Ursachen und Behandlung chronischer Migräne

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, deren Hauptsymptom anfallartige Kopfschmerzen sind, die oft von anderen Symptomen begleitet werden. Eine Migräneattacke kann bis zu 72 Stunden dauern. Einige Betroffene haben auch eine Aura vor einem Anfall, die meist visuelle oder andere sensorische Wahrnehmungsstörungen verursacht. Was eine Migräneattacke auslöst (Trigger), ist individuell verschieden. Migräne ist eine der häufigsten Kopfschmerzerkrankungen und zählt zu den primären Kopfschmerzen. Im Gegensatz zu sekundären Kopfschmerzen, die durch andere Erkrankungen verursacht werden, treten die Attacken am häufigsten und schwersten bei Erwachsenen im Alter von 20 bis 50 Jahren auf, meist beginnt die Migräne jedoch schon im Jugendalter. Am häufigsten sind Migräneanfälle ohne vorherige Aura. Es handelt sich dabei um wiederkehrende Kopfschmerzen, die in der Regel 4-72 Stunden anhalten. Meist ist nur eine Kopfseite betroffen, die Seite kann jedoch während einer Attacke und von Anfall zu Anfall wechseln. Vor einer Schmerzattacke kommt es bei einigen Betroffenen zu einer Aura. Von einer Migräne mit Aura wird gesprochen, wenn es sich um wiederkehrende, minutenlange Attacken mit einseitigen, vollständig reversiblen Aura-Symptomen handelt. Diese entwickeln sich in der Regel allmählich. Die Aura-Symptome können nacheinander auftreten und jeweils bis zu 1 Stunde anhalten. Die Aura kann auch erst nach Beginn der Kopfschmerzphase einsetzen oder sich bis in die Kopfschmerzphase hinein fortsetzen. Sehstörungen, z.B. Sensibilitätsstörungen, z.B.

Definition und Diagnose der chronischen Migräne

Nach der Klassifikation der International Headache Society (IHS) liegt eine chronische Migräne vor, wenn Kopfschmerzen an mehr als 15 Tagen im Monat über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten auftreten und mindestens fünf Migräneattacken (mit oder ohne Aura) vorausgegangen sind. An mindestens acht Tagen pro Monat über mehr als drei Monate müssen die Kopfschmerzen die Kriterien eines Migränekopfschmerzes (mit oder ohne Aura) erfüllen oder vom Patienten als Migräne eingestuft werden, die sich durch Triptane oder Ergotamine bessert. Medikamentenübergebrauch ist ein Chronifizierungsfaktor, die Diagnose kann jedoch auch ohne Medikamentenübergebrauch gestellt werden.

Bei Erfüllung der genannten Kriterien und nach Ausschluss sekundärer Ursachen ist die chronische Migräne von anderen chronischen Kopfschmerzformen abzugrenzen, bei denen die Kopfschmerzen ebenfalls an mindestens 15 Tagen im Monat über mehr als drei Monate und mindestens vier Stunden pro Tag auftreten. Hierzu gehört der chronische Kopfschmerz vom Spannungstyp, der nicht migränetypisch ist, kaum mit Begleitsymptomen einhergeht und nicht auf Triptane anspricht. Hinzu kommt die Hemicrania continua, ein immer halbseitiger Kopfschmerz, bei dem das Auge immer mitbetroffen ist und der schnell und vollständig auf Indometacin anspricht. Eine weitere chronische Kopfschmerzform ist der neu aufgetretene tägliche Kopfschmerz, der von einem Tag auf den anderen auftritt und dann nicht wieder aufhört.

Treten die Migräneattacken mindestens 3 Monate lang an mindestens 15 Tagen im Monat auf, davon an mindestens 8 Tagen mit den typischen Merkmalen des Migränekopfschmerzes, so handelt es sich in der Regel um eine chronische Migräne. Die genaue Bestimmung der Kopfschmerzform sollte bei einem spezialisierten Arzt persönlich besprochen werden. Die Einteilung von Migräne im Diagnosekatalog der „Internationalen Klassifikation der Krankheiten“ (ICD) der Weltgesundheitsorganisation können Sie in der Version ICD-10 unter www.bfarm.de > Kodiersysteme > ICD > ICD-10-GM > ICD-10-GM Version 2025 Onlinefassung finden. Die in Klammern stehenden ICD-Codes sind weltweit anerkannt, um medizinische Diagnosen einheitlich zu benennen. Es gibt bereits eine neuere Version der ICD, die ICD-11. Darin sind die Migräne-Diagnosen etwas anders gegliedert und differenzierter erfasst.

Symptome der chronischen Migräne

Die Symptome der chronischen Migräne unterscheiden sich nicht von denen der episodischen Migräne, sind aber häufiger und intensiver. Zu den Hauptsymptomen gehören:

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  • Starke Kopfschmerzen: Meist einseitig, pulsierend oder pochend. Bei einem Drittel der Betroffenen schmerzt der gesamte Kopf. Die Schmerzen treten in Attacken auf und nehmen bei Bewegung an Intensität zu.
  • Übelkeit und Erbrechen: Appetitlosigkeit tritt fast immer auf.
  • (Über-)Empfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm und bestimmten Gerüchen.
  • Aura: Bei einigen Betroffenen treten vor oder während der Kopfschmerzphase neurologische Symptome wie Sehstörungen (z.B. Flimmern, Gesichtsfeldausfälle), Sensibilitätsstörungen oder Sprachstörungen auf.

Weitere mögliche Symptome sind:

  • Stimmungsveränderungen
  • Heißhunger oder Appetitlosigkeit
  • Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Konzentrieren
  • Vermehrtes Gähnen und Müdigkeit

Mögliche Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen für die Funktionsstörungen im Gehirn, welche die Migräne auslösen, sind immer noch nicht ausreichend erforscht. Nur bei sog. familiärer Migräne wurde eine genetische Mutation als eindeutige Ursache ausfindig gemacht. Ansonsten sind aber bereits eine ganze Reihe genetischer Risikofaktoren für das Auftreten von Migräne bekannt. Es gibt viele Studien zu den Triggern, die bei Menschen mit einer entsprechenden Anfälligkeit Migräneattacken auslösen können. Dabei bleibt häufig unklar, ob es sich um echte oder nur um gefühlte Trigger handelt. Manchmal ist auch nicht klar, ob es sich um eine Ursache der Migräne oder um eine Begleiterscheinung handelt. Es ist z.B. nicht eindeutig geklärt, ob Wetterumschwünge Migräneattacken auslösen oder ob die ersten Anzeichen einer Migräne die Wetterfühligkeit verstärken.

Die Ursachen für chronischen Spannungskopfschmerz können sehr vielfältig sein. Meistens kann deswegen keine eindeutige Ursache gefunden werden. Risikofaktoren für Spannungskopfschmerzen sind beispielsweise starke psychische Belastungen oder Veränderungen an der Halswirbelsäule. Individuelle Auslöser der Schmerzen zu identifizieren, ist Bestandteil der Therapie.

Die genauen Ursachen der chronischen Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen, umweltbedingten und psychologischen Faktoren eine Rolle spielt. Zu den Risikofaktoren gehören:

  • Häufige Migräneattacken: Je häufiger Migräneattacken auftreten, desto höher ist das Risiko einer Chronifizierung.
  • Medikamentenübergebrauch: Die übermäßige Einnahme von Schmerzmitteln kann paradoxerweise zu einer Verstärkung der Kopfschmerzen und zur Entwicklung einer chronischen Migräne führen.
  • Begleiterkrankungen: Depressionen, Angststörungen, Schlafstörungen, Übergewicht und andere chronische Schmerzerkrankungen können das Risiko einer Chronifizierung erhöhen.
  • Stress und belastende Lebensereignisse.
  • Hormonelle Veränderungen: Insbesondere bei Frauen können hormonelle Schwankungen im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus, der Schwangerschaft oder den Wechseljahren eine Rolle spielen.
  • Weitere Trigger: Wechselnder Schlaf-Wach-Rhythmus, z.B. Unterzuckerung/Hungerzustand, z.B. Bestimmte Substanzen (v.a. Äußere Reize, z.B. Medikamente, z.B.

Transformation von episodischer zu chronischer Migräne

Aus der episodischen Migräne kann sich eine chronische Migräne entwickeln, aber auch die umgekehrte Entwicklung ist möglich. So erleben jedes Jahr 2,5 bis 4,6 % der Patienten mit episodischer Migräne ein Fortschreiten hin zur chronischen Form. Hierbei hat der Betroffene zunächst keine Migräne; in der Jugendzeit oder im jungen Erwachsenenalter entwickelt er meistens eine niederfrequente episodische Migräne mit einigen Kopfschmerztagen im Monat. Diese geht über in eine hochfrequente episodische Migräne mit zehn bis 14 Tagen pro Monat, aus der dann eine chronische Migräne entsteht. Jedes Jahr entwickelt sich jedoch ebenfalls bei einigen der Betroffenen eine chronische Migräne spontan wieder zurück in eine episodische Migräne. Leider sind die Faktoren, die bei dieser Entwicklung eine Rolle spielen, bislang nicht bekannt. Besser bekannt sind hingegen sowohl modifizierbare als auch nicht modifizierbare Risikofaktoren für den Übergang einer episodischen in eine chronische Migräne. Zu den modifizierbaren Faktoren gehört die Zahl der Attacken, die das Risiko für die Entwicklung einer chronischen Migräne erhöht. Dies gilt ebenfalls für den Medikamentenübergebrauch: Die Einnahme von akut gegen Kopfschmerz wirkenden Medikamenten an mehr als zehn Tagen im Monat begünstigt das Entstehen einer chronischen Migräne. Auch das gemeinsame Vorliegen einer episodischen Migräne und anderer Schmerzsyndrome, wie Rückenschmerzen, begünstigt die Chronifizierung der Migräne. Bei einem Koffeinübergebrauch, d. h. ab drei Koffeineinheiten (drei Gläser Cola oder drei Tassen Kaffee) steigt das Risiko, eine chronische Migräne zu entwickeln, ebenfalls. Zu weiteren Risikofaktoren gehören belastende Lebensereignisse, Schnarchen, Bruxismus (Zähneknirschen) und Fettleibigkeit. Übergewicht führt zwar nicht dazu, dass das Migränerisiko steigt, aber bei Vorliegen einer Veranlagung zur Migräne erhöht Übergewicht das Risiko, eine chronische Migräne zu entwickeln.

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Behandlung der chronischen Migräne

Die Behandlung der chronischen Migräne zielt darauf ab, die Häufigkeit und Intensität der Kopfschmerzen zu reduzieren, die Lebensqualität zu verbessern und die Rückkehr zu einer episodischen Migräne zu fördern. Ein wichtiger Bestandteil der Behandlung ist die Identifizierung und Vermeidung von Triggern. Beobachten Sie Ihre Kopfschmerzen und individuellen Triggerfaktoren, um Migräneattacken vorzubeugen. Statt strenger Vermeidung erkannter Trigger wird heute bisweilen ein Triggermanagement empfohlen, bei dem sich Betroffene den Triggern in geringem Umfang aussetzen. Zur Dokumentation von Symptomen und Auslösern und zum Triggermanagement werden verschiedene Apps (kostenfrei und kostenpflichtig) angeboten. Die Krankenkassen übernehmen auf Rezept die Kosten einer solchen App, wenn das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sie in das Verzeichnis für digitale Gesundheitsanwendungen aufgenommen hat.

Die Therapie umfasst in der Regel eine Kombination aus medikamentösen und nicht-medikamentösen Ansätzen:

Medikamentöse Therapie

  • Akutbehandlung: Bei akuten Migräneattacken können Schmerzmittel wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS) oder Paracetamol eingesetzt werden. Bei stärkeren Attacken können Triptane (Serotonin-5-HT1B/D-Rezeptorantagonisten) hilfreich sein. Auch Antiemetika, also Mittel gegen Übelkeit, können das Wohlbefinden der Betroffenen deutlich steigern. Es wird empfohlen, Kombinationspräparate nicht länger als 10 Tage im Monat und einfache Schmerzmittel nicht länger als 15 Tage im Monat einzunehmen, um das Risiko von medikamenteninduzierten Kopfschmerzen zu vermeiden.
  • Prophylaxe: Bei häufigen Migräneattacken ist eine vorbeugende Behandlung sinnvoll. Hier kommen verschiedene Medikamente in Frage, darunter:
    • Betablocker: Propranolol, Metoprolol und Bisoprolol, die normalerweise bei Herzerkrankungen oder Bluthochdruck eingesetzt werden, können einer chronischen Migräne vorbeugen und sind oft schon in geringer Dosis wirksam.
    • Antidepressiva: Amitriptylin ist eigentlich ein Medikament, das gegen Depressionen hilft. Trotzdem wird es auch zur Therapie der chronischen Migräne eingesetzt. Besonders bei Patienten, die zusätzlich an einer Depression erkrankt sind, ist Amitriptylin ein bewährtes Medikament. Es wird meistens gut vertragen.
    • Antiepileptika: Topiramat und Valproinsäure können ebenfalls zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden. Topiramat ist für Schwangere und Stillende nicht geeignet!
    • OnabotulinumtoxinA (Botox): Dieses Medikament wird in den Kopf- und Nackenbereich injiziert und kann die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
    • Monoklonale Antikörper: Diese relativ neuen Medikamente blockieren das Molekül CGRP, das bei der Entstehung von Migräne eine wichtige Rolle spielt. Zu den verfügbaren monoklonalen Antikörpern gehören Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab und Eptinezumab.

Nicht-medikamentöse Therapie

  • Verhaltenstherapie: Entspannungsübungen, Stressmanagement-Techniken und Biofeedback können helfen, die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren.
  • Ausdauersport: Regelmäßige körperliche Aktivität kann sich positiv auf die Migräne auswirken.
  • Akupunktur: Bei einigen Patienten kann Akupunktur die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
  • Neurostimulation: Bei der Neurostimulation des Nervus supraorbitalis wird jener Nerv, der oberhalb der Augenhöhle liegt, durch elektrische Impulse stimuliert. Studien haben gezeigt, dass diese Methode bei einigen Patienten die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen reduziert. Eine invasive Neurostimulation ist zwar auch bei chronischer Migräne denkbar, Ärzte empfehlen sie aber nur als letzten Ausweg, wenn die bisherigen Therapieoptionen nicht erfolgreich waren. Bei der invasiven Neurostimulation werden elektrische Impulse ausgesendet und die Schmerzimpulse dadurch unterdrückt. Dieses Verfahren wird auch bei Parkinson, Alzheimer oder anderen neurologischen Erkrankungen eingesetzt.
  • Okzipitale Nervenblockade: Die okzipitale Nervenblockade hat in Studien gezeigt, dass sie kurzfristig wirksam ist und helfen kann, die Anzahl der Migränetage zu reduzieren. Die Langzeitwirkung ist jedoch noch nicht ausreichend erforscht. Bei der okzipitalen Nervenblockade werden bestimmte Nerven betäubt, die für das Gefühl im hinteren Teil des Kopfes verantwortlich sind.

Medikamentenübergebrauch

Es ist wichtig, Migränepatienten den vermeintlich paradoxen Zusammenhang klarzumachen, dass die akute Schmerzmedikation zumindest in Europa der wichtigste Chronifizierungsfaktor ist. Wie eine Befragung amerikanischer Migränepatienten zeigte, erfüllten 15,4 % der Befragten die Kriterien für Medikamentenübergebrauch. Zudem nahmen die Befragten mit Übergebrauch signifikant häufiger Triptane (31,3 % vs. 14,2 %) und Opioide (23,8 % vs. 8,0 %) ein. Die mit etwa 60 % überwiegende Mehrheit nahm meist nicht verschreibungspflichtige nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) ein. Es ist bekannt, dass sich ein Medikamentenübergebrauch deutlich schneller entwickelt, wenn Triptane, Opioide und Kombinationsanalgetika eingenommen werden, verglichen mit einfachen Analgetika. In Deutschland geht man davon aus, dass etwa 40 bis 50 % aller Patienten mit chronischen Kopfschmerzen einen Übergebrauch von Schmerz­ oder Migränemitteln betreiben. Dabei unterscheidet sich die Definition des Übergebrauches bei den genannten Wirkstoffklassen: Bei Ergotaminen, Triptanen, Opioiden oder Kombinationsanalgetika stellt die Einnahme an zehn oder mehr Tagen pro Monat bereits einen Übergebrauch dar. Bei Nichtopioidanalgetika, wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Diclofenac, liegt dieser hingegen bei 15 oder mehr Tagen Einnahme im Monat vor. Die Betroffenen geraten in diesen Fällen in einen Teufelskreis: Sie haben Kopfschmerzen und nehmen daher akut ein Medikament. Die Akutmedikation erzielt zunächst Wirkung, die jedoch allmählich nachlässt. Der Schmerz tritt daher schnell erneut auf, sodass der Patient nach kurzer Zeit erneut ein Schmerzmittel einnimmt. Das System schaukelt sich auf, die Frequenz der Attacken nimmt zu. Im Amerikanischen wird dieser Kopfschmerz auch Rebound Headache genannt. Demnach ist der Kopfschmerz infolge eines Medikamentenübergebrauches eigentlich ein Kopfschmerz, der aufgrund der nachlassenden Wirkung der Medikamente auftritt. Beim Kopfschmerz infolge eines Medikamentenübergebrauches gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder werden die akuten Medikamente abrupt abgesetzt, wodurch der Patient über ein bis zwei Wochen Entzugssymptome entwickelt, bevor er auf eine prophylaktische Medikation umgestellt wird, oder die Akutmedikamente werden ausgeschlichen. Gemäß einer Studie, an der Patienten mit etwa 25 Kopfschmerztagen im Monat und Übergebrauch teilnahmen, führte ein alleiniges abruptes Absetzen der Akutmedikamente zu einer Abnahme der Kopfschmerztage auf etwa 20 im Monat. Bei Kombination des abrupten Absetzens mit einer Prophylaxe, beispielsweise einem Betablocker oder Topiramat, reduzierte sich die Zahl der Kopfschmerztage signifikant stärker auf etwa 15 im Monat. Nach zwölf Monaten wiesen 53 % der Patienten in der Prophylaxegruppe eine ≥50%ige Reduktion der monatlichen Kopfschmerztage im Vergleich zu 25 % in der Entzugsgruppe auf (P = 0,081).Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, den Teufelskreis von Häufigkeit der Akutmedikation und Chronifizierung des Kopfschmerzes mithilfe von medikamentösen und nicht medikamentösen prophylaktischen Maßnahmen zu durchbrechen. Hierbei ist eine Vielzahl von Aspekten zu berücksichtigen, die sich in den aktuellen S1­Leitlinien zur Behandlung der Migräne und zum Übergebrauch von Schmerz­ oder Migränemitteln finden. So spielt zunächst die Aufklärung eine zentrale Rolle. Denn in der Regel lässt sich die Zahl der Tage mit Kopfschmerz zwar verringern, doch eine Halbierung ist bereits ein Erfolg; ganz verschwinden wird der Schmerz meist nicht. Zudem dauert es mehrere Monate, bis sich der Erfolg einer Prophylaxe abschätzen lässt. Bei der Wahl der Medikamente müssen die Nebenwirkungen und Wirkungen gegeneinander abgewogen und auch die Begleiterkrankungen berücksichtigt werden.Bei den verfügbaren Wirkstoffen für die Therapie der Migräne unterscheidet die S1­Leitlinie zwischen zwei Gruppen: Medikamenten mit guter und Medikamenten mit geringer Evidenz. Zu den Medikamenten mit guter Evidenz gehören oral anzuwendende Betablocker, Flunarizin, Valproinsäure, Topiramat und Amitriptylin sowie zu injizierendes Onabotulinumtoxin A. Im Rahmen dieses CME-Modules ist die Bezeichnung Onabotulinumtoxin A gleichzusetzen mit Botulinumtoxin Typ A. Während die erstgenannten bei allen Migräneformen eingesetzt werden können, beschränkt sich die Zulassung von Botulinumtoxin Typ A auf die chronische Migräne. Bei den Medikamenten mit geringer Evidenz ist der Wirkunterschied gegenüber Placebo im Durchschnitt weniger gut oder die Datenlage schlecht. Gemäß S1­Leitlinie kann in der Therapie der chronischen Migräne unter den Wirkstoffen mit guter Evidenz im Prinzip frei gewählt werden. Bei Patienten mit chronischer Migräne und Übergebrauch von Schmerz- oder Migränemitteln (MOH) haben sich Topiramat, Botulinumtoxin Typ A und Amitriptylin als wirksam erwiesen. Bei Topiramat ist jedoch zu beachten, dass der Einsatz zulassungsgemäß erst nach Versagen und bei unzureichender Verträglichkeit von Betablockern erfolgen darf. Valproinsäure hat keine Zulassung zur Migräneprophylaxe, kann aber als Off­Label­Use zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung verschrieben werden - allerdings nur durch Neurologen und Nervenärzte; derzeit hat jedoch kein Hersteller in die Kostenübernahme bei Migräne eingewilligt, sodass diese Entscheidung praktisch nicht umgesetzt werden kann. Botulinumtoxin Typ A ist schließlich eine Option, wenn andere der genannten Therapien nicht wirksam oder verträglich waren. Sind die Wirkstoffe aus der Gruppe mit guter Evidenz nicht wirksam, nicht verträglich oder aufgrund von Gegenanzeigen nicht anwendbar, kann eine zunächst dreimonatige intravenöse bzw. subkutane Therapie mit monoklonalen Antikörpern gegen Calcitonin Gene Related Peptide (CGRP) oder den CGRP­Rezeptor erfolgen. Ergibt eine anschließende Evaluation ein ausreichendes Ansprechen, wird die Therapie für sechs bis neun Monate fortgesetzt.Beim Einsatz der oralen Wirkstoffe in der Prophylaxe der chronischen Migräne gibt es zwei Herausforderungen: Zum einen wurden sie in dieser Indikation bislang nur in wenigen Studien untersucht. Für Topiramat gibt es unter anderen zwei größere, doppelblinde Studien, in denen das Antikonvulsivum in der Behandlung der chronischen Migräne eine bessere Wirksamkeit erzielte als Placebo. Zu Valproinsäure liegen kleinere Studien für dieses Einsatzgebiet vor. Für die anderen oralen Wirkstoffe sind hingegen keine Studien speziell zur Wirksamkeit bei chronischer Migräne verfügbar. Zum anderen ist die Adhärenz unter den oralen Wirkstoffen schlecht. So zeigte die gepoolte Auswertung von mehreren Studien, dass bereits nach zwei Monaten viele Patienten die Behandlung abbrechen, nach zwölf Monaten nimmt nur noch maximal die Hälfte die Prophylaxe ein. Ein wichtiger Grund, vor allem bei der Behandlung mi Topiramat oder Amitriptylin, waren die Nebenwirkungen. Dies bestätigte eine weitere Studie, in der die Adhärenz…

Leben mit chronischer Migräne

Migräne und Kopfschmerzen begleiten viele Betroffene seit ihrer Kindheit. Während eines Migräneanfalls möchten sich viele nur noch zurückziehen und in einem abgedunkelten Zimmer liegen und schlafen, bis die Schmerzen aufhören. Meist ist das jedoch nicht möglich. Mit der richtigen Therapie, bestehend aus Medikamenten und ergänzenden Maßnahmen wie Entspannungsübungen und Sport, können Betroffene die Schmerzen jedoch in den Griff kriegen. Migräne ist eine der häufigsten Kopfschmerzerkrankungen. Die meisten Migräneanfälle erleiden Personen zwischen dem 35. und dem 45. Lebensjahr, wobei Frauen in dieser Lebensphase viel häufiger betroffen sind als Männer.

Wer dauerhaft an Kopfschmerzen oder Migräne leidet, sollte einen Arzt aufsuchen. Im Gespräch mit dem Arzt erhalten Betroffene umfassende Informationen über die eigene Erkrankung und auch über mögliche Behandlungsoptionen. Bereits durch ein besseres Verständnis für die Erkrankung und das Wissen um Therapiemöglichkeiten fühlen sich Betroffene oft weniger hilflos und erfahren neue Lebensqualität.

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Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass die chronische Migräne eine behandelbare Erkrankung ist. Auch wenn eine Heilung nicht immer möglich ist, können viele Betroffene mit der richtigen Therapie ein deutlich besseres Leben führen.

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