nebenwirkung von Chemotherapien, die bei Krebspatienten auftritt. Sie wird durch Schädigung der peripheren Nerven verursacht, die für die Übertragung von Signalen zwischen dem Gehirn und dem Rückenmark und dem Rest des Körpers verantwortlich sind. Diese Schädigung kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können.

Andere Begriffe für Polyneuropathie sind: „Periphere Polyneuropathie“, „Periphere Neuropathie“, kurz „PNP“, oder nur „Neuropathie“.

Ursachen der Chemotherapie-induzierten Neuropathie

Verantwortlich für Symptome wie Kribbeln, Brennen, Taubheitsgefühle, Muskelschwäche oder Schmerzen in den Fußsohlen oder Fingerspitzen sind meist Chemotherapie-Medikamente. Diese zerstören Nervenenden, Nervenzellen oder auch die isolierende Hülle um die Nervenzellfortsätze herum und behindern den Stoff- und Informationsaustausch zwischen Nervenzellen und Gewebe.

Manche Medikamente, die in der Chemotherapie von Krebskrankheiten verwendet werden, führen zur Schädigung von Nerven, speziell von diesen Ausläufern (Axonen). Die Medikamente schädigen die Axone. In den Axonen gibt es bestimmte Strukturen, die die Stabilität herbeiführen. Das sind die sogenannten Mikrotubuli. Es gibt Medikamente, die gegen Mikrotubuli gerichtet sind - in Tumorzellen. Es gibt eine weitere Form der Schädigung, bei der die schützenden Hüllen der Axone, die Myelinscheiden, betroffen sind. Die werden vor allem durch entzündliche Vorgänge beeinträchtigt. Manche Medikamente in der Krebstherapie, vor allem in der Immuntherapie können auch entzündliche Vorgänge auslösen und auf diese Weise die Myelinscheiden der Nervenausläufer beeinträchtigen bzw.

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Einige der häufigsten Chemotherapeutika, die Neuropathie verursachen können, sind:

  • Platinhaltige Medikamente (z. B. Cisplatin, Oxaliplatin)
  • Taxane (z. B. Paclitaxel, Docetaxel)
  • Vinca-Alkaloide (z. B. Vincristin, Vinblastin)
  • Bortezomib
  • Thalidomid

Es sind also nicht alle Medikamente, die zur Polyneuropathie führen können. Und es gibt auch genetische Unterschiede. Es gibt große individuelle Unterschiede. Und es liegt auch an den Medikamenten. Zum Beispiel beim Oxaliplatin gibt es eine Akut-Toxizität, die sofort bei der Verabreichung, dass heißt noch während die Chemotherapie läuft, auftreten kann oder am Tag danach und sich aber wieder zurück bildet, in der Regel zwischen jedem Zyklus und sich dann wieder normalisiert.

Es gibt einige individuelle Faktoren, die das Risiko erhöhen, an Neuropathie zu erkranken. Neben der onkologischen Erkrankung können das auch Begleiterkrankungen wie Diabetis mellitus oder Niereninsuffizienz sein. Sehr wahrscheinlich ist ebenfalls, das Patient*innen mit einem hohen Alkoholkonsum ein größeres Erkrankungsrisiko haben. Auch genetische Faktoren beeinflussen den Schweregrad der Chemotherapie-induzierten Neuropathie.

Zusätzliche Risikofaktoren

  • Hohes Alter
  • Vorhandene Neuropathie
  • Diabetes
  • Alkoholmissbrauch
  • Bestimmte genetische Faktoren

Symptome der Chemotherapie-induzierten Neuropathie

Die Symptome der CIPN können je nach den betroffenen Nerven variieren. Häufige Symptome sind:

  • Sensorische Symptome:
    • Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühl in Händen und Füßen
    • Schmerzen, die stechend, brennend oder bohrend sein können
    • Erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Berührungen
    • Verlust des Temperaturempfindens
    • Verlust des Lagesinns (Propriozeption)
  • Motorische Symptome:
    • Muskelschwäche
    • Koordinationsschwierigkeiten
    • Gleichgewichtsstörungen
    • Muskelkrämpfe
  • Autonome Symptome:
    • Verstopfung
    • Blasenfunktionsstörungen
    • Sexuelle Dysfunktion
    • Hör- und Sehstörungen können bei Schädigungen von Hirnnerven auftreten.

Die sensiblen Symptome treten interessanterweise typischerweise auf, wenn Sie zum Beispiel im Bett liegen, wenn die Bettdecke zu schwer wird, wenn Sie sozusagen keine Ruhe geben können wegen dieser Kribbelgefühle. Sie haben das Gefühl, Ameisen laufen über Ihre Fußsohle oder durch Ihre Füße. Sie treten aber auch auf, wenn Sie zum Beispiel ein Hemd auf- und zuknöpfen möchten oder eine Bluse als Frau. Oder wenn Sie ganz einfach spazieren gehen wollen, wenn Sie auf einmal merken: Sie sind ungeschicklicher. Das Interessante ist: Es gibt ein Schlagwort in der Medizin. Das heißt bei der Polyneuropathie: „Gehen mit den Augen“.

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Betroffene sind oftmals verängstigt, was mit ihrem Körper passiert oder merken lange Zeit gar nicht, dass sie stellenweise taub werden.

Auswirkungen im Alltag

Bei zunehmender Schädigung der Nerven nehmen Betroffene an Händen und Füßen oft keine Schmerzen, Wärme oder Kälte mehr wahr. Diese Taubheit führt zu Schwierigkeiten bei feinmotorischen, alltäglichen Aktivitäten, wie Schreiben oder Haus- und Gartenarbeit. Sind die Füße betroffen kann es zu Gleichgewichtsstörungen und Stürzen kommen. Sind eher Nerven, die Muskeln aktivieren, sogenannte motorische Nervenbahnen, betroffen, kann es zu unwillkürlichem Muskelzucken oder zu Muskelkrämpfen kommen. Einige Krebspatient*innen klagen auch über Kraftlosigkeit in Armen und Beinen, sodass sie Probleme beim Greifen und Gehen haben.

Besonders die Taubheitsgefühle können alltägliche Tätigkeiten zur Herausforderung machen: Bei tauben Fingerspitzen beispielsweise das Öffnen und Schließen von Knöpfen oder Flaschen. Taubheit in den Fußsohlen kann Probleme beim Gehen und Stürze verursachen.

Sie können ganz einfach durch diese verminderte Wahrnehmung, durch diese eingeschränkte Sensibilität sich eher verletzen, sich wehtun und ungeschickter hantieren. Sie können Dinge nicht mehr so gut angreifen, kleine Schraubenmuttern zum Beispiel beim Aufschrauben auf eine Schraube, aber auch beim Knöpfen. Diese Sensibilitätsstörung bedingt auch eine Einschränkung der Feinmotorik. Sie können aber auch durch Koordinationsstörungen schwächer, eher unsicher gehen. Das schränkt Sie deutlich in Ihrer Fortbewegung ein. Sie können stürzen. Die daraus resultierende Angst vor Stürzen führt Sie zum Rückzug. Sie gehen weniger hinaus und Sie dekonditionieren. Wer sich weniger bewegt, bekommt langfristig auch eine geringere Ausdauerleistungsfähigkeit und eine geringere Kraft.

Diagnose der Chemotherapie-induzierten Neuropathie

Es gibt verschiedene Diagnosemethoden bei Neuropathie. Es ist sehr wichtig, bereits vor der Einleitung der Chemotherapie bestehende neurologische Beschwerden ernst zu nehmen und demder behandelnden ArztÄrztin davon zu berichten.

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Die Diagnose der CIPN umfasst in der Regel eine körperliche Untersuchung, eine neurologische Untersuchung und möglicherweise elektrophysiologische Tests.

  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird Ihre Reflexe, Muskelkraft und sensorische Wahrnehmung überprüfen.
  • Neurologische Untersuchung: Der Arzt wird Sie nach Ihren Symptomen fragen und Ihre Krankengeschichte erheben.
  • Elektrophysiologische Tests: Diese Tests, wie z. B. die Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG) und die Elektromyographie (EMG), können helfen, die Funktion der Nerven zu beurteilen und die Schwere der Schädigung zu bestimmen.

Zusätzlich ist der sogenannte neurologische Status, der aber ein genereller medizinischer Status ist, notwendig. Das heißt, die Untersuchung einerseits sozusagen der Muskeleigenreflexe, der Hirnnervensituation, aber auch der Sensibilität, sprich der Berührungsdruckwahrnehmbarkeit der Patienten, der Temperaturwahrnehmbarkeit, der Schmerzwahrnehmbarkeit. Man nennt diese Art der Sensibilität die Oberflächensensibilität, sowie die Tiefensensibilität, unter anderem die Diskrimination: Was kann ich erkennen, wenn der Arzt zum Beispiel etwas auf meinen Körper schreibt? Kann ich die Zahl, den Buchstaben erkennen? Kann ich gewisse Gelenkstellungen, die ich nicht sehe, wahrnehmen und entsprechend rückmelden?

Für Sie als Patientin oder Patient nach einer Chemotherapie oder während einer Chemotherapie können Laborwerte interessant sein. Das könnte Diabetes mellitus sein. Es kann ein „gesundes“ Leben sein, wo der Patient glaubt, er bewegt sich wenig und trinkt lieber gern viel, und dabei zu viel Alkohol. Da können die Leberwerte entsprechend verändert sein.

Detaillierte Diagnosemethoden

  1. Anamnese und körperliche Untersuchung:

    • Erhebung der Krankengeschichte des Patienten, einschließlich der Art der Krebserkrankung, der durchgeführten Chemotherapie und anderer relevanter medizinischer Informationen.
    • Detaillierte Beschreibung der Symptome durch den Patienten, einschließlich Art, Lokalisation, Intensität und Verlauf der Beschwerden.
    • Allgemeine körperliche Untersuchung zur Beurteilung des allgemeinen Gesundheitszustands.
  2. Neurologische Untersuchung:

    • Überprüfung der Muskeleigenreflexe:
      • Mittels eines Reflexhammers werden die Muskeleigenreflexe überprüft, um mögliche Schädigungen der Nervenbahnen zu identifizieren.
      • Typischerweise wird der Achillessehnenreflex untersucht, da dessen Abschwächung oder Ausfall ein frühes Anzeichen für eine Neuropathie sein kann.
    • Sensibilitätsprüfung:
      • Oberflächensensibilität: Testung der Berührungs-, Druck-, Temperatur- (Kalt-Warm-Empfinden) und Schmerzempfindung an verschiedenen Körperstellen, insbesondere an Händen und Füßen.
      • Tiefensensibilität: Überprüfung der Wahrnehmung von Vibrationen (mittels Stimmgabel), der Gelenkstellung und der Fähigkeit, spitze und stumpfe Reize zu unterscheiden (Spitz-Stumpf-Diskrimination).
      • Zweipunktdiskrimination: Testung der Fähigkeit, zwei nahe beieinander liegende Berührungsreize als getrennt wahrzunehmen.
    • Motorische Untersuchung:
      • Beurteilung der Muskelkraft in verschiedenen Muskelgruppen, insbesondere in den Extremitäten.
      • Beobachtung des Gangbildes und der Koordination, um mögliche motorische Defizite festzustellen.
    • Gleichgewichtsprüfung:
      • Durchführung von Gleichgewichtstests, wie z.B. dem Romberg-Test oder dem Unterberger-Tretversuch, um Gleichgewichtsstörungen zu erkennen.
      • Verwendung von standardisierten Scores wie dem Tinetti-Test, der sowohl Balance- als auch Gehproben umfasst.
    • Hirnnervendiagnostik:
      • Überprüfung der Funktion der Hirnnerven, insbesondere bei Hinweisen auf Hör-, Seh- oder Gleichgewichtsstörungen.
  3. Elektrophysiologische Untersuchungen:

    • Elektroneurographie (ENG) / Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG):
      • Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, um die Funktion der peripheren Nerven objektiv zu beurteilen.
      • Identifizierung betroffener Nerven und Bestimmung des Ausmaßes der Nervenschädigung.
      • Differenzierung zwischen Schädigungen der Nervenfasern (Axone) und der isolierenden Myelinscheiden.
    • Elektromyographie (EMG):
      • Messung der elektrischen Aktivität der Muskeln, um festzustellen, ob die Störung primär im Muskel selbst liegt oder durch eine Schädigung der versorgenden Nerven verursacht wird.
      • Einführung einer feinen Nadelelektrode in den Muskel, um die Muskelaktivität in Ruhe und bei Anspannung zu untersuchen.
  4. Weitere diagnostische Maßnahmen:

    • Laboruntersuchungen:
      • Blutuntersuchungen zur Überprüfung von Parametern wie Blutzucker (Diabetes mellitus), Leberwerte (Hinweise auf Alkoholmissbrauch) und Vitamin-B12-Spiegel (Vitaminmangel).
      • Ggf. Untersuchung des Liquors (Nervenwasser) bei Verdacht auf entzündliche Polyneuropathien.
    • Pedobarographie:
      • Druckmessung unter den Füßen während des Gehens, um Druckspitzen und Fehlbelastungen zu identifizieren.
      • Hilfreich zur Anpassung von Schuhwerk und zur Planung physiotherapeutischer Maßnahmen.
    • Hörtest (Audiometrie):
      • Durchführung eines Hörtests beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt, insbesondere bei Patienten mit klingenden Ohrgeräuschen (Tinnitus) oder Hörverlust.
      • Bestimmung der Hörschwelle für verschiedene Frequenzen, um Hörverluste im Hochtonbereich (z.B. durch Cisplatin) frühzeitig zu erkennen.
    • Testung des Vibrationsempfindens:
      • Überprüfung des Vibrationsempfindens mit einer Stimmgabel an verschiedenen Körperstellen (z.B. Hand, Fuß).
      • Ein vermindertes Vibrationsempfinden kann ein frühes Anzeichen für eine Neuropathie sein.

Behandlung der Chemotherapie-induzierten Neuropathie

Die Behandlung von geschädigten peripheren Nerven infolge einer Krebstherapie ist momentan nur bedingt möglich. Ob eine medikamentöse Behandlung möglich ist, hängt davon ab, welche Beschwerden bei den Betroffenen im Vordergrund stehen.

Bereits geschädigte Nerven zu behandeln ist schwierig, deshalb steht die Vorbeugung von dauerhaften Schäden im Vordergrund. Es ist wichtig, bei ersten Anzeichen schnell zu handeln und den:die Ärzt:in zu informieren. Löst die Chemotherapie die Polyneuropathie aus, passt der:die Ärzt:in, wenn möglich, die Dosis oder das Schema an, um eine dauerhafte Schädigung der Nerven zu verhindern.

Der sicherste Weg, Beschwerden vorzubeugen, die Dosis des nervenschädigenden Medikaments zu verringern. An dieser Stelle muss jedoch sorgfältig zwischen Nutzen und Schaden abgewogen werden, denn eine Verringerung des Medikaments geht häufig mit Einbußen bei den Heilungschancen einher. Standardisierte prophylaktische Maßnahmen existieren bislang nicht. Einzig ein regelmäßiges Bewegungstraining, insbesondere der Finger- und Zehenfunktionen, wird von Expert*innen empfohlen.

Momentan ist die Wissenschaft noch nicht so weit, dass Medikamente zum Schutz der Nerven entwickelt werden konnten. Es ist weitere Forschung nötig, um von den Erfahrungen aus dem Bereich der Nervenschädigungen bei Diabetes Mellitus profitieren und diese auf die Chemotherapie-bedingten Nervenschäden anwenden zu können.

Medikamentöse Behandlung

Verursacht die Polyneuropathie Schmerzen, stehen verschiedene Schmerzmittel zur Verfügung, die je nach Schwere der Schmerzen eingesetzt werden.

Medikamente, die zur Behandlung von Chemotherapie-bedingten neuropathischen Schmerzen eingesetzt werden sind u.

  1. Antidepressiva:

    • Duloxetin: Laut einer aktuellen Leitlinie am wirksamsten zur Schmerzlinderung bei Neuropathie. Mögliche Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit oder Magen-Darm-Beschwerden. In Deutschland zugelassen gegen Schmerzen bei Nervenschädigungen durch Diabetes und Depressionen.
    • Venlafaxin: Kann ebenfalls zur Behandlung von neuropathischen Schmerzen eingesetzt werden. In Studien wurden stärkere Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Schwäche beschrieben. In Deutschland zugelassen gegen Depressionen.
    • Amitriptylin: Kann in Betracht gezogen werden, um Nervenschäden durch Krebsmedikamente zu behandeln. Nebenwirkungen können Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Augenprobleme oder Verstopfung sein.
  2. Antikonvulsiva:

    • Gabapentin und Pregabalin: Mittel, die eigentlich gegen Krampfanfälle entwickelt wurden. Ihr Nutzen bei Chemotherapie-bedingten neuropathischen Schmerzen konnte in Studien nicht eindeutig belegt werden. Aufgrund begrenzter Behandlungsmöglichkeiten wird dennoch eine schwache Empfehlung für diese Mittel ausgesprochen. Können Nebenwirkungen wie Benommenheit, Müdigkeit, Gelenk- und Muskelschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden verursachen.
    • Lamotrigin: Sollte bei Nervenschäden durch eine Chemotherapie nicht eingenommen werden.
  3. Opioide:

    • Schwache und starke Opioide können bei der Behandlung neuropathischer Schmerzen wirksam sein. Studien zur Wirksamkeit bei Chemotherapie-bedingten Nervenschmerzen sind jedoch begrenzt. Nachteile sind die starken Nebenwirkungen.
  4. Topische Behandlungen:

    • Pflaster und Cremes mit Substanzen, die örtlich wirken, wie Capsaicin 8 Prozent und Lidocain 5 Prozent. Empfohlen in einer Leitlinie für Betroffene, bei denen andere Mittel nicht geholfen haben. Pflaster nur auf trockener und unverletzter Haut anwenden. Bei der Anwendung von Pflastern mit Capsaicin sollte man Unterstützung von medizinischem Fachpersonal bekommen. Eine kleine Studie deutet auf den Nutzen einer Menthol-Creme hin.

Nicht-medikamentöse Behandlungen

Krebspatient*innen mit Taubheitsgefühlen an Füßen und Händen können mithilfe von Physiotherapie, Ergotherapie und Elektrotherapie oder Bädern behandelt werden. Besonders wichtig ist ausreichende Bewegung, wobei das Gewebe wird unterschiedlichen Reizen ausgesetzt wird, sodass sich die Nervenfunktion in den Gliedern erholen kann. Das so genannte Funktionstraining, welches Balanceübungen, sensomotorisches Training, Koordinationstraining, Vibrationstraining und auch Feinmotorikertraining umfasst, hat sich Studien zwecks Symptomlinderung positiv hervorgetan.

Eine Bewegungstherapie kann Beschwerden lindern und die Geschicklichkeit der Hände oder das Gleichgewicht beim Gehen fördern bzw. erhalten.

  1. Bewegungstherapie:

    • Sensomotorisches Training: Gleichgewichts- und Koordinationsübungen wie der Vorfußstand oder Einbeinstand auf instabilem Untergrund (Luftkissen, Kippelbrett, Vibrationsplattform).
    • Vibrationstraining: Einsatz von Vibrationsplattformen zur Stimulation der Nerven und Muskeln.
    • Feinmotoriktraining: Übungen zur Verbesserung der Geschicklichkeit von Händen und Füßen.
  2. Physiotherapie:

    • Gezielte Übungen zur Verbesserung der Gangsicherheit, des Gleichgewichts und zur Reduktion des Sturzrisikos.
    • Individuelle Anpassung der Übungen in Absprache mit dem Physiotherapeuten.
  3. Ergotherapie:

    • Einsatz von Hilfsmitteln wie Fußrollen, Bürsten oder Igelbällen.
    • Übungen in einer mit Bohnen, Erbsen und Körnern gefüllten Wanne zur Stimulation der Nerven.
    • Schreibtraining und Hilfsmittel zum Greifen von Gegenständen.
    • Förderung und Erhaltung der manuellen Geschicklichkeit und Beweglichkeit.
  4. Elektrotherapie:

    • Elektrische Stimulation der Nerven, z.B. in Form von Teilbädern mit Gleichstrom oder durch elektrische Stimulation der Haut.
  5. Weitere Maßnahmen:

    • Akupunktur: Als experimentelles Behandlungsverfahren für neuropathische Schmerzen. Die Wirksamkeit ist bislang nicht sicher belegt, weitere Forschung ist notwendig.

Was kann man selbst tun?

Abgesehen von körperlicher Ertüchtigung und den entsprechenden Vorkehrungsmaßnahmen um schädlichen Reizeinflüssen zu entgehen können Patient*innen leider nur wenig tun.

Für eine gute Lebensqualität sind Entlastungsgespräch sehr förderlich. Ein Termin kann bereits ausreichen oder eine längere psychoonkologische Therapie in Anspruch genommen werden. Auch Angehörige sind willkommen. In diesem Rahmen dürfen alle Sorgen angesprochen werden und die medizinischen Herausforderungen mit der Psychoonkologin noch einmal in Ruhe begriffen werden. Angst, Verzweiflung und Wut finden hier ihren Platz. Gespräche können entlastend sein und helfen dabei der Krebserkrankung nicht den Fokus zu geben, den sie wahrscheinlich mit der Diagnose eingenommen hat. „Gerade bei den Neuropathien gibt man den gedanklichen Fokus vom Kribbeln weg, um die Schmerzwahrnehmung zu reduzieren. Wichtig scheint es für Patienten zu sein, eine Anlaufstelle und ein Umfeld zu finden, in dem sie sich ernst genommen fühlen und den BehandlerInnen vertrauen. Alles was zu einer Entlastung der Situation beiträgt ist gut.

  1. Schutzmaßnahmen:

    • Kälte vermeiden: Patient*innen mit Problemen mit Kältereizen sollten sich nicht zu lange in kalten Räumen oder bei kaltem Wetter draußen aufhalten, ohne sich entsprechend zu schützen.
    • Für einen guten Stand sorgen: Um sich sicher fortzubewegen, sollten Vorkehrungen wie festes Schuhwerk oder eine Gehhilfe getroffen werden.
    • Verletzungen und Infektionen vorbeugen: Verletzungen, wie Schnittwunden oder Verbrennungen an Händen und Füßen werden später oder gar nicht wahrgenommen, wenn das Empfinden an diesen Stellen stark eingeschränkt ist.
    • Ohrgeräusche minimieren: Wer bei lauten Geräuschen an Tinnitus leidet, sollte laute Umgebungen meiden.
    • Bei Hitze aufpassen: Wenn du Temperaturen nicht mehr gut spüren kannst, kann es leicht zu Verbrennungen kommen. Vor dem Baden kannst du beispielsweise die Wassertemperatur mit einem Thermometer messen.
    • Auf Verletzungen achten: Bei Schmerzunempfindlichkeit kann es sein, dass du kleine Wunden an Händen oder Füßen nicht bemerkst. Diese können sich entzünden.
  2. Ernährung:

    • Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann helfen, die Nervenfunktion zu unterstützen.
    • Bestimmte Nährstoffe, wie z. B. Vitamin B12, spielen eine wichtige Rolle für die Gesundheit der Nerven. Ein Mangel an diesen Nährstoffen kann die Neuropathie verschlimmern.
  3. Entspannungstechniken:

    • Viele Krebspatienten kennen Gefühle wie innere Unruhe, Nervosität und Angst nur zu gut. Abgeschlagenheit, körperliche Verspannungen sowie Anspannung während und nach einer Krebstherapie sind belastend. Entspannungstechniken können Krebspatienten helfen, Verspannungen und Verkrampfungen zu lösen, Ängste zu mildern und die eigenen Kräfte zu stärken.
  4. Austausch mit anderen Betroffenen:

    • Der Austausch mit anderen Krebspatienten, die ebenfalls an Neuropathie leiden, kann sehr hilfreich sein. In Selbsthilfegruppen oder Online-Foren können Betroffene Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig unterstützen.

Verlauf und Prognose

Wie lange und wie oft eine Neuropathie auftritt, ist unterschiedlich. Laut einer finnischen Studie berichteten 76% der Patientinnen über Neuropathie-assoziierte Beschwerden, die Intensität wurde jedoch als gering angegeben. Auch nach zwei Jahren haben über 80% der Patientinnen noch neuropathische Symptome, allerdings sind diese dann vom Schweregrad eindeutig rückläufig. In schweren Fällen kann es sein, dass die Neuropathie noch mehrere Jahre nach der Therapie zu Problemen führt.

Es ist auch möglich, dass sich die vollen Symptome erst nach Abschluss der Chemotherapie entwickeln. Dann ist der weitere Verlauf in der Regel leider langwierig. Das heißt: Über Monate und manchmal Jahre bildet sie sich sehr langsam zurück.

In einem frühen Stadium lässt sich die Neuropathie oft gut behandeln. Während in weiterer Folge die Erscheinungen nur mehr gelindert werden können.

Wichtige Hinweise für den Umgang mit CIPN

  • Frühzeitige Erkennung und Behandlung sind entscheidend. Je früher die Neuropathie erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung.
  • Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt über Ihre Symptome. Nur so kann er die Behandlung optimal anpassen.
  • Seien Sie geduldig. Die Behandlung der CIPN kann Zeit und Geduld erfordern.
  • Geben Sie nicht auf. Es gibt viele Möglichkeiten, die Symptome der CIPN zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

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