Die Neurologie und Physiologie sind zwei eng miteinander verbundene medizinische Fachgebiete, die sich mit dem Nervensystem und seinen Funktionen befassen. Während die Neurologie sich auf die Diagnose und Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems konzentriert, untersucht die Physiologie die normalen Funktionen des Nervensystems und seiner Bestandteile. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser beiden Disziplinen und gibt einen Überblick über wichtige Aspekte der neurologischen und physiologischen Forschung.
Das Nervensystem: Eine komplexe Schaltzentrale
Stark vereinfacht stellen Nerven im menschlichen Körper gewissermaßen eine „Verkabelung“ dar. Die einzelnen Nervenbündel verlaufen von Gehirn und Rückenmark ausgehend durch den Körper und fächern sich im Verlauf auf, bis sie Muskeln oder Sinneszellen erreichen. Das Gehirn sendet über die Nerven elektrische Impulse zu Muskeln und Organen und erhält von dort Signale zurück, welche es entsprechend interpretiert.
Das Nervensystem besteht aus dem zentralen Nervensystem (ZNS), welches Gehirn und Rückenmark umfasst, und dem peripheren Nervensystem (PNS), das alle Nerven außerhalb des ZNS beinhaltet. Die Nerven des PNS leiten Informationen zwischen dem ZNS und den verschiedenen Körperteilen.
Für verschiedene Sinnesreize, die für unser Leben wichtig sind, bestehen unterschiedliche Wahrnehmungs- bzw. Sinneszellen für Wärme- und Kälteempfindungen, für Schmerz, für das Tastempfinden und Gelenkstellung (Tiefensensibilität) leiten Informationen über Nerven an unser Gehirn. Die zum Wahrnehmungsapparat des Körpers gehörenden Nerven nennt man sensible Bahnen oder das sensible Nervensystem. So gibt es z.B. Nerven, die zu Muskeln führen, werden motorische Nerven genannt. Die motorischen Nerven teilen sich auf und enden in dem jeweiligen Muskel, für dessen Versorgung sie zuständig ist. Hier wirken sie gewissermaßen als Impulsgeber für die Muskeltätigkeit. Bei einer Lähmung können Nerven beschädigt sein.
Neurologie: Diagnose und Behandlung von Nervenerkrankungen
Die Neurologie ist ein medizinisches Fachgebiet, das sich mit der Diagnose, Behandlung und Prävention von Erkrankungen des Nervensystems befasst. Neurologische Erkrankungen können das Gehirn, das Rückenmark, die peripheren Nerven, die Muskeln und die Verbindungsstellen zwischen Nerven und Muskeln betreffen.
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Häufige neurologische Erkrankungen
Einige der häufigsten neurologischen Erkrankungen sind:
- Schlaganfall: Eine plötzliche Unterbrechung der Blutzufuhr zum Gehirn, die zu neurologischen Schäden führen kann.
- Multiple Sklerose (MS): Eine chronisch-entzündliche Erkrankung des ZNS, die zu vielfältigen neurologischen Symptomen führen kann.
- Morbus Parkinson: Eine degenerative Erkrankung des Gehirns, die zu Bewegungsstörungen führt. Morbus Parkinson ist eine degenerative Erkrankung der Substantia nigra mit Untergang der Dopamin-produzierenden Zellen.
- Alzheimer-Krankheit: Eine degenerative Erkrankung des Gehirns, die zu Gedächtnisverlust und kognitiven Beeinträchtigungen führt. Alzheimer kommt es zu einem Untergang der Nervenzellen. Auch die Verarbeitung von Eindrücken ist nicht mehr in vollem Umfang möglich.
- Epilepsie: Eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Krampfanfälle gekennzeichnet ist.
- Migräne: Eine Art von Kopfschmerz, die von Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit begleitet sein kann.
- Polyneuropathien: Erkrankung peripherer Nerven, wobei mehrere Nerven betroffen sind.
- Neuromuskulären Erkrankungen: Nerv-Muskel-Erkrankungen
Diagnostische Verfahren in der Neurologie
Zur Diagnose neurologischer Erkrankungen stehen verschiedene diagnostische Verfahren zur Verfügung:
- Neurologische Untersuchung: Eine umfassende körperliche Untersuchung, bei der der Arzt die neurologischen Funktionen des Patienten beurteilt, einschließlich Reflexe, Muskelkraft, Koordination, Sensibilität und geistige Funktionen.
- Bildgebende Verfahren: Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT) ermöglichen die Darstellung des Gehirns, des Rückenmarks und der Nerven, um strukturelle Veränderungen oder Anomalien zu erkennen. Röntgen-, CT- und MRT-Bilder (wenn vorhanden)
- Elektrophysiologische Untersuchungen: Diese Untersuchungen messen die elektrische Aktivität des Nervensystems und umfassen:
- Elektroenzephalographie (EEG): Aufzeichnung der Hirnströme zur Diagnose von Epilepsie und anderen Hirnfunktionsstörungen. Hier werden Oberflächenelektroden mit einer Haube auf der Kopfhaut fixiert, um die an der Kopfoberfläche entstandenen Spannungsschwankungen zu erfassen. Diese Methode bildet die bioelektrische Tätigkeit des Gehirns ab. Das EEG wird nach Form, Frequenz und Amplitude der Wellen beurteilt: So geben ein verlangsamter Grundrhythmus oder Herdbefunde (örtlich begrenzte Veränderungen der Hirnaktivität) Hinweise auf Funktionsstörungen des Gehirns. Das EEG wird als Diagnostikmethode, aber auch zur Behandlungs- und Verlaufskontrolle eingesetzt. In unserer Praxis führen wir ca. 1000 elektrophysiologische und ca. 700 EEG- Untersuchungen im Jahr durch.
- Elektromyographie (EMG): Messung der elektrischen Aktivität der Muskeln zur Diagnose von Muskel- und Nervenerkrankungen. Bei der sog. Elektromyographie (EMG) wird eine feine, sterile Einmalnadel, die einer Akupunkturnadel ähnelt, in einen Muskel platziert. Die elektrische Aktivität der Muskelfasern wird elektrisch verstärkt und hörbar bzw. sichtbar gemacht. Das Entladungsmuster des Muskels gibt Hinweise auf die Art der Erkrankung. So kann z.B. festgestellt werden, ob Muskeln selber erkrankt sind oder die Nerven, die zu den entsprechenden Muskeln ziehen. Die Untersuchung kann Aufschluss über die Art, das Ausmaß und die Prognose einer Erkrankung geben.
- Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG): Messung der Geschwindigkeit, mit der elektrische Impulse entlang der Nerven wandern, um Nervenschäden zu erkennen. Bei der Nervenmessung (Neurographie) wird an Arm, Bein oder am Körper die motorische oder sensible Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) gemessen. Dazu wird an den Stellen, an denen ein Nerv nahe der Hautoberfläche liegt, eine Kontaktelektrode aufgelegt. Alternativ wird eine sehr feine Akupunkturnadel verwendet. An einer anderen Stelle wird nun der Nerv mit einem elektrischen Impuls stimuliert. Durch die Zeit, welcher der Reiz benötigt, um vom Reizort bis zur Kontaktelektrode übertragen zu werden, kann die Geschwindigkeit der elektrischen Nervenleitung (Nervenleitgeschwindigkeit - NLG) bestimmt werden. Maßeinheit ist Meter pro Sekunde (m/s). Anhand von Normwerten bei gesunden Menschen kann das Ausmaß der Veränderungen gemessen werden. Die so ausgelöste Aktivität wird als Reizkurve aufgezeichnet. Gefühlsstörungen, regionale Schmerzen oder eine Schwäche einzelner Muskelgruppen können auch durch eine Einklemmung von Nerven (z. B. bei einem Karpaltunnelsyndrom oder Bandscheibenvorfall), eine Nerven- oder Muskelentzündung oder stoffwechselbedingte Nervenirritationen verursacht werden. Hier unterstützen die Messung von Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) und Muskelpotentialen (EMG) bei einer genaueren Abklärung.
- Evozierte Potentiale (EP): Messung der elektrischen Aktivität des Gehirns als Reaktion auf spezifische Reize wie visuelle, akustische oder somatosensorische Reize. Bei dieser Untersuchung wird die Funktionsfähigkeit spezieller Nervenbahnen überprüft, indem Änderungen von elektrischen Spannungsunterschieden (Potenzialen) zwischen dem Inneren der Nerven- bzw. Muskelzellen und ihrer Umgebung gemessen werden. Evozierte Potenziale entstehen durch eine gezielte Reizung eines Sinnesorgans oder seiner Nerven. Indem die Potenziale an der Hirnoberfläche gemessen werden, kann eine Aussage über Störungen der Nervenleitung getroffen werden. Mit diesem Verfahren können unterschiedliche Nervenbahnen überprüft werden: die Sehbahn (mittels VEP), die Hörbahn (mittels FAEP), die Sensibilität (mittels SEP) und die Motorik (mittels MEP).
- SEP (Somatosensibel evozierte Potenziale): Messen die Reaktion des Nervensystems auf Berührungs- oder elektrische Reize der Haut und Nerven. Mit feinen Stromimpulsen an den Extremitäten werden die Leitungsbahnen stimuliert, die das Empfinden aus Armen und Beinen an das Gehirn weiterleiten. Festgestellte Veränderungen können durch verschiedene neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Bandscheibenvorfälle in der Brust- oder Lendenwirbelsäule oder Hirntumore bedingt sein.
- MEP (Motorisch evozierte Potenziale): Erfassen die Reaktion der peripheren Muskeln auf die elektrische oder magnetische Stimulation des Gehirns. Mittels Magnetstimulation werden die motorischen Nervenbahnen von der Großhirnrinde über das Rückenmark bis in die einzelnen Muskeln überprüft. Hierzu werden mit einem Magnetstimulator die Bewegungszentren im Gehirn stimuliert, und es wird die so ausgelöste Aktivität in Hand und Fuß registriert.
- VEP (Visuell evozierte Potenziale): Messen die Antwort des Nervensystems auf Lichtreize. Diese Stimulation ermöglicht die Überprüfung der Sehnerven und der gesamten Sehbahn bis hin zur Sehrinde im Hinterhauptlappen des Großhirns. Sie ist besonders wichtig bei entzündlichen Erkrankungen des Gehirns, die bevorzugt diese Strukturen betreffen. Bei der Sehnervuntersuchung schaut der Patient auf einen Monitor mit einem Schachbrettmuster. In diesem Schachbrettmuster wechseln schwarze und weiße Flächen in einer genau festgelegten Abfolge hin und her. Über eine Elektrode an der Kopfhaut wird gemessen, in welcher Zeit das optische Signal im Gehirn verarbeitet wird.
- AEP (Akustisch evozierte Potenziale): Erfassen die Reaktion des Nervensystems auf Hörreize. Klickimpulse, die über einen Kopfhörer abgegeben werden, stimulieren die Hörbahn. So können wichtige Informationen über die Hör- und Gleichgewichtsnerven sowie die Hirnstammfunktion gewonnen werden. Bei der Untersuchung der Hör- und Gleichgewichtsnerven werden über Kopfhörer ein Klickton und ein Impuls auf das Trommelfell übertragen. Das Ohr überträgt die Schalwellen auf die Sinneszellen des Hör- und Gleichgewichtsnerven. Über eine Elektrode an der Kopfhaut wird gemessen, in welcher Zeit das akustische Signal im unteren Bereich des Gehirns verarbeitet und weitergeleitet wird.
Behandlung neurologischer Erkrankungen
Die Behandlung neurologischer Erkrankungen hängt von der spezifischen Diagnose ab und kann Medikamente, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Psychotherapie oder chirurgische Eingriffe umfassen.
Physiologie: Erforschung der normalen Nervenfunktionen
Die Physiologie ist ein Zweig der Biologie, der sich mit den normalen Funktionen lebender Organismen und ihrer Bestandteile befasst. Die Neurophysiologie konzentriert sich speziell auf die Funktionen des Nervensystems, einschließlich der elektrischen und chemischen Prozesse, die der Nervenleitung, der synaptischen Übertragung und der neuronalen Verarbeitung zugrunde liegen.
Grundlagen der Nervenphysiologie
- Nervenzellen (Neuronen): Die grundlegenden Funktionseinheiten des Nervensystems, die elektrische Signale empfangen, verarbeiten und weiterleiten.
- Aktionspotentiale: Elektrische Impulse, die entlang der Nervenzellen wandern und Informationen übermitteln. Durch die Reizung der motorischen bzw. sensiblen Nerven werden elektrische Antwortpotenziale ausgelöst. Der elektrische Reiz wird durch zwei Elektroden bzw. Kathode (negativ) und Anode (positiv) appliziert. Die Kathode generiert den elektrischen Impuls, welcher an einer anderen Stelle abgeleitet (Ableitelektroden) wird. Der Impuls fließt dabei über die Anode zum Reizgerät zurück. Die Plazierung der Ableitelektroden erfolgt durch die „Belly-Tendon“ Technik.
- Synapsen: Verbindungsstellen zwischen Nervenzellen, an denen die Übertragung von Signalen durch chemische Botenstoffe (Neurotransmitter) erfolgt.
- Neurotransmitter: Chemische Substanzen, die an den Synapsen freigesetzt werden und die Aktivität der nachgeschalteten Nervenzellen beeinflussen.
Motorik und ihre Steuerung
Die Motorik beschreibt sämtliche willkürliche und kontrollierte Muskelbewegungen des menschlichen Körpers. Hierzu zählen sowohl große Bewegungsabläufe wie das Gehen als auch die Mimik des Gesichts. Auch die motorischen Anteile des Nervensystems zur Steuerung und Wahrnehmung von Bewegungen werden unter dem Begriff Motorik zusammen gefasst.
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- Spinale Motorik: Bewegungskoordination auf Rückenmarksebene mit der einfachsten Bewegungsantwort auf einen Reiz - dem Reflex.
- Rückenmark → Weiterleitung der Informationen über die Efferenz zum Effektor → Der aktivierte Effektor führt die Reizantowrt aus. Neurologische Untersuchung, also die Aufnahme von Reizen aus dem Körperinneren durch Mechanorezeptoren, eine grundlegende Rolle.
- Muskelspindeln sind Dehnungssensoren der Arbeitsmuskulatur und messen Muskellänge und Dehnungsgeschwindigkeit. Bestehen aus intrafusalen Fasern (spezialisierten Muskelzellen), umgeben von einer bindegewebigen Kapsel und sind parallel zur Arbeitsmuskulatur angeordnet. Vorkommen in jedem Muskel mehr oder weniger häufig, v. a.
- Auch Sehnenorgane sind Dehnungssensoren der Arbeitsmuskulatur, die jedoch den Spannungszustand der Muskulatur messen. Gelenksensoren: Jedes Gelenk besitzt Gruppen von Sensoren für die verschiedenen Bewegungsmöglichkeiten in den Gelenkachsen.
- Motoneurone liegen im Vorderhorn des Rückenmarks. Nervensystem: Histologie verzweigen sich in den verschiedenen Muskeln unterschiedlich stark, je nachdem, wie präzise der Muskel arbeitet.
- Statokinetische Reflexe: Reflexe, die durch Bewegungen ausgelöst werden und dafür sorgen, dass das Gleichgewicht aufrechtgehalten wird (z. B.
- Die Kleinhirnhemisphären erstellen Bewegungsprogramme für schnelle Zielbewegungen, auf der Grundlage von Informationen aus den assoziativen Rindenfeldern und der vom Großhirn geplanten Bewegungsentwürfe. Thalamus. Kontrolle und Modulation komplexer Bewegungen, z. B.
- Basalganglien (Stammganglien) erhalten Informationen aus verschiedenen Teilen der Hirnrinde. Sie beeinflussen die Bewegungsprogramme bezüglich ihrer Geschwindigkeit, ihres Bewegungsausmaßes, der Kraft und Bewegungsrichtung. Basalganglien (Stammganglien) haben jeweils eine eher hemmende oder eher erregende Wirkung auf die Motorik. Der Nucleus subthalamicus steht über Afferenzen (hemmend) und über Efferenzen (erregend) in Verbindung mit dem Pallidum. Basalganglien (Stammganglien) stehen über Funktionsschleifen mit der Großhirnrinde in Verbindung. Basalganglien (Stammganglien) nicht nur motorische Symptome zeigen, sondern u. a.
- Der Motorcortex ist die in der Hierarchie am höchsten stehende Funktionsebene der Motorik, die Informationen aus den untergeordneten Hirnregionen erhält, verarbeitet und sozusagen als „General“ letztendlich den Befehl zur Bewegungsausführung gibt. Der Motorcortex veranlasst über die Pyramidenbahn (Tractus corticospinalis) die Bewegungsausführung. Die Pyramidenbahn führt über eine Million efferente Fasern. Der größte Anteil läuft direkt zu den Motoneuronen des Rückenmarks. Diese Fasern kreuzen zu ca. Das extrapyramidale System mit seinen Kerngebieten unterhalb der Großhirnrinde besitzt die Aufgabe, die unwillkürlichen Bewegungen zu modifizieren. Selbstständige Steuerung der unbewussten Muskelbewegungen und des Grundtonus der Muskulatur. Hirnstamm führen.
Lernen und Gedächtnis
Lernen und die Ausbildung des Gedächtnisses sind Prozesse, die sowohl anatomisch als auch physiologisch eng miteinander verbunden sind. Der Begriff Lernen beschreibt das Erlangen von Erkenntnissen und ist die Basis für das Abspeichern von Inhalten im Gedächtnis. Neurophysiologische Grundlage des Lernens ist die neuronale Plastizität. Nervensystem: Histologie. Lernen umfasst also Auf- und Abbauprozesse des Gehirns.
Das Gedächtnis unterscheidet sich in Abhängigkeit der Speicherzeit und Kapazität in das Ultrakurzzeitgedächtnis, das Kurzzeitgedächtnis, das Arbeitsgedächtnis und das Langzeitgedächtnis. Physiologische Grundlage des Gedächtnisses ist der Papez-Neuronenkreis. Er sorgt für den Übergang von Inhalten vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis.
Der Hippocampus im medialen Temporallappen ist von besonderer Bedeutung für den Lernprozess. Der Fachbegriff für Gedächtnis und Erinnerung lautet mnestische Funktion. Erinnerungen fallen in positiver Grundstimmung leichter. Für die Gedächtnisbildung ist der Papez-Kreis von großer Bedeutung. Er befindet sich im Zentrum des limbischen Systems. Das limbische System liegt oberhalb des Hirnstamms und ist bei allen Säugetieren vorhanden. Es wird davon ausgegangen, dass der Papez-Kreis der Speicherung von Gedächtnisinhalten dient. Die verschiedenen Gedächtnistypen entsprechen unterschiedlichen Formen der Gedächtnisspeicherung. Ein wesentlicher Unterschied zwischen diesen Gedächtnisspeichern besteht in der Länge der Informationsspeicherung. Die Inhalte aus dem sensorischen Gedächtnis gehen im Kurzzeitgedächtnis nach ca. Für das Abspeichern von Informationen im Langzeitgedächtnis ist wichtig, dass die abzuspeichernden Informationen wiederholt werden (Konsolidierung). Gut nachvollziehbar ist dieser Prozess beim Erlernen von komplexen Bewegungsabläufen, z. B. Hand.
Sinneswahrnehmung
Für verschiedene Sinnesreize, die für unser Leben wichtig sind, bestehen unterschiedliche Wahrnehmungs- bzw. Sinneszellen für Wärme- und Kälteempfindungen, für Schmerz, für das Tastempfinden und Gelenkstellung (Tiefensensibilität) leiten Informationen über Nerven an unser Gehirn. Die zum Wahrnehmungsapparat des Körpers gehörenden Nerven nennt man sensible Bahnen oder das sensible Nervensystem.
Schnittstellen und interdisziplinäre Zusammenarbeit
Obwohl Neurologie und Physiologie unterschiedliche Schwerpunkte haben, gibt es wichtige Schnittstellen und eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit. Physiologische Erkenntnisse über die normalen Funktionen des Nervensystems sind unerlässlich für das Verständnis der Pathophysiologie neurologischer Erkrankungen. Umgekehrt können neurologische Erkrankungen als "natürliche Experimente" dienen, um die Funktionen des Nervensystems zu untersuchen.
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Aktuelle Herausforderungen und zukünftige Perspektiven
Sowohl die Neurologie als auch die Physiologie stehen vor großen Herausforderungen. In der Neurologie besteht ein dringender Bedarf an besseren Diagnose- und Behandlungsmethoden für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson. In der Physiologie ist es wichtig, die komplexen neuronalen Netzwerke und ihre Rolle bei kognitiven Funktionen wie Lernen, Gedächtnis und Entscheidungsfindung besser zu verstehen.
Die Fortschritte in den Bereichen Genetik, Bildgebung und Elektrophysiologie eröffnen neue Möglichkeiten für die Erforschung des Nervensystems und die Entwicklung innovativer Therapien für neurologische Erkrankungen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Neurologen, Physiologen, Biologen, Chemikern und Ingenieuren ist entscheidend, um diese Herausforderungen zu bewältigen und das Verständnis des Nervensystems weiter zu vertiefen.
Risikofaktoren und Prävention neurologischer Erkrankungen
Viele Faktoren können das Risiko für neurologische Erkrankungen beeinflussen. Einige Risikofaktoren sind nicht beeinflussbar, wie z.B. das Alter oder die genetische Veranlagung. Andere Risikofaktoren können jedoch durch einen gesunden Lebensstil beeinflusst werden.
- Schwerhörigkeit: Wenn Senioren immer schlechter hören, leidet ihr Sozialleben. Und auch das Gehirn trägt Spuren davon: Bei den Betroffenen verringern sich die geistigen Fähigkeiten wesentlich schneller als bei gut hörenden Altersgenossen - und zwar um bis zu 24 Prozent. Der Rat der US-amerikanischen Forscher, die den Zusammenhang entdeckt haben: Schwerhörigkeit nicht auf die leichte Schulter nehmen und lieber früh auf ein Hörgerät setzen.
- Schlafmittel und Co.: Medikamente gegen Inkontinenz, Schlafstörungen oder Depressionen scheinen in höherer Dosis oder bei länger Anwendung das Risiko für Demenz zu erhöhen - und zwar auch, nachdem sie abgesetzt wurden. Forscher raten, anticholinerge Medikamente in der niedrigst möglichen Dosis zu verschreiben, den Therapieerfolg regelmäßig zu prüfen und die Behandlung zu beenden, falls die Medikamente nicht die gewünschte Wirkung zeigen.
- Säureblocker: Vielfach im Einsatz gegen Sodbrennen sind Säureblocker. Senioren, die im Rahmen einer Studie Säureblocker wie Omeprazol und Pantoprazol über längere Zeit einnahmen, erkrankten mit einer um 44 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit an Demenz als Probanden, die keine Protonenpumpenhemmer bekommen hatten. Ob tatsächlich die Medikamente oder ein unbekannter gemeinsamer Faktor die Demenzgefahr erhöhten, ist allerdings noch ungeklärt. So oder so sollten die Hemmer nur genommen werden, wenn unbedingt nötig.
- Vitamin-D-Mangel: Sonnenbaden schützt möglicherweise vor Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen. Der Grund dafür: Im Sonnenlicht bildet der Körper Vitamin D. Einer Studie zufolge hatten Menschen mit Vitamin-D-Mangel ein um 53 Prozent erhöhtes Risiko, an Demenz zu erkranken. Bei starkem Mangel stieg die Wahrscheinlichkeit sogar um 125 Prozent. Vitamin D steckt zwar auch in einigen Nahrungsmitteln, wie zum Beispiel Fisch, aber fast 90 Prozent des Bedarfs produziert man selbst.
- Stress: Scheidung, Tod des Partners, psychisch kranke Angehörige - große seelische Belastungen treiben das Demenzrisiko in die Höhe. Das gilt zumindest für Frauen, zeigt eine Langzeitstudie der Universität Göteborg. Allein das Risiko für Alzheimer stieg dabei pro Stressor um 15 Prozent. Eine mögliche Erklärung ist, dass Stress zu hormonellen Veränderungen führt, die sich negativ auf das zentrale Nervensystem auswirken.
- Unstabile Persönlichkeit: Wer emotional weniger stabil ist, also beispielsweise besonders nervös, ängstlich, launisch, unsicher und stressempfindlich, trägt offenbar ein erheblich höheres Risiko für Alzheimer als emotional gefestigte Menschen. Psychologen bezeichnen einen solchen Wesenszug als Neurotizismus. Besonders häufig traf die Demenz Frauen, die schnell gestresst und gleichzeitig besonders verschlossen gegenüber anderen Menschen waren.
- Einsamkeit: Alleine sein und sich einsam fühlen, sind zwei Paar Schuhe. Wer einsam ist, leidet darunter, dass er alleine ist. Genau dieses Gefühl ist offenbar auch ein Risikofaktor für eine Demenz. Wer in einer Studie mit 2.000 Teilnehmern von diesem seelischen Befinden berichtete, hatte eine 2,5-fach höhere Wahrscheinlichkeit, später an Demenz zu erkranken. Hier hilft rechtzeitiges Gegensteuern, zum Beispiel, indem man versucht, sein soziales Netz zu festigen und auszubauen.
- Diabetes und Bluthochdruck: Diabetes und Bluthochdruck sind schlecht für die Gefäße. Deshalb haben Diabetiker ein höheres Risiko für Demenz. Und sie erkranken im Durchschnitt mehr als zwei Jahre früher an einer Altersdemenz als Nicht-Diabetiker. Bluthochdruck wiederrum erhöht die Gefahr der sogenannten vaskulären Demenz, laut einer Studie des George Institute for Global Health sogar um bis zu 62 Prozent, wenn der Bluthochdruck im Alter von 30 bis 50 Jahren auftritt. Tritt er dagegen erstmals mit 80 bis 90 Jahren auf, schützt das sogar.
- Rauchen: Wer regelmäßig Zigaretten raucht, schadet nicht nur seiner Lunge und erhöht sein Krebsrisiko. Auch das Gehirn leidet, weil durch Nikotin und Co. die Gefäße verengt werden. Das erschwert unter anderem die Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen - und zwar auch im Denkorgan. Dies wiederrum kann zu kognitiven Einbußen und schlussendlich auch zu Demenz führen. Übrigens sterben viele Raucher, bevor sie überhaupt Demenz entwickeln können. Zwei weitere gute Gründe für einen Rauchstopp!
- Luftverschmutzung: Auch dreckige Luft steht im Verdacht das Demenzrisiko zu erhöhen. Eine Studie mit älteren Frauen zeigte, dass jene, die in Stadtvierteln mit extrem hoher Luftverschmutzung wohnen, ein um 92 Prozent höheres Risiko haben, an Demenz zu erkranken als jene, die in ländlichen Gegenden mit geringer Feinstaubbelastung leben. Wie genau die mikroskopisch kleinen Partikel ins Hirn gelangen, ist allerdings noch unklar, so die Studienautoren.
- Gewicht: Zu fettleibig oder zu mager - beides ist nicht gut, wenn es um das Risiko für Demenz geht. Uneinig sind sich die Forscher allerdings, wenn es um leichtes Übergewicht in der Lebensmitte geht. Während die einen auch in diesem Fall die Wahrscheinlichkeit erhöht sehen, berichten andere Studien sogar von einer schützenden Wirkung. Die Antwort - und eine entsprechende Empfehlung - stehen hier noch aus.
- Depression: Depressionen und Demenz gehen oft Hand in Hand. Darum wusste man lange nicht, ob die Depressionen nur Vorbote einer Demenz sind, oder ein Risikofaktor. Diese Frage klärte 2014 eine amerikanische Studie: Zuerst kommt das seelische Tief, dann der geistige Verfall. Dabei gilt auch: Je stärker die Symptome der Depression, desto höher das anschließende Risiko für die Demenz. Wer depressiv ist, sollte auch deswegen auf jeden Fall behandelt werden, so die Experten.
Gesunder Lebensstil: Was man vor allem tun kann, um sich vor Demen zu schützen, haben Forscher auch ergründet: Keine Zigaretten, kein Alkohol, eine gesunde Ernährung, Normalgewicht und Bewegung - diese fünf Lebensstilregeln stärken nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige Gesundheit. Die Langzeitstudie walisischer Forscher zeigte, dass man damit tatsächlich die Wahrscheinlichkeit für Demenz um bis zu 60 Prozent senken kann.
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