Einführung
Das von Elon Musk gegründete Unternehmen Neuralink arbeitet an der Entwicklung von Gehirn-Computer-Schnittstellen (BCI), die das Potenzial haben, die Lebensqualität von Menschen mit neurologischen Erkrankungen erheblich zu verbessern. Diese Technologie ermöglicht es, Computer und andere Geräte direkt über Gedanken zu steuern. Dieser Artikel beleuchtet die Fortschritte, Herausforderungen und ethischen Fragen im Zusammenhang mit Neuralinks Gehirnchip-Technologie.
Fortschritte und Anwendungen
Erste Erfolge am Menschen
Neuralink hat seit 2024 Tests am Menschen durchgeführt. Zwölf Menschen tragen bereits Gehirn-Chips von Neuralink. Das Unternehmen hat seinen ersten "Brain-Computer-Interface"-Chip (BCI) in ein menschliches Gehirn implantiert. Der erste Patient mit dem Neuralink-Implantat kann dadurch dem Unternehmen zufolge unter anderem im Internet surfen sowie Schach und das Videogame „Mario Kart“ spielen.
Funktionsweise des Implantats
Das Implantat hat 1.024 Elektroden, die ein Roboter mithilfe einer extrem feinen Nadel mit dem Gehirn verbindet. Für die klinische Studie suchte Neuralink nach Patienten mit Tetraplegie - einer Querschnittlähmung, die Beine und Arme betrifft. Wenn Menschen zu Bewegungen ansetzen, wird ein bestimmter Bereich im Gehirn aktiv. Die Elektroden fangen diese Signale auf. So soll es reichen, sich eine Bewegung vorzustellen, um einen Cursor am Computer zu bedienen.
Nutzung im Alltag
Insgesamt seien die Implantate, die eine Steuerung von Computern, Smartphones und anderen Geräten durch Gedanken ermöglichen, seit 2.000 Tagen im Einsatz und dabei über 15.000 Stunden genutzt worden. Das Startup Neuralink von Elon Musk hat seinen Gehirn-Chip inzwischen bei weltweit zwölf Menschen eingesetzt.
Verbesserung der Lebensqualität
Noland Arbaugh, der erste Mensch weltweit, der das Gehirnchip-Implantat von Neuralink ausprobiert, berichtet von einer deutlichen Verbesserung seiner Lebensqualität. Er kann sich wieder mit der Welt, seinen Freunden und seiner Familie verbinden und hat das Gefühl, eine sinnvolle Arbeit zu verrichten.
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Zweiter Patient und weitere Implantationen
Im Januar bekam der erste Mensch einen Neuralink-Chip ins Gehirn implantiert, nun folgte der zweite. Elon Musk bestätigte die Nachricht und verkündete, er funktioniere gut. Musk sagte, dass 400 der Elektroden des Implantats im Gehirn des zweiten Patienten funktionierten. Es funktioniert sehr gut. Der Tesla-Chef sagte, er gehe davon aus, dass Neuralink in diesem Jahr im Rahmen ihrer klinischen Studien acht weiteren Patienten Implantate einsetzen werde.
Einsatz bei ALS-Patienten
Im vergangenen November erhielt auch der US-Amerikaner Bradford G. Smith ein Neuralink-Implantat. "Ich bin der dritte Mensch weltweit, der das Neuralink-Hirnimplantat erhalten hat. Der erste mit ALS. Der erste, der nicht sprechen kann. Ich tippe dies mit meinem Gehirn. Es ist meine primäre Kommunikationsform", schrieb Smith unter seinem Nutzernamen "ALScyborg".
Herausforderungen und Probleme
Ablösung von Elektroden
Elon Musks Gehirnimplantate-Firma Neuralink hatte bei ihrem ersten Patienten mit einem Problem zu kämpfen. In den Wochen nach der Operation im Januar hätten sich einige der Elektroden wieder vom Gehirn des Mannes gelöst, räumte Neuralink in einem Blogeintrag am Mittwoch ein. Dies sei jedoch durch Anpassung der Software aufgefangen worden.
Ursachenforschung
Zu den Gründen für die Ablösung der Elektroden machte Neuralink keine Angaben. Dem »Wall Street Journal« zufolge war eine Theorie des Unternehmens, dass nach der Operation Luft im Schädel geblieben sein könnte.
Reaktion auf das Problem
Als Reaktion habe man unter anderem den Algorithmus empfindlicher gemacht, der die Gehirn-Aktivität erfasst, und die Technik verbessert, die diese in Cursor-Bewegungen überträgt. Nach der Software-Anpassung seien die Genauigkeits-Werte höher als vorher, hieß es in dem Blogeintrag.
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Forschung und Entwicklung
An Hirn-Computer-Schnittstellen wird seit Jahren geforscht. Neuralink ist auch nur eines von mehreren Unternehmen, die solche Technologien entwickeln. Aber nur wenige Wissenschaftler haben sie bislang in Menschen getestet.
Ethische und regulatorische Bedenken
Datenschutzrisiken
Eine direkte Verbindung zwischen Gehirn und digitalen Systemen wirft zudem völlig neue Datenschutzrisiken auf: Wer hat Zugriff auf die Daten aus dem Gehirn? Können diese Schnittstellen gehackt oder manipuliert werden? Klassische Datenschutzgesetze wie die DSGVO in Europa versagen hier, denn sie sind nicht auf Gehirn-Computer-Schnittstellen ausgelegt. Noch fehlen klare Vorschriften, wer Daten aus dem Gehirn speichern, verarbeiten oder verkaufen darf.
Kommunikationsstrategie
Statt auf die in der Community üblichen Publikationen in Fachjournalen mit vorheriger Peer-Review-Prüfung durch unabhängige Experten setzt Neuralink auf eine stark unternehmensorientierte Kommunikationsstrategie in Form von Pressemitteilungen oder Live-Events.
Visionäre Ziele und Science-Fiction
Musk verbindet den Gehirnchip jedoch auch mit anderen Ambitionen, die an Science-Fiction denken lassen. Neben der Behandlung von gesundheitlichen Problemen will Musk das Gehirn mit Computern verbinden, um an Informationen und Erinnerungen aus den Tiefen des Gehirns zu gelangen. Der Unternehmer Musk sprach aber auch davon, Menschen mit "Supervision" auszustatten und menschliche Telepathie zu ermöglichen. Aber sind die Science-Fiction-Ideen von Musk überhaupt realisierbar?
Expertenmeinungen
Realisierbarkeit von Gedankenlesen
"Wir können die Gedanken der Menschen nicht lesen. Juan Alvaro Gallego, BCI-Forscher am Imperial College London, stimmt dem zu. ʺDas grundlegende Problem ist, dass wir nicht wirklich wissen, wo oder wie Gedanken im Gehirn gespeichert werden.
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Motorischer Kortex
Es wird angenommen, dass der motorische Kortex normalerweise nicht am Denken beteiligt ist. Was die Elektroden wirklich aufzeichnen, ist ein motorischer Plan - genauer gesagt, das Endergebnis aller Verarbeitungen in verschiedenen Teilen des Gehirns (sensorisch, sprachlich, kognitiv), die erforderlich sind, um sich zu bewegen oder zu sprechen. ʺDie Wissenschaftler haben auch gezeigt, dass sie die Absicht des motorischen Kortex lesen können, einen Buchstaben zu formen,ʺ sagt Gallego.
Potenzial für neurologische Störungen
»Die Idee von Schnittstellen zwischen Gehirn und Nervensystem hat ein großes Potenzial, Menschen mit neurologischen Störungen zu helfen«, sagte Tara Spires-Jones , Neurowissenschaftlerin an der Universität Edinburgh und Präsidentin der British Neuroscience Association, nachdem bekannt wurde, dass Elon Musk Menschen Gehirnchips einpflanzen lässt .
Einschätzung von Thomas Stieglitz
Derzeit sei das Implantat von Neuralink das neueste und komplexeste, das es gebe, sagt Thomas Stieglitz, Professor für biomedizinische Mikrotechnik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Interview mit tagesschau24. Die einzelnen verwendeten Technologien seien alle schon bekannt gewesen, aber erstmalig seien diese in einem Gerät vereint. "Es ist sehr beeindruckend", meint Stieglitz. "Was es aber macht, das müssen wir hinterher noch herausfinden. Weiterführende Ziele, wie die Idee, Gedanken zu lesen oder den Geist in eine Cloud zu laden, hält Stieglitz dagegen für reine Science-Fiction. "Weil wir noch nicht genau wissen, was überhaupt ein Gedanke ist.
Vergleich zu anderen Unternehmen
Neuralink hat auch mehrere Konkurrenten, die die Technologie ebenfalls kommerziell nutzen wollen. Die Firma Precision Neuroscience will ihr Implantat mit ebenfalls 1.024 Elektroden auf einem Film über einen sehr feinen Schnitt im Schädel minimalinvasiv am Gehirn anbringen.