Kreatin, lange Zeit vor allem als Nahrungsergänzungsmittel für Kraft- und Leistungssportler bekannt, rückt zunehmend in den Fokus der Forschung im Bereich neurologischer Erkrankungen. Dieses Molekül, das als „Energiespeicher für Gehirn und Muskeln“ bezeichnet werden kann, fasziniert ein breiteres Publikum, da es möglicherweise positive Auswirkungen auf den Energiestoffwechsel von Nervenzellen haben könnte.
Was ist Kreatin und wie wirkt es?
Der Begriff „Kreatin“ leitet sich vom griechischen Wort „kreas“ für „Fleisch“ ab. Kreatin wird hauptsächlich über Fleisch und Fisch aufgenommen, während pflanzliche Lebensmittel fast kein Kreatin enthalten. Ein durchschnittlicher Erwachsener synthetisiert täglich etwa 1-2 Gramm Kreatin selbst, insbesondere in Leber, Nieren und Bauchspeicheldrüse. Im Körper dient Kreatin - größtenteils als Phosphokreatin gespeichert - als schnell verfügbare Energiequelle. Bei hochintensiven, kurzzeitigen Belastungen regeneriert es die Hauptenergiequelle der Zellen, Adenosintriphosphat (ATP). Kreatin in der Form von Kreatinphosphat ist der Schlüssel zum zellulären Energiekreislauf. Es stellt die Energieversorgung der Zellen sicher und ist daher für Longevity-Konzepte unentbehrlich. Darauf aufbauend unterstützt Kreatin alle energieintensiven Körperfunktionen.
Kreatin-Monohydrat vs. Kreatinphosphat
Kreatin-Monohydrat und Kreatinphosphat unterscheiden sich sowohl in ihrer chemischen Struktur als auch in ihrer Rolle im Körper. Kreatin-Monohydrat ist die am häufigsten verwendete und am besten erforschte Form von Kreatin in Nahrungsergänzungsmitteln - chemisch gesehen handelt es sich um Kreatin mit einem Molekül kristallinem Wasser (Monohydrat). Diese Form ist besonders stabil, hoch bioverfügbar und wird vom Körper effizient aufgenommen. Kreatinphosphat (Phosphokreatin) hingegen ist Kreatin mit einer angehängten Phosphatgruppe und fungiert als unmittelbar verfügbarer Energiespeicher in der Muskelzelle. Es stellt die Phosphorylgruppe bereit, um aus Adenosindiphosphat (ADP) wieder Adenosintriphosphat (ATP) zu bilden - ein entscheidender Prozess für hochintensive, kurzzeitige Muskelbelastungen wie Sprints oder schweres Krafttraining.
Kreatin-Monohydrat enthält etwa 88-90 % reines Kreatin, während Kreatinphosphat aufgrund der zusätzlichen Phosphatgruppe nur etwa 60 % reines Kreatin liefert. Studien zeigen, dass Kreatin-Monohydrat die höchste Bioverfügbarkeit aller Kreatinformen aufweist. Es wird vom Körper schnell resorbiert und in die Muskelzellen transportiert, wo es als Energiespeicher dient. Der menschliche Organismus wandelt Kreatin aus der Nahrung oder aus Supplements automatisch in Kreatinphosphat um. Eine direkte Supplementierung mit Kreatinphosphat ist daher überflüssig, da sie keinen zusätzlichen Nutzen bietet. Kreatin-Monohydrat ist die mit Abstand am besten untersuchte und bewährte Kreatinform. Andere Kreatin-Varianten (z. B. Kreatin-Malat, Kreatin-Ethylester oder Kreatin-Citrat) haben in Studien keinerlei zusätzlichen Nutzen gegenüber Monohydrat gezeigt - dies gilt auch für Kreatinphosphat als Supplement. Kreatin-Monohydrat ist nicht nur die günstigste Kreatinform, sondern auch die reinste. Während alternative Kreatinpräparate oft teurer sind und teils Zusätze enthalten, ist Monohydrat in hochreiner Form erhältlich. Kreatin-Monohydrat wird seit Jahrzehnten erforscht und ist als sicher eingestuft. Es gibt keine Hinweise darauf, dass es langfristige Nebenwirkungen hat, solange es in normalen Mengen konsumiert wird.
Kreatin und seine potenziellen Vorteile
Kreatin unterstützt vor allem hochintensive und kurzzeitige Belastungen, bei denen maximale Kraft oder Schnelligkeit gefragt sind, z. B. beim Gewichtheben oder Sprinten. Gerade bei anaeroben Aktivitäten wie Sprints oder Krafttraining kann Kreatin die Leistungsfähigkeit merklich verbessern. Wer regelmäßig Krafttraining betreibt, kann mit Kreatin oft mehr Wiederholungen bewältigen oder höhere Gewichte bewegen. Für Menschen, die gar nicht oder nur moderat trainieren, kann Kreatin eine wichtige Rolle beim Muskelerhalt spielen. Gerade im Alter oder bei körperlich anspruchsvollen Berufen unterstützt es die Substanz der Muskeln. Zahlreiche Studien belegen, dass Kreatin nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige Leistungsfähigkeit fördern kann.
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In einer placebokontrollierten Cross-over-Studie an 45 vegetarisch lebenden jungen Erwachsenen (5 g Kreatin pro Tag über sechs Wochen) zeigten sich signifikante Verbesserungen des Arbeitsgedächtnisses und der Intelligenztestwerte. Insbesondere Personen mit geringerer Kreatinzufuhr über die Nahrung (z. B. Vegetarier) scheinen von einer Supplementierung zu profitieren. Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass Kreatin positiv auf das Kurzzeitgedächtnis und die mentale Klarheit wirken kann. Besonders relevant für eine langfristige Lebensqualität ist die Rolle von Kreatin im Alter. Indem es Muskeln und Gehirn stärkt, leistet Kreatin einen Beitrag zur sogenannten Longevity. Es kann helfen, altersbedingtem Muskelschwund (Sarkopenie) entgegenzuwirken, ist antioxidativ wirksam und unterstützt kognitive Funktionen.
Kreatin bei neurologischen Erkrankungen: Aktuelle Studienlage
Das Kreatin‑Phosphokreatin‑System dient als zellulärer „Energiepuffer“, der ATP in kurzfristig hochbelasteten Geweben wie Hirn und Muskel stabil hält. Kreatin gelangt über den Transporter SLC6A8 (auch „Creatine Transporter 1“) ins Gehirn; präklinisch wurden Zusammenhänge zu Mitochondrienfunktion, oxidativem Stress und potenzieller Neuroprotektion beschrieben. Diese biologische Plausibilität erklärt, warum Kreatin in mehreren neurodegenerativen Indikationen klinisch geprüft wurde.
Parkinson-Krankheit
In einem Programm mit frühem PD zeigte Kreatin (10 g/Tag) genügend Signal, um eine große Phase‑III‑Studie zu rechtfertigen („nicht futtil“). In einer großen Phase‑III‑Studie (LS‑1, NINDS) mit 1.741 früh behandelten PD‑Patienten, die 10 g/Tag Kreatin vs. Placebo erhielten, zeigte sich jedoch nach medianer Nachbeobachtung von 4 Jahren kein Vorteil im zusammengesetzten klinischen Endpunkt. Die Studie wurde 2013 aus Gründen der Futility gestoppt. Zudem zeigte sich, dass supplementationsbedingte Serum‑Kreatinin-Anstiege eGFR‑Bewertungen verfälschen können. Meta‑Analysen ergaben keine sinnvolle Verbesserung in UPDRS‑Domänen. Selbst mit 10 g/Tag über mehrere Jahre zeigte Kreatin in der größten PD‑Studie keinen klinischen Nutzen.
Huntington-Krankheit
In einer frühen Phase‑II‑Studie (CREST‑HD) senkten 8 g/Tag Kreatin einen DNA‑Oxidationsmarker (8OHdG), dessen Eignung als Wirksamkeitsmarker später in Frage gestellt wurde. Eine PRECREST-Studie (prämanifest/at‑risk) zeigte, dass eine Hochdosis (bis 30-35 g/Tag) durchführbar war; in der Bildgebung zeigte sich ein Hinweis auf verlangsamte kortikale/striatale Atrophie - explorativ, ohne klinischen Endpunkt. Die CREST‑E-Studie (größte HD‑RCT) mit bis zu 40 g/Tag wurde jedoch wegen Futility gestoppt, da kein Effekt auf den primären Funktionsendpunkt (Total Functional Capacity) festgestellt wurde. Gastrointestinale Nebenwirkungen traten häufiger auf. Sogar sehr hohe Dosen (bis 40 g/Tag) bremsten die klinische Verschlechterung in HD nicht.
Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
Mehrere RCTs (5-10 g/Tag) zeigten keinen Vorteil bei Überleben oder Progression. Eine Cochrane‑Analyse mit Individualdaten bestätigt die fehlende Wirkung bei guter Verträglichkeit.
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Alzheimer-Krankheit
Eine neue Pilotstudie aus dem Jahr 2025 (einarmige Machbarkeitsstudie, 20 g/Tag für 8 Wochen, n=20) zeigte eine Erhöhung des Gehirn‑Gesamtkreatins per MRS (~+11%) und Verbesserungen in mehreren kognitiven Kompositen. Ohne Kontrollgruppe ist das hypothesengenerierend, nicht beweisend. Muskel‑Endpunkte (gleiche Kohorte) berichteten Zuwächse bei Kraft/Umfang - erneut einarmig.
Polyneuropathie
In Untersuchungen, in denen Kreatin mit Placebos verglichen wurde, stellte sich heraus, dass Kreatin bei Polyneuropathie keinen Nutzen bringt. Kreatin zusätzlich zur normalen Ernährung als Nahrungsergänzungsmittel zu sich zu nehmen bewirkt in Tierversuchen mit Mäusen eine gewisse Verbesserung der Muskelkraft. In einer Studie der Universität von West Virginia wurde deshalb untersucht, ob Kreatin den Effekt von Krafttraining verbessern kann. Dazu wurden die Probanden in zwei Gruppen aufgeteilt, die beide Krafttraining betrieben. Eine der beiden Gruppen erhielt zusätzlich Kreatin, die andere Gruppe lediglich Placebos. Nach 12 Wochen Training zeigte sich in beiden Gruppen eine Verbesserung der Muskelkraft. Allerdings war dieser Effekt in beiden Gruppen gleich groß und das Kreatin bewirkte keine zusätzliche Verbesserung. Das Kreatin hat also offenbar keine Effekte auf die Motorik von Polyneuropathiepatienten. Ob das Kreatin Schmerzen und Missempfindungen bei Polyneuropathie lindern helfen kann ist bisher leider in keinen hochwertigen Studien untersucht worden. Auch wer an Polyneuropathie leidet kann mit dem richtigen Training seine Muskelkraft verbessern.
Herausforderungen und zukünftige Forschung
Das Anheben von Hirn‑Kreatin beim Menschen ist möglich, aber oft geringer als im Muskel und erfordert höhere Dosen; ob das relevante Krankheitswege beeinflusst, ist offen. Präventive/Prodromal‑Phasen könnten empfänglicher sein, während frühe manifeste Stadien in PD/HD negativ waren. Biomarker (z. B. 8OHdG, MRI‑Atrophie) garantieren keinen funktionellen Nutzen. Die großen PD/HD‑Studien liefen Jahre - trotzdem ohne klinischen Vorteil. Bis 40 g/Tag wurden in HD getestet; GI‑Nebenwirkungen nahmen zu, Adhärenzprobleme können die Power schmälern. Supplementiertes Kreatin kann Serum‑Kreatinin anheben, sodass eGFR scheinbar schlechter aussieht - ohne echte Nierenschädigung. Das erschwert Monitoring in Studien und Praxis. Höhere Hirnwerte sind machbar, aber schwerer zu erreichen als im Muskel.
Zukünftige Forschung sollte sich auf folgende Aspekte konzentrieren:
- Bessere Strategien zur Erhöhung von Hirn‑Kreatin (Timing, Dosis, Transporter‑Biologie)
- Klarere Responder‑Subgruppen (z. B. prämanifeste Stadien)
- RCTs mit höherer Dosis, MRS als Pharmakodynamik‑Marker und harten kognitiven Endpunkten
Sicherheit und Verträglichkeit
Über große PD‑Dosen (10 g/Tag, mehrjährig) und sehr hohe HD‑Dosen (bis 40 g/Tag) traten keine organspezifischen Toxizitätssignale gegenüber Placebo auf; GI‑Beschwerden und Wasser-/Gewichtszunahme waren unter hohen Dosen häufiger. Gleichzeitig ist die Interpretation der Nierenlabore heikel, weil Serum‑Kreatinin durch Kreatin ansteigt (scheinbar schlechtere eGFR). Eine seriöse Übersicht der International Society of Sports Nutrition fasst typische Protokolle und die gute Langzeitsicherheit in gesunden Personen zusammen. Kreatin gilt insgesamt als gut verträglich.
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Nachhaltigkeit und Qualität
Ein oft vernachlässigter Aspekt beim Kauf von Kreatin ist die Nachhaltigkeit. Günstige Kreatine, häufig aus Asien, werden manchmal in umweltschädlichen Prozessen hergestellt. Dies führt zu hohen Abfallmengen und Schadstoffbelastungen. Creavitalis® ist ein hochreines Kreatin-Monohydrat aus dem Hause Alzchem. Es wird unter strengen GMP-Bedingungen in Deutschland hergestellt, ist FSSC 22000 zertifiziert und wird für Forschungszwecke an Universitäten weltweit eingesetzt. Creavitalis® zeichnet sich durch seine hohe Reinheit und Qualität aus. Es wird ausschließlich in Deutschland produziert und erfüllt die höchsten Standards. Zudem ist es vegan, koscher und halal zertifiziert. Durch seine feine Vermahlung ist Creavitalis® texturneutral und angenehm einzunehmen. Alzchem gilt als Vorreiter in Sachen nachhaltiger Produktion. Ihr Herstellungsverfahren zeichnet sich durch den Einsatz modernster Technologien und umweltfreundlicher Produktionsmethoden aus. Sie achten darauf, dass ihre Prozesse energieeffizient und ressourcenschonend sind.
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