Parkinson-Risikogruppe und Corona: Erhöhtes Risiko und Forschungsansätze

Die COVID-19-Pandemie hat die Welt vor neue Herausforderungen gestellt, insbesondere für vulnerable Bevölkerungsgruppen. Menschen mit Vorerkrankungen wie Morbus Parkinson gehören zu den Risikogruppen, die besonders unter den Auswirkungen von SARS-CoV-2-Infektionen leiden. Dieser Artikel beleuchtet das erhöhte Risiko für Parkinson-Patienten im Zusammenhang mit COVID-19, die möglichen Ursachen und die aktuellen Forschungsansätze zur Bewältigung dieser komplexen Problematik.

Erhöhtes Risiko für schwere COVID-19-Verläufe bei Parkinson-Patienten

Eine Analyse von Krankenhausdaten hat gezeigt, dass Menschen mit Morbus Parkinson bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 häufiger schwer an COVID-19 erkranken. Auch das Sterberisiko ist offenbar erhöht. Als Grund hierfür werden die erhöhte Gebrechlichkeit und die häufigen Risikofaktoren der Patienten für einen schweren Verlauf von COVID-19 vermutet.

Die Sorge der Patienten, sich im Krankenhaus mit SARS-CoV-2 anzustecken, führte während der ersten Erkrankungswelle in Deutschland zu einem Rückgang der Krankenhausbehandlungen von Parkinsonpatienten. Dieser Rückgang fiel mit 29 % sogar deutlich stärker aus als in der Gesamtzahl der Klinikpatienten, die um 16,7 % abnahm. Auf dem Höhepunkt der Welle sanken die Behandlungszahlen von Parkinsonpatienten sogar um bis zu 72,7 %.

Berechtigt war allerdings die Sorge der Patienten, im Fall einer Infektion schwerer an COVID-19 zu erkranken. Ein erhöhter Anteil von COVID-19-Erkrankungen unter den im Krankenhaus behandelten Parkinsonpatienten von 1,1 % gegenüber 0,6 % bei den Patienten ohne Morbus Parkinson deutet darauf hin. Das COVID-19-Risiko stieg mit dem Stadium der Parkinsonerkrankung.

Risikofaktoren und Begleiterkrankungen

Das erhöhte Erkrankungsrisiko ist nicht nur auf eine vermehrte Gebrechlichkeit infolge der Bewegungsstörung zurückzuführen. Patienten mit Morbus Parkinson haben auch häufiger Begleiterkrankungen, die Risikofaktoren für einen schweren Verlauf sind. Dazu gehören Hypertonie und chronische Nierenerkrankungen.

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Ein weiterer Risikofaktor ist ein männliches Geschlecht. Da der Morbus Parkinson in der Regel im höheren Alter auftritt, war das Durchschnittsalter der betroffenen Patienten ebenfalls höher. Alter ist bekanntlich einer der wichtigsten Risikofaktoren für einen tödlichen Ausgang von COVID-19. So ist es nicht verwunderlich, dass die Sterberate von Parkinsonpatienten mit COVID-19 im Krankenhaus deutlich erhöht war.

Auswirkungen von SARS-CoV-2 auf Dopamin-Neurone

SARS-CoV-2 beeinträchtigt auch Dopamin-Neurone und lässt sie altern - jene Nervenzellen, die bei Parkinson zugrunde gehen. Eine SARS-CoV-2-Infektion von Dopamin-Neuronen löst eine "entzündliche Alterungsreaktion" dieser Zellen aus. Wissenschaftler suchen nach Wirkstoffen, die die Dopamin-Neurone schützen können.

Die Studienautoren identifizierten die Wirkstoffe Riluzol, Metformin und Imatinib. Hier deuteten ihre Untersuchungen darauf hin, dass diese Arzneimittel die Corona-bedingte Alterung der Dopamin-Neurone verhinderten, indem sie die SARS-CoV-2-Infektion blockierten. Sie schlugen vor, COVID-19-Patienten in den kommenden Jahren engmaschig auf ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Parkinson-Symptomen zu überwachen.

Forschungsprojekt COMMUTE: Aufklärung der Zusammenhänge

Das EU-Projekt COMMUTE widmet sich der Frage, ob eine Infektion mit SARS-CoV-2 das Risiko erhöht, an Demenz zu erkranken. Führende europäische Fachleute aus den Disziplinen Medizin, Zellbiologie, Datenwissenschaft und Künstliche Intelligenz sowie Ethik, Recht und Patientenbeteiligung arbeiten zusammen, um die Mechanismen der möglichen Komorbidität von COVID und Alzheimer bzw. anderen neurodegenerativen Erkrankungen aufzuklären.

Im Projekt wird das umfangreiche, publizierte Wissen aus der wissenschaftlichen Literatur extrahiert und in eine für Algorithmen nutzbare Form abgespeichert. Mit Hilfe moderner Verfahren der Künstlichen Intelligenz (KI) lassen sich dann eine große Zahl von Krankheits-Hypothesen systematisch durchtesten. Ein Aspekt dabei ist auch, ob man Medikamente, die bei der Therapie anderer Erkrankungen zum Einsatz kommen, zur Behandlung von durch SARS-CoV-2-Infektionen ausgelöste neurodegenerative Erkrankungen einsetzen kann. Die gewonnenen Erkenntnisse dienen schließlich als Grundlage dafür, personalisierte Gesundheitsanwendungen zu entwickeln.

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Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln

Für Parkinsonbetroffene gibt es keine speziellen zusätzlichen Maßnahmen, die über die allgemeinen Hygienemassnahmen hinausgehen. Es reicht, die vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) vorgegebenen Hygienemassnahmen einzuhalten. Dies sind etwa Hände waschen, in die Armbeuge husten, Händeschütteln vermeiden und bei Symptomen wie Atembeschwerden, Husten oder Fieber zu Hause bleiben und den Hausarzt telefonisch kontaktieren.

Telemedizinische Angebote zur Unterstützung

Die COVID-19-Pandemie hat auch Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung aller Parkinson-Betroffenen. Steigende Zahlen von Patientinnen und Patienten zeigen, wie wichtig ein Krankenhausaufenthalt insbesondere in Krankheitskrisen ist, zum Beispiel nach einem Sturz oder bei unzureichender Wirkung der Medikamente. Auch in Zukunft können telemedizinische Angebote dabei unterstützen, eine optimale Behandlung von Parkinson-Patienten zu gewährleisten.

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