Die Trigeminusneuralgie ist eine Erkrankung, die durch heftige, blitzartige Schmerzen im Gesicht gekennzeichnet ist. Diese Schmerzen entstehen durch eine Funktionsstörung des Trigeminusnervs (Nervus trigeminus), dem fünften Hirnnerv, der für die sensible Versorgung des Gesichts zuständig ist. Die Erkrankung kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken.
Was ist der Trigeminusnerv?
Der Trigeminusnerv, auch Drillingsnerv genannt, ist der fünfte Hirnnerv und der wichtigste sensible Nerv des Kopf- und Gesichtsbereichs. Er ist für die Wahrnehmung und Weiterleitung von Berührungs- und Schmerzreizen im Bereich des Gesichts verantwortlich. Der Nerv teilt sich in drei Äste auf:
- N. ophthalmicus (Augenast): Versorgt Stirn und Augen.
- N. maxillaris (Oberkieferast): Versorgt Oberkiefer, Wange und Nase.
- N. mandibularis (Unterkieferast): Versorgt Unterkiefer, Lippe, Zähne und Teile der Zunge.
Der Trigeminusnerv dient dazu, dass der Mensch riechen, schmecken oder im Gesicht fühlen kann. Auch die Benetzung der Hornhaut des Auges wird durch den Trigeminusnerv ermöglicht.
Ursachen der Trigeminusneuralgie
Bei der Trigeminusneuralgie unterscheidet man verschiedene Formen, die unterschiedliche Ursachen haben können:
- Klassische (idiopathische) Trigeminusneuralgie: In 80 bis 90 Prozent der Fälle wird die klassische Trigeminusneuralgie durch einen neurovaskulären Konflikt verursacht. Dabei engt ein Blutgefäß (meist die Arteria superior cerebelli) den Trigeminusnerv im Bereich des Hirnstamms ein und drückt auf ihn. Durch die Kompression wird die Myelinschicht (schützende Nervenhülle) geschädigt, was zu einer Übererregung der Nervenzellen und einer gestörten Signalübertragung führt. Die Folge sind blitzartige Gesichtsschmerzen mit hoher Intensität.
- Symptomatische (sekundäre) Trigeminusneuralgie: In diesem Fall ist die Trigeminusneuralgie ein Symptom einer anderen Erkrankung. Mögliche Ursachen sind:
- Multiple Sklerose (MS)
- Hirntumoren (z. B. Akustikusneurinome)
- Hirnmetastasen
- Gefäßmissbildungen (z. B. Angiome, Aneurysmen)
- Bindegewebserkrankungen
- Idiopathische Trigeminusneuralgie: Wenn keine klare Ursache für die Gesichtsschmerzen gefunden werden kann, spricht man von einer idiopathischen Trigeminusneuralgie.
Symptome der Trigeminusneuralgie
Das Hauptsymptom der Trigeminusneuralgie sind plötzliche, heftige, einschießende Schmerzen in einer Gesichtshälfte. Die Schmerzen werden oft als blitzartig, elektrisierend, stechend oder scharf beschrieben und zählen zu den stärksten Schmerzen, die es gibt.
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Weitere typische Symptome sind:
- Die Schmerzen treten in der Regel im Versorgungsgebiet des zweiten (Oberkieferast) oder dritten (Unterkieferast) Trigeminusastes auf, selten im Bereich des Augenastes.
- Die Schmerzattacken dauern meist nur wenige Sekunden bis maximal zwei Minuten, können aber mehrmals pro Tag auftreten.
- Zwischen den Schmerzattacken besteht in der Regel Beschwerdefreiheit (bei der klassischen Form). Bei der symptomatischen Form können auch dauerhafte Schmerzen oder Sensibilitätsstörungen vorhanden sein.
- Die Schmerzen können durch bestimmte Reize (Triggerfaktoren) ausgelöst werden, wie z. B.:
- Berühren des Gesichts
- Sprechen
- Kauen
- Schlucken
- Zähneputzen
- Waschen des Gesichts
- Rasieren
- Zugluft
- Auftragen von Make-up
- Lächeln oder Lachen
- Kalte oder heiße Speisen/Getränke
- Die Schmerzen können auch spontan ohne erkennbaren Auslöser auftreten.
- Begleitend zu den Schmerzen können Muskelzuckungen im Gesicht (Tic douloureux), Hautrötung und Augentränen auftreten.
- Manchmal geht den Schmerzattacken ein andauerndes, brennendes Gefühl im Gesicht voraus.
Diagnose der Trigeminusneuralgie
Aufgrund der charakteristischen Symptomatik ist eine Trigeminusneuralgie für einen Neurologen in der Regel leicht zu diagnostizieren. Die Diagnose basiert auf:
- Anamnese (Krankengeschichte): Der Arzt befragt den Patienten ausführlich über Art, Verlauf, Dauer, Ausprägung und Auslöser der Gesichtsschmerzen.
- Neurologische Untersuchung: Der Arzt untersucht die Sensibilität im Gesichtsbereich und prüft die Funktion der Hirnnerven.
- Magnetresonanztomografie (MRT): Eine MRT des Schädels wird durchgeführt, um andere Ursachen für die Schmerzen auszuschließen (z. B. Tumoren, Multiple Sklerose, Gefäßmissbildungen) und einen möglichen neurovaskulären Konflikt zu erkennen.
- Weitere Untersuchungen: In einigen Fällen können weitere Untersuchungen erforderlich sein, z. B. eine Computertomografie (CT), Angiografie oder elektrophysiologische Untersuchungen.
Behandlung der Trigeminusneuralgie
Bei der Behandlung der Trigeminusneuralgie gibt es verschiedene Möglichkeiten, die individuell auf den Patienten abgestimmt werden müssen. Ziel der Behandlung ist es, die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Therapie ist meist die erste Maßnahme bei einer Trigeminusneuralgie. Dabei werden vor allem Antiepileptika eingesetzt, die die Reizweiterleitung im Nervensystem hemmen und so die Schmerzen reduzieren können. Häufig verwendete Medikamente sind:
- Carbamazepin
- Oxcarbazepin
- Gabapentin
- Pregabalin
- Lamotrigin
- Baclofen
- Phenytoin
Die Behandlung beginnt in der Regel mit einer niedrigen Dosierung, die dann langsam gesteigert wird, bis eine ausreichende Schmerzlinderung erreicht wird. Bei manchen Patienten ist eine Kombination mehrerer Medikamente erforderlich. Wenn die Schmerzen mit der medikamentösen Therapie nicht ausreichend kontrolliert werden können oder starke Nebenwirkungen auftreten, kommen operative Verfahren in Betracht.
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Operative Verfahren
Es gibt verschiedene operative Verfahren zur Behandlung der Trigeminusneuralgie:
- Mikrovaskuläre Dekompression (Operation nach Jannetta): Dieser Eingriff wird bei der klassischen Trigeminusneuralgie durchgeführt, wenn ein neurovaskulärer Konflikt vorliegt. Dabei wird der Schädel hinter dem Ohr geöffnet und das Blutgefäß, das auf den Trigeminusnerv drückt, vorsichtig vom Nerven wegverlagert. Um einen erneuten Kontakt zu verhindern, wird ein kleines Kunststoffstück (z. B. Teflon) zwischen Nerv und Gefäß eingebracht. Die mikrovaskuläre Dekompression gilt als die wirksamste operative Behandlung der Trigeminusneuralgie, da sie die Ursache der Schmerzen beseitigt.
- Perkutane Verfahren: Diese Verfahren sind weniger invasiv als die mikrovaskuläre Dekompression und werden in der Regel bei älteren Patienten oder solchen mit einem erhöhten Operationsrisiko eingesetzt. Bei den perkutanen Verfahren wird der Trigeminusnerv im Bereich des Ganglion Gasseri (einem Nervenknoten an der Schädelbasis) durch verschiedene Methoden geschädigt, um die Schmerzweiterleitung zu unterbrechen:
- Thermokoagulation: Hierbei wird der Nerv durch Hitze verödet.
- Glycerininjektion: Hierbei wird Glycerin in den Nervenknoten injiziert, um die Nervenfasern zu schädigen.
- Ballonkompression: Hierbei wird ein Ballon in den Nervenknoten eingeführt und aufgeblasen, um die Nervenfasern zu komprimieren.
- Radiochirurgische Behandlung (Gamma-Knife-Bestrahlung): Bei diesem Verfahren wird der Trigeminusnerv am Abgang mit einer hohen Strahlendosis bestrahlt, um eine Teilschädigung des Nervs zu erreichen. Die Wirkung tritt erst nach einigen Wochen ein.
Weitere Therapien
Ergänzend zu den medikamentösen und operativen Behandlungen können weitere Therapien eingesetzt werden, um die Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern:
- Schmerztherapie: Eine multimodale Schmerztherapie kann helfen, mit den chronischen Schmerzen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.
- Psychotherapie: Eine Psychotherapie kann bei der Bewältigung der psychischen Belastungen, die mit der Trigeminusneuralgie einhergehen, hilfreich sein.
- Physiotherapie: Physiotherapeutische Übungen können helfen, die Muskeln im Gesicht zu entspannen und die Beweglichkeit zu verbessern.
- Akupunktur: Einige Patienten berichten von einer Schmerzlinderung durch Akupunktur.
- Alternative Therapien: Es gibt verschiedene alternative Therapien, die bei der Trigeminusneuralgie eingesetzt werden, z. B. Homöopathie, Neuraltherapie und Osteopathie. Die Wirksamkeit dieser Therapien ist jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf der Trigeminusneuralgie ist sehr unterschiedlich. Bei manchen Patienten treten die Schmerzen nur einmalig auf, während sie bei anderen chronisch werden können. Die Erkrankung verläuft oft in Schüben, mit Phasen von starken Schmerzen und Phasen, in denen die Patienten beschwerdefrei sind.
Mit der richtigen Behandlung lassen sich die Schmerzen einer Trigeminusneuralgie in vielen Fällen gut kontrollieren. Eine vollständige Heilung ist jedoch derzeit nicht möglich.
Leben mit Trigeminusneuralgie
Die Trigeminusneuralgie kann das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Die ständigen Schmerzen und die Angst vor neuen Attacken können zu sozialer Isolation, Depressionen und einer verminderten Lebensqualität führen.
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Es ist wichtig, sich professionelle Hilfe zu suchen und sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Es gibt verschiedene Selbsthilfegruppen und Online-Foren, in denen man Unterstützung und Informationen finden kann.
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