Echtes Johanniskraut bei Migräne: Wirkung, Anwendung und was Sie wissen sollten

Das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum), auch bekannt als Tüpfel-Johanniskraut oder Hartheu, ist eine vielseitige Heilpflanze, die seit Jahrhunderten in der traditionellen Medizin eingesetzt wird. Während es vor allem für seine stimmungsaufhellende Wirkung bei leichten bis mittelschweren Depressionen bekannt ist, wird es auch bei einer Reihe anderer Beschwerden eingesetzt, darunter Migräne, Nervosität, Schlafstörungen und Hautprobleme. Dieser Artikel beleuchtet die Eigenschaften, Anwendung und wichtige Aspekte rund um das Echte Johanniskraut, insbesondere im Zusammenhang mit Migräne.

Was ist Echtes Johanniskraut?

Das Echte Johanniskraut gehört zur Familie der Johanniskrautgewächse (Hypericaceae) und ist in Europa, Westasien und Nordafrika heimisch. Es wächst bevorzugt auf mageren Wiesen, an Wegrändern und in Gebüschen. Die Pflanze erreicht eine Höhe von etwa einem halben Meter und zeichnet sich durch ihre gegenständig angeordneten, länglich-ovalen Blätter und ihre leuchtend gelben Blüten aus, die von Juni bis in den späten Sommer blühen.

Ein charakteristisches Merkmal des Johanniskrauts sind die zahlreichen, als Tüpfel sichtbaren Ölbehälter auf den Blättern und Blüten. Diese enthalten ein dunkelrotes Öl, das reich an wertvollen Inhaltsstoffen wie Hypericin und Hyperforin ist. Zerreibt man ein frisches Blütenblatt zwischen den Fingern, färben sich diese durch das rote Öl entsprechend ein.

Der deutsche Name "Johanniskraut" leitet sich von der Tatsache ab, dass die Pflanze um Johanni (24. Juni) bzw. um die Sommersonnenwende zu blühen beginnt. Der wissenschaftliche Name "Hypericum" setzt sich aus dem griechischen Wort "hyper" für auf und dem griechischen "ereikon" für Heide zusammen und bedeutet "auf der Heide wachsend". Der Zusatz "perforatum" bezieht sich auf die Tüpfel, die wie Löcher aussehen können.

Inhaltsstoffe und Wirkungsweise

Die wichtigsten Inhaltsstoffe des Johanniskrauts sind:

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  • Hypericin: Verantwortlich für die rote Farbe des Öls und besitzt antivirale und photosensibilisierende Eigenschaften.
  • Hyperforin: Gilt als einer der Hauptwirkstoffe für die antidepressive Wirkung und wirkt zudem antibakteriell und entzündungshemmend.
  • Flavonoide: Wirken entzündungshemmend und antioxidativ.
  • Gerbstoffe: Fördern die Wundheilung und wirken adstringierend.

Die genaue Wirkungsweise des Johanniskrauts ist noch nicht vollständig geklärt, es wird jedoch angenommen, dass die Inhaltsstoffe auf verschiedene Weise im Gehirn wirken. Hyperforin sorgt dafür, dass in unserem Gehirn vermehrt Botenstoffe ausgeschüttet werden, die das vegetative Nervensystem beruhigen und für körperliche und geistige Entspannung sorgen. Es wird vermutet, dass Johanniskraut die Wiederaufnahme von Neurotransmittern wie Serotonin, Noradrenalin und Dopamin hemmt, wodurch deren Konzentration im synaptischen Spalt erhöht wird. Dies kann zu einer Stimmungsaufhellung und einer Reduktion von Angstzuständen führen.

Johanniskraut bei Migräne

Obwohl Johanniskraut hauptsächlich für seine antidepressive Wirkung bekannt ist, kann es auch bei Migräne eine unterstützende Rolle spielen. Die krampflösenden, entzündungshemmenden und beruhigenden Eigenschaften des Johanniskrauts können dazu beitragen, Migräneattacken zu lindern und vorzubeugen.

Einige Studien deuten darauf hin, dass Johanniskraut bei Migräne helfen kann, indem es:

  • Die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken reduziert: Die stimmungsaufhellende Wirkung kann dazu beitragen, Stress und Anspannung abzubauen, die oft als Auslöser für Migräne wirken.
  • Die Symptome während einer Migräneattacke lindert: Die krampflösenden und entzündungshemmenden Eigenschaften können dazu beitragen, Kopfschmerzen, Übelkeit und andere Begleiterscheinungen zu reduzieren.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit von Johanniskraut bei Migräne begrenzt ist und weitere Forschung erforderlich ist.

Anwendungsformen und Dosierung

Johanniskraut ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, darunter:

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  • Tee: Ein Tee aus Johanniskraut kann bei Nervosität, Schlaflosigkeit und Angstzuständen helfen.
  • Kapseln, Tabletten, Dragees: Diese enthalten einen Trockenextrakt aus Johanniskraut und werden vor allem zur Behandlung von leichten bis mittelschweren Depressionen eingesetzt.
  • Öl: Johanniskrautöl (Rotöl) wird äußerlich bei leichten Hautentzündungen, Wunden, Muskelverspannungen und Verbrennungen angewendet.
  • Tinktur: Ein alkoholischer Auszug aus Johanniskraut.

Die Dosierung von Johanniskraut hängt von der Art der Anwendung und dem jeweiligen Präparat ab. Es ist wichtig, die Packungsbeilage sorgfältig zu lesen und die empfohlene Dosierung einzuhalten. Bei der Behandlung von Depressionen werden in der Regel höhere Dosen benötigt als bei der Anwendung gegen Nervosität oder Schlafstörungen.

Selbstherstellung von Johanniskraut-Öl

Johanniskraut-Öl für die äußerliche Anwendung kann man auch selber herstellen:

  1. Frisch aufgeblühte Blüten in ein helles Schraubglas geben.
  2. Kaltgepresstes Olivenöl guter Qualität einfüllen, bis die Blüten etwa einen Finger breit bedeckt sind.
  3. Das Glas zuschrauben und für vier bis fünf Wochen an einen hellen oder sonnigen Ort stellen.
  4. Das Glas hin und wieder aufschütteln.
  5. Am Ende die Blüten abseihen und das Öl zur Aufbewahrung in eine dunkle Flasche gießen.

Bei der Anwendung kann man seinen Handteller damit benetzen und auf dem betroffenen Hautareal einreiben.

Wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Bei der Anwendung von Johanniskraut sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten: Johanniskraut kann die Wirkung bestimmter Medikamente beeinflussen, darunter die Pille, Blutverdünner, Mittel gegen Asthma, Herzrhythmusstörungen und HIV-Medikamente. Patienten, die Medikamente einnehmen, sollten unbedingt Rücksprache mit ihrem Arzt oder Apotheker halten, bevor sie Johanniskraut einnehmen.
  • Photosensibilisierung: Johanniskraut kann die Empfindlichkeit der Haut gegenüber Sonnenlicht erhöhen. Während der Anwendung sollten Sie intensive UV-Strahlung (z.B. Solarium) vermeiden und auf einen ausreichenden Sonnenschutz achten.
  • Nebenwirkungen: Johanniskraut kann selten Nebenwirkungen wie allergische Hautreaktionen, Müdigkeit, Unruhe und Magen-Darm-Beschwerden verursachen.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Schwangere, Stillende und Kinder unter 12 Jahren sollten Johanniskraut und seine Zubereitungen aus Sicherheitsgründen nicht anwenden. Bei Jugendlichen wird eine Anwendung nur auf Anraten eines Arztes empfohlen.
  • Depressionen: Bei leichten bis mittelschweren Depressionen sollte die Anwendung von Johanniskraut mit einem Arzt besprochen werden. Bei schweren oder chronisch verlaufenden Depressionen ist Johanniskraut allein nicht ausreichend und eine ärztliche Behandlung erforderlich.

Johanniskraut in der traditionellen Medizin und Volksheilkunde

Johanniskraut hat eine lange Tradition als Heilpflanze. Bereits in der Antike wurde es zur Wundbehandlung eingesetzt. Im Mittelalter galt es als Mittel gegen böse Geister und wurde bei Exorzismen verwendet.

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In der Volksheilkunde wird Johanniskraut auch bei einer Vielzahl anderer Beschwerden eingesetzt, darunter:

  • Verdauungsbeschwerden: Johanniskraut kann bei Durchfall, Magenbeschwerden und Reizdarm helfen.
  • Atemwegserkrankungen: Es wird bei Bronchitis, Husten und anderen Atemwegsbeschwerden eingesetzt.
  • Hautprobleme: Johanniskrautöl wird zur Behandlung von Wunden, Verbrennungen, Ekzemen und Neurodermitis verwendet.
  • Muskelverspannungen und Schmerzen: Es kann bei Muskelzerrungen, Prellungen, Rückenschmerzen, Gicht und Gelenkrheumatismus helfen.
  • Wechseljahresbeschwerden: Johanniskraut kann bei Beschwerden im Zusammenhang mit den Wechseljahren eingesetzt werden.

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