Chronische Migräne: Die Wirkung von Triptanen

Chronische Migräne ist eine belastende Erkrankung, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Glücklicherweise stehen verschiedene Behandlungsoptionen zur Verfügung, darunter auch Triptane. Dieser Artikel beleuchtet die Wirkung von Triptanen bei chronischer Migräne, ihre Anwendung, Nebenwirkungen und weitere wichtige Aspekte.

Was ist chronische Migräne?

Chronische Migräne liegt vor, wenn ein Patient an mindestens 15 Tagen im Monat über mehr als drei Monate hinweg Kopfschmerzen hat, wobei an mindestens acht dieser Tage die Kriterien einer Migräne erfüllt sind. Die chronische Migräne entwickelt sich meist langsam aus einem episodischen Verlaufstyp, wobei ein Schmerzmittelübergebrauch ein wichtiger Risikofaktor ist.

Triptane: Eine Übersicht

Triptane sind eine Klasse von Medikamenten, die speziell zur Behandlung von Migräne entwickelt wurden. Sie sind selektive 5-HT1B/1D-Agonisten, die bei akuten Migräneattacken eingesetzt werden. Triptane wirken nicht nur gegen die Kopfschmerzen selbst, sondern auch gegen Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit.

Wie wirken Triptane?

Triptane wirken auf verschiedene Weisen, um Migräne zu lindern:

  • Verengung der Blutgefäße: Triptane verengen gezielt die erweiterten Blutgefäße der Hirnhaut. Nach heutigem Kenntnisstand sind bei einer Migräneattacke die Blutgefäße im Gehirn aufgrund eines Serotonin-Ungleichgewichts erweitert. Die Aktivierung von 5-HT1B-Rezeptoren durch ein Triptan veranlasst eine Verengung der erweiterten Blutgefäße in der Hirnhaut.
  • Entzündungshemmung: Sie können die Entzündung um die Blutgefäße der Hirnhaut zurückbilden.
  • Schmerzunterdrückung: Darüber hinaus wird die Weiterleitung des Schmerzsignals an das Schmerzzentrum unterdrückt. Sie blockieren die Freisetzung von Nervenbotenstoffen (Neuropeptiden und Neurotransmittern), die eine lokale neurogene Entzündung an den Blutgefäßen des Gehirns auslösen können.

Wann sollten Triptane eingenommen werden?

Triptane sollten eingenommen werden, sobald die Kopfschmerzphase beginnt, idealerweise so früh wie möglich. Während der Auraphase sollten sie nicht verabreicht werden, da sie die Symptome der Aura nicht direkt beeinflussen können. Außerdem können sie die Symptome der Migräne nicht effektiv verbessern, wenn sie zu früh vor der Kopfschmerzphase gegeben werden.

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Welche Triptane gibt es?

Aktuell sind sieben Triptane verfügbar, die sich hinsichtlich ihrer Wirklatenz, Wirkstärke und Wirkdauer unterscheiden:

  • Almotriptan
  • Eletriptan
  • Frovatriptan
  • Naratriptan
  • Rizatriptan
  • Sumatriptan
  • Zolmitriptan

Die stärker wirksamen Triptane sind in der Regel auch mit stärkeren Nebenwirkungen behaftet. Naratriptan und Frovatriptan haben das günstigste Nebenwirkungsprofil, aber auch die längste Latenz bis zum Eintritt der Wirkung. Frovatriptan hat die längste Halbwertzeit und kann daher sinnvoll sein, falls häufig Wiederkehrkopfschmerzen auftreten. Almotriptan gehört zu den schnellsten rezeptfreien Triptanen und wird nahrungsunabhängig gut vom Körper aufgenommen und gelangt rasch ins Gehirn.

Dosierung und Anwendung

Die in Deutschland rezeptfrei erhältlichen Triptane stehen in Form von Tabletten zur Verfügung. Oft reicht eine einzige Tablette aus, um den Migräne-Anfall zu stoppen. Es gilt die Faustregel, dass die Dosis einmal pro Tag wiederholt werden kann. Wenn Sie an einem Tag mehr als zweimal zu dem Medikament greifen, müssen Sie mit Ihrem Arzt ein neues Therapiekonzept erarbeiten, das zu einer besseren Wirksamkeit führt. Es empfiehlt sich dann die Wahl eines langwirkenden Triptans, wie z.B. Almotriptan, Naratriptan oder Frovatriptan.

Vorteile von Almotriptan

Almotriptan bindet sich gut an die Bindungsstellen (Rezeptoren) in den Blutgefäßen der Hirnhaut, durch die die spezifische Wirkung bei Migräne erzielt wird. Almotriptan gehört zu den schnellsten rezeptfreien Triptanen und wird nahrungsunabhängig gut vom Körper aufgenommen und gelangt rasch ins Gehirn, so dass die Wirkung bereits 30 Minuten nach der Einnahme einsetzen kann. Die Gefahr, später unter Wiederkehrkopfschmerz zu leiden, ist bei Almotriptan gering.

Mögliche Nebenwirkungen

Typische Nebenwirkungen der Triptane sind ein leichtes, allgemeines Schwächegefühl und ein ungerichteter Schwindel, Missempfindungen, Kribbeln, Wärme- oder Hitzegefühl und leichte Übelkeit. Sehr selten können auch ein Engegefühl im Bereich der Brust sowie im Halsbereich auftreten.

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Kontraindikationen

Triptane können über eine Aktivierung serotonerger 5-HT1B-Rezeptoren zu einer Konstriktion zerebraler und koronarer Gefäße führen. Die Kontraindikationen betreffen daher gemäß der Fachinformation überwiegend vaskuläre Erkrankungen wie die koronare Herzkrankheit, Schlaganfälle in der Vorgeschichte und eine unkontrollierte arterielle Hypertonie.

Triptane bei älteren Patienten und Jugendlichen

Der Hersteller empfiehlt, Triptane nur bis zu einem Alter von 65 Jahren zu verabreichen. In Absprache mit dem behandelnden Arzt und nach kardiologischer Abklärung spricht nichts gegen einen Einsatz von Triptanen auch jenseits dieses Alters. Es liegen mittlerweile auch Studien für den Einsatz von Sumatriptan und Zolmitriptan als Spray bei Jugendlichen zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr vor. Diese ergaben kein erhöhtes Risiko in dieser Altersgruppe.

Wiederkehrkopfschmerz

Da die Triptane eine begrenzte Wirkzeit haben, treten bei circa 30 Prozent der behandelten Patienten nach Abklingen der Wirkzeit erneut Migränesymptome auf. Dieser sogenannte Wiederkehrkopfschmerz lässt sich aber mit einer erneuten Dosis erfolgreich behandeln. Wichtig: Dies bedeutet nicht, dass die Migräneattacke aufgeschoben oder verlängert wird!

Um den Wiederkehrkopfschmerz zu vermeiden, sollten Patienten gleichzeitig mit dem Triptan ein Analgetikum einnehmen. Geeignet für die Kombination sei etwa Naproxen 500 mg, da die Substanz lang anhaltend wirke.

Triptane und Medikamentenübergebrauch

Alle Schmerzmittel, vor allem Medikamente gegen Migräne, können bei zu häufiger Einnahme schädlich sein. Sie können zu einem Dauerkopfschmerz führen, einem sogenannten Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MÜK). Die Schwelle für die Entstehung von Medikamentenübergebrauch-Kopfschmerz nach ICHD-3 liegt für Triptane bei ≥ 10 Einnahmetagen/Monat. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie an mehr als zehn Tagen im Monat Schmerztabletten benötigen.

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Alternativen zu Triptanen

Für Patienten, bei denen Triptane nicht wirken oder kontraindiziert sind, gibt es alternative Behandlungsmöglichkeiten:

  • Lasmiditan: Dieser Wirkstoff setzt wie die Triptane am Serotonin-Rezeptor an, führt aber nicht zu einer Konstriktion der Blutgefäße. Daher ist er besonders für solche Patient*innen interessant, die wegen eines hohen Gefäßrisikos, nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall keine Triptane einnehmen dürfen.
  • Gepante (Rimegepant, Atogepant): Diese Substanzen greifen in das CGRP-System ein, das eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Migräneattacken spielt. Rimegepant hemmt das CGRP und wirkt ähnlich wie die bereits länger existierenden CGRP-Antikörper und CGRP-Rezeptor-Antikörper.

Medikamentöse Prophylaxe bei chronischer Migräne

Eine medikamentöse Prophylaxe sollte gemäß Leitlinien erwogen werden, wenn mindestens einer der folgenden Punkte zutrifft:

  • 3 oder mehr Migräneattacken im Monat
  • Anzahl der Migräneattacken nimmt zu
  • Migräneattacken dauern länger als 72 Stunden
  • Schmerz- oder Migränemittel wirken nicht ausreichend
  • Einnahme von Schmerz- oder Migränemittel an > 10 Tagen im Monat
  • Lebensqualität durch Migräne stark eingeschränkt

Zur medikamentösen Prophylaxe der Migräne stehen mehrere Präparate zur Verfügung, darunter:

  • Betablocker (Metoprolol, Propranolol)
  • Antidepressiva (Amitriptylin)
  • Antiepileptika (Topiramat, Valproinsäure)
  • CGRP-Antikörper (Erenumab, Galcanezumab, Fremanezumab, Eptinezumab)
  • Calciumantagonisten (Flunarizin)

Nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung der Chronischen Migräne sollte nicht nur Medikamente umfassen. Auch begleitende Maßnahmen, also nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten, können viel bewirken. Dazu gehören z. B.:

  • Sport- und Physiotherapie
  • Psychologische Beratung
  • Entspannungsverfahren
  • Akupunktur
  • Neurostimulation
  • Biofeedback-Therapie

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