Christof Kessler: Ernährungsempfehlungen des Neurologen zur Prävention und Förderung der Hirngesundheit

Einführung

In der modernen Medizin rückt die Bedeutung der Ernährung für die Gesundheit des Gehirns immer stärker in den Fokus. Der Neurologe Prof. Dr. med. Christof Kessler hat sich intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt und gibt auf Basis seiner Forschungsergebnisse konkrete Empfehlungen, wie man durch eine gezielte Ernährungsumstellung die geistige Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter erhalten und altersbedingten Erkrankungen wie Demenz entgegenwirken kann. Dieser Artikel beleuchtet Kesslers Empfehlungen und gibt Einblicke in die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die ihnen zugrunde liegen.

Die Verbindung zwischen Ernährung und Hirngesundheit

Die moderne Lebensweise, geprägt von Stress, Bewegungsmangel und einer unausgewogenen Ernährung, fordert ihren Tribut. Die Anzahl der Kopfschmerzpatienten ist in den letzten Jahrzehnten angestiegen, Depressionen gelten als Volkskrankheit, und mit steigender Lebenserwartung treten Alterserkrankungen wie Demenz oder Parkinson immer häufiger auf. Wenn es dem Gehirn nicht gut geht, kann sich das auf vielfältige Weise äußern.

Christof Kessler betont, dass die Ernährung ein wesentlicher Faktor für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Gehirns ist. Er erklärt, dass die Nervenzellen unseres Gehirns über Synapsen miteinander kommunizieren und Informationen mithilfe von Botenstoffen, den sogenannten Neurotransmittern, austauschen. Diese Neurotransmitter bestehen meist aus Eiweißmolekülen, die wir über unsere Ernährung aufnehmen. Eine gezielte Ernährung kann also die Bildung und Funktion dieser Botenstoffe positiv beeinflussen und somit die kognitive Leistungsfähigkeit stärken.

Kesslers Ernährungsempfehlungen für ein gesundes Gehirn

Prof. Kessler empfiehlt eine vielseitige und ausgewogene Ernährung, die reich an bestimmten Nährstoffen ist, die sich positiv auf die Hirngesundheit auswirken. Seine Empfehlungen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Die MIND-Diät: Eine Weiterentwicklung der mediterranen Ernährung

Kessler empfiehlt die MIND-Diät, eine Weiterentwicklung der mediterranen Ernährungsweise. Diese Diät kombiniert Elemente der mediterranen Ernährung mit spezifischen Empfehlungen für die Hirngesundheit. Sie beinhaltet den täglichen Verzehr von:

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  • Gemüse: Besonders Blattgemüse wie Spinat und Kohl sind reich an wichtigen Nährstoffen und Antioxidantien.
  • Vollkornprodukte: Sie liefern wichtige Ballaststoffe und sorgen für eine langsame und gleichmäßige Energieversorgung des Gehirns.
  • Obst: Vor allem Beeren sind reich an Antioxidantien, die die Hirnzellen schützen.
  • Olivenöl: Es ist reich an einfach ungesättigten Fettsäuren, die entzündungshemmend wirken und die Hirnfunktion unterstützen.
  • Nüsse: Sie fördern die Bildung von Neurotransmittern und enthalten wertvolle Fettsäuren. Besonders Cashewkerne tun dem Gehirn gut.

Mehrmals pro Woche sollten Hülsenfrüchte auf dem Speiseplan stehen, zwei Mal Geflügel und einmal Fisch.

Ballaststoffreiche Kost

Eine ballaststoffreiche Kost aus Vollkornprodukten ist wichtig für eine gesunde Verdauung und einen stabilen Blutzuckerspiegel. Dies wirkt sich indirekt auch positiv auf die Hirnfunktion aus.

Antioxidantien als Zellschutz

Antioxidantien dienen als Zellschutz und können die Hirnzellen vor schädlichen Einflüssen schützen. Daher empfiehlt Kessler den täglichen Verzehr von Gemüse und Früchten, insbesondere von Beeren und Nüssen.

Hülsenfrüchte, Fisch und weißes Fleisch

Hülsenfrüchte sollten viermal wöchentlich auf dem Speiseplan stehen, Fisch einmal und weißes Fleisch ebenfalls. Diese Lebensmittel liefern wichtige Proteine und Nährstoffe für das Gehirn.

Verwendung von Olivenöl

Olivenöl sollte als Hauptfettquelle verwendet werden, da es reich an einfach ungesättigten Fettsäuren ist, die entzündungshemmend wirken und die Hirnfunktion unterstützen.

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Mäßiger Konsum von Eiern und Käse

Ein Frühstücksei kann zwei bis drei Mal pro Woche verzehrt werden. Käse sollte aufgrund seines hohen Fettgehalts nur sparsam eingesetzt werden.

Sparsamer Einsatz von Salz

Salz sollte nur sparsam eingesetzt werden, da ein hoher Salzkonsum den Blutdruck erhöhen und somit das Risiko für Schlaganfälle und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen kann.

Vermeidung von schädlichen Fetten und Zucker

Zu viel Zucker und künstliche Fette schaden dem Gehirn. Insbesondere Transfette, die beispielsweise in Chips und Fast Food enthalten sind, sollten vermieden werden. Auch ein hoher Zuckerkonsum kann sich negativ auf die Hirnfunktion auswirken und das Risiko für Depressionen erhöhen.

Die Bedeutung von Cholin

Für die Bildung des Neurotransmitters Acetylcholin, der für die kognitive Leistung wichtig ist, benötigt das Gehirn Cholin. Cholin kommt vor allem in Eiern, Sojabohnen, Schweinefleisch und Weizenkleie vor.

Serotonin für gute Laune

Für unsere gute Laune ist der Neurotransmitter Serotonin verantwortlich. Damit das Gehirn Serotonin herstellen kann, benötigt es Tryptophan aus unserer Nahrung. Ein Stückchen Schokolade mit mindestens 70 Prozent Kakao kann das Glückszentrum im Gehirn aufleuchten lassen. Allerdings sollte man es nicht übertreiben, da zu viel Zucker wiederum Unwohlsein verursachen kann.

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Ernährung bei Einsamkeit und depressiven Verstimmungen

Kessler betont, dass eine spezielle Ernährung auch bei Einsamkeitsgefühlen oder depressiven Verstimmungen helfen kann. Hier gilt es vor allem, Fehler zu vermeiden und jede Form von Fast- und Junkfood zu meiden. Diese bewirken das genaue Gegenteil von all dem, was für eine gute Hirnfunktion förderlich ist.

Kesslers Buch "Essen für ein langes Leben"

Prof. Kessler hat seine Erkenntnisse und Empfehlungen in dem Buch "Essen für ein langes Leben" zusammengefasst. In diesem Buch zeigt er, wie man durch eine gezielte Ernährungsumstellung altersbedingten Abbauprozessen entgegenwirken kann. Er klärt über Nährstoffe, Hormone, Fasten und die Ernährung in den sogenannten Blauen Zonen auf, das sind Regionen auf der Welt, in denen es besonders viele alte Menschen gibt. Zusammen mit der Ernährungsexpertin Regina Rautenberg hat er Menüs zum Nachkochen kreiert, die vor Demenz schützen sollen, wie beispielsweise Blumenkohl-Kartoffel-Curry mit gebratenem Tofu.

Das Buch enthält alltagstaugliche Rezepte, die das Essen für ein langes Leben zu einem echten Genuss machen. Es umfasst ca. 160 Seiten und ist mit ca. 25 Fotos illustriert.

Kritik an der aktuellen Ernährungssituation

Kessler kritisiert, dass vielen Menschen der Einfluss der Nahrung auf ihre Gesundheit nicht bewusst ist. Er bemängelt, dass in Krankenhäusern oft zu wenige Informationsmöglichkeiten gibt und dass die Krankenhauskost und das Essen auf Rädern oft zu wenig Vitamin B12 enthalten, das eine große Bedeutung im Hirnstoffwechsel hat.

Er würde sich wünschen, dass fachspezifische Ernährungsleitlinien bekannter würden und dass Seminare für Patienten und Angehörige eine angemessene Honorierung erfahren.

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