Darmstädter Chefärzte der Neurologie am Elisabethenstift: Ein Überblick

Das AGAPLESION ELISABETHENSTIFT in Darmstadt ist ein akademisches Lehrkrankenhaus mit einem breit gefächerten Leistungsspektrum, das fortschrittliche Medizin und exzellente Pflege bietet. Unter dem Dach des Elisabethenstifts firmieren drei separate Unternehmen: die Kirchliche Stiftung Elisabethenstift, die Pädagogische Akademie Elisabethenstift und das Ev. Lehrkrankenhaus AGAPLESION Elisabethenstift. Zu den Schwerpunkten des Krankenhauses gehören unter anderem Palliativ- und Hospizversorgung, Endoprothethik, Gastroenterologie, Kardiologie und Pneumologie. Ebenfalls zum Spektrum gehören Kliniken für Allgemeinchirurgie, Innere Medizin, Geriatrische Medizin und die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Das AGAPLESION ELISABETETHENSTIFT ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Darüber hinaus gehören das Seniorenzentrum und die Seniorenresidenz "Wohnen & Pflegen" zu uns sowie das Elisabethen-Hospiz.

Das Krankenhaus versteht sich als innovativ und leistungsfähig mit integrierten, zertifizierten medizinischen Zentren und legt Wert auf hohe Behandlungsqualität und medizinische Expertise durch seine Fachärzte. Die Geschäftsführer Clemens Maurer und Prof. Dr. Nawid Khaladj betonen, dass die Auszeichnungen der Ärzte auch für die Qualität der Kliniken und Teams sowie für gute Arbeitsbedingungen im Klinikum Darmstadt stehen.

Bedeutende Persönlichkeiten der Neurologie und Psychiatrie am Elisabethenstift

Im Laufe der Jahre haben mehrere bedeutende Persönlichkeiten die neurologische und psychiatrische Versorgung am Elisabethenstift geprägt.

Prof. Dr. Martin Hambrecht

Prof. Dr. med. Dr. phil. Dipl.Psych. Martin Hambrecht, geboren 1955, war seit 2002 Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des AGAPLESION ELISABETHENSTIFT Evang. Krankenhaus gGmbH in Darmstadt. Er studierte Psychologie und Medizin und ist Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie mit der Zusatzbezeichnung Forensische Psychiatrie. Am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim und an der Universitätsklinik Köln forschte Martin Hambrecht mit dem Schwerpunkt Früherkennung von Schizophrenie. 1999 erhielt er an der Universität zu Köln seine erste Professur für Prävention in der Psychiatrie, heute ist er als Außerplanmäßiger Professor an der Goethe-Universität Frankfurt tätig.

Prof. Dr. Andreas Fellgiebel

Prof. Dr. med. Andreas Fellgiebel ist Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie. Er ist Leiter des Zentrums für psychische Gesundheit im Alter (ZpGA) in Mainz sowie seit 2019 Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am AGAPLESION ELISABETHENSTIFT in Darmstadt. Zuvor war er Chefarzt der Gerontopsychiatrie an der Rheinhessen-Fachklinik Alzey und wissenschaftlicher Leiter der Gedächtnisambulanz an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsmedizin Mainz. 2004 erhielt er den Innovationspreis „sozial aktiv“ des Sozialministeriums Rheinland-Pfalz für die Etablierung einer verhaltenstherapeutisch orientierten Gruppentherapie für Patienten mit leichter Demenz und deren Angehörige; 2006 den Steinberg-Krupp Alzheimer Preis der Hirnliga e.V. für wissenschaftliche Arbeiten zur Diffusions-Tensor Bildgebung (DTI) bei Patienten mit MCI und Alzheimer-Demenz.

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Prof. Dr. Eugen M. Wolpert

Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Dr. med. Eugen M. Wolpert, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologie (Psychoanalyse und Verhaltenstherapie), Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Evangelischen Krankenhauses Elisabethenstift Darmstadt, starb am 6. März im Alter von 63 Jahren. Wolpert studierte ab 1959 Medizin und Psychologie in Erlangen und Freiburg. Er begann seine Facharztweiterbildung 1966 in Freiburg und wechselte 1971 an die Sozialpsychiatrische Klinik Mannheim. Später war er Oberarzt am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. 1979 begann er als Chefarzt der Psychiatrischen Abteilung des Elisabethenstiftes in Darmstadt mit dem Aufbau der dortigen Abteilungspsychiatrie, sodass er mit seiner Klinik in kurzer Zeit die psychiatrische sektorisierte Vollversorgung der Stadt Darmstadt gewährleisten konnte. Gleichzeitig begann er, ein komplettes extramurales Versorgungssystem mit komplementären Einrichtungen nach den Empfehlungen der Psychiatrie-Enquete zu entwickeln. 1981 wurde Darmstadt eine der 14 bundesdeutschen psychiatrischen Modellregionen, was im Wesentlichen auf die Initiative und die Kontakte von Wolpert zurückging. Auf der Bundesebene war Wolpert von 1983 bis 1991 Vorsitzender des Arbeitskreises der leitenden Ärzte Psychiatrischer Abteilungen in der Bundesrepublik und seit 1989 zugleich Vorsitzender des Ständigen Ausschusses für Krankenhausfragen in der Psychiatrie. Ausdruck der hohen Wertschätzung seiner Fachkollegen fand Wolpert darin, dass er als Chefarzt einer außeruniversitären psychiatrischen Krankenhausabteilung erstmalig in der Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie und Nervenheilkunde zum Präsidenten der Gesellschaft gewählt wurde. In seiner Amtszeit (1993 bis 1994) wurde die neue Weiterbildungsordnung zu Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie auf den Weg gebracht.

Schwerpunkte und Innovationen in der psychiatrischen Versorgung

Die Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am AGAPLESION ELISABETHENSTIFT stellt den Anspruch einer hochwertigen Behandlung der Patienten in den Vordergrund. Hochwertig bedeutet hier:

  • Evidenzbasierung: Die Wirksamkeit und Güte der eingesetzten diagnostischen und therapeutischen Verfahren gelten nach gängigen wissenschaftlichen Standards als gesichert und orientieren sich an den Standards der Leitlinien der Fachgesellschaften.
  • Patientenzentrierung: Bei den Versorgungsangeboten haben die Wünsche und Bedürfnisse der Patienten und deren Angehörige/Familien zentrale Bedeutung.
  • Empathie: Eine empathische therapeutische Beziehung und Menschlichkeit sind die stärksten Wirkfaktoren in der Behandlung der meisten psychischen Störungen. Sie stellen die Basis aller Versorgungsaktivitäten dar.
  • Weiterentwicklung: Die Klinik stellt sich den Herausforderungen von Personalmangel und Unterfinanzierung und entwickelt und implementiert neue Behandlungsangebote.

Neue Behandlungsangebote

Um den Herausforderungen in der psychiatrischen Versorgung zu begegnen, wurden am AGAPLESION ELISABETHENSTIFT verschiedene neue Behandlungsangebote etabliert oder sind im Aufbau:

  • APA (Aufsuchende Psychiatrische Akutbehandlung): Eine neue Behandlungsform zu Hause, bei der Patienten mit schweren psychischen Störungen, die einen stationären Aufenthalt ablehnen oder nur schwer organisieren können, durch ein Behandlungsteam in ihrer häuslichen Umgebung behandelt werden. Dieses Angebot wurde im November 2022 etabliert und soll weiter ausgebaut werden.
  • Demenzfrüherkennung, Frühbehandlung und Angehörigenbegleitung: Verbesserung der leitliniengerechten psychiatrischen Versorgung älterer Menschen mit psychischen Störungen durch Demenzfrühdiagnostik in der Gedächtnisambulanz, verbesserte ambulante Krisenintervention bei zu Hause betreuten Menschen mit Demenz sowie eine bessere und präventive Angehörigenbegleitung.
  • Neues teilstationäres psychotherapeutisches Behandlungsangebot für ältere Patient:innen: In der Tagesklinik für psychische Gesundheit Älterer (Gerontopsychiatrische Tagesklinik) wurde für Patienten im höheren Lebensalter mit affektiven Störungen (Depression und Angsterkrankungen) ein multiprofessionell fundiertes Behandlungskonzept auf Grundlage der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) implementiert.
  • Aufbau Schwerpunkt chronische Depression: Ein stationäres Behandlungsangebot für Patienten mit chronischer und „therapieresistenter“ Depression befindet sich im Aufbau. Die multiprofessionelle psychotherapeutische Behandlungsmethode wird dabei CBASP (Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy) sein. Zudem sollen auch andere, evidenz-basiert wirksame Verfahren eingesetzt werden, wie Bewegungstherapie, Elektro-Konvulsions- oder Esketamin-Therapie. Nach Implementierung dieser spezialisierten Behandlung ist der Aufbau eines ambulanten Angebotes für Patient:innen mit chronischer Depression geplant.
  • Ausbau ambulante Akutversorgung - psychiatrische Akutambulanz: Aufgrund der Überlastung des ambulanten Versorgungsnetzes wurde eine eigene psychiatrische Akutambulanz zur kriseninterventionellen Behandlung oder „Anbehandlung“ eingerichtet.

Die Gedächtnisambulanz

Ein wichtiger Bestandteil der neurologischen Versorgung am Elisabethenstift ist die Gedächtnisambulanz. Sie dient der Abgrenzung des normalen Nachlassens der geistigen Leistungsfähigkeit im Alter von krankhaften Veränderungen mit dem Ziel einer möglichst frühen Diagnostik und Therapie von Demenzerkrankungen. Ein Team aus Neuropsychologen, Psychologen und Psychiatern bietet entsprechende Testungen an. Zusätzlich gibt es ein therapeutisches Angebot, so beispielsweise eine Psychotherapiegruppe mit Angehörigen.

Angebote der Gedächtnisambulanz

  • Diagnostik: Abklärung von Gedächtnisproblemen und anderen kognitiven Beeinträchtigungen, um die Ursache zu finden und eine Diagnose zu stellen.
  • Therapie: Behandlung von Demenzerkrankungen und anderen kognitiven Störungen, um den Verlauf der Erkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
  • Beratung: Beratung von Patienten und Angehörigen zu Fragen rund um Demenz und andere kognitive Störungen.
  • Unterstützung: Unterstützung von Patienten und Angehörigen bei der Bewältigung der Erkrankung und der Organisation des Alltags.

Psychologische Beratung in der Gedächtnisambulanz

Da sowohl die Patient:innen als auch die Angehörigen bereits zu Beginn der Erkrankung durch die demenzbedingten Veränderungen des Alltags und der Beziehung belastet sind, richtet sich die psychologische Beratung an die Betroffenen und an die nahestehenden Bezugspersonen (Partner:innen, (Enkel-) Kinder, enge Freund:innen). Es können sowohl Einzeltermine (Patient:in- oder Angehörigenberatung) als auch Paartermine (Patient:in und Angehörige:r) vereinbart werden.

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Ziele und Inhalte der psychologischen Beratung:

  • Beratung zu Fragen rund um die Erkrankung
  • Analyse von individuellen Ressourcen und Belastungen (Einsatz Fragebogen zu Angehörigen-Resilienz und Belastung (FARBE), ggf. weiterführende Diagnostik)
  • Förderung von selbstfürsorglichem Verhalten, Resilienz
  • Beratung und Tipps zu Veränderungen der Kommunikation
  • Unterstützung im Verständnis und Umgang mit herausforderndem Verhalten bezogen auf die vorliegende Erkrankung
  • Umgang mit Stress und belastenden Emotionen in Zusammenhang mit der durch die Erkrankung ausgelösten Rollenverschiebung
  • Umgang mit Verlust und Trauer
  • Unterstützung in der Suche und Inanspruchnahme professioneller Hilfen, ggf. institutioneller Pflege, Psychotherapie oder Angeboten rund um das Thema Demenz

Gruppenprogramm: Psychologische Frühintervention bei beginnender Alzheimer-Erkrankung

Das Gruppenprogramm richtet sich an Patient:innen und Angehörige leicht betroffener Alzheimer Erkrankter und deren primäre Angehörige. Die Gruppensitzungen (12 Doppelstunden) finden 14tägig in den Räumen am Standort Erbacherstr. 57 statt. Ziele der dyadischen Gruppenintervention sind eine Stärkung der Partnerschaft sowie die Aufrechterhaltung von Wohlbefinden und Lebensqualität von Betroffenen und Angehörigen. Wir klären u.a. über das Erkrankungsbild Demenz auf, zeigen professionelle Hilfsangebote auf und sensibilisieren für eine gute Kommunikation im Umgang mit den Patient:innen. Dabei ist uns eine ressourcenstärkende Herangehensweise wichtig. Jede Sitzung umfasst eine psychomotorische Übung, krankheitsbezogene Informationsblöcke und kognitive Stimulation/kognitives Training.

Selbsthilfegruppe für Angehörige von Menschen mit früher Demenzerkrankung

Da Demenz nicht nur alte Menschen trifft und die Herausforderungen für jüngere Betroffene und ihre Angehörigen oft besonders komplex sind, bietet die Gedächtnisambulanz eine angeleitete Selbsthilfegruppe speziell für Angehörige von Menschen mit einer frühen Demenzerkrankung (≤65 Jahre) an. Unter fachkundiger Begleitung von Psychologinnen wird ein geschützter Raum für Austausch, Entlastung und gegenseitige Unterstützung geschaffen.

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