Eine Migräne ist mehr als nur ein gewöhnlicher Kopfschmerz. Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung, die sich durch anfallsartige, heftige Kopfschmerzen äußert, die oft von weiteren Beschwerden begleitet werden. Die Schmerzen treten typischerweise auf einer Kopfseite auf und werden als pulsierend, pochend oder hämmernd empfunden. Im Gegensatz zu sekundären Kopfschmerzen, die durch andere Erkrankungen verursacht werden, zählt die Migräne zu den primären Kopfschmerzen.
Was ist Migräne?
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, deren Leitsymptom anfallartig auftretende Kopfschmerzen sind. Diese werden meist von weiteren Symptomen begleitet. Eine Migräneattacke kann bis zu 72 Stunden anhalten. Manche Betroffenen haben zudem vor einem Anfall eine Aura, die meist visuelle oder andere sensorische Wahrnehmungsstörungen verursacht. Was eine Migräneattacke auslöst (Trigger), ist individuell verschieden. Migräne ist eine der häufigsten Kopfschmerzerkrankungen und zählt zu den primären Kopfschmerzen. Im Gegensatz zu den sekundären Kopfschmerzen, die durch andere Erkrankungen verursacht werden, z.B.
Von einer Migräne spricht man aber erst, wenn die typischen Symptome mindestens fünfmal aufgetreten sind. Eine Migräne schränkt den Alltag meist erheblich ein. Manche Menschen haben nur gelegentlich einen Migräneanfall. Andere sind jeden Monat für mehrere Tage außer Gefecht gesetzt.
Symptome der Migräne
Typisch für Migräne sind mäßige bis starke Kopfschmerzen, oft auf einer Seite des Kopfes. Meist werden sie als pulsierend, pochend oder hämmernd empfunden. Oft verstärken sie sich bei körperlicher Aktivität, manchmal schon bei kleinen Bewegungen. Die Kopfschmerzen können mit Übelkeit und Erbrechen verbunden sein. Sie können bei manchen Kindern auch fehlen - ihnen ist hauptsächlich übel, sie müssen sich übergeben und ihnen ist schwindelig.
Viele Patientinnen und Patienten spüren bereits Stunden oder Tage vor einem Migräneanfall, dass dieser auftreten wird. Das merken sie etwa daran, dass sie typische Stimmungsveränderungen an sich feststellen oder dass sie Schwierigkeiten beim Lesen oder Schreiben haben. Das Leitsymptome der Migräne sind Kopfschmerzen, die in ca. 60% der Fälle nur einseitig auftreten und nicht den gesamten Kopf betreffen. Die Schmerzen fangen langsam an und bauen sich dann immer weiter auf, bis ein bohrender, pulsierender und hämmernder Schmerzcharakter entsteht. Neben den Kopfschmerzen können weitere Symptome auftreten, die typisch für die Migräne sind. Zu nennen sind hier vor allem eine ausgeprägte Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit und Erbrechen. Von Betroffenen wird berichtet, dass körperliche Anstrengung die Symptome verschlimmert.
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Manche Menschen sind während der Anfälle auch sehr licht- und geräuschempfindlich. Unbehandelt halten die Beschwerden zwischen vier Stunden und drei Tagen an.
Migräne mit Aura
Bevor die eigentliche Migräne spürbar wird, sehen manche Menschen Lichtblitze und eigenartige Formen. Andere nehmen alles etwas verschwommen, verwackelt oder wie durch Wellenlinien hindurch wahr. Vorübergehend können sich auch Sprachstörungen, Lähmungen oder Missempfindungen wie Kribbeln einstellen. In der Medizin werden solche Erscheinungen als „Aura“ bezeichnet. Etwa 15 Prozent der Migräne-Betroffenen haben eine klassische Migräne, also eine Migräne mit Aura. Unmittelbar vor der Schmerzphase bemerken diese Patientinnen und Patienten Symptome, die Neurologinnen und Neurologen unter dem Begriff Aura zusammenfassen.
Zu den möglichen Kennzeichen einer Aura gehören:
- Schwindel und Schwächegefühl
- Sehstörungen (z. B. Wahrnehmung von Doppelbildern, Lichtblitzen, Wellenlinien, blinden Flecken)
- Hörprobleme bis hin zu vorübergehender Taubheit
- Empfindungsstörungen (Parästhesien)
- Sprechstörungen
Eine Aura besteht in der Regel nicht länger als eine Stunde, es folgt die Migräne-Schmerzphase (die Schmerzphase kann sich aber auch mit der Aura überlappen oder ausbleiben). Die Symptome der Aura bilden sich komplett zurück, bleiben also ohne dauerhafte Folgen.
Chronische Migräne
Treten die Migräneattacken mindestens 3 Monate lang an mindestens 15 Tagen im Monat auf, davon an mindestens 8 Tagen mit den typischen Merkmalen des Migränekopfschmerzes, so handelt es sich in der Regel um eine chronische Migräne. Die genaue Bestimmung der Kopfschmerzform sollte bei einem spezialisierten Arzt persönlich besprochen werden.
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Üblicherweise tritt Migräne in unregelmäßigen Abständen als anfallsartiger Kopfschmerz auf. Diese gut voneinander abgrenzbaren Kopfschmerzattacken werden auch Episoden genannt. Wird die Migräne immer häufiger und geht eine Migräneattacke nahezu ohne Pause in die nächste über, kann aus der Episodischen Migräne eine Chronische Migräne werden. Laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) ist eine schwere Migräne eine der am stärksten einschränkenden Erkrankungen. Bei einer chronischen Migräne bestehen seit 3 Monaten oder länger Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen im Monat, davon 8 oder mehr Tage mit Migräne.
Ursachen und Auslöser
Die genauen Ursachen von Migräne sind nicht bekannt. Eine Theorie besagt, dass entzündliche Vorgänge an den Blutgefäßen im Gehirn eine Rolle spielen. Möglicherweise ist auch von Bedeutung, wie Schmerzsignale im Gehirn verarbeitet werden. Die Ursachen für die Funktionsstörungen im Gehirn, welche die Migräne auslösen, sind immer noch nicht ausreichend erforscht. Nur bei sog. familiärer Migräne wurde eine genetische Mutation als eindeutige Ursache ausfindig gemacht. Ansonsten sind aber bereits eine ganze Reihe genetischer Risikofaktoren für das Auftreten von Migräne bekannt.
Die Forschung geht davon aus, dass eine Veranlagung für Migräne auf unterschiedliche Auslöser (Trigger) der Migräne-Attacken trifft. So geht eine Theorie davon aus, dass bei Migräne-Betroffenen grundsätzlich eine aktivere Reizverarbeitung im Gehirn stattfindet als bei Nichtbetroffenen. Wenn nun bestimmte Reize oder Einflussfaktoren (sogenannte Trigger) auf dieses empfindliche System „einprasseln“, kann es zu Veränderungen im Gehirn kommen, die letztlich zum Migräne-Anfall führen.
Mögliche Auslöser (Trigger) sind:
- Stress und generell starke Emotionen wie überschwängliche Freude oder Angst (die Migräne-Attacke kommt dann oft erst nach dem Abklingen der Belastung)
- Hormonelle Veränderungen (z. B. Hormonschwankungen innerhalb des Menstruationszyklus, hormonelle Verhütungsmethoden)
- Unregelmäßiges Essen und Auslassen von Mahlzeiten (z. B. intermittierendes Fasten)
- Bestimmte Lebensmittel wie Käse und Rotwein
- Wetterveränderungen (z. B. Föhn, plötzliche Temperaturschwankung)
- Unregelmäßiger Schlaf (z. B. mal zu viel, mal zu wenig Schlaf)
- Äußere Reize (z. B. helles Licht, Straßenlärm, Gerüche, Rauch)
- Bestimmte Medikamente
Stress spielt bei Schmerzen oft eine wichtige Rolle: Sich nervös und angespannt zu fühlen, kann Schmerzen verstärken oder dazu beitragen, dass sie überhaupt auftreten. Sehr hektische Tage ohne ausreichende Pausen können Kopfschmerzen daher begünstigen. Manchmal setzt aber auch eine Migräne ein, wenn der Stress nachlässt - zum Beispiel am Wochenende oder in den ersten Urlaubstagen.
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Bei Menschen mit Migräne können auch unregelmäßige Schlaf- und Essenszeiten die Wahrscheinlichkeit für einen Anfall erhöhen. Möglicherweise besteht zudem ein Zusammenhang zwischen Migräne, der Ernährung und körperlicher Bewegung. Wer Migräne hat, kann selbst herausfinden, ob diese Faktoren einen Einfluss haben.
Diagnose
Für die Diagnose macht die Ärztin oder der Arzt eine körperliche Untersuchung und benötigt eine detaillierte Beschreibung der Beschwerden, die während eines Anfalls auftreten. Entscheidend sind Angaben, wo genau der Schmerz sitzt und wie lange er anhält. Ebenfalls wichtig ist der Abstand zwischen den Attacken und eventuelle Begleitsymptome. Ein Kopfschmerz-Fragebogen und -Tagebuch (in Papierform oder als App) erleichtern die Diagnose.
Wichtigstes diagnostisches Instrument ist neben der neurologischen Untersuchung das Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese). Aufgrund der beschriebenen und aufgeschriebenen Krankheitszeichen können Fachärztinnen und Fachärzte eine Migräne eindeutig erkennen und diagnostizieren. Falls dies nicht eindeutig möglich ist oder falls ein Verdacht auf eine andere Ursache für die Symptome besteht, können weitere Untersuchungen des Gehirns wie eine Bildgebung des Kopfes notwendig sein.
Behandlung
Da die Migräne eine chronische Erkrankung ist, deren Ursachen noch nicht genau bekannt sind, ist bislang keine Heilung möglich. Jedoch stehen heute Arzneimittel zur Verfügung, die die Symptome rund um die Migräne-Attacke effektiv lindern und so im Vergleich zu früheren Therapiemöglichkeiten die Lebensqualität von Betroffenen deutlich verbessern können.
Viele Menschen mit Migräne lindern Anfälle zunächst einmal mit allem, was ihnen persönlich aus Erfahrung guttut: Sie legen sich in einem ruhigen und dunklen Raum hin und bedecken die schmerzende Kopfseite vielleicht mit einer kühlenden Auflage, etwa einem feuchten Tuch oder einem Kühlelement.
Medikamentöse Behandlung
In der Akuttherapie der Migräne, also in der direkten Behandlung einer Migräne-Attacke, können Ärztinnen und Ärzte sowohl Medikamente zur Linderung der migränebedingten Kopfschmerzen als auch Medikamente zur Linderung der individuellen Begleitsymptome einsetzen. Hier sind insbesondere die Antiemetika zur Bekämpfung der Übelkeit zu nennen.
Wenn die Migräne sehr schmerzhaft ist, nehmen die meisten Menschen Medikamente, um den Anfall durchzustehen. Dazu gehören vor allem Paracetamol, entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) wie ASS, Diclofenac oder Ibuprofen und spezielle Migränemittel wie Triptane. Paracetamol, ASS und Ibuprofen sind in der Apotheke auch ohne Rezept erhältlich, ebenso zwei Wirkstoffe aus der Gruppe der Triptane. Bevor man sich selbst behandelt, sollte aber ärztlich abgeklärt sein, dass es sich bei den Kopfschmerz-Anfällen tatsächlich um eine Migräne handelt.
Bei leichter bis mittelstarker Migräne können laut ärztlicher Leitlinie Medikamente aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) angewendet werden. NSAR wie Acetylsalicylsäure (ASS) und Ibuprofen sind zwar rezeptfrei in Apotheken erhältlich, jedoch sollten Migräne-Betroffene auch hier die Einnahme mit ihrer behandelnden Ärztin oder ihrem behandelnden Arzt besprechen. Falls bei einer Patientin oder einem Patienten etwas gegen die Einnahme von NSAR spricht, können als Alternativen Paracetamol und andere ärztlich verordnete Medikamente infrage kommen.
Bei mittelschwerer und schwerer Migräne sind vor allem die Triptane zu nennen. Laut ärztlicher Behandlungsleitlinie sind sie die Substanzen mit der besten Wirksamkeit bei akuten Migräne-Attacken, jedoch muss immer auch das Nebenwirkungsprofil beachtet werden. Als Triptane wird eine Gruppe gleichartig wirkender Arzneistoffe bezeichnet, die nicht nur stärkere und starke migränebedingte Kopfschmerzen effektiv lindern können, sondern auch migränebedingte Begleitsymptome wie Übelkeit und Erbrechen. Wichtig ist der Zeitpunkt der Einnahme: Triptane sollen früh in der Kopfschmerzphase eingenommen werden, um bestmöglich zu wirken. Während der Aura, solange keine Kopfschmerzen bestehen, entfalten sie keine Wirkung.
Vorbeugung
Als Prophylaxe bezeichnet man generell Maßnahmen, um einer Erkrankung vorzubeugen. Speziell bei der Migräne-Vorbeugung geht es um die bestmögliche Minderung von Attacken in Bezug auf Häufigkeit, Dauer und Intensität. Die Migräne-Prophylaxe verfolgt außerdem das Ziel, dass Patientinnen und Patienten nicht zu viele Medikamente gegen Migräne-Attacken einnehmen müssen.
Eine Migräne-Prophylaxe kann vielschichtig aufgebaut sein:
- Medikamente: In der medikamentösen Migräne-Prophylaxe stehen mehrere unterschiedliche Substanzen zur Verfügung, die - wie beispielsweise die Betablocker - ursprünglich für einen anderen Therapiezweck entwickelt wurden, die aber auch in der Migräne-Vorbeugung wirksam sein können. Die neueste Klasse der Migräne-Prophylaktika stellen speziell entwickelte Antikörper dar.
- Entspannungsverfahren und psychotherapeutische Verfahren: Hier erlernen Migräne-Betroffene insbesondere Übungen und Techniken, um besser mit Stress und herausfordernden Situationen umgehen zu können, die eine Migräne-Attacke triggern können.
- Ausdauersport: Sportarten wie Radfahren, Schwimmen und Laufen können laut Studien ähnlich migränevorbeugend wirken wie die medikamentöse Prophylaxe. Allerdings muss der Ausdauersport regelmäßig betrieben werden und darf nicht zu intensiv ausfallen - sonst kann er Migräne-Attacken sogar fördern.
- Persönliche Trigger erkennen und vermeiden: Patientinnen und Patienten, die wissen, dass sie beispielsweise nach dem Genuss von Rotwein mit einer Migräne-Attacke
Alternative Behandlungsmethoden
Neben den klassischen Behandlungsmethoden gibt es auch alternative Ansätze, die bei der Behandlung von Migräne eingesetzt werden können. Dazu gehören:
- Triggerpunkt-Akupunktur: Hierbei werden bestimmte Stellen der Muskulatur an Nacken und Kopf so behandelt, dass die Muskulatur entspannt und so die Spannungskomponente einer Migräne oder die Spannung als Trigger für eine Migräne beseitigt werden können.
- Okzipitalisblockade: Die Nerven N. occiptalis major und N. occipitalis minor verlaufen vom Nacken zum Hinterkopf und sind für die sensible Versorgung dieses Bereiches verantwortlich.
- Cefaly: Dabei handelt es sich um ein innovatives medikamentfreies Gerät zur Migränetherapie und Prophylaxe, das durch transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) funktioniert. Es wird auf die Stirn aufgelegt und stimuliert die Hirnnerven, um Schmerzen zu lindern und Migräneattacken vorzubeugen.
Leben mit Migräne
Migräne kann das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen. Wiederholte Anfälle können sehr belastend sein; lange anhaltende Kopfschmerzen zehren an den Kräften. Viele Menschen mit Migräne sind während eines Anfalls kaum oder gar nicht in der Lage, ihren täglichen Aktivitäten zu Hause und bei der Arbeit nachzugehen. Ihre Leistungsfähigkeit und Konzentration nimmt stark ab.
Nicht nur die Beschwerden selbst können stark belasten und die Lebensfreude dämpfen, sondern auch die Angst vor erneuten Migräneanfällen und Sorgen, wie sich die Migräne beispielsweise auf Familie und Beruf auswirkt. Negative Gefühle und Gedanken können zudem zu einem Verhalten führen, das die Lebensqualität zusätzlich mindert: Etwa wenn man aus Furcht vor einem Migräneanfall Aktivitäten vermeidet, die einem eigentlich Freude bereiten.
Tipps für den Alltag
- Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch: Ein Kopfschmerz- oder Migräne-Tagebuch kann helfen, Auslösern auf die Spur zu kommen. Darin hält man zum Beispiel fest, wie schwer und lang ein Anfall war, was zum Zeitpunkt des Anfalls geschehen ist, was man davor gegessen oder getrunken hat und welche Medikamente man genommen hat.
- Achten Sie auf Regelmäßigkeit: Regelmäßigkeit ist für viele Patientinnen und Patienten hilfreich. Das gilt für Schlafens- und Aufwachzeiten aber auch für Mahlzeiten.
- Vermeiden Sie Stress: Hetze, Unregelmäßigkeit, Naschen und Überspringen von Mahlzeiten können Migränebeschwerden verschlimmern.
- Entspannungsverfahren: Regelmäßiger Ausdauersport wie Laufen, Schwimmen oder Radfahren sowie Entspannungsverfahren, zum Beispiel Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training, können den Stresspegel verringern und helfen, Migräneattacken vorzubeugen.