Die Cranio-Mandibuläre Dysfunktion (CMD), allgemein bekannt als Kiefergelenksstörung, ist eine komplexe Erkrankung, die das Kiefergelenk (Temporomandibulargelenk) und die Muskeln betrifft, die für die Kieferbewegung verantwortlich sind. Diese Störung umfasst eine Reihe von Problemen, einschließlich Schmerzen im Kiefergelenk, eingeschränkter Bewegung und Geräuschen des Kiefergelenks während der Bewegung. Die Symptome können von Person zu Person stark variieren, umfassen jedoch häufig Kieferschmerzen oder Empfindlichkeit, Kauschwierigkeiten, Schmerzen rund um das Ohr und manchmal Kopfschmerzen sowie Nackenschmerzen.
Die Rolle des Neurologen bei Nervenmessungen
Die Neurologie befasst sich mit sämtlichen Erkrankungen des Nervensystems. Das Wort Neurologie wird vom griechischen Wort „neuron“ = Nerv abgeleitet. Als Neurologen behandeln wir unterschiedliche neurologische Symptome und Erkrankungen. Die Erfahrung mit unseren Patienten zeigt, dass häufig Unklarheiten über die einzelnen Bereiche der Neurologie bestehen.
Experte für die Feststellung von Nervenschädigungen ist der Neurologe. Er ist auf Störungen und Erkrankungen des Nervensystems spezialisiert. Zum einen versucht der Facharzt herauszufinden, ob, wo und in welchem Ausmaß eine Nervenschädigung vorliegt.
Auch wenn Symptome wie Schmerzen, Taubheitsgefühle, Störungen in den Bewegungsabläufen und ein verminderter Tastsinn bereits auf eine Nervenschädigung hinweisen können, gibt es zahlreiche sehr gute Verfahren zur sicheren Diagnosestellung.
Neurologische Untersuchung und Anamnese
Zu Beginn steht ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten. Hierbei erkundigt sich der Arzt nach der Krankengeschichte und den aktuellen Beschwerden. Während des Gesprächs werden zudem die Art und die Intensität der Schmerzen klassifiziert, zum Beispiel brennend und eher schwach ausgeprägt oder stechend und sehr stark. Hierbei muss der Patient seinen Schmerz auf einer visuellen Skala (meist in Form eines Balkens) einschätzen.
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Klinische Tests zur Überprüfung der Nervenfunktion
Im Anschluss an das Gespräch führt der Neurologe verschiedene klinische Tests durch, um die Funktion der Nerven zu überprüfen. Hierzu gehören beispielsweise die Überprüfung der Reflexe, wie beispielsweise dem Kniesehnen-Reflex. Der Arzt kann diesen Reflex auslösen, indem er mit einem kleinen Hämmerchen auf die Kniescheibe klopft. Weitere Tests beziehen sich auf die Berührungsempfindlichkeit von Armen oder Beinen. Als Hilfsmittel dient dabei zum Beispiel eine Stimmgabel. Diese wird angeschlagen und anschließend an die untersuchte Hautstelle gehalten, sodass die Schwingungen nachempfunden werden können - oder eben nicht, wenn eine Nervenschädigung vorliegt.
Methoden zur Nervenmessung
Zur objektiven Messung der Nervenfunktion stehen dem Neurologen verschiedene technische Verfahren zur Verfügung:
Elektroneurographie (ENG)
Bei einer Elektroneugrafie misst der Mediziner die Nervenleitgeschwindigkeit - also die Fähigkeit eines Nervs, elektrische Impulse zu leiten. Dafür klebt der Arzt mehrere kleine Elektroden auf die Haut. Der Nerv wird dann über die Elektroden durch einen sanften elektrischen Impuls stimuliert. Gleichzeitig erfassen die Elektroden, wie lange es dauert, bis der Nerv den Impuls an einen Muskel weitergegeben hat. Die daraus gezogenen Messwerte geben Aufschluss über Art und Ausmaß von Nervenschädigungen.
Elektromyographie (EMG)
Bei einer Elektromyographie wird die elektrische Muskelaktivität (also das Zusammenspiel von versorgenden Nerven und Muskelpartie) bestimmt. Der Neurologe führt bei dieser Untersuchung dünne Nadelelektroden durch die Haut in den jeweiligen Muskel ein. Die Elektroden leiten auf den Muskel übertragene Aktivität ab und stellen diese auf einem Bildschirm in Form von Spannungskurven dar. Ist die Muskulatur oder ein dazugehöriger Nerv geschädigt, ist die gemessene elektrische Aktivität verändert (zeigt sich zum Beispiel durch verkürzte oder verlängerte Spannungskurven). Patienten müssen keine Angst vor einem EMG haben, die Einstiche der Nadelelektroden sind mit denen bei einer Akupunktur vergleichbar.
Weitere diagnostische Verfahren
Ist eine Nervenschädigung erkannt, muss der auslösende Faktor ermittelt werden. Spezielle Messwerte und Parameter des Bluts können Hinweise auf die Ursache einer Nervenschädigung geben. Mithilfe der Liquoruntersuchung kann entschieden werden, ob Gehirn und Rückenmark von den Nervenschädigungen betroffen sind. Die aus dem Rückenmark entnommene Flüssigkeit ist normalerweise klar. Liegt eine Nervenschädigung vor, ist die Zusammensetzung des Liquors verändert. Für die Gewinnung des Liquors sticht der Facharzt mit einer dünnen Nadel in der Regel zwischen dem 3. und 4. Lendenwirbel. Bei einer Nervenbiopsie wird während eines kurzen chirurgischen Eingriffs unter örtlicher Betäubung durch einen kleinen Schnitt in der Haut eine Gewebeprobe direkt aus einem Nerv entnommen. Der Laborarzt bewertet dann, basierend auf einer mikroskopischen Betrachtung, den Zustand der Nervenzellen. Zeigen die Nervenzellen keine Auffälligkeiten, liegt keine Nervenschädigung vor. Sind hingegen degenerierte oder unterversorgte Nervenzellen zu sehen, leidet der Patient vermutlich an einer Nervenschädigung. Nerven bei der Untersuchung unbeabsichtigt zu verletzen.
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In der Regel ist eine Kombination der genannten Methoden nötig, um eine Nervenschädigung und deren Ursache zu erkennen und daraus eine gezielte Behandlung abzuleiten.
CMD und neurologische Symptome
Neurologische Symptome, die mit der Cranio-Mandibulären Dysfunktion (CMD) in Verbindung stehen, entstehen hauptsächlich durch die Auswirkungen der Störung auf die Nerven und Muskeln, die an der Kieferfunktion und den umliegenden Bereichen beteiligt sind. Neurologische Symptome bei CMD können sich als verschiedene sensorische und motorische Störungen manifestieren, die über den Kiefer hinausgehen und andere Bereiche des Gesichts und des Halses beeinflussen können. Patienten mit CMD können eine Reihe von neurologischen Symptomen erleben, die in Art und Schweregrad stark variieren können. Schmerzen: Dies ist das häufigste Symptom und kann von mild bis schwer variieren. Diese neurologischen Symptome von CMD können die Lebensqualität eines Patienten erheblich beeinträchtigen, tägliche Aktivitäten und das allgemeine Wohlbefinden beeinflussen. Das Verständnis dieser Symptome ist entscheidend für eine effektive Diagnose und Behandlung, die oft einen multidisziplinären Ansatz erfordert, der Zahnärzte, Neurologen und andere Spezialisten einschließt.
Zusammenhänge zwischen CMD und neurologischen Symptomen in den Händen
Die primäre Verbindung zwischen CMD und Symptomen in den Händen liegt im Nervensystem, insbesondere über den Trigeminusnerv, der im Gehirn umfangreich vernetzt ist. Der Trigeminusnerv interagiert mit dem Rückenmark und den Nervenwurzeln, die bis in die Arme und Hände reichen. CMD führt oft zu Haltungsänderungen, da Individuen ihre Kopf- und Nackenhaltung als Reaktion auf Kieferschmerzen anpassen. Diese veränderte Haltung kann die Nacken- und Schultermuskulatur belasten, was wiederum die Nerven beeinträchtigt, die durch diese Bereiche verlaufen und in die Arme und Hände führen. CMD kann zur zentralen Sensibilisierung beitragen, bei der das zentrale Nervensystem für nozizeptive (schmerzhafte) Signale sensibilisiert wird, was zu einer Verstärkung der Schmerzempfindungen führt.
Fallbeispiele
- Fallbeispiel 1: Sarah, eine 35-jährige Grafikdesignerin, begann unerklärliche Taubheitsgefühle und Kribbeln in ihrer rechten Hand zu erleben, die sie zunächst auf das Karpaltunnelsyndrom aufgrund ihrer umfangreichen Computernutzung zurückführte. Trotz ergonomischer Anpassungen hielten die Symptome an. Als sie ein Klicken im Kiefer und Schmerzen beim Kauen entwickelte, konsultierte sie einen Zahnarzt, der sie mit CMD diagnostizierte. Nach Beginn der Behandlung für CMD verbesserten sich nicht nur ihre Kiefersymptome, sondern auch die Symptome an ihren Händen verringerten sich deutlich.
- Fallbeispiel 2: Michael, ein 42-jähriger Lehrer, litt unter chronischen Kopfschmerzen und Nackensteifigkeit, die er immer mit Stress in Verbindung gebracht hatte. Er bemerkte auch Schwierigkeiten beim Halten von Stiften oder Kreide, was seine Lehrtätigkeit schmerzhaft machte. Nachdem ein Freund vorschlug, dass seine Symptome mit CMD zusammenhängen könnten, suchte er einen Gesundheitsdienstleister auf, der die Diagnose bestätigte. Die Behandlung umfasste Physiotherapie für seinen Kiefer und Übungen zur Nackenausrichtung.
- Fallbeispiel 3: Emily, eine 28-jährige begeisterte Geigerin, konnte aufgrund starker Schmerzen in ihren Händen und gelegentlichem Kieferverschluss nicht länger als 20 Minuten am Stück üben. Dies war sowohl persönlich als auch beruflich verheerend für sie. Nach mehreren Beratungen wurde vorgeschlagen, dass ihre Probleme mit CMD zusammenhängen könnten.
Diese Anekdoten unterstreichen die oft übersehenen Auswirkungen, die CMD auf verschiedene Lebensbereiche haben kann, und betonen die Bedeutung eines umfassenden diagnostischen Ansatzes zur Identifikation und Behandlung aller betroffenen Bereiche.
Konventionelle medizinische Behandlungen für CMD
Konventionelle medizinische Behandlungen für Cranio-Mandibuläre Dysfunktion (CMD) konzentrieren sich darauf, Schmerzen zu lindern, Entzündungen zu reduzieren und die Funktionalität des Kiefers und der zugehörigen Strukturen zu verbessern.
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- Muskelrelaxantien: Diese Medikamente können helfen, Muskelkrämpfe im Kiefer zu lindern.
- Chirurgische Optionen: Eine Operation wird in der Regel erst in Betracht gezogen, nachdem konservativere Behandlungen nicht ausreichen, um die Symptome zu lindern, und die Schwere der Störung das Leben des Patienten erheblich beeinträchtigt.
- Arthrozentese: Dies ist ein minimalinvasives Verfahren, bei dem Flüssigkeit durch das Gelenk gespült wird, um Ablagerungen und entzündliche Nebenprodukte zu entfernen.
- Kiefergelenk-Arthroskopie: Bei diesem Verfahren wird ein kleiner dünner Schlauch (Arthroskop) in den Gelenkraum eingeführt und kleine chirurgische Instrumente für die Operation verwendet.
- Offene Gelenkoperation: Wenn es schwerwiegende strukturelle Probleme im Kiefer gibt, die nicht mit weniger invasiven Techniken gelöst werden können, kann eine offene Gelenkoperation notwendig sein.
- Gelenkersatz: In Fällen, in denen das Kiefergelenk schwer beschädigt ist, könnte ein künstlicher Gelenkersatz eine Option sein.
Jede Behandlung und chirurgische Option für CMD sollte sorgfältig basierend auf dem Zustand, den Symptomen und der medizinischen Vorgeschichte des einzelnen Patienten abgewogen werden.
Alternative und komplementäre Therapien
Neben konventionellen medizinischen Behandlungen suchen viele Patienten Linderung von CMD-Symptomen durch nicht-traditionelle oder komplementäre Therapien. Diese alternativen Ansätze können Akupunktur, chiropraktische Anpassungen und andere Modalitäten umfassen.
- Akupunktur: Akupunktur beinhaltet das Einführen sehr dünner Nadeln durch die Haut an spezifischen Punkten des Körpers. Der Erfolg der Akupunktur kann variieren; jedoch finden viele Patienten, dass sie erhebliche Schmerzlinderung und Verbesserungen des allgemeinen Wohlbefindens bietet.
- Chiropraktik: Die Chiropraktik konzentriert sich auf die Diagnose und Behandlung mechanischer Störungen des Bewegungsapparates, insbesondere der Wirbelsäule.
- Osteopathie: Osteopathische manipulative Behandlung beinhaltet die Bewegung von Muskeln und Gelenken unter Verwendung von Techniken wie Dehnen, sanftem Druck und Widerstand.
- Biofeedback-Therapie: Diese Therapie hat sich für Patienten, die chronische Schmerzen ohne den extensiven Einsatz von Medikamenten verwalten möchten, als nützlich erwiesen.
Patienten, die nicht-traditionelle Behandlungen für CMD in Betracht ziehen, sollten diese Optionen mit ihren Gesundheitsdienstleistern besprechen, um sicherzustellen, dass jede ausgewählte Behandlung sicher ist und angemessen mit ihrer gesamten medizinischen Versorgung koordiniert wird.
Ergonomische Anpassungen im Alltag
- Ergonomisches Sitzen: Verwenden Sie Stühle, die die natürliche Krümmung der Wirbelsäule unterstützen, mit verstellbarer Sitzhöhe und Rückenlehnen, um eine bequeme Sitzhaltung zu fördern.
- Computer- und Schreibtischeinrichtung: Positionieren Sie den Bildschirm auf Augenhöhe, um Nackenbelastungen zu vermeiden.
- Regelmäßige Pausen: Regelmäßige Pausen von langem Sitzen oder Stehen sind entscheidend.
- Achtsamer Telefongebrauch: Vermeiden Sie es, das Telefon zwischen Nacken und Schulter einzuklemmen, was zu Muskelverspannungen führen und CMD-Symptome verschlimmern kann.
- Handschienen oder orthopädische Geräte: Diese sind sehr wirksam bei der sofortigen Schmerzlinderung und bieten langfristige Unterstützung für alltägliche Aktivitäten.
Die Rolle der MRT in der CMD-Diagnostik
Die MRT nimmt in der Abklärung der CMD eine zunehmend größere Rolle ein. Sie ermöglicht die Darstellung nicht nur knöcherne Strukturen (wie im Röntgen oder per Computertomographie) sondern auch den Bandapparat, die Kapsel und den Diskus. Die MRT wird in verschiedenen Kieferstellungen durchgeführt: bei geschlossener Mund- und maximaler Mundöffnung. So können Veränderungen auch unter Belastung beurteilt werden. Die Untersuchung wird in der Regel in Rückenlage durchgeführt und dauert ca. 30 Minuten.
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