Wadenkrämpfe sind ein weit verbreitetes Phänomen, das viele Menschen betrifft. Sie können plötzlich und schmerzhaft auftreten, oft ohne Vorwarnung. Während gelegentliche Wadenkrämpfe in der Regel harmlos sind, können häufige Krämpfe auf ein tieferliegendes Problem hinweisen. In den letzten Jahren hat die COVID-19-Pandemie die Welt in Atem gehalten und eine Vielzahl von Symptomen und Langzeitfolgen mit sich gebracht. In diesem Artikel werden die Ursachen von Wadenkrämpfen im Allgemeinen sowie mögliche Zusammenhänge mit einer Corona-Infektion beleuchtet.
Ursachen von Wadenkrämpfen
Wadenkrämpfe entstehen, wenn sich Muskeln oder Muskelteile der Wade plötzlich und unwillkürlich schmerzhaft zusammenziehen. Dies kann beim Sport, aber auch im Schlaf geschehen. Es gibt viele Faktoren, die Wadenkrämpfe auslösen können. Die wichtigsten sind:
Störungen des Elektrolyt- und Wasserhaushaltes
In vielen Fällen werden Wadenkrämpfe durch eine Störung des Elektrolyt- und Wasserhaushaltes ausgelöst.
- Dehydrierung: Eine Austrocknung des Körpers (Dehydration) kann zu einem Ungleichgewicht im Mineralstoffhaushalt führen, das Muskelkrämpfe auslösen kann. Ursachen für Dehydrierung können starker Durchfall, heftiges Erbrechen, starkes Schwitzen oder mangelnde Flüssigkeitszufuhr sein. Auch Erkrankungen wie Diabetes insipidus oder Morbus Crohn sowie die Einnahme von Diuretika können zu Dehydrierung und Muskelkrämpfen führen.
- Magnesiummangel: Ein Magnesiummangel (Hypomagnesiämie) kann ebenfalls Wadenkrämpfe hervorrufen. Ursachen für einen Magnesiummangel können einseitige Ernährung, Diäten, Diabetes mellitus, Alkoholismus oder Darm- und Nierenerkrankungen sein. Auch in der Schwangerschaft kann ein Magnesiummangel entstehen, da der Bedarf erhöht ist. Wadenkrämpfe in Verbindung mit weiteren Magnesiummangelsymptomen (wie Verwirrtheit, Schwäche, Müdigkeit, Kopfschmerzen und kalten Füßen) werden als Magnesiummangelsyndrom bezeichnet.
- Andere Elektrolytstörungen: Auch ein Kaliummangel (Hypokaliämie) und Kalziummangel (Hypokalzämie) können Muskelkrämpfe verursachen. Ein Kaliummangel kann beispielsweise durch starken Durchfall, die Einnahme bestimmter Medikamente, Magnesiummangel oder Erkrankungen der Nebennieren entstehen. Ein Kalziummangel kann durch Magnesium- oder Vitamin-D-Mangel, Störungen der Nebenschilddrüse oder Nieren oder bestimmte Medikamente verursacht werden.
Störungen des Hormonhaushalts und Stoffwechsels
Verschiedene Hormon- und Stoffwechselstörungen können Muskelkrämpfe hervorrufen, wenn sie den Wasser- und Elektrolythaushalt beeinträchtigen. Beispiele hierfür sind:
- Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose): Häufige Anzeichen sind Leistungsschwäche, Konzentrationsschwäche, schnelle Ermüdbarkeit, Gedächtnisstörungen und Muskelkrämpfe.
- Nebenschilddrüsenunterfunktion (Hypoparathyreoidismus): Sie verursacht einen Kalziummangel, der die Muskeln übererregbar macht und Muskelkrämpfe oder in schweren Fällen eine Tetanie (starre, anhaltende Verkrampfungen) an Händen und Füßen auslösen kann.
- Diabetes mellitus: Muskelkrämpfe können anfangs durch Elektrolytstörungen bedingt sein, später können sie die Folge einer diabetischen Nervenschädigung (Polyneuropathie) sein.
- Nebennierenrindenerkrankungen: Erkrankungen dieses Organs können sich unter anderem mit Muskelkrämpfen bemerkbar machen, da die Nebenniere Hormone absondert, die für die Regulierung des Wasser- und Mineralhaushalts unentbehrlich sind.
- Nierenerkrankungen: Eine Nierenschwäche oder gar ein Nierenversagen kann unter anderem Krämpfe auslösen, da die Nieren eine zentrale Rolle bei der Regulation des Flüssigkeitshaushalts spielen.
Muskel-Skelett-Erkrankungen
Hin und wieder sind Muskelkrämpfe die Folge von Muskelerkrankungen (Myopathien). Strukturstörungen wie Plattfüße (ungleichmäßige Belastung der Fußmuskulatur) oder ein Genu recurvatum (abnorm überstreckbares Kniegelenk) können ebenfalls Muskelkrämpfe verursachen.
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Nervenerkrankungen
Neurologische Störungen und Erkrankungen, die mit Muskelkrämpfen einhergehen können, sind zum Beispiel:
- Motoneuronenerkrankungen: Erkrankungen, bei denen fortschreitend Nervenzellen zerstört werden, die Muskelbewegungen anregen (z.B. Amyotrophe Lateralsklerose). Symptome sind unter anderem Muskelschwäche, Muskelschwund und Muskelkrämpfe.
- Periphere Neuropathien: Schädigung peripherer Nerven (etwa Beinnerven), was Muskelkrämpfe auslösen kann. Eine Polyneuropathie wird oft durch Diabetes mellitus oder Alkoholismus verursacht.
- Radikulopathien: Erkrankungen der Nervenwurzeln (im Bereich der Wirbelsäule), etwa ausgelöst durch einen Bandscheibenvorfall. Dabei können beispielsweise Nerven betroffen sein, welche die Beinmuskeln steuern, was sich unter anderem in Muskelkrämpfen (wie Wadenkrämpfen) äußern kann.
Gefäßerkrankungen
Krampfadern (Varizen) sind Erweiterungen oberflächlicher Venen, die durch eine Venenschwäche verursacht werden. Sie treten besonders oft an den Beinen auf und können zu schweren Beinen und Spannungsgefühlen führen. Zudem treten gehäuft nächtliche Wadenkrämpfe auf.
Medikamente und Stimulanzien
Eine Reihe von Medikamenten kann zu Krämpfen in der Muskulatur führen. Dazu zählen:
- Bestimmte Bluthochdruckmedikamente (Angiotensin-II-Rezeptorblocker und einige Betablocker)
- Bronchienerweiternde Mittel (Bronchodilatatoren) zur Behandlung von Asthma (z.B. Salbutamol)
- Cisplatin und Vincristin (Krebsmedikamente)
- Lovastatin (Mittel gegen erhöhte Blutfettwerte)
- Diuretika (harntreibende Medikamente)
- Donepezil (Mittel gegen Alzheimer)
- Tolcapon (Mittel gegen Parkinson)
- Verhütungspille ("Anti-Baby-Pille")
- Pyrazinamid (Mittel gegen Tuberkulose)
- Raloxifen und Teriparatid (zur Behandlung von Osteoporose)
Auch verschiedene Stimulanzien (wie Amphetamine, Kokain, Koffein, Nikotin, Ephedrin und Pseudoephedrin) können Muskelkrämpfe hervorrufen.
Corona und Wadenkrämpfe: Gibt es einen Zusammenhang?
Die COVID-19-Pandemie hat eine Vielzahl von Symptomen und Langzeitfolgen mit sich gebracht. Während die Forschung zu den Langzeitfolgen von COVID-19 noch andauert, gibt es Hinweise darauf, dass Muskelbeschwerden, einschließlich Wadenkrämpfe, bei einigen Patienten auftreten können.
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Akute COVID-19-Infektion
Während einer akuten COVID-19-Infektion können verschiedene Faktoren zu Muskelbeschwerden beitragen:
- Grippeähnliche Symptome: Eine Corona-Infektion geht oft mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie körperlicher Abgeschlagenheit einher. Dies kann zu einem Schonverhalten und Bewegungsmangel führen, was wiederum die Muskulatur schwächen kann.
- Elektrolytstörungen: Durch Symptome wie Durchfall oder Erbrechen kann es zu Elektrolytstörungen kommen, die Muskelkrämpfe begünstigen können.
- Neurologische Auswirkungen: Das Coronavirus kann auch das Nervensystem befallen und neurologische Probleme wie Muskelschmerzen auslösen.
Post-COVID-Syndrom (Long COVID)
Auch nach überstandener akuter Infektion können bei manchen Menschen Langzeitfolgen auftreten, die als Post-COVID-Syndrom (Long COVID) bezeichnet werden. Zu den häufigsten Symptomen gehören Erschöpfung, Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Konzentrationsprobleme und Gedächtnisprobleme. Einige Studien deuten darauf hin, dass auch Muskelbeschwerden, einschließlich Muskelschmerzen und -krämpfe, zu den möglichen Symptomen von Long COVID gehören können.
Eine Studie, bei der Muskelbiopsien von Patienten mit Post-COVID-Syndrom untersucht wurden, zeigte, dass in den Muskelproben eine erhöhte Anzahl von CD169+-Makrophagen nachweisbar war. Dies deutet auf eine Beteiligung von Immunprozessen bei den Muskelbeschwerden hin.
Mögliche Mechanismen
Die genauen Mechanismen, die zu Muskelbeschwerden im Zusammenhang mit COVID-19 führen, sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch verschiedene Theorien:
- Muskuläre Dekonditionierung: Bewegungsmangel aufgrund von Krankheit und Schonverhalten kann zu einer Abnahme der Muskelmasse und -kraft führen.
- Entzündungsprozesse: Das Coronavirus kann Entzündungen im Körper auslösen, die auch die Muskulatur betreffen können.
- Neurologische Schäden: Das Virus kann Nervenzellen schädigen und dadurch Muskelbeschwerden verursachen.
- Autoimmunreaktionen: In manchen Fällen könnte das Immunsystem nach einer COVID-19-Infektion fälschlicherweise körpereigenes Gewebe angreifen, was zu Muskelbeschwerden führen könnte.
Was tun bei Wadenkrämpfen?
Was Sie bei akuten Wadenkrämpfen tun können, hängt von der Ursache ab. Hier sind einige allgemeine Tipps:
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- Dehnen: Dehnen Sie den betroffenen Muskel, indem Sie den Fuß anziehen und die Zehen in Richtung Schienbein ziehen.
- Massieren: Massieren Sie den verkrampften Muskel, um die Durchblutung zu fördern und die Muskelspannung zu lösen.
- Wärme: Wärme kann helfen, die Muskeln zu entspannen. Ein warmes Bad oder eine Wärmflasche können Linderung verschaffen.
- Magnesium: Wenn ein Magnesiummangel vermutet wird, können Magnesiumpräparate helfen. Sprechen Sie jedoch vorher mit Ihrem Arzt.
- Flüssigkeitszufuhr: Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um Dehydrierung vorzubeugen.
Wann zum Arzt?
In den meisten Fällen sind Wadenkrämpfe harmlos und verschwinden von selbst wieder. Wenn die Krämpfe jedoch häufig auftreten, sehr schmerzhaft sind oder von anderen Symptomen begleitet werden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Dies gilt insbesondere, wenn Sie an einer chronischen Erkrankung leiden oder Medikamente einnehmen.
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