Chronische Schmerzen sind eine weit verbreitete und oft schwer zu behandelnde Erkrankung, von der in Deutschland schätzungsweise zwölf Millionen Menschen betroffen sind. Diese Schmerzen können das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen und zu sozialem Rückzug, Arbeitsunfähigkeit und einem allgemeinen Verlust an Lebensqualität führen. Anders als akute Schmerzen, die in der Regel eine klare Ursache haben und mit der Zeit abklingen, bleiben chronische Schmerzen oft dauerhaft bestehen, selbst wenn der ursprüngliche Auslöser längst verschwunden ist. Besonders häufig betroffen sind Rücken, Kopf und Gelenke. Auch Erkrankungen wie Migräne oder Fibromyalgie spielen eine Rolle.
Die Behandlung von chronischen Schmerzen stellt eine große Herausforderung dar, da herkömmliche Schmerzmittel oft nicht ausreichend wirken oder mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden sind. Daher sind Mediziner ständig auf der Suche nach neuen und wirksameren Therapieansätzen. Eine vielversprechende Option, die in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat, ist die Verwendung von Capsaicin, dem Wirkstoff aus Chilischoten.
Capsaicin: Scharfstoff mit schmerzlindernder Wirkung
Capsaicin ist der Stoff, der Chilischoten ihre Schärfe verleiht. Er wirkt, indem er an sogenannte TRPV1-Rezeptoren auf den Nervenzellen bindet, die für die Schmerzwahrnehmung zuständig sind. Dies führt zunächst zu einer Aktivierung der Rezeptoren, was ein vorübergehendes Brennen verursachen kann. Langfristig jedoch führt die Capsaicin-Behandlung zu einer Desensibilisierung der Nervenrezeptoren, wodurch die Schmerzempfindlichkeit reduziert wird.
Die Idee, Capsaicin zur Schmerzlinderung einzusetzen, ist nicht neu. Bereits die Maya nutzten Chili als Medikament gegen Asthma und Husten und pflegten schmerzende Muskeln und Gelenke mit einer Paste aus zerstampften Chilischoten. In der modernen Medizin wird Capsaicin in verschiedenen Formen zur Behandlung von Schmerzen eingesetzt, beispielsweise als Salbe, Creme oder Pflaster.
Capsaicin-Pflaster: Gezielte Therapie bei Nervenschmerzen
Eine besonders effektive Anwendungsform von Capsaicin bei Nervenschmerzen ist das Capsaicin-Pflaster. Diese Pflaster enthalten eine hohe Konzentration des Wirkstoffs (8 Prozent) und werden direkt auf die betroffene Hautstelle aufgeklebt. Dort geben sie kontinuierlich Capsaicin ab, das die Schmerzübertragung beeinflusst und so die Schmerzen lindert.
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Capsaicin-Pflaster bieten eine Reihe von Vorteilen gegenüber anderen Schmerzmitteln. Sie wirken gezielt an der betroffenen Stelle, wodurch systemische Nebenwirkungen wie Schwindel, Müdigkeit oder Übelkeit reduziert werden. Zudem sind sie gut verträglich und können auch bei Patienten eingesetzt werden, die auf herkömmliche Schmerzmittel nicht gut ansprechen.
Anwendungsgebiete von Capsaicin-Pflastern
Capsaicin-Pflaster werden vor allem bei Nervenschmerzen eingesetzt, die durch Schädigungen oder Erkrankungen von Nerven verursacht werden. Dazu gehören beispielsweise:
- Postzosterische Neuralgie: Nervenschmerzen nach einer Gürtelrose
- Diabetische Neuropathie: Nervenschmerzen aufgrund von Diabetes
- Trigeminusneuralgie: Gesichtsschmerzen aufgrund einer Reizung des Trigeminusnervs
- Nervenschmerzen nach Operationen oder Verletzungen
- Polyneuropathie: Eine Erkrankung, die mehrere periphere Nerven betrifft.
Auch andere Schmerzformen, die sich bislang als therapieresistent erwiesen haben, könnten von der neuen Methode profitieren.
Anwendung und Nebenwirkungen von Capsaicin-Pflastern
Die Anwendung von Capsaicin-Pflastern sollte nur unter Aufsicht von medizinischem Fachpersonal erfolgen. Vor der Anwendung wird die betroffene Hautstelle gereinigt und gegebenenfalls rasiert. Das Pflaster wird dann auf die Haut aufgeklebt und für eine bestimmte Zeit (in der Regel 30 bis 60 Minuten) belassen.
Während der Behandlung kann es zu vorübergehenden Hautreaktionen wie Rötungen, Brennen, Juckreiz oder Blasenbildung kommen. Diese Nebenwirkungen sind in der Regel harmlos und verschwinden nach kurzer Zeit wieder. Um die Beschwerden zu lindern, können kühlende Umschläge oder Cremes aufgetragen werden.
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Studienergebnisse zur Wirksamkeit von Capsaicin-Pflastern
Die Wirksamkeit von Capsaicin-Pflastern bei Nervenschmerzen wurde in zahlreichen Studien untersucht. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2017 in der Zeitschrift „Pain Medicine“ zeigte, dass Capsaicin besonders effektiv bei der Linderung neuropathischer Schmerzen ist. Eine Studie aus dem Jahr 2018 in „Pain Practice“ ergab, dass die langfristige Anwendung von Capsaicin zur Schmerzlinderung beitragen kann, insbesondere bei chronischen Schmerzzuständen.
Auch andere Studien belegen die Wirksamkeit von Capsaicin-Pflastern bei verschiedenen Arten von Nervenschmerzen. So zeigte eine spanische Studie mit 60 Teilnehmern, dass das Schmerzempfinden durch die Anwendung von Capsaicin-Pflastern deutlich reduziert werden konnte. Eine skandinavische Studie untersuchte die Wirksamkeit, Sicherheit und Akzeptanz von Capsaicin 8 % Pflaster in der klinischen Praxis: Bei 28 Prozent bzw. 31 Prozent der behandelten bzw. wiederbehandelten Patienten ließen die Schmerzen in den Wochen 2 bis 8 der Studiendauer um mindestens 30 Prozent nach. Die Lebensqualität und der allgemeine Gesundheitszustand verbesserten sich von der ersten Woche an. Eine italienische Studie belegte, dass Capsaicinpflaster sogar oral verabreichtem Pregabalin überlegen sind - und zwar bei Patienten, die unter dynamischer mechanischer Allodynie aufgrund von peripheren neuropathischem Schmerz leiden.
Capsaicin-Pflaster als Bestandteil einer multimodalen Schmerztherapie
Capsaicin-Pflaster sollten idealerweise nicht als alleinige Therapie eingesetzt werden, sondern als ein ergänzender Bestandteil einer multimodalen Schmerztherapie, die verschiedene Ansätze kombiniert. Dazu gehören beispielsweise:
- Bewegungstherapie: Regelmäßige Bewegung kann helfen, die Muskeln zu stärken, die Durchblutung zu fördern und die Schmerzen zu lindern.
- Medikamentöse Behandlungen: Neben Capsaicin-Pflastern können auch andere Schmerzmittel wie Antidepressiva oder Antiepileptika eingesetzt werden.
- Psychologische Unterstützung: Chronische Schmerzen können zu psychischen Problemen wie Depressionen oder Angstzuständen führen. Eine psychologische Betreuung kann helfen, diese Probleme zu bewältigen und den Umgang mit den Schmerzen zu verbessern.
- Ernährung: Die richtige Ernährung kann dazu beitragen, Nervenschmerzen zu lindern und weiteren Problemen vorzubeugen.
Hausmittel gegen Nervenschmerzen
Neben der medizinischen Behandlung gibt es auch eine Reihe von Hausmitteln, die bei Nervenschmerzen Linderung verschaffen können. Dazu gehören:
- Kräuter und Tee: Einige Kräuter wie Teufelskrallenwurzel, Brennnessel oder Ingwer haben schmerzlindernde und entzündungshemmende Eigenschaften. Sie können als Tee getrunken oder in Form von Kapseln eingenommen werden.
- Kälte und Wärme: Wechselbäder oder die Anwendung von Eisbeuteln oder Wärmeauflagen können helfen, die Schmerzen zu lindern.
- Chili: Capsaicin, der Wirkstoff aus Chilischoten, kann auch äußerlich in Form von Salben oder Pflastern angewendet werden.
- Öle: Johanniskrautöl oder Pfefferminzöl können zur Massage der betroffenen Stellen verwendet werden. Olivenöl wirkt entzündungshemmend und blutverdünnend.
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann helfen, die Muskeln zu stärken, die Durchblutung zu fördern und die Schmerzen zu lindern.
- Entspannungsverfahren: Meditation, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und die Schmerzen zu lindern.
Es ist wichtig zu beachten, dass Hausmittel keine medizinische Behandlung ersetzen können. Bei starken oder anhaltenden Nervenschmerzen sollte immer ein Arzt aufgesucht werden.
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