Muskelkrämpfe und ihre Ursachen, einschließlich viraler Infektionen

Muskelkrämpfe sind ein weit verbreitetes Phänomen, das durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden kann. In diesem Artikel werden die Ursachen von Muskelkrämpfen untersucht, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Zusammenhang mit viralen Infektionen liegt.

Was sind Muskelkrämpfe?

Muskelkrämpfe, auch Myalgien genannt, sind definiert als akute oder chronische, örtlich begrenzte oder diffuse Schmerzen in einzelnen Muskeln oder Muskelgruppen. Die Art der Schmerzen kann variieren und wird oft als brennend, ziehend, krampfartig, drückend oder stechend beschrieben. Begleitende Symptome können Muskelschwäche (Myasthenie), Bewegungseinschränkungen, Muskelsteifheit, erhöhter Muskeltonus, Muskelverspannungen und Muskelverhärtungen (Myogelosen) sein.

Man unterscheidet zwischen örtlich begrenzten und systemischen Myalgien. Bei der örtlich begrenzten Variante treten die Symptome in einem Muskel oder einer Muskelgruppe auf, während bei der systemischen Myalgie die Symptome im ganzen Körper spürbar sein können. Akute Muskelschmerzen verschwinden in der Regel nach einigen Tagen.

Ursachen von Muskelkrämpfen

Muskelkrämpfe können vielfältige Ursachen haben, von harmlosen Verspannungen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen. Es ist wichtig, die zugrunde liegende Ursache zu identifizieren, um eine angemessene Behandlung einzuleiten.

Häufige Ursachen

  • Muskelverletzungen: Muskelkater, Zerrungen, Prellungen, Muskelfaserrisse und Muskelrisse können Schmerzen verursachen. Diese Verletzungen entstehen oft beim Sport, wenn die Muskeln plötzlich stark angespannt werden, ohne vorheriges Aufwärmen.
  • Muskelkrämpfe: Magnesiummangel, Flüssigkeitsmangel, körperliche Belastung und bestimmte Erkrankungen können Muskelkrämpfe auslösen.
  • Muskelverspannungen: Bewegungsmangel, Fehlhaltungen, Stress und psychische Belastungen können zu Muskelverspannungen führen.
  • Medikamente, Drogen, Alkohol: Statine (Cholesterinsenker), Antibiotika, Heroin und Alkohol können Muskelschmerzen verursachen oder verstärken.

Entzündliche Muskelerkrankungen (Myositis)

Entzündliche Muskelerkrankungen, auch Myositiden genannt, können durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden:

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  • Infektiöse Myositis: Äußere Erreger wie Viren, Bakterien, Parasiten und selten Pilze können eine Myositis verursachen. In diesen Fällen kann der Krankheitserreger nachgewiesen werden und die Behandlung zielt auf die Bekämpfung dieses Erregers ab.
  • Autoimmune Myositis: Die meisten Formen der Myositis sind Autoimmunkrankheiten. Dabei ist das körpereigene Abwehrsystem fehlgesteuert und greift außer Krankheitserregern auch körpereigene Strukturen an, wodurch es zu Entzündungen in den Muskeln kommt.

Formen der Myositis

Das Spektrum unterschiedlicher Myositis-Erkrankungen ist breit. Es gibt sechs Hauptformen der Myositis:

  • Dermatomyositis: Betrifft vorwiegend Muskeln im Schulter- und Beckenbereich sowie die Haut.
  • Polymyositis: Betrifft ausschließlich die Skelettmuskulatur.
  • Einschlusskörpermyositis: Tritt vor allem bei Menschen über 45 Jahren auf und betrifft typischerweise die Oberschenkelstrecker und die Fingerbeuger.
  • Immunvermittelte nekrotisierende Myopathie: Betrifft vor allem die Arm- und Beinmuskulatur, teilweise sind auch Herz und Lunge beteiligt.
  • Anti-Synthetase-Syndrom: Betrifft die Gelenke und unterschiedliche Organe - oft die Lunge.
  • Overlap-Myositis: Tritt in Verbindung mit anderen Autoimmunerkrankungen auf.

Weitere Ursachen

  • Erkrankungen des Zentralen Nervensystems: Parkinson, Kinderlähmung (Amyotrophe Lateralsklerose, ALS), Post-Polio-Syndrom, Durchblutungsstörungen in bestimmten Hirnbereichen und Multiple Sklerose (MS) können mit Muskelschmerzen verbunden sein.
  • Erkrankungen des Skeletts und anderer Organe: Rückenbeschwerden, Bandscheibenvorfall, Hexenschuss, Schäden an der Halswirbelsäule, Osteoporose (Knochenschwund), Arthrose (Gelenkverschleiß) und Morbus Bechterew können Muskelschmerzen verursachen.
  • Stoffwechselerkrankungen: Glykogenspeicherkrankheiten und Mitochondriopathien können zu einer unzureichenden Energieversorgung der Muskeln führen.
  • Durchblutungsstörungen: Eine reduzierte Durchblutung der Muskeln, wie sie bei Gefäßerkrankungen oder einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) auftritt, führt zu einem Sauerstoffmangel in den Muskelzellen.
  • Autoimmunerkrankungen: Systemischer Lupus erythematodes und rheumatoide Arthritis können zu einer Fehlregulation des Immunsystems führen, bei der körpereigenes Gewebe, darunter die Muskulatur, angegriffen wird.
  • Chronische Schmerzen: Bei länger bestehenden Myalgien kann eine zentrale Sensibilisierung im Nervensystem entstehen, bei der die Schmerzschwelle im Rückenmark und Gehirn gesenkt wird.

Muskelkrämpfe und virale Infektionen

Virale Infektionen können eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Muskelkrämpfen spielen. Es gibt zwei Hauptmechanismen, durch die Viren Muskelschmerzen verursachen können:

  1. Direkte Schädigung der Muskelzellen: Einige Viren können direkt in die Muskelzellen eindringen und diese schädigen. Dies führt zu einer Entzündungsreaktion und zur Freisetzung von Schmerzmediatoren, was Muskelschmerzen verursacht.
  2. Indirekte Schädigung durch das Immunsystem: In einigen Fällen verursachen Viren keine direkte Schädigung der Muskelzellen, sondern lösen eine Immunreaktion aus, die die Muskeln angreift. Dies kann zu einer Myositis führen, bei der die Muskeln entzündet und geschädigt werden.

Beispiele für virale Infektionen, die Muskelschmerzen verursachen können

  • Influenza (Grippe): Die Grippe ist eine häufige virale Infektion, die oft mit Muskelschmerzen einhergeht. Die Muskelschmerzen werden durch die Freisetzung von Zytokinen (Entzündungsstoffe) als Reaktion auf die Virusinfektion verursacht.
  • Epstein-Barr-Virus (EBV): EBV ist ein Herpesvirus, das das Pfeiffersche Drüsenfieber verursacht. Muskelschmerzen sind ein häufiges Symptom des Pfeifferschen Drüsenfiebers.
  • Coxsackie-B-Virus: Coxsackie-B-Viren können verschiedene Erkrankungen verursachen, darunter Myokarditis (Entzündung des Herzmuskels) und Myositis.
  • COVID-19: Die durch das SARS-CoV-2-Virus ausgelöste Erkrankung COVID-19 kann ebenfalls Muskelschmerzen verursachen.
  • Andere Viren: Auch andere Viren wie Dengue-Viren und Herpesviren können Muskelschmerzen verursachen.

Postinfektiöses Erschöpfungssyndrom (ME/CFS)

In einigen Fällen können virale Infektionen zu langfristigen Muskelschmerzen und Erschöpfung führen. Dies ist der Fall beim Postinfektiösen Erschöpfungssyndrom (ME/CFS), auch bekannt als Myalgische Enzephalomyelitis. ME/CFS ist eine schwerwiegende, meist lebenslang andauernde Erkrankung mit unterschiedlich ausgeprägten körperlichen und geistigen Symptomen. Am häufigsten beobachtet werden Schwäche und Erschöpfung (Fatigue), Muskel- und Kopfschmerzen, Darmbeschwerden, Schwindel, Stress- und Reizempfindlichkeit, Herzrasen oder Blutdruckschwankungen. Typischerweise tritt eine Verschlechterung auch infolge geringfügiger Belastungen ein (Post-Exertional Malaise). Bei der Mehrzahl der Patient:innen beginnt die Krankheit nach einer Virusinfektion.

Diagnose von Muskelkrämpfen

Die Diagnose von Muskelkrämpfen umfasst in der Regel eine Anamnese, eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls weitere Untersuchungen.

  • Anamnese: Der Arzt wird nach den Symptomen, der Krankengeschichte und möglichen Auslösern der Muskelschmerzen fragen.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird die Muskeln abtasten, um Verspannungen, Verhärtungen oder Schwellungen festzustellen. Er wird auch die Beweglichkeit und Kraft der Muskeln prüfen.
  • Weitere Untersuchungen: In einigen Fällen können weitere Untersuchungen erforderlich sein, um die Ursache der Muskelschmerzen zu ermitteln. Dazu gehören:
    • Blutuntersuchungen: Zum Nachweis von Entzündungszeichen, Muskelenzymen (z. B. Kreatinkinase) und Autoantikörpern.
    • Elektromyographie (EMG): Zur Messung der elektrischen Aktivität in den Muskeln.
    • Muskelbiopsie: Zur Entnahme und Untersuchung von Muskelgewebe.
    • Bildgebende Verfahren: Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) oder Ultraschalluntersuchung, um Muskelverletzungen oder andere Erkrankungen zu erkennen.

Behandlung von Muskelkrämpfen

Die Behandlung von Muskelkrämpfen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

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  • Allgemeine Maßnahmen:
    • Schonen und Entlasten: Bei akuten Muskelschmerzen durch Verletzungen oder Überlastung sollten die Muskeln geschont und entlastet werden.
    • Hausmittel: Massagen, Wärme, Kälte, Druckverbände und Schmerzmittel können zur Linderung der Beschwerden beitragen.
    • Physiotherapie: Kann langfristig positiv zur Heilung beitragen.
  • Spezifische Behandlungen:
    • Infektiöse Myositis: Behandlung der Infektion mit antiviralen, antibakteriellen oder antiparasitären Medikamenten.
    • Autoimmune Myositis: Behandlung mit Immunsuppressiva, Glukokortikoiden (Kortison) und Immunglobulinen.
    • Muskelverspannungen: Entspannungsübungen, Massagen, Wärme, Physiotherapie und Schmerzmittel.
    • Magnesiummangel: Magnesiumpräparate.
    • Flüssigkeitsmangel: Ausreichende Flüssigkeitsaufnahme.
    • Medikamenteninduzierte Muskelschmerzen: Absetzen oder Wechsel des Medikaments.
    • ME/CFS: Symptomatische Behandlung, da es keine zugelassenen und wirksamen Behandlungsmöglichkeiten gibt.

Vorbeugung von Muskelkrämpfen

  • Regelmäßige Bewegung und Sport: Inklusive Aufwärm- und Abkühlungsphase.
  • Dehnübungen und Krafttraining: Langsames Heranführen an größere Belastungen der Muskeln (Trainingsintensität).
  • Ausgewogene Ernährung: Zur Vermeidung eines Magnesium- oder allgemeinen Nährstoffmangels.
  • Ausreichende Flüssigkeitsaufnahme: Besonders bei körperlicher Aktivität.
  • Vermeidung von Fehlhaltungen: Ergonomischer Arbeitsplatz.
  • Stressmanagement: Entspannungsübungen.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:

  • Die Ursache der Muskelschmerzen unklar ist.
  • Starke, ohne sichtliche Ursache auftretende, chronische oder plötzliche Muskelschmerzen bestehen.
  • Der Verdacht auf einen Muskelfaserriss, Muskelriss oder eine Erkrankung besteht.
  • Zusätzliche Symptome wie Fieber, Hautausschlag, Atembeschwerden oder Herzbeschwerden auftreten.

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