Kopfschmerzen sind ein weit verbreitetes Phänomen, das fast jeder Mensch gelegentlich erlebt. In den meisten Fällen sind sie harmlos und verschwinden von selbst. Es gibt jedoch auch intensivere Kopfschmerzarten, die mit Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Schwindel auftreten können. Zu diesen gehören Migräne und Clusterkopfschmerz, zwei primäre Kopfschmerzerkrankungen, die sich in ihren Symptomen, ihrer Häufigkeit und ihrer Behandlung unterscheiden.
Einführung in Kopfschmerzen und ihre Ursachen
Kopfschmerz ist ein unangenehmes Schmerzgefühl, das im Kopf wahrgenommen wird. Es gibt verschiedene Ursachen und äußere Faktoren, die Kopfschmerzen verursachen können. Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Kopfschmerzen.
- Primäre Kopfschmerzen: Hierbei ist der Kopfschmerz selbst die Erkrankung. Beispiele sind Spannungskopfschmerzen, Migräne und Clusterkopfschmerzen.
- Sekundäre Kopfschmerzen: Hierbei ist der Kopfschmerz ein Symptom einer anderen Grunderkrankung, wie z.B. einer Nebenhöhlenentzündung oder einer Hirnhautentzündung.
Anatomie des Kopfes
Um Kopfschmerzen besser zu verstehen, ist es hilfreich, die Anatomie des Kopfes zu kennen. Das Gehirn besteht aus zwei Großhirnhälften, die durch den Hirnstamm mit dem Rückenmark verbunden sind. Das Kleinhirn ist für die Koordination von Bewegungen zuständig. Die Hirnhäute umgeben das Hirngewebe und schützen es. In der Tiefe des Gehirns befinden sich wichtige Strukturen wie der Thalamus und der Hypothalamus.
Migräne
Symptome und Diagnose
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende Kopfschmerzattacken gekennzeichnet ist. Die Attacken dauern bei Erwachsenen unbehandelt vier bis 72 Stunden und gehen typischerweise mit pulsierenden oder pochenden Kopfschmerzen einher, die oft durch körperliche Aktivität verstärkt werden. Der Kopfschmerz ist einseitig oder beidseitig lokalisiert, die betroffene Kopfseite kann variieren.
Typische Begleitsymptome einer Migräneattacke sind Übelkeit und Erbrechen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit. Bei etwa 15 % der Betroffenen besteht eine Migräne mit Aura. Während der Aura kommt es zu kortikalen Reiz- und Ausfallsymptomen, die sich langsam manifestieren und meist ebenso langsam wieder zurückbilden. Zumeist handelt es sich um visuelle Begleitsymptome, wie die Wahrnehmung von Lichtblitzen und Fortifikationen (gezackte Linien); zudem können Sensibilitätsstörungen auftreten. Es kann seltener auch zu passageren motorischen Ausfällen oder einer Sprechstörung kommen.
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Von einer chronischen Migräne spricht man, wenn ≥15 Kopfschmerztage pro Monat über mindestens drei Monate vorhanden sind, von denen mindestens acht Tage die Kriterien einer Migräneattacke erfüllen.
Die Diagnose der Migräne erfolgt anhand klinischer Kriterien. Diagnostische Maßnahmen wie z. B. die zerebrale Bildgebung dienen ausschließlich zum Ausschluss konkurrierender sekundärer Kopfschmerzursachen.
Ursachen und Triggerfaktoren
Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es besteht ein gestörtes Reizverarbeitungssystem im Gehirn von Migräne-Betroffenen. Man geht davon aus, dass die Migräne-Attacke von einer Überreaktion der Nervenzellen im Migräne-Zentrum im Hirnstamm gestartet wird. Es kommt zu einer vermehrten Ausschüttung von Neurotransmittern, die zu einer Erweiterung der Gefäße und zum Austritt von Schmerzmediatoren aus dem Blut führen.
Es gibt verschiedene Triggerfaktoren, die eine Migräneattacke auslösen können. Dazu gehören:
- Stress (vor allem der Wechsel von Anspannung zu Entspannung)
- Unregelmäßiger Schlaf-Wachrhythmus
- Unregelmäßiges Essen
- Zu wenig Trinken
- Hormonschwankungen (z.B. im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus)
- Bestimmte Nahrungsmittel (z.B. Schimmelkäse, Wein, Schokolade)
Behandlung
Zur Behandlung der Migräne gehören drei Säulen:
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- Medikamentöse Akuttherapie: Ziel ist es, die Kopfschmerzattacke so schnell wie möglich zu lindern. Hierfür werden einfache Analgetika wie Paracetamol, Metamizol und nicht steroidale Antirheumatika wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Naproxen, Indometacin und Diclofenac eingesetzt. Bei stärkeren Attacken können Triptane (5-HT1B/1D-Agonisten) eingesetzt werden.
- Medikamentöse Prophylaxe: Ziel ist es, die Häufigkeit und Intensität der Migräneattacken zu reduzieren. Hierfür werden verschiedene Medikamente eingesetzt, wie z.B. Betablocker, Kalziumkanalblocker und Antidepressiva.
- Nicht medikamentöse Prävention: Hierzu gehören Verhaltensmaßnahmen wie Stressmanagement, regelmäßiger Schlaf-Wachrhythmus, regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Trinken. Auch Entspannungstechniken und Sport können helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
Clusterkopfschmerz
Symptome und Diagnose
Clusterkopfschmerzen sind heftigste Kopfschmerz-Attacken, die gehäuft über Monate bis Wochen auftreten. Das Typische ist ein einseitiger Kopfschmerz, der meist um das Auge herum oder hinter dem Auge wahrgenommen wird und von einer sehr starken bis fast unerträglichen Intensität ist. Der Schmerz wird oft als brennend, stechend oder bohrend empfunden. Manche Frauen berichten, dass die Cluster schmerzhafter seien als die Geburt eines Kindes.
Die Attacken dauern üblicherweise 15 Minuten bis maximal drei Stunden. Typisch ist, dass der Kopfschmerz auf der Seite des Schmerzes von verschiedenen Symptomen begleitet ist. Das kann ein tränendes Auge sein, ein gerötetes Auge, ein geschwollenes Lied, Herunterhängen des Lids, auch eine Verengung der Pupille und Nasenlaufen. Die Patient:innen sind rastlos und getrieben. Teilweise sind die Patient:innen auch agitiert (unruhig) in der Attacke. Im Unterschied zu den Migräne-Patienten besteht kein Ruhebedürfnis.
Clusterkopfschmerz kommt meistens episodisch vor. Das bedeutet, dass circa 80 bis 90% der Patient:innen wiederkehrende Attacken über einen Zeitraum von sieben Tagen bis zu zwölf Monaten erleiden, insbesondere wenn keine Behandlung eingeleitet wird. Anschließend endet ein Cluster und somit auch die Kopfschmerzen, es kann im Verlauf zu erneuten Clustern kommen.
Die Diagnose der Clusterkopfschmerzen erfolgt anhand klinischer Kriterien. Diagnostische Maßnahmen wie z. B. die zerebrale Bildgebung dienen ausschließlich zum Ausschluss konkurrierender sekundärer Kopfschmerzursachen.
Ursachen und Triggerfaktoren
Die Pathophysiologie von Clusterkopfschmerzen ist bisher sehr wenig verstanden. Es gibt verschiedene Hypothesen, welche aktuell untersucht werden. Die akzeptierteste Hypothese ist, dass im Hypothalamus (Region des Gehirns, die für die Hormonsteuerung zuständig ist) sowohl der Schmerz als auch die zusätzlichen einseitigen Symptome generiert werden. Diese werden über den sensiblen Gesichtsnerv (Nervus trigeminus) weitervermittelt.
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Es scheint einen Zusammenhang mit Nikotinkonsum zu bestehen, so dass Nikotinkarenz absolut empfohlen wird.
Als Trigger für Cluster-Kopfschmerzen gelten unter anderem helles Licht, Alkohol oder bestimmte Zusätze wie Süßstoffe in Lebensmitteln.
Behandlung
Die Behandlung von Clusterkopfschmerzen umfasst zwei Säulen:
- Akutbehandlung: Ziel ist es, die Schmerzattacke so schnell wie möglich zu durchbrechen. Hier gibt es einige Medikamente, welche einen Effekt haben können. Die wichtigsten in dieser Kategorie sind Inhalation von reinem hochdosiertem Sauerstoff (12l/min über eine Maske) und Triptane (unter die Haut gespritztes Sumatriptan, oder intranasales Sumatriptan oder Zomitriptan).
- Prophylaxe: Ziel ist auf eine Reduktion der Schmerzattacken ab. Da es sich um eine seltene Kopfschmerzerkrankung handelt, gibt es keine spezifischen prophylaktischen Maßnahmen außer einer allgemeinen gesunden Lebensführung.
Unterschiede zwischen Migräne und Clusterkopfschmerz
| Merkmal | Migräne | Clusterkopfschmerz |
|---|---|---|
| Schmerzcharakter | Pulsierend, pochend | Stechend, brennend, bohrend |
| Schmerzlokalisation | Einseitig oder beidseitig | Einseitig, meist um das Auge herum oder hinter dem Auge |
| Schmerzintensität | Mittel bis stark | Sehr stark bis unerträglich |
| Dauer | 4-72 Stunden | 15 Minuten bis 3 Stunden |
| Begleitsymptome | Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit, Aura (bei manchen Patienten) | Tränendes Auge, gerötetes Auge, geschwollenes Lied, Herunterhängen des Lids, Verengung der Pupille, Nasenlaufen, Unruhe, Agitiertheit |
| Ruhebedürfnis | Ja | Nein |
| Häufigkeit | Episodisch oder chronisch | Episodisch (gehäuft über Wochen bis Monate) |
| Geschlechterverteilung | Frauen häufiger betroffen (nach der Pubertät zwei- bis dreimal häufiger) | Männer häufiger betroffen (etwa dreimal häufiger) |
| Triggerfaktoren | Stress, unregelmäßiger Schlaf-Wachrhythmus, unregelmäßiges Essen, zu wenig Trinken, Hormonschwankungen, bestimmte Nahrungsmittel | Helles Licht, Alkohol, bestimmte Zusätze in Lebensmitteln |
| Akuttherapie | Einfache Analgetika, Triptane | Sauerstoffinhalation, Triptane |
| Prophylaxe | Betablocker, Kalziumkanalblocker, Antidepressiva, CGRP-Antikörper | Keine spezifischen prophylaktischen Maßnahmen (gesunde Lebensführung) |
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Wenn Sie häufig an Kopfschmerzen leiden, wenn Sie an starken Kopfschmerzen leiden oder die Kopfschmerzen Sie beunruhigen, sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen. Der erste Ansprechpartner für Ihre Kopfschmerzen soll der behandelnde Hausarzt sein, der dann entscheidet, ob er Sie weiter verweist zum Facharzt für Neurologie, deren Spezialgebiet der Kopfschmerz ist.
Diagnostische Maßnahmen
Üblicherweise wird der Arzt bereits im Erstgespräch die Diagnose Ihres Kopfschmerzes stellen können. In unklaren Fällen wird er Sie bitten, Ihre Kopfschmerzen zu dokumentieren. Der Neurologe wird Sie nach dem Gespräch untersuchen. Es werden die verschiedenen Funktionen des zentralen und peripheren Nervensystems geprüft.
In welchen Fällen reichen ein Arztgespräch und eine körperliche Untersuchung aus? Üblicherweise ist bei einer unauffälligen körperlich-neurologischen Untersuchung und dem eindeutigen Zuordnen von Kopfschmerzen keine weitere Untersuchung notwendig. Wenn der Arzt glaubt, dass Ihr Kopfschmerz ein sekundärer Kopfschmerz sein könnte, wird er Sie zu weiteren Untersuchungen oder Kollegen schicken.
Bildgebende Verfahren
Ob er Sie zu einer Kopfuntersuchung, nämlich einer Bildgebung, d.h. Was erwartet Sie, wenn Ihr Arzt Sie zu einem CCT schickt? CCT steht als Abkürzung für Cranielle Computertomographie. Es ist eine Untersuchung mit Röntgenstrahlen, die nicht lange dauert, im Schnitt einige Minuten. Wenn Kontrastmittel gegeben werden muss, etwas länger. Bei der Magnetresonanztomographie ist es so, dass die Untersuchung nicht mit Röntgenstrahlen durchgeführt wird, sondern durch Magnetfelder. Das heißt: Bei Patienten, die Metallimplantate oder Metall im Körper haben oder einen Herzschrittmacher, ist meist kein MRT möglich.
Kopfschmerztagebuch
In einem Kopfschmerz-Tagebuch oder einer Kopfschmerz-App können Sie die Häufigkeit Ihrer Kopfschmerzen und auch die Ausprägung Ihrer Kopfschmerzen dokumentieren. Ihr Kopfschmerz-Tagebuch ist für uns Ärzte insofern wichtig, da wir einerseits sehen, wie oft Sie an Kopfschmerzen leiden, wie oft Sie Schmerzmittel brauchen, ob das zu häufig ist, ob es notwendig ist, eine vorbeugende Therapie zu beginnen.
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