Die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen Corona-Infektionen, COVID-19-Impfungen und dem Auftreten oder der Verschlechterung von Migräne mit Aura gibt, ist ein Thema, das in den letzten Jahren vermehrt diskutiert wurde. Patienten berichten bisweilen über eine Verschlechterung der Migräne als Folge einer COVID-19-Impfung oder nach einer SARS-CoV-2-Infektion. Bislang fehlten jedoch Analysen zu einem solchen Zusammenhang.
Kopfschmerzen als Symptom von COVID-19
Kopfschmerzen sind ein häufiges Symptom einer akuten COVID-19-Erkrankung. Bei COVID-19 wurden Kopfschmerzen tatsächlich als ein häufiges Symptom registriert. Es gibt Hinweise darauf, dass Patienten mit primären Kopfschmerzen in der Vorgeschichte, vor allem Migräne, häufiger und heftiger unter Kopfschmerzen bei einer akuten Covid-19-Erkrankung leiden. Interessanterweise zeigte sich in einigen Untersuchungen, dass das frühe Auftreten von Kopfschmerzen im Prodromalstadium einer SARS-CoV-2-Infektion mit einer besseren Prognose der COVID-Erkrankung korrelierte. Eine spanische Studie, veröffentlicht im November 2020, habe gezeigt, dass die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus im Schnitt sieben Tage kürzer war (23,9 ± 11,6 versus 31,2 ± 12,0 Tage) und die Interleukin-6-Level niedriger und stabiler waren.
Verschlechterung der Migräne nach COVID-19 oder Impfung?
Einige Patienten mit Migräne berichten über eine Verschlechterung ihrer Symptome nach einer COVID-19-Impfung oder einer SARS-CoV-2-Infektion. Wissenschaftler luden Migränepatienten, welche in einer spanischen Kopfschmerzklinik behandelt wurden, zu einer Online-Umfrage ein. Im Rahmen der Studie wurden demografische Daten sowie Informationen zu SARS-CoV-2-Infektionen und Impfungen erfasst. Von 550 Studienteilnehmern gaben 44,9 % (247/550) an, mindestens einmal an COVID-19 erkrankt zu sein. 83,3 % der Teilnehmer (458/550) waren gegen das neue Coronavirus geimpft. 61 Probanden berichteten über eine Verschlechterung ihrer Migränesymptome seit der Coronavirus-Infektion, 52 Probanden berichteten über eine Verschlechterung seit der Impfung. Digitale Tagebucheinträge zu konkreten Coronavirus-Ereignissen konnten von 136 der 550 Patienten analysiert werden, von denen 38,2 % zum Zeitpunkt einer Coronavirus-Infektion (52/136) und 39,7 % zum Zeitpunkt einer COVID-19-Impfung (54/136) berichteten.
Die Wissenschaftler resümieren, dass eine Corona-Erkrankung in Einzelfällen eine Migräne verschlimmern kann, dies aber eher die Ausnahme ist. Die vorläufigen Daten deuten darauf hin, dass sowohl eine SARS-CoV-2-Infektion als auch eine COVID-19-Impfung eine vernachlässigbare Rolle bei der Verschlechterung der Migräne spielt.
Es gibt auch Hinweise darauf, dass bei Menschen, die unter Migräne leiden, die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass sie nach einer Virusinfektion Kopfschmerzen bekommen. Bei Migränebetroffenen kann es zum Beispiel zu einer Verschlimmerung ihrer bereits bestehenden Erkrankung kommen: Die Attacken treten nach ihrer Corona-Infektion häufiger auf oder dauern länger als vorher.
Lesen Sie auch: Seltene Fälle von Meningitis nach Impfung
Post-COVID-Kopfschmerz
COVID-19 kann auch einen neuen Dauerkopfschmerz verursachen, der vor der COVID-19-Erkrankung nicht bestand, aber danach noch einige Zeit anhält oder dauerhaft zu spüren ist. Kopfschmerzspezialist Straube geht davon aus, dass neu auftretender Dauerkopfschmerz bei 10 Prozent aller Covid-19-Patienten zum Problem wird. Sowohl im klinischen Bereich als auch in der Forschung werden die Begriffe “Post- Covid-19-Kopfschmerz” und “persistierender Kopfschmerz nach Covid-19” verwendet. Ein zeitliches Muster ist die Persistenz von Kopfschmerzen mit Auftreten während der akuten Infektion, trotz des Abklingens der übrigen Symptome von Covid-19.
Entstehung von Kopfschmerzen nach COVID-19-Impfung
Kopfschmerzen nach einer COVID-19-Impfung waren sogar mit einer robusteren Immunantwort assoziiert, was darauf hindeutet, dass der physiologische Mechanismus komplex ist. „Spannend ist, welche Mechanismen für eine Entstehung von Kopfschmerzen innerhalb von Stunden nach einer Impfung verantwortlich sein könnte. Das sind ganz neue Überlegungen, die bisher noch nicht untersucht wurden“, erklärt Prof. Straube.
Mögliche Mechanismen
Während bei den akuten Schmerzen sowohl neuropathische als auch entzündliche Mechanismen verantwortlich gemacht werden, wird bei chronischen Kopfschmerzen eine Beteiligung des Inflammasoms diskutiert. »Dabei handelt es sich um einen Eiweißkomplex, der sich innerhalb von Zellen befindet und als Reaktion auf Krankheitserreger oder zellulären Stress aktiviert wird«, erläutert Straube vor Journalisten. Als Teil der angeborenen Immunabwehr sei das Inflammasom in der Lage, die Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen zu veranlassen - ein Mechanismus, der möglicherweise auch bei der Chronifizierung von primären (also ohne erkennbare Ursache auftretenden) Kopfschmerzen wie Migräne eine Rolle spielen könnte. »Es spricht einiges dafür, dass diese Kopfschmerzformen auf dieselben Mechanismen zurückzuführen sind«, sagte Straube.
Eine jüngst veröffentlichte Arbeit (Oktober 2023) aus den USA deutet darauf hin, dass es während der akuten Erkrankungsphase von COVID-19 bei den Patient:innen zu einem Abfall des im Blut zirkulierenden Botenstoffs Serotonin kam. Entwickelten die Betroffenen allerdings Long COVID, so blieb das Serotonin weiter auf dem niedrigen Niveau. Ein ähnlicher Serotoninmangel wurde auch bei Patient:innen gefunden, die sich mit anderen Viren infiziert hatten. Das angeborene Immunsystem setzt bei Viruskontakt verstärkt sogenannte Interferone vom Typ 1 frei. Diese Immun-Botenstoffe wirken auf die Darmschleimhaut, in der die Bildung von Serotonin aus der Aminosäure Tryptophan stattfindet. Die Interferone hemmen in den Zellen der Darmschleimhaut die Aufnahme von Tryptophan. Dadurch fehlt dort der Rohstoff für die Bildung von Serotonin, sein Level im Blut sinkt ab. Ein niedriger Serotoninspiegel beeinflusst die Gerinnungsaktivität bestimmter Blutzellen, der Thrombozyten. Der Mangel an dem neuroaktiven Botenstoff Serotonin wirkt sich auch auf die Funktion des Gehirns aus. Zwar kann es die sogenannte Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden, aber die Forscher:innen vermuten einen anderen Weg der Beeinflussung: Ist nicht genug Serotonin vorhanden, wird die Funktion des Vagusnervs beeinträchtigt. Dieser ist unter anderem aktiv an der Steuerung von Prozessen beteiligt, die sich auf das Gedächtnis, die Speicherung von Informationen und auch auf das Kopfschmerzgeschehen auswirken.
Behandlung von Kopfschmerzen
Allgemein gibt es gegen Kopfschmerzen einige Behandlungsmöglichkeiten:
Lesen Sie auch: Corona und das Gehirn: Was wir wissen
- Gönnen Sie sich jetzt viel Ruhe und frische Luft, damit sich der Körper schnell erholen kann.
- Trinken Sie viel über den Tag verteilt, insbesondere Heilkräuter-Tees sind empfehlenswert.
- Schmerzmittel wie Aspirin® 500 mg sind durch die besondere MicroAktiv-Technologie besonders schnell wirksam bei allen Arten von leichten bis mäßig starken Schmerzen, egal ob es sich um Kopfschmerzen (mit oder ohne Zusammenhang mit einer Erkältung), Kopfschmerzen im Zusammenhang mit einer Covid-Infektion, oder anderen erkältungsbedingten Schmerzen handelt. Für die Einhame ohne Wasser und ideal für unterwegs empfiehlt sich das Aspirin® Effect Granulat.
Prävention
Die gute Nachricht: Inzwischen ist gut belegt, dass die Impfung gegen COVID-19 nicht nur gegen schwere Verläufe der eigentlichen Erkrankung schützt, sondern auch das Risiko für Long COVID erheblich senkt. Das heißt: Mit der Impfung lassen sich auch die Begleitsymptome vermeiden. Dabei wirkt eine sogenannte Booster-Impfung, also die Auffrischung des Impfschutzes, besonders gut. Eine 2022 veröffentlichte Untersuchung an Mitarbeitenden im Gesundheitswesen konnte zeigen, dass die Anzahl der Schutzimpfungen gegen COVID-19 in einem umgekehrten Verhältnis zum Risiko steht, an Long COVID zu erkranken. So fand man eine um zwei Drittel verminderte Wahrscheinlichkeit für Long COVID nach drei Impfungen. Man kann daher davon ausgehen, dass die wirksamste Präventionsmaßnahme nicht nur gegen eine krankheitsauslösende Infektion mit dem Virus, sondern auch gegen Long COVID, die konsequente Anwendung der Vakzine ist.
Lesen Sie auch: Neueste Erkenntnisse zum Demenzrisiko nach COVID-19