Chronische Migräne: Ursachen, Behandlung und Management

Migräne ist mehr als nur ein einfacher Kopfschmerz. Sie ist eine neurologische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Insbesondere die chronische Migräne stellt eine große Herausforderung dar. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Behandlungsmöglichkeiten und das Management der chronischen Migräne, um Betroffenen und ihren Angehörigen ein besseres Verständnis und Hilfestellungen zu bieten.

Was ist chronische Migräne?

Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) definiert chronische Migräne als Kopfschmerzen, die an 15 oder mehr Tagen pro Monat über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten auftreten. An mindestens acht dieser Tage müssen typische Migräne-Symptome wie Aura, Übelkeit oder Erbrechen vorliegen. Es ist wichtig zu beachten, dass die Kopfschmerzen nicht auf einen Medikamentenübergebrauch zurückzuführen sein dürfen.

Die chronische Migräne betrifft etwa 1 bis 2 Prozent der Bevölkerung, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Sie ist mit einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität verbunden und kann zu sozialer Isolation, Verzweiflung und Depressionen führen.

Symptome der chronischen Migräne

Die Symptome der chronischen Migräne ähneln denen der episodischen Migräne, sind jedoch häufiger und intensiver. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Kopfschmerzen: Meist einseitig, pulsierend, stechend oder pochend, mit mittlerer bis hoher Intensität. Die Schmerzen können sich bei körperlicher Belastung verstärken.
  • Übelkeit und/oder Erbrechen: Begleiten oft die Kopfschmerzen und können die Betroffenen stark beeinträchtigen.
  • Licht- und Lärmempfindlichkeit: Betroffene ziehen sich während einer Attacke oft in dunkle, ruhige Räume zurück.
  • Aura: Neurologische Symptome wie Sehstörungen (Flimmersehen, Zickzack-Linien, Gesichtsfeldausfälle), Empfindungsstörungen (Kribbeln) oder Sprachstörungen können vor oder während der Kopfschmerzen auftreten.
  • Weitere Symptome: Appetitlosigkeit oder Heißhunger, Stimmungsveränderungen, Müdigkeit, Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Konzentrieren, vermehrtes Gähnen.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Symptome bei jedem Patienten auftreten und die Intensität der Beschwerden variieren kann.

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Ursachen und Auslöser der chronischen Migräne

Die genauen Ursachen der chronischen Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen, da Migräne häufig familiär gehäuft auftritt. Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass die Entwicklung einer chronischen Migräne durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst wird, darunter:

  • Hormonelle Veränderungen: Insbesondere bei Frauen können Schwankungen des Östrogenspiegels Migräneattacken auslösen.
  • Umweltfaktoren: Stress, Schlafmangel, unregelmäßiger Schlafrhythmus, Auslassen von Mahlzeiten, unzureichende Flüssigkeitszufuhr, bestimmte Nahrungsmittel (z.B. Rotwein, Käse), Wetterveränderungen, Lärm und Lichtreize können Migräneattacken triggern.
  • Begleiterkrankungen (Komorbiditäten): Depressionen, Angststörungen, Übergewicht, Bluthochdruck, Schlafstörungen und andere Schmerzerkrankungen können das Risiko für die Entwicklung einer chronischen Migräne erhöhen.

Diagnose der chronischen Migräne

Die Diagnose der chronischen Migräne basiert auf den Kriterien der International Headache Society (IHS) und einem ausführlichen Gespräch mit dem Arzt. Dabei werden die Häufigkeit, Dauer, Art und Stärke der Kopfschmerzen sowie mögliche Begleitsymptome erfragt. Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, die Beschwerden zu dokumentieren und mögliche Auslöser zu identifizieren.

In einigen Fällen können weitere Untersuchungen erforderlich sein, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen. Dazu gehören beispielsweise bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns.

Behandlung der chronischen Migräne

Die Behandlung der chronischen Migräne zielt darauf ab, die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Kopfschmerzen zu reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die Behandlung umfasst in der Regel eine Kombination aus medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen.

Medikamentöse Behandlung

Die medikamentöse Behandlung der chronischen Migräne umfasst zwei Hauptansätze:

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  • Akutbehandlung: Zur Linderung akuter Migräneattacken werden Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure (ASS) eingesetzt. Bei stärkeren Attacken können Triptane oder Ditane hilfreich sein. Gegen Übelkeit können Antiemetika wie Metoclopramid oder Domperidon eingenommen werden. Es ist wichtig, Schmerzmittel nicht zu häufig einzunehmen, um das Risiko eines Medikamentenübergebrauchskopfschmerzes zu vermeiden.
  • Prophylaktische Behandlung: Bei häufigen oder schweren Migräneattacken können Medikamente zur Vorbeugung eingesetzt werden. Dazu gehören:
    • Betablocker: Substanzen wie Propranolol, Metoprolol und Bisoprolol, die normalerweise bei Herzerkrankungen oder Bluthochdruck eingesetzt werden, können einer chronischen Migräne vorbeugen und sind oft schon in geringer Dosis wirksam.
    • Antidepressiva: Amitriptylin, ein trizyklisches Antidepressivum, kann ebenfalls zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden.
    • Antiepileptika: Topiramat und Valproinsäure sind Antiepileptika, die auch zur Vorbeugung von Migräneattacken eingesetzt werden können.
    • OnabotulinumtoxinA (Botox): Injektionen mit Botox in bestimmte Bereiche des Kopfes und Nackens können die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
    • Monoklonale Antikörper: Diese Medikamente blockieren das Molekül CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide), das bei der Entstehung von Migräne eine wichtige Rolle spielt. Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab und Eptinezumab sind Beispiele für monoklonale Antikörper, die zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden.
    • Gepante: Eine neue Wirkstoffgruppe, die ebenfalls gegen CGRP wirkt und bei Versagen anderer Therapien eingesetzt werden kann.

Die Wahl des geeigneten Medikaments hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Schwere der Migräne, Begleiterkrankungen und möglichen Nebenwirkungen.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Neben der medikamentösen Behandlung spielen auch nicht-medikamentöse Maßnahmen eine wichtige Rolle bei der Behandlung der chronischen Migräne. Dazu gehören:

  • Lifestyle-Anpassungen:
    • Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Achten Sie auf ausreichend Schlaf und einen regelmäßigen Schlafrhythmus.
    • Stressmanagement: Erlernen Sie Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga, um Stress abzubauen.
    • Regelmäßige Mahlzeiten: Vermeiden Sie das Auslassen von Mahlzeiten und achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung.
    • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Wasser über den Tag verteilt.
    • Vermeidung von Triggern: Identifizieren Sie Ihre persönlichen Migräneauslöser und versuchen Sie, diese zu vermeiden.
  • Physiotherapie und Sport: Regelmäßige Bewegung und Physiotherapie können helfen, Muskelverspannungen zu lösen und die Körperhaltung zu verbessern.
  • Psychologische Beratung: Eine Psychotherapie kann helfen, Stress zu bewältigen, Ängste abzubauen und den Umgang mit der Migräne zu erlernen.
  • Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren kann.
  • Biofeedback: Diese Methode hilft, Körperfunktionen wie Muskelspannung und Herzfrequenz bewusst wahrzunehmen und zu beeinflussen.
  • Neurostimulation: Die transkranielle Magnetstimulation (TMS) oder die Stimulation des Nervus supraorbitalis können bei einigen Patienten die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen reduzieren.

Krankheitsverlauf und Prognose

Der Verlauf einer chronischen Migräne ist individuell und nicht vorhersehbar. Es gibt keine einheitliche Prognose, da die Symptome, die Intensität der Beschwerden und der Leidensdruck bei jedem Betroffenen unterschiedlich sind.

Es ist wichtig zu betonen, dass die chronische Migräne behandelbar ist. Mit der richtigen Therapie und bestimmten Veränderungen im Alltag können viele Betroffene ein nahezu Migräne-freies Leben führen. Das Behandlungsziel ist nicht die Heilung, sondern die Reduzierung der Symptome und die Verbesserung der Lebensqualität.

Leben mit chronischer Migräne

Das Leben mit chronischer Migräne kann eine Herausforderung sein. Es ist wichtig, sich Unterstützung zu suchen und Strategien zu entwickeln, um mit den Beschwerden umzugehen. Einige Tipps für den Alltag:

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  • Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch: Dokumentieren Sie Ihre Kopfschmerzen, Begleitsymptome, Auslöser und Medikamente, um ein besseres Verständnis Ihrer Migräne zu entwickeln.
  • Suchen Sie sich professionelle Hilfe: Ein erfahrener Arzt oder Kopfschmerzspezialist kann Ihnen bei der Diagnose und Behandlung Ihrer Migräne helfen.
  • Treten Sie einer Selbsthilfegruppe bei: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr hilfreich sein.
  • Informieren Sie sich über Migräne: Je mehr Sie über Ihre Erkrankung wissen, desto besser können Sie damit umgehen.
  • Seien Sie geduldig: Die Behandlung der chronischen Migräne kann Zeit und Geduld erfordern. Geben Sie nicht auf, wenn die erste Therapie nicht erfolgreich ist.
  • Achten Sie auf sich selbst: Nehmen Sie sich Zeit für Entspannung und Erholung.

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