Augentropfen bei Myasthenia Gravis: Ein umfassender Überblick

Myasthenia gravis (MG), oft auch nur Myasthenie genannt, ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise körpereigene Zellen und Gewebe angreift. Diese Erkrankung führt zu einer Störung der Kommunikation zwischen Nerven und Muskeln, was zu einer belastungsabhängigen Muskelschwäche führt. Die Symptome können im Laufe des Tages schwanken und sich bei Belastung verstärken.

Myasthenia Gravis im Augenbereich

Eine Myasthenia gravis im Bereich der Augen äußert sich häufig durch Doppelbilder oder ein ein- oder beidseitiges Herabhängen der Augenlider. Grund dafür ist eine Lähmung eines oder mehrerer Augenmuskeln. Erste Beschwerden können aber auch Verschwommensehen, „müde Augen“, schwere Oberlider sowie verstärkte Anstrengung beim Lesen, Fernsehen, bei Bildschirmarbeit oder greller Beleuchtung sein. Bei Betroffenen mit Symptomen, die sich an den Augen äußern, kann eine Kühlung des Auges Linderung verschaffen.

Diagnostische Tests bei okulärer Myasthenie

Zur Diagnose einer Myasthenia gravis im Augenbereich werden verschiedene Tests eingesetzt:

  • Rotglas-Test: Hierbei wird ein rotes Glas vor das rechte Auge gehalten.
  • Lancaster Rot-Grün-Test: Zusätzlich wird ein grünes Glas vor das linke Auge gehalten.
  • Weitere Untersuchungen: Wenn der Arzt eine Myasthenia gravis vermutet, wird er zusätzlich noch weitere Untersuchungen wie z. B. Neurophysiologische Tests zur Messung und Bestimmung der Muskelerregung (Elektromyografie, EMG) ergänzen die Diagnostik. Mithilfe von Blutanalysen wird nach Antikörpern gesucht.

Behandlungsmöglichkeiten bei okulärer Myasthenia Gravis

Die Behandlung der Myasthenia gravis im Bereich der Augen erfolgt in der Regel medikamentös. Zusätzlich können aber bei hängenden Lidern Hilfsmittel wie etwa ein Lidretraktor an der Brille, ein durchsichtiges Klebeband oder auch eine Raffung des betroffenen Augenlids zu einer verbesserten Sicht führen. Doppelbilder können vorübergehend durch wechselseitiges Abdecken eines Auges bzw. langfristig beispielsweise durch Prismenfolien für Brillengläser behandelt werden. In manchen Fällen kann auch eine Schielkorrekturoperation angezeigt sein.

Medikamentöse Therapie

Die symptomatische Therapie lindert die Beschwerden, ohne die Ursache zu beseitigen. Hierzu wird meist ein Acetylcholinesterase-Hemmer (AChE-I) verwendet. Diese Medikamente verbessern die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel. AChE-I sind beim Lambert-Eaton-Syndrom weniger wirksam als bei einer Myasthenie. Als sogenannte ursächliche Therapie kommen Medikamente infrage, die das überaktive Abwehrsystem unterdrücken. Sie können verhindern, dass das Abwehrsystem die krankmachenden Autoantikörper bildet. Die größte Bedeutung haben hier Corticoide wie Prednison, Prednisolon oder Methylprednisolon. Auch andere Präparate wie Mycophenolat-Mofetil, Ciclosporin A, Tacrolimus oder Methotrexat können versucht werden.

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Wichtige Hinweise für den Umgang mit der Erkrankung

Beim Umgang mit deiner Erkrankung solltest du beachten, dass eine übermäßige Belastung die Beschwerden bei Myasthenia gravis verstärken kann. Die Muskelschwäche lässt sich nicht „wegtrainieren“. Regelmäßige Bewegung ist jedoch auch bei Myasthenia gravis sinnvoll. Vor allem, wenn auch weitere Muskeln deines Körpers betroffen sind, solltest du Sportarten wählen, bei denen die Belastungsintensität und -ausdauer einfach dosiert werden können, z. B. einen täglichen Spaziergang. Sprich dazu am besten vorher mit deinem Arzt. Wenn du übergewichtig bist, ist es auch hilfreich, dein Körpergewicht zu normalisieren, um deine Muskeln zu entlasten. Auch eine ausgewogene Ernährung ist sinnvoll, einem maßvollen Alkoholkonsum spricht dabei meist nichts entgegen. Allerdings solltest du aufgrund des Chiningehalts auf Bitterlimonaden verzichten.

Augentropfen zur Behandlung von Begleiterkrankungen und Symptomen

Obwohl es keine Augentropfen gibt, die direkt Myasthenia gravis behandeln, können bestimmte Augentropfen zur Linderung von Begleitsymptomen oder zur Behandlung von Erkrankungen eingesetzt werden, die bei MG-Patienten häufiger auftreten.

Betablocker-Augentropfen bei erhöhtem Augeninnendruck

Betablocker-Augentropfen wie BETOPTIMA werden zur Senkung des erhöhten Augeninnendrucks bei chronischem Weitwinkelglaukom sowie okularer Hypertension, Sekundärglaukom eingesetzt.

Anwendung:

  • Soweit nicht anders verordnet: 2-mal täglich, morgens und abends, 1 Tropfen in das erkrankte Auge eintropfen.
  • Eine Einstellphase von einigen Wochen kann erforderlich sein.
  • Wird mehr als ein topisches Ophthalmikum verabreicht, müssen die einzelnen Anwendungen mindestens 5 Minuten auseinander liegen. Augensalben sollten zuletzt angewandt werden.
  • Durch 2-minütiges Verschließen des Tränenkanals oder Schließen der Augenlider wird die systemische Aufnahme verringert.

Gegenanzeigen:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile.
  • Ernährungsstörungen der Hornhaut.
  • Reaktive Atemwegserkrankungen einschließlich schwerem bronchialem Asthma oder einer Vorgeschichte schweren bronchialen Asthmas, schwere chronisch obstruktive Lungenkrankheit.
  • Sinusbradykardie, Sick-Sinus-Syndrom einschließlich sinuatrialem Block, atrioventrikulärer Block 2. oder 3. Grades.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen:

  • Betablocker bei Patienten mit Herzblock ersten Grades nur mit Vorsicht einsetzen.
  • Behandlung mit Vorsicht: Patienten mit schweren peripheren Durchblutungstörungen oder -erkrankungen (z. B. schwere Formen der Raynaud-Krankheit oder des Raynaud-Syndroms); Patienten mit leichtem/moderatem bronchialem Asthma, einer Vorgeschichte leichten/moderaten bronchialen Asthmas oder leichter/moderater chronisch obstruktiver Lungenerkrankung COPD); Patienten mit Hornhauterkrankungen.
  • Betablocker bei Patienten mit Spontan-Hypoglykämie oder bei Patienten mit labilem Diabetes nur mit Vorsicht einsetzen.
  • Anwendung zweier topischer Betablocker wird nicht empfohlen.
  • Werden BETOPTIMA Augentropfen zur Augeninnendrucksenkung bei Engwinkelglaukom eingesetzt, sollten sie in Kombination mit einem Miotikum und nicht allein verabreicht werden.
  • Benzalkoniumchlorid kann Reizungen am Auge hervorrufen, insbesondere bei trockenen Augen oder Erkrankungen der Hornhaut.
  • Bei den ersten Anzeichen einer Herzinsuffizienz sollte die Behandlung abgesetzt werden.
  • Betablocker können die klinischen Zeichen und Symptome einer akuten Hypoglykämie und einer Hyperthyreose maskieren.

Nebenwirkungen:

  • Systemische allergische Reaktionen einschließlich Angioödem, Urtikaria, Ausschlag lokal und am ganzen Körper, Pruritus, Anaphylaxie.
  • Hypoglykämie.
  • Insomnie, Depression, Albträume, Gedächtnisverlust.
  • Synkope, apoplektischer Insult, zerebrale Ischämie, verstärkte klinische Zeichen und Symptome der Myasthenia gravis, Schwindelgefühl, Parästhesie und Kopfschmerzen.
  • Klinische Zeichen und Symptome okulärer Reizungen (z. B. Brennen, Stechen, Jucken, Tränen, Rötung), Blepharitis, Keratitis, Verschwommensehen, Ablösung der Chorioidea nach Filtrationschirurgie, verminderte Hornhautempfindlichkeit, trockenes Auge, Hornhauterosion, Ptosis, Doppeltsehen.
  • Bradykardie, Brustkorbschmerzen, Palpitationen, Ödeme, Arrhythmie, dekompensierte Herzinsuffizienz, atrioventrikulärer Block, Herzstillstand, Herzinsuffizienz.
  • Hypotension, Raynaud-Phänomen, kalte Hände und Füße.
  • Bronchospasmen (insbesondere bei Patienten mit bronchospastischer Vorerkrankung), Dyspnoe, Husten.
  • Geschmacksstörung, Übelkeit, Dyspepsie, Diarrhoe, trockener Mund, Abdominalschmerz, Erbrechen.
  • Alopezie, Ausschlag psoriasiform oder Exazerbation einer Psoriasis, Ausschlag.
  • Myalgie.

Antibiotische Augentropfen bei bakteriellen Augenentzündungen

Nettacin ist ein topisches Antibiotikum, das als Augentropfenlösung in Einzeldosisbehältnissen angeboten wird. Der Wirkstoff ist Netilmicin, ein halbsynthetisches Aminoglykosid-Antibiotikum mit breitem Wirkungsspektrum gegenüber grampositiven und gramnegativen Bakterien, einschließlich Gentamicin-resistenter Stämme. Nettacin ist zur lokalen Behandlung von externen Infektionen des Auges und seiner Anhangsgebilde bei Erwachsenen indiziert.

Anwendung:

  • Die empfohlene Dosis beträgt dreimal täglich 1 oder 2 Tropfen.
  • Die übliche Behandlungsdauer beträgt 5 Tage.

Gegenanzeigen:

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff Netilmicin, anderen Aminoglykosid-Antibiotika oder einem der sonstigen Bestandteile des Medikaments.
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

Nebenwirkungen:

  • Augenreizung
  • Bindehauthyperämie
  • Ausschlag am Augenlid
  • Augenlidödem
  • Augenjucken
  • Überempfindlichkeit
  • Urtikaria

Anwendungshinweise:

  • Nettacin darf nicht injiziert werden.
  • Bei einer Infektion der Augen wird vom Tragen von Kontaktlinsen dringend abgeraten.
  • Augensalben sind zuletzt anzuwenden, um die Wirksamkeit der Tropfen nicht zu beeinträchtigen.
  • Aufgrund unzureichender Daten zur Sicherheit sollte Nettacin während der Schwangerschaft nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und unter strenger ärztlicher Aufsicht angewendet werden.
  • Während der Stillzeit wird die Anwendung von Nettacinn nicht empfohlen.
  • Nettacin kann vorübergehend zu verschwommenem Sehen führen.

Tropicamid-Augentropfen zur Pupillenerweiterung

Tropicamid-Augentropfen werden zur Erzeugung einer diagnostischen Mydriasis (Pupillenerweiterung) verwendet.

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Anwendung:

  • 1 Tropfen in den Bindehautsack tropfen.
  • Dosierung sollte bei Säuglingen, insbesondere Frühgeborenen und (Klein-) Kindern sowie Erwachsenen >65 Jahre, Patienten mit Down-Syndrom, spastischer Lähmung oder Hirnschäden besonders vorsichtig erfolgen.
  • Zur Vermeidung der sehr seltenen systemischen anticholinergen Nebenwirkungen von Tropicamid bei Frühgeborenen und wann immer notwendig, die sich bei wiederholter Anwendung verstärken können, sind die Augentropfen vor Anwendung 1:1 mit NaCl 9 mg/ml (0,9%) Injektionslösung zu verdünnen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen:

  • Tropicamid kann signifikante Augeninnendrucksteigerung verursachen.
  • Bei Vorliegen eines Glaukoms - insbesondere bei Engwinkelglaukom - Anwendung nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung.
  • Äußerste Vorsicht bei Kindern und Personen, die empfindlich auf Belladonna-Alkaloide reagieren (erhöhtes Risiko einer systemischen Toxizität).
  • Anwendung mit besonderer Vorsicht bei Myasthenia gravis.

Nebenwirkungen:

  • Häufig: Kontaktdermatitis.
  • Sehr selten: Kreuzallergie mit Scopolamin; Benommenheit.
  • Nicht bekannt: Überempfindlichkeit; psychotische Reaktionen, Verhaltensstörungen; Schwindel, Kopfschmerz, Synkope; Augenbrennen und vorübergehendes stechendes Gefühl am Auge, Akkommodationsstörungen, Steigerung des Augeninnendrucks, vor allem bei entsprechend disponierten Personen, Auslösung eines Glaukomanfalls, Augenschmerzen, Irritationen des Auges, okuläre Hyperämie, Ödem, Konjunktivitis, Photophobie, verringerte lachrymale Sekretion, verlängerte Arzneimittelwirkung (Mydriasis), verschwommenes Sehen; kardiovaskuläre Effekte, wie z. B. Bradykardie gefolgt von Tachykardie mit Palpitationen und Arrhythmien; Hypotonie, kardiorespiratorischer Kollaps; verringerte nasale und bronchiale Sekretion; Übelkeit, Mundtrockenheit, Erbrechen, aufgetriebener Bauch** Störungen der Stuhlentleerung; Hautausschlag, Rötung und Trockenheit der Haut, verminderte Schweißsekretion; Harnsperre, vermehrter Harndrang, Schwierigkeiten bei Wasserlassen, Störungen der Blasenentleerung*; trockene Schleimhäute, Torkeln; erhöhte Temperatur.

Atropin-Augentropfen zur Pupillenerweiterung und Entzündungshemmung

Atropin-haltige Augentropfen werden verwendet zur Pupillenerweiterung vor Untersuchungen des Augenhintergrundes und bei Augenentzündungen (z.B. Regenbogenhautentzündung). Atropin ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Parasympatholytika (auch Anticholinergika oder Muskarinrezeptor-Antagonisten genannt). Seine parasympatholytischen (den Parasympathikus hemmenden) Eigenschaften sorgen unter anderem dafür, dass die glatte Muskulatur im Magen-Darm-Trakt, in den Gallenwegen und den ableitenden Harnwegen erschlafft.

Anwendung:

  • Dosierung und Häufigkeit der Anwendung werden vom behandelnden Arzt individuell an den Patienten angepasst.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen:

  • Nach der Anwendung Atropin-haltiger Augentropfen sollten Sie keine Fahrzeuge lenken oder Maschinen bedienen, da der Wirkstoff die Sehleistung und das Reaktionsvermögen beeinträchtigt.

Gegenanzeigen:

  • Engwinkelglaukom (eine Form von Grünem Star)
  • krankhafter Verengung der koronaren Gefäße (Koronarstenose)
  • Herzrhythmusstörungen mit beschleunigtem Herzschlag (tachykarde Herzrhythmusstörungen)
  • Blasenentleerungsstörung mit Restharnbildung
  • gutartiger Prostatavergrößerung
  • Myasthenia gravis (Autoimmunerkrankung der Nerven und Muskeln)

Nebenwirkungen:

  • Bei mehr als jedem zehnten Patienten treten Mundtrockenheit, gerötete, trockene Haut, ein beschleunigter Herzschlag und Sehstörungen (infolge der Pupillenerweiterung) auf.
  • Besonders in höheren Dosen kann Atropin auch zu Halluzinationen, Sprachstörungen, Krämpfen, Blutdruckerhöhung, Muskelschwäche, Harnverhalt, Verwirrtheits-, Unruhe- und Erregungszuständen führen.

Neue Therapieansätze bei generalisierter Myasthenia Gravis

UCB Pharma hat mit Rystiggo® und Zilbrysq® zwei Produkte auf den Markt gebracht, die speziell zur Add-on-Behandlung von generalisierter Myasthenia gravis entwickelt wurden.

  • Rystiggo® (Rozanolixizumab): Ein monoklonaler IgG4-Antikörper, der bei erwachsenen Patienten mit generalisierter Myasthenia gravis (gMG) eingesetzt wird, die positiv auf Anti-AChR oder Anti-MuSK getestet wurden. Der Antikörper blockiert ein Protein (FcRn), das dafür sorgt, dass krankheitsauslösende IgG-Antikörper länger im Körper verbleiben.
  • Zilbrysq® (Zilucoplan): Eine Zusatztherapie bei Erwachsenen mit gMG, die nur auf AChR-Antikörper positiv getestet wurden. Zilucoplan ist ein synthetisches makrozyklisches Peptid, das die Aktivität des Komplementsystems reduziert.

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