Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Leiden, das fast jeder Mensch kennt. Während gelegentliche Kopfschmerzen meist harmlos sind, können chronische Kopfschmerzen, die regelmäßig und über einen längeren Zeitraum auftreten, die Gesundheit und Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Die beiden häufigsten Formen von Kopfschmerzen sind Spannungskopfschmerzen und Migräne, die zusammen etwa 90 Prozent aller Kopfschmerzerkrankungen ausmachen. Spannungskopfschmerzen sind mit 63 bis 86 Prozent noch häufiger als Migräne, von der bis zu 16 Prozent der Bevölkerung betroffen sind.
Primäre und sekundäre Kopfschmerzen
Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) teilt die über 200 bekannten Kopfschmerzarten in zwei Hauptgruppen ein:
Primäre Kopfschmerzen: Diese treten selbstständig auf und sind keiner spezifischen Ursache zuzuordnen. Über 90 Prozent der Kopfschmerzen, wegen denen Menschen einen Arzt aufsuchen, gehören zu den primären Kopfschmerzen. Beispiele hierfür sind Migräne, Spannungskopfschmerzen und Cluster-Kopfschmerzen. Bei primären Kopfschmerzen konzentriert sich die Behandlung auf die Linderung der Schmerzen selbst. Die Diagnostik dient hauptsächlich dem Ausschluss anderer, behandlungsbedürftiger Kopfschmerzursachen, da es keine spezifischen Untersuchungsmethoden zur Bestätigung der Diagnose gibt. Eine sorgfältige Beschreibung der Kopfschmerzen ist daher entscheidend für eine korrekte Diagnose.
Sekundäre Kopfschmerzen: Diese treten als Folge anderer Erkrankungen auf. Viele verschiedene Erkrankungen können neben anderen Symptomen auch Kopfschmerzen verursachen, die dann im Vordergrund stehen oder das einzige Symptom sein können. Beispiele hierfür sind Infektionen, Kopfverletzungen, Nebenwirkungen von Medikamenten, Gefäßerkrankungen im Kopf- oder Halsbereich, Schäden an Gesichtsnerven oder der Halswirbelsäule, Hirntumoren sowie Erkrankungen von Hals, Augen, Ohren, Nase, Nasennebenhöhlen und Zähnen.
Worauf man bei Kopfschmerzen achten sollte
Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz. Besonders bei primären Kopfschmerzen können bestimmte Charakteristika und Begleitsymptome bereits Hinweise auf die Art der Kopfschmerzen geben. Eine gründliche und genaue Beschreibung der Beschwerden ist entscheidend, um die Diagnose eines primären Kopfschmerzes zu stellen.
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Achten Sie bei Kopfschmerzen auf folgende Punkte:
- Wie fühlt sich der Schmerz an? Ist er stechend, pulsierend-pochend oder eher dumpf-drückend?
- Kennen Sie den Schmerz schon? Hat er sich verändert oder ist er stärker geworden?
- Wie oft treten die Kopfschmerzen auf? Chronische Schmerzen treten typischerweise an mindestens 15 Tagen im Monat auf, episodische Kopfschmerzen weniger häufig und vorübergehend.
- Wie lange dauern die Schmerzattacken üblicherweise an?
- Wo tut es weh? Sind nur bestimmte Abschnitte des Kopfes betroffen, tritt der Schmerz immer nur auf einer Seite auf oder ist der gesamte Kopf beteiligt?
- Was bessert die Symptomatik und was führt zu einer Verschlechterung? Zum Beispiel Zunahme der Schmerzen beim Husten, Niesen oder Pressen.
- Welche Krankheitszeichen treten gemeinsam mit den Schmerzen auf? Dazu können Sehstörungen, Sprechstörungen, Taubheitsgefühle oder Lähmungen, Übelkeit und Erbrechen, Lärm- und Lichtscheu, Nackensteifigkeit und Fieber gehören.
Es kann hilfreich sein, ein Kopfschmerztagebuch zu führen, um die Beschwerden sowie mögliche Auslöser und die ergriffenen Maßnahmen festzuhalten.
Diagnose von Kopfschmerzen
Erste Anlaufstellen bei Kopfschmerzen sind der Hausarzt oder die Hausärztin beziehungsweise die Kinderärztin oder der Kinderarzt. Um die Art der Kopfschmerzen zu bestimmen, wird der Arzt oder die Ärztin eine genaue Krankengeschichte erheben.
Anamnese und Kopfschmerztagebuch
Der Arzt oder die Ärztin wird unter anderem nach Häufigkeit, Art und Dauer der Schmerzen fragen, dem Bereich des Kopfes, in dem sie auftreten, sowie nach weiteren Symptomen, die zusammen mit oder vor dem Kopfweh auftreten. Dazu zählen zum Beispiel Sehstörungen, tränende oder gerötete Augen, aber auch Übelkeit oder Erbrechen. Ein Kopfschmerztagebuch kann Aufschluss über Häufigkeit und Intensität sowie mögliche weitere Symptome oder Auslöser geben. Interessant ist auch, ob es in der Familie noch andere Personen gibt, die an Kopfschmerzen leiden, und was die Schmerzen lindert oder verschlimmert.
Nach der Befragung wird die betroffene Person untersucht, wobei verschiedene Funktionen des Nervensystems getestet werden. Dies ist wichtig, um Auffälligkeiten und mögliche Warnzeichen für einen gefährlichen Kopfschmerz nicht zu übersehen. Bei typischer Krankengeschichte und unauffälligem körperlichen Befund kann die Diagnose gestellt werden, ohne dass weitere Untersuchungen nötig sind.
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Weitere relevante Symptome und bildgebende Verfahren
Wenn sich ein bekannter Kopfschmerz verstärkt, sich die Beschwerden verändern oder der Arzt oder die Ärztin die Symptome nicht eindeutig einer Gruppe von primären Kopfschmerzen zuordnen kann, gilt es sicherzustellen, dass keine andere Erkrankung dahintersteckt. Dasselbe gilt, wenn zusätzlich zu den Kopfschmerzen bestimmte Symptome wie Sehstörungen, Sprechstörungen, Lähmungen, Krampfanfälle oder Taubheitsgefühl auftreten.
Um der Ursache auf den Grund zu gehen, wird in den meisten Fällen zunächst das Gehirn mit einem bildgebenden Verfahren untersucht. Üblicherweise handelt es sich dabei um eine Magnetresonanztomografie (MRT), die sich am besten eignet, um eine gefährliche Ursache auszuschließen. Alternativ kann bei akuten Fällen, in denen Kopfschmerzen vorliegen, die erst vor kurzer Zeit begonnen haben, auch eine Computertomografie des Schädels (CT) sinnvoll sein, etwa zum Ausschluss einer frischen Gehirnblutung. Auch können Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen sinnvoll sein, beispielsweise, wenn der Verdacht auf eine Nasennebenhöhlenentzündung besteht oder ein Einriss eines gehirnversorgenden Gefäßes im Halsbereich als Ursache der Kopfschmerzen in Frage kommt.
EEG und Laborwerte
Neben diesen bildgebenden Untersuchungen steht dem Arzt oder der Ärztin eine breite Palette an Diagnoseverfahren zur Auswahl, die ihm helfen können, seine Verdachtsdiagnose zu bestätigen und/oder schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen. Geht es darum, ob ein Anfallsleiden (Epilepsie) vorliegt, kann zum Beispiel eine Aufzeichnung der Hirnströme (EEG) klärend sein. Beim Verdacht auf eine Hirnhautentzündung (Meningitis) oder eine Entzündung des Gehirns selbst (Enzephalitis) ist es hingegen notwendig, Nervenwasser (Liquor) für eine Untersuchung im Labor zu gewinnen. Manchmal hilft es weiter, bestimmte Blutwerte zu bestimmen - zum Beispiel die Entzündungsparameter, wenn der Arzt oder die Ärztin mutmaßt, dass eine Entzündung der Schläfenarterie vorliegen könnte.
Ursachen von Kopfschmerzen
Es gibt viele verschiedene Kopfschmerzarten und damit auch viele verschiedene Ursachen für Kopfschmerzen. Einige mögliche Gründe sind:
1. Primäre Kopfschmerzen
- Migräne
- Spannungskopfschmerz
- Trigeminoautonome Kopfschmerzen wie der Clusterkopfschmerz, das SUNCT-Syndrom oder die paroxysmale Hemikranie
- Weitere primäre Kopfschmerzen wie Hustenkopfschmerz, Anstrengungskopfschmerz, Kopfschmerz bei sexueller Aktivität
2. Sekundäre Kopfschmerzen mit einer Erkrankung als Ursache
- Kopfschmerzen bei Infektionskrankheiten
- Kopfschmerzen als Folge eines Schädel-Hirn-Traumas
- Kopfschmerzen als Folge einer Blutung im Bereich des Gehirns
- Kopfschmerzen durch Medikamente oder andere Stoffe sowie durch deren Entzug
- Kopfschmerzen bei Reizung der Hirnhäute/Gehirnhautentzündung
- Kopfschmerzen bei Riesenzellarteriitis
- Kopfschmerzen bei Sinusvenenthrombose
- Kopfschmerzen bei Dissektion hirnversorgender Arterien
- Kopfschmerz bei Hirntumoren
- Kopfschmerz bei Druckerhöhung des Nervenwassers
- Kopfschmerzen bei weiteren Ursachen wie Krankheiten der Zähne oder Augen
Häufige primäre Kopfschmerzformen
Die wichtigsten primären Kopfschmerzformen sind:
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- Migräne
- Spannungskopfschmerz
- Trigeminoautonome Kopfschmerzen wie der Clusterkopfschmerz
Daneben gibt es jedoch noch verschiedene andere Arten primärer Kopfschmerzen, die zum Beispiel situationsabhängig auftreten.
Kopfschmerz vom Spannungstyp
Kopfschmerzen vom Spannungstyp sind die häufigste Kopfschmerzform überhaupt. Sie sind üblicherweise eher drückend und dumpf und betreffen den ganzen Kopf oder zumindest beide Kopfseiten.
Migräne
Bei Erwachsenen ist die Migräne die häufigste Kopfschmerzform, die Menschen in die Arztpraxis treibt. Die meisten erkranken daran erstmals im Kindes- und Jugendalter. Vor der Pubertät beträgt die Häufigkeit vier bis fünf Prozent. Jungen und Mädchen sind noch gleich oft betroffen, später leiden Frauen dreimal öfter unter Migräne als Männer.
Typisch für Migräne sind attackenartige, starke und pulsierende Kopfschmerzen, die häufig nur auf einer Kopfseite auftreten und die bei körperlicher Betätigung zunehmen. Nur ein Drittel der Patienten klagt über Schmerzen im gesamten Kopf. Wenn die Kopfschmerzen einseitig auftreten, können sie innerhalb eines Anfalls oder von Attacke zu Attacke die Seite wechseln. Die Schmerzen treten anfallsweise auf und halten vier Stunden bis drei Tage lang an. Typischerweise kommt es begleitend zu einer vermehrten Lärm-, Licht- und Geruchsempfindlichkeit, auch Übelkeit oder Erbrechen sind möglich.
Weil die Schmerzen durch körperliche Anstrengung zunehmen, kommt es zur für Migräne typischen Rückzugstendenz: Die Betroffenen setzen oder legen sich ruhig hin, sie bevorzugen oft einen dunkleren Raum und vermeiden Kopfbewegungen oder Anstrengung. Oft nehmen die Schmerzen schon beim Kopfschütteln oder Vornüberbeugen zu. Viele Migränepatienten berichten von einem Beginn der Schmerzen im Nacken, die dann im weiteren Verlauf zur Stirn ausstrahlen. Die Nackenschmerzen sind aber nicht Ursache des Kopfwehs, sondern eher eine Folge: Im Rahmen der Migräneattacke werden Schmerzen in den Nacken projiziert.
Bereits vor dem Beginn der Kopfschmerzen kann sich der Migräneanfall den Betroffenen durch bestimmte Symptome wie Sehstörungen, Lichtblitze und Taubheitsgefühle ankündigen. Dieses Phänomen dauert meistens etwa fünf bis 60 Minuten und wird Aura genannt. Eine Aura tritt bei ungefähr 20 bis 30 Prozent der Migränepatienten auf. Eine häufige Form der Aura sind Sehstörungen namens Flimmerskotom. Dieses startet an einem Punkt am Rand des Blickfeldes mit einem Flimmern und vergrößert sich langsam. Die Randzonen stellen sich gezackt dar, in der Mitte flimmert es meist. Ein- und dieselbe Person leidet meist unter Attacken mit als auch ohne Aura. Gerade ältere Patienten und Patientinnen mit einer Migräne mit Aura erleben im Laufe der Zeit nur noch Episoden mit Aura, ohne dass sich anschließend das Vollbild der Migräne mit Kopfschmerzen entwickelt.
Schwierig kann die Abgrenzung von Auslösern (Triggern) sein. Diese Auslöser sind nicht bei jedem Migränepatienten gleich. Solche Trigger können zum Beispiel Stress, Schlafmangel oder ein veränderter Tagesrhythmus sein. Daher lohnt es sich gerade zu Beginn, ein Kopfschmerztagebuch zu führen und darin mögliche Trigger-Faktoren zu verzeichnen. Bei vielen Patienten sind diese vermeintlichen Trigger bereits erste Symptome einer schon begonnenen Migräneattacke, die noch nicht schmerzhaft ist. So berichten Patienten über Heißhunger mit nachfolgenden Kopfschmerzen.
Trigeminoautonome Kopfschmerzen
Unter trigeminoautonomen Kopfschmerzen fasst man eine Gruppe attackenartiger, stärkster Kopfschmerzen zusammen, die nur eine Kopfhälfte betreffen. Die Schmerzen breiten sich meist im Bereich der Schläfe und um das Auge herum aus und sind von weiteren typischen Beschwerden auf der betroffenen Seite begleitet. Dazu gehören:
- Rötung des Auges
- Tränenfluss
- Nasenlaufen
- Verstopfte Nase
- Das sogenannte Horner-Syndrom (= Pupillenverengung, eingesunkener Augapfel, herabhängendes Oberlid) oder
- Eine Schwellung der Gesichtshälfte
Anders als bei Migräne klagen die Patienten über eine körperliche Unruhe, die sie zum Umherlaufen oder im Sitzen zum Wippen veranlasst. Die verschiedenen Formen trigeminoautonomer Kopfschmerzen unterscheiden sich vor allem durch Dauer und Häufigkeit der Attacken. Je kürzer die Attacken, desto häufiger treten sie in der Regel auf. Alle trigeminoautonomen Kopfschmerzen können in einer episodischen und einer chronischen Form vorkommen. Bei der chronischen Form treten über ein Jahr lang sehr häufig, praktisch täglich Kopfschmerzen auf. Eine Beschwerdefreiheit besteht für maximal einen Monat. Liegt hingegen die episodische Form vor, können die Betroffenen zwischenzeitlich auch für mehrere Wochen bis Jahre vollständig frei von Symptomen sein.
Besteht der Verdacht auf trigeminoautonome Kopfschmerzen, muss unbedingt eine bildgebende Diagnostik und eine Vorstellung beim Neurologen erfolgen, um andere Kopfschmerzformen auszuschließen. Erkrankungen wie die Trigeminusneuralgie müssen ebenfalls davon abgegrenzt werden. Der Unterschied liegt bei der Trigeminusneuralgie mit ihren extrem kurz (zumeist unter einer Sekunde) andauernden Attacken auch darin, dass die typischen Begleitsymptome wie tränende Augen oder laufende Nase fehlen.
Cluster-Kopfschmerz im Detail
Cluster-Kopfschmerzen gehören zu den schmerzhaftesten Kopfschmerztypen und haben eine Häufigkeit von 0.1-0.4%. Hauptsächlich sind Männer betroffen (Verhältnis 9:1). Sie treten periodisch, bzw. in so genannten Clustern auf. Meist beginnt der Schmerz in der Nacht und betrifft ein Auge oder eine Schädelseite. Cluster-Kopfschmerzen können mehrere Wochen oder Monate anhalten und dann lange Zeit nicht auftreten.
Ursachen und Häufigkeit
Die Ursachen für Cluster-Kopfschmerzen sind bislang nicht ausreichend erforscht. Die Medizin geht jedoch davon aus, dass ein bestimmtes Hirnareal, der Hypothalamus, an der Entstehung einer Schmerzattacke beteiligt ist. In diesem Bereich vom Gehirn wird unter anderem der Schlaf-Wach-Rhythmus gesteuert. Zusätzlich spielt vermutlich auch die familiäre Veranlagung eine Rolle. Der Cluster-Kopfschmerz ist eher eine seltene Kopfschmerzform. In Deutschland sind etwa 120.000 Menschen aufgrund von Cluster-Kopfschmerzen in ärztlicher Behandlung, wobei die Tendenz ansteigt. Männer sind dabei in der Regel dreimal häufiger betroffen als Frauen. Die erste Schmerzattacke erleben Betroffene meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr.
Anders als bei z.B. Migräne oder Spannungskopfschmerz wird der Schmerz nicht durch einen bestimmten Trigger ausgelöst. Manchmal steht der Cluster-Kopfschmerz im Zusammenhang mit der Einnahme bestimmter Medikamente. Möglich ist auch eine erbliche Vorbelastung.
Symptome
Der Cluster-Kopfschmerz äußert sich durch einen extrem starken Schmerz, meist hinter oder um ein Auge herum. Mitunter strahlt er auch auf andere Teile des Gesichts oder Nackens aus. In der Regel tritt er einseitig auf. Während einer Cluster-Periode treten die Schmerzen meist täglich zu einer bestimmten Zeit auf und dauern zwischen 15 Minuten und 3 Stunden.
Meistens treten die Attacken unerwartet und ohne direkten erkennbaren Auslöser auf. Patienten erleiden einen plötzlich auftretenden und heftigen stechenden oder auch bohrenden Schmerz hinter dem Auge, der sich auf die Schläfe und Stirn ausbreitet. Die Kopfschmerzen treten meist einseitig auf und betreffen in der Regel immer dieselbe Seite. Während einer Schmerzattacke sind Betroffene meist rastlos und unruhig. Sie können sich nicht hinlegen, laufen umher oder bewegen ihren Körper rhythmisch hin und her.
Der starke Kopfschmerz wird von weiteren Symptomen begleitet wie:
- Eine laufende Nase
- Gerötete und tränende Augen
- Herunterhängende Augenlider
- Verkleinerte Pupillen
- Eine Rötung der Haut im Gesicht und an der Stirn
- Verstärktes Schwitzen im Gesicht
- Eine Überempfindlichkeit gegen Licht und Geräusche
Diese Begleiterscheinungen sind für den Arzt zur Diagnostik sehr wichtig und sollten bei der Anamnese unbedingt genannt werden, sofern sie auftreten.
Formen: episodisch oder chronisch
In 85 Prozent der Fälle sind Cluster-Kopfschmerzen episodisch. Die Schmerzen treten dabei mindestens einmal alle zwei Tage bis acht Mal täglich und oft zur gleichen Uhrzeit auf. Eine Cluster-Episode dauert meist einige Tage bis Wochen. Dazwischen liegt eine längere Zeit ohne Beschwerden, die in einigen Fällen sogar Jahre andauern kann. Bei chronischem Cluster-Kopfschmerz dauern die Episoden meist länger als ein Jahr oder die beschwerdefreie Zeit ist kürzer als einen Monat.
Behandlung und Therapie
In der Behandlung wird zwischen der Therapie der Einzelattacke und der Prophylaxe unterschieden. Herkömmliche Schmerzmittel weisen in der Regel keine ausreichende Wirkung für die Behandlung von Einzelattacken auf. Vielen Betroffenen hilft es jedoch 100prozentigen Sauerstoff über eine Hochkonzentrationsmaske zu inhalieren. Dafür gibt es spezielle Geräte, die über den behandelnden Arzt verordnet werden können. Wichtig ist, dass Sie sofort nach Beginn der Attacke mit der Sauerstoffaufnahme beginnen. Nach 20 Minuten Inhalation lassen in vielen Fällen die Schmerzen nach oder verschwinden binnen einer viertel Stunde komplett.
Neben der Sauerstofftherapie können auch Medikamente zum Einsatz kommen, um die Kopfschmerzattacke zu unterdrücken. Die eingesetzten Wirkstoffe wirken dabei gefäßverengend, entzündungshemmend und schmerzlindernd und entlasten dadurch die gereizten Gefäßabschnitte. Zusätzlich wird eine weitere Ausschüttung entzündungsfördernder Botenstoffe verhindert. Damit wird die Ausbreitung der Schmerzen unterbunden und es kommt zu einer Linderung der Symptome. Welche Therapie und welches Medikament am besten für Sie geeignet ist, wird Ihr Arzt mit Ihnen gemeinsam entscheiden.
Auswirkungen auf den Alltag
Die Schmerzen während einer Attacke bedeuten für Betroffene eine enorme Beeinträchtigung der Lebensqualität. Während dieser Episoden ist das berufliche und private Leben dieser Menschen stark eingeschränkt. Vor allem die chronische Form der Cluster-Kopfschmerzen kann Depressionen und Angststörungen begünstigen. In diesem Fällen sollten Sie professionelle psychotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen.
Was kann ich selber tun?
Wichtig ist es für sich selbst herausfinden, was während der Cluster-Episoden eine Kopfschmerzattacke auslöst beziehungsweise die Symptome verstärkt. Einige bestärkende Faktoren können beispielsweise sein:
- Alkohol
- Nikotin
- Langanhaltende Sonneneinstrahlung
- Flackerndes Licht
- Bestimmte Gerüche
Es gilt diese Auslöser möglichst zu vermeiden, um die Schmerzen nicht zusätzlich zu verstärken. Bei neuen Medikamenten sollten Sie Ihren Arzt auf Ihre Diagnose Cluster-Kopfschmerzen hinweisen. Einige Medikamente können die Attacken begünstigen. Nutzen Sie auch den Austausch in Selbsthilfegruppen, um zu lernen, wie Sie besser mit den Beschwerden umgehen.
Unter bestimmten Umständen haben Patienten mit diagnostizierten Cluster-Kopfschmerzen einen Anspruch auf einen Schwerbehinderten-Ausweis. Erkundigen Sie sich hierzu bei Ihrem zuständigen Versorgungs- und Landesamt.
Ursachen und Auslöser
Warum manche Menschen an Cluster-Kopfschmerzen erkranken und andere nicht, ist bis heute nicht geklärt. Zwar wird seit Jahren an der Entstehung der Krankheit geforscht, gesicherte Erkenntnisse gibt es allerdings nicht. Die Vermutung der forschenden Wissenschafts-Teams ist, dass eine bestimmte Hirnregion, der Hypothalamus, bei der Entstehung eine Rolle spielt. Auch scheint es eine genetische Komponente zu geben, da Cluster-Kopfschmerzen häufiger innerhalb von Familien auftreten - sie sind also möglicherweise erblich. Ob das auch der Grund dafür ist, dass das Krankheitsbild bei Männern dreimal so häufig auftritt, wie bei Frauen, ist unklar.
Als gesichert gilt, dass es verschiedene Trigger gibt, die Cluster-Kopfschmerzen bei Erkrankten auslösen können. Dazu gehören:
- Alkohol und Nikotin
- Aufenthalt in großer Höhe
- Bestimmte Lebensmittel wie Käse, Fisch oder Wurst
- Medikamente mit Nitroglyzerin
Diese Auslöser nach Möglichkeit zu meiden, kann im individuellen Fall dabei helfen, die Attacken zu reduzieren. Besonders das Rauchen aufzugeben und keinen oder möglichst wenig Alkohol zu trinken, erweist sich häufig als hilfreich - und bringt auch weitere gesundheitliche Vorteile mit sich. Da es keinen Beweis dafür gibt, dass die Ernährung bei Cluster-Kopfschmerzen einen direkten Einfluss hat, ist eine grundsätzliche Umstellung hingegen nicht unbedingt notwendig.
Was hilft gegen Cluster-Kopfschmerzen?
Anders als Spannungskopfschmerzen und Migräne werden Cluster-Kopfschmerzen nicht durch Stress oder andere psychische Ungleichgewichte begünstigt. Daher sind Entspannungstechniken, Akupunktur oder Physiotherapie hier leider völlig wirkungslos. Auch Cluster-Kopfschmerzen mit Hausmitteln zu behandeln, ist in der Regel nicht sinnvoll, da sie keine nachgewiesene Wirkung haben.
Als hochwirksam gegen Cluster-Kopfschmerzen hat sich Sauerstoff erwiesen. Ein Großteil der Betroffenen, die während einer Attacke 100-prozentigen Sauerstoff inhalieren, berichtet, dass sich die Schmerzen dadurch innerhalb von 15 Minuten deutlich verbessern oder sogar gänzlich verschwinden. Der Grund ist wohl, dass sich durch den Sauerstoff die Blutgefäße im Gehirn zusammenziehen. Entsprechende Anschlüsse und Masken gibt es in jedem Krankenhaus und in einigen ärztlichen Praxen.
Da klassische Schmerzmittel Cluster-Kopfschmerzen in den meisten Fällen nicht lindern können, müssen Betroffene für eine medikamentöse Therapie auf Triptane zurückgreifen. Diese Mittel, die auch bei Migräne zum Einsatz kommen, können entweder gespritzt oder als Nasenspray angewendet werden. Letztere bieten den Vorteil, dass die betroffene Seite gezielt behandelt werden kann.
Okzipitale Nervenstimulation (ONS)
Bei sehr wenigen Patienten, die unter besonders schweren chronischen Verläufen leiden, wirkt die Behandlung mit Medikamenten nicht. Dann gibt es die Möglichkeit einer Operation. Dieser Eingriff wird als Okzipitale Nervenstimulation (ONS) bezeichnet. Dabei werden dem Patienten bei örtlicher Betäubung winzige Stimulationselektroden unter die Haut am Hinterkopf gesetzt. Mit diesen Elektroden wird der große Hinterhauptnerv stimuliert. Patienten spüren das als Kribbeln, das sie als angenehm empfinden. Sie können die Stärke der Stimulation mit einer Fernbedienung selbst steuern. Es gibt eine Testphase von fünf bis 14 Tagen. Andere Operationen, etwa die Deaktivierung des Trigeminusnervs, sind dagegen weniger zu empfehlen.
Weitere Kopfschmerzarten
Neben den bereits genannten Kopfschmerzarten gibt es noch weitere, weniger häufige Formen, wie zum Beispiel:
Zervikogener Kopfschmerz: Dieser tritt einseitig und vom Nacken aus auf. Oftmals beginnt er nach Nackenbewegungen und schränkt diese erheblich ein. Auslöser kann eine einseitige Belastung, Spannungszustände oder eine vorausgehende Verletzung im Nackenbereich sein. Oft sind Funktionsstörungen an den Halswirbeln und den interagierenden Rückenmarksnerven ursächlich. Der Schmerz kann mehrere Stunden anhalten, aber auch als Dauerschmerz mit wechselnder Intensität wahrgenommen werden. Zervikogener Kopfschmerz tritt häufig zwischen dem 30. Und 45. Lebensjahr auf, und hat eine geschätzte Häufigkeit von 0,4-2,5%. Er tritt viermal häufiger bei Frauen auf.
Medikamenten-induzierter Kopfschmerz (MIKS): Die Betroffenen haben meist dumpf-drückende, seltener pulsierende Ganzkopfschmerzen, die sich nach mindestens dreimonatiger, jedoch meist jahrelanger und regelmäßiger Einnahme von Medikamenten, insbesondere Kopfschmerzmitteln entwickeln. Der Kopfschmerz ähnelt im Charakter dem Spannungskopfschmerz. Die einzig sinnvolle Therapie liegt im Entzug der eingenommenen Substanzen. In leichteren Fällen kann dieser ambulant gelingen. In Abhängigkeit von der Situation kann aber auch ein stationärer Aufenthalt sinnvoller sein.
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