Die Natrium-Kalium-Pumpe: Ein Schlüssel zum Aktionspotential und zur Zellfunktion

Die Natrium-Kalium-Pumpe ist ein essentielles Protein in der Zellmembran, das für die Aufrechterhaltung des Membranpotentials und die Signalübertragung in Nerven- und Muskelzellen unerlässlich ist. Sie sorgt für den aktiven Transport von Natrium- und Kaliumionen gegen ihr Konzentrationsgefälle und spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung des Ruhepotentials sowie des Aktionspotentials.

Einführung in die Natrium-Kalium-Pumpe

In der Biologie und insbesondere in der Zellbiologie spielt die Natrium-Kalium-Pumpe eine entscheidende Rolle für viele lebenswichtige Vorgänge. Die Natrium-Kalium-Pumpe, oft auch als Na+-K+-ATPase bezeichnet, ist ein spezielles Transportprotein, welches in der Zellmembran vorkommt und den aktiven Transport von Natrium- und Kaliumionen über die Zellmembran ermöglicht. Es sind diese organischen Pumpen, die eine essentielle Rolle dabei spielen, das Gleichgewicht zwischen Natrium- und Kaliumionen sicherzustellen und elektrische Signale in Nerven- und Muskelzellen zu ermöglichen.

Definition und grundlegende Struktur

Die Natrium-Kalium-Pumpe ist ein Protein in der Zellmembran, das aktiv Natriumionen (Na⁺) aus der Zelle hinaus und Kaliumionen (K⁺) in die Zelle hinein transportiert. In diesem Protein findet ein Austausch von Natrium- und Kaliumionen statt, bei dem drei Natriumionen aus der Zelle transportiert und zwei Kaliumionen in die Zelle gebracht werden. Dieser Prozess geschieht gegen das Konzentrationsgefälle und benötigt daher Energie in Form von Adenosintriphosphat (ATP).

Die Natrium-Kalium-Pumpe besteht aus zwei Hauptkomponenten, die zusammen das funktionelle Protein bilden:

  • Das α-Untereinheit: Diese Komponente besteht aus 10 Transmembranhelices und ist für den eigentlichen Ionen-Transport zuständig. Ein besonderer Bedeutung hat hierbei das Aspartatrest an Position 369 innerhalb der α-Untereinheit, welches direkt an der Phosphorylierung beteiligt ist.
  • Das β-Untereinheit: Dieser Teil des Proteins ist kleiner und besteht aus einer Transmembranhelix. Die Menge an α- und β-Untereinheiten und somit die Anzahl an Arbeitsschichten der Pumpe variiert je nach Zelltyp.

Als Analogie zur Natrium-Kalium-Pumpe und ihren Untereinheiten kann man den Aufbau einer Mühle betrachten. Die α-Untereinheit könnte das Mühlrad repräsentieren, welches das Wasser (die Ionen) transportiert, während die β-Untereinheit das Gehäuse der Mühle wäre, welches das Mühlrad ausrichtet und stabilisiert.

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Die Natrium-Kalium-Pumpe ist ein P-Typ ATPase, was bedeutet, dass sie zur Gruppe der ionenpumpenden Enzyme gehört, die ein Phosphat-Ion aus ATP binden und durch Hydrolyse Energie freisetzen.

Ablauf der Funktion

Der Ablauf in der Natrium Kalium Pumpe ist ein hoch komplexer Prozess, der in vier Hauptphasen unterteilt werden kann:

  1. Bindung von Natriumionen: In der ersten Phase binden drei Natriumionen aus dem Inneren der Zelle an die α-Untereinheit der Natrium Kalium Pumpe. In diesem Zustand hat die Pumpe eine hohe Affinität für Natriumionen.
  2. Phosphorylierung und Veränderung der Konformation: Ein Molekül ATP bindet an die Pumpe und wird zu ADP und Phosphat hydrolysiert. Dabei wird Energie freigesetzt, die zur Phosphorylierung des Aspartatrestes in der α-Untereinheit führt. Durch die Phosphorylierung ändert das Protein seine Konformation und öffnet sich zur Außenseite der Zelle.
  3. Austausch der Ionen: Mit der Änderung der Konformation vermindert die Affinität der Pumpe für Natriumionen und diese werden freigesetzt. Zwei Kaliumionen binden sich an die nun zugänglichen Bindungsstellen.
  4. Dephosphorylierung und Rückkehr zur ursprünglichen Konformation: Das angehängte Phosphat wird abgespalten, wodurch sich die Konformation erneut ändert. Die Pumpe öffnet sich zur Innenseite der Zelle und gibt die Kaliumionen ins Innere frei.

Es ist wichtig zu betonen, dass diese Vorgänge aufgrund des aktiven Transports gegen ein Konzentrationsgefälle laufen. Das bedeutet, dass die Natrium-Kalium-Pumpe kontinuierlich Energie in Form von ATP benötigt, um ihren Betrieb aufrecht zu erhalten. Stell dir vor, du willst einen schweren Stein eine Steigung hinaufrollen. Das wäre gleichzusetzen mit dem aktiven Transport der Natrium-Kalium-Pumpe. Du brauchst Energie (ATP), um den Stein (Ionen) gegen die Schwerkraft (das Konzentrationsgefälle) den Hügel hinauf zu rollen.

Bedeutung für das Ruhepotential

Das Ruhepotential ist der normale Spannungszustand einer Nervenzelle ohne Reiz, etwa -70 Millivolt. Die Natrium-Kalium-Pumpe ist maßgeblich an der Erzeugung und Aufrechterhaltung des Ruhepotentials, dem elektrischen Potential an der Membran einer nicht erregten Nervenzelle, beteiligt. Sie transportiert Natriumionen aus der Zelle heraus und Kaliumionen in die Zelle hinein. Im Ruhezustand ist das Innere der Zelle negativ geladen, während das Äußere positiv ist.

Die Natrium-Kalium-Pumpe wirkt in erster Linie als energetischer Motor, indem sie während eines Zyklus, drei Natriumionen aus der Zelle austreibt und gleichzeitig zwei Kaliumionen in die Zelle eintreten lässt. So wird ein Elektrochemisches-Potential-Gradient über die Zellmembran erzeugt, das zur Erzeugung von elektrischen Signalen (Aktionspotential) notwendig ist. Der (\text{Elektrochemisches-Potential-Gradient}) ist das Produkt aus der Konzentrationsdifferenz eines Ions und dessen Ladung über die Membran und treibt die Diffusion der Ionen an. Du kannst dir das wie ein Seilziehen vorstellen, bei dem auf beiden Seiten gleich stark gezogen wird. Die Natrium-Kalium-Pumpe stellt sicher, dass trotz ständiger Aktivität auf beiden Seiten ein Gleichgewicht besteht.

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Das Aktionspotential: Die Rolle der Natrium-Kalium-Pumpe

Das Aktionspotential (kurz AP) ist eine vorübergehende Spannungsänderung des Membranpotentials über der Zellmembran. Es dient zur Reizweiterleitung zwischen Nervenzellen. Das Aktionspotential beschreibt die Änderung des Membranpotentials einer Zelle während der Erregungsleitung. Als Aktionspotential bezeichnest du einen Nervenimpuls, der für die Weiterleitung von Reizen verantwortlich ist.

Das Aktionspotential ist ein zentrales Element für die gesamte Erregungsleitung zwischen Nervenzellen. Es sorgt dafür, dass Informationen schnell durch den Körper geleitet werden. Die Übertragung von Reizen findet in Nervenzellen (Neuronen) statt und äußert sich als Änderung des Membranpotentials. Zu einer Änderung der Spannung kommt es durch das Öffnen und Schließen von spannungsgesteuerten Ionenkanälen in der Membran. Das funktioniert so: Kommt ein elektrischer Reiz an einer Nervenzelle an, ändert sich die Spannung und die Ionenkanäle öffnen sich.

Das Aktionspotential ist eine kurzzeitige, charakteristische Änderung des Membranpotentials, die der Signalübertragung in Nervenzellen dient. Der Schwellenwert für die Auslösung eines Aktionspotentials liegt bei etwa -55 mV. Anschließend schließen sich die Natriumkanäle und Kaliumkanäle öffnen sich. Das Membranpotential beschreibt den elektrischen Spannungsunterschied zwischen der Innen- und Außenseite einer Zellmembran. Voraussetzung dafür ist eine unterschiedliche Ionenkonzentration und selektive Permeabilität der Membran. Die Zellmembran besteht aus einer Lipiddoppelschicht mit eingelagerten Kanalproteinen. Die Natrium-Kalium-Pumpe spielt eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung des Ruhepotentials. Sie transportiert aktiv unter ATP-Verbrauch 3 Na+-Ionen aus der Zelle und 2 K+-Ionen in die Zelle. Die Natrium-Kalium-Pumpe verbraucht etwa ein Drittel des menschlichen Grundumsatzes an Energie, was ihre Bedeutung für den Organismus unterstreicht.

Ein am Axonhügel eines Neurons ankommender Reiz erhöht die Spannung an der Zellmembran. Nur wenn dieser Reiz die Spannung über einen Schwellenwert von etwa -50 mV erhöht, wird ein Aktionspotential ausgelöst. Unter dem ‚Alles-oder-Nichts-Gesetz‘ verstehst du, dass ein Aktionspotential entweder in voller Größe oder gar nicht auftritt. Das bedeutet, dass die Reizschwelle entweder überschritten und ein Aktionspotential ausgelöst wird oder eben nicht. Ein zu schwacher Reiz erreicht nicht den Schwellenwert. Nein, ein starker Reiz kann kein größeres Aktionspotenzial auslösen. Sobald der Schwellenwert erreicht ist, läuft das Aktionspotential immer gleich ab - egal, wie stark der Reiz war.

Nach der Depolarisation schließen sich die Natriumkanäle wieder und spannungsgesteuerte Kaliumkanäle öffnen sich. Kaliumionen strömen aus der Zelle heraus und das Membranpotential kehrt in den ruhigen Zustand zurück (Repolarisation). Man kann das Aktionspotential als Welle betrachten, die sich entlang der Nervenzelle ausbreitet. Es beginnt mit einer Depolarisation (die Welle steigt an), gefolgt von einer Repolarisation (die Welle fällt ab).

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Damit die Zelle bereit für ein neues Aktionspotential ist, muss die ursprüngliche Ionenverteilung wieder hergestellt werden. Unter Energieverbrauch pumpt sie Natrium aus der Zelle heraus und Kalium in die Zelle zurück. Somit hält sie das Ruhepotential der Zelle aufrecht.

Phasen des Aktionspotentials

Du siehst, dass du den Verlauf eines Aktionspotentials in fünf verschiedene Phasen einteilen kannst. Zunächst liegt das Potential einer Zelle in Ruhe (Ruhepotential) bei etwa -70 mV. Du kannst im Verlauf des Aktionspotentials zwei Phasen der Refraktärzeit unterscheiden.

Die verschiedenen Schritte verlaufen sehr schnell hintereinander. So dauert ein Aktionspotential in den Nervenzellen nur ca.

  1. Ruhepotential: Das Potential einer Zelle in Ruhe liegt bei etwa -70 mV. Dann bezeichnest du das Membranpotential auch als Ruhepotential. Die Konzentration der Kaliumionen ist im Zellinneren hoch, während die Natriumkonzentration außerhalb der Zelle höher ist. Die in der Membran liegenden spannungsgesteuerten Natrium- und Kaliumkanäle sind zunächst geschlossen.
  2. Depolarisation: oder auch Depolarisierung verstehst du die Anstiegsphase des Aktionspotentials. Das funktioniert so: Der Anstieg des Membranpotentials über einen Wert von etwa -50 mV führt zur Öffnung spannungsabhängiger Natriumkanäle in der Membran. Die Konzentration von Natriumionen ist außerhalb der Zelle deutlich höher als im Zellinnenraum. So kommt es zu einem schlagartigen Einstrom positiv geladener Natriumionen in das Zellinnere des Axons. Das führt zur Öffnung weiterer Natriumkanäle und stellt somit eine positive Rückkopplung dar. So kommt es sogar zur Ladungsumkehr. Die Innenseite ist jetzt also nicht mehr negativ, sondern positiv geladen. steigt bis auf ein Maximum von ca.
  3. Repolarisation: Die Repolarisation ist die Phase des Aktionspotentials, bei der sich das Membranpotential wieder dem Ruhepotential nähert. Bevor das Maximum des Membranpotentials erreicht ist, beginnen die Natriumkanäle sich wieder zu schließen. Gleichzeitig beginnen sich die spannungsgesteuerten Kaliumkanäle zu öffnen. Das Zelläußere ist jetzt im Vergleich zum Inneren der Zellen negativ geladen und die Kaliumkonzentration außerhalb der Zelle ist niedriger. weiter Kaliumionen aus der Zelle.
  4. Hyperpolarisation: Da das Schließen der Kaliumkanäle länger dauert, als das der Natriumkanäle, kann es sogar zur Unterschreitung des Ruhepotentials kommen. Die Spannung sinkt deshalb unter den Ausgangswert.
  5. Refraktärzeit: Nach dem Ablauf des Aktionspotentials kann nicht direkt die nächste Erregung weitergeleitet werden. Es dauert eine kurze Zeit bis eine Zelle wieder erregbar ist. Die Zeit, in der die Kanäle inaktiv sind, heißt Refraktärzeit. Sie ist wichtig für eine unidirektionale Weiterleitung eines Reizes. Kurz nach der Umpolarisierung können sich die Natriumkanäle erstmal gar nicht öffnen. Das ist die absolute Refraktärphase. Nach der Repolarisation wird der Schwellenwert zur Öffnung der Kanäle wieder niedriger, bis er wieder auf den Normalwert sinkt. Diese Phase, bei der du stärkere Reize für die Auslösung eines Aktionspotentials benötigst, heißt relative Refraktärzeit.

Die Natrium-Kalium-Pumpe im Herzen

Herzzellen, auch als Kardiomyozyten bezeichnet, sind mit zahlreichen Natrium-Kalium-Pumpen ausgestattet. Die Natrium-Kalium-Pumpe sorgt dafür, dass die innere Umgebung der Kardiomyozyten eine höhere Kalium- und eine niedrigere Natriumkonzentration aufweist im Vergleich zur äußeren Umgebung. Dies erzeugt ein elektrisches Potential, das Ruhepotential, über die Zellmembran.

Wenn ein Aktionspotential generiert wird, fließen Natriumionen in die Zelle und Kaliumionen aus der Zelle, was zu einem kurzzeitigen Umschlag des Membranpotentials (Depolarisation) führt. Dies bewirkt eine Kontraktion der Herzmuskelzellen. In der folgenden Phase, bekannt als Repolarisation, kehrt das Membranpotential zum Ruhezustand zurück. Dies ermöglicht die Entspannung der Herzmuskelzellen. Die Natrium-Kalium-Pumpe ist dabei entscheidend für den Wiederherstellungsprozess nach der Depolarisation und der Repolarisation.

Die Repolarisation ist der Prozess, bei dem das Membranpotential nach einem Aktionspotential wieder zum Ruhezustand zurückkehrt. Hierbei spielen insbesondere die Natrium-Kalium-Pumpe und spannungsgesteuerte Kaliumkanäle eine zentrale Rolle. Stell dir den Herzschlag als eine fortlaufende Serie von Wellen vor: Jede Welle beginnt mit einer Depolarisation (Kontraktion der Herzmuskelzellen), gefolgt von einer Repolarisation (Entspannung der Herzmuskelzellen). Die Natrium-Kalium-Pumpe "glättet" sozusagen das Meer nach jeder Welle, indem sie die ursprünglichen Ionengradienten wiederherstellt und damit ermöglicht, dass die nächste Welle entstehen kann.

Herausforderungen und Störungen der Natrium-Kalium-Pumpe

Trotz ihrer entscheidenden Rolle kann die Natrium-Kalium-Pumpe manchmal auf Herausforderungen stoßen, die ihre Funktion beeinträchtigen können. Eine Störung in der Funktion der Natrium-Kalium-Pumpe kann beispielsweise aufgrund von Mutationen in den Genen, die für die Pumpe kodieren, passieren. Solche Mutationen können zu ernsten Erkrankungen führen. Des Weiteren können auch bestimmte Toxine und Medikamente die Funktion der Natrium-Kalium-Pumpe hemmen. Ebenfalls kann eine Insuffizienz an ATP, die Energiequelle für die Pumpe, deren Funktion beeinträchtigen.

Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass die Funktion der Natrium-Kalium-Pumpe sehr energieintensiv ist. Es wird geschätzt, dass etwa 20-30% des Grundenergiebedarfs einer Zelle für den Betrieb der Natrium-Kalium-Pumpe aufgewendet wird. In spezifischen Zellen, wie den Nervenzellen, kann dieser Wert sogar auf bis zu 70% steigen. Daher kann eine Unterbrechung der Energieversorgung dramatische Folgen für die Ionen-Homeostase und somit auch für die Zellfunktion haben.

Bei einigen Erkrankungen, wie beispielsweise der Alzheimer-Krankheit oder der Parkinson-Krankheit, scheint eine Fehlfunktion der Natrium-Kalium-Pumpe eine Rolle zu spielen. Ebenso zeigt die Behandlung von hohem Blutdruck oder Herzinsuffizienz mit bestimmten Medikamenten (so genannten Digitalis-Glykosiden), dass die Modulation der Pumpe potenziell therapeutisch genutzt werden kann.

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