Leben und Sterben: Eine Auseinandersetzung mit Hirntumoren und der Palliativversorgung

Der Umgang mit dem Tod und unheilbaren Krankheiten, insbesondere Hirntumoren, ist ein Thema, das viele Menschen betrifft. Die Süddeutsche Zeitung hat sich in verschiedenen Artikeln mit diesem Thema auseinandergesetzt und dabei sowohl die medizinischen Aspekte als auch die persönlichen Erfahrungen von Betroffenen und ihren Angehörigen beleuchtet. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen und gibt Einblicke in die Palliativversorgung, die Forschung im Bereich der Hirntumoren und die Auseinandersetzung mit dem Sterben.

Die Palliativstation: Ein besonderer Ort der Begleitung

Die Palliativstation unterscheidet sich grundlegend vom normalen Klinikalltag. Hier geht es nicht mehr um Heilung, sondern um die Linderung von Leiden und die Begleitung von Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Die Palliativstation des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in München ist mit 32 Betten die größte in Deutschland und bietet ein umfassendes Betreuungsangebot für Patienten mit unheilbaren Krankheiten, insbesondere bösartigen Tumorerkrankungen.

Ein wesentlicher Unterschied zum normalen Klinikalltag liegt in der Achtsamkeit, mit der hier vorgegangen wird. So wird beispielsweise ein Patientenzimmer erst 24 Stunden nach dem Tod eines Patienten wieder belegt, um den Mitarbeitern Zeit zur Verarbeitung zu geben. Auch kleine Aufmerksamkeiten wie ein Stück Kuchen, das jederzeit bestellt werden kann, oder die Erfüllung besonderer Wünsche wie Weißwürste vom Tengelmann am Romanplatz tragen dazu bei, den Patienten den letzten Lebensabschnitt so angenehm wie möglich zu gestalten.

Die Patienten werden von einem Team aus Ärzten, Schwestern, Pflegern, Sozialarbeitern und Physiotherapeuten betreut. Dazu kommen Seelsorger, Atem- und Musiktherapeuten sowie ehrenamtliche Hospizhelfer. Ziel ist es, den Patienten ein würdevolles und schmerzfreies Leben bis zum Tod zu ermöglichen. Oberärztin Susanne Roller betont jedoch, dass die Palliativstation höchstens der Vorgarten zum Paradies sein kann.

Die Auseinandersetzung mit dem Sterben

Viele Patienten auf der Palliativstation fragen sich: "Wie geht Sterben?" Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht. Thomas Binsack, der die Station mitaufgebaut hat, versucht den Patienten zu erklären, was er in den vergangenen 20 Jahren beobachtet hat. So schlafen Menschen mit einem Hirntumor oft "hinüber", und es gibt keinen "Todeskampf", da Schmerzmittel verabreicht werden. Bei Bedarf kann den Sterbenden auch eine "palliative Sedierung" angeboten werden, eine Art Narkose, bei der starke Beruhigungsmittel den Patienten zeitweise in einen Dämmerzustand versetzen.

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Wichtig ist auch der offene Umgang mit dem Sterben. Drumherumgerede und Beschwichtigungen haben die Patienten oft mehr als genug gehört. Stattdessen wird versucht, ehrlich zu sein und den Patienten die Möglichkeit zu geben, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen.

Die Geschichte von Franz-Josef Schmid: Leben mit einem Hirntumor

Franz-Josef Schmid ist einer von vielen Patienten, die auf der Palliativstation betreut werden. Er erfuhr von seinem Arzt, dass er nur noch ein halbes Jahr zu leben habe. Daraufhin beschloss er, sein Leben noch einmal in vollen Zügen zu genießen und reiste ins Ausland.

Doch dann erhielt er die Diagnose Hirntumor. Eine Operation konnte den Tumor nicht vollständig entfernen, und es kam zu Komplikationen. Schmid war zeitweise ein Pflegefall und hatte keinen Lebensmut mehr.

Doch dann begann er, sich wieder zu bewegen. Er trainierte mit einem Rollator, stieg Treppen und lernte wieder schwimmen und Fahrrad fahren. Schließlich setzte er sich das Ziel, mit dem Fahrrad zum Brandenburger Tor zu fahren.

Er erreichte sein Ziel und eroberte sich Berlin mit dem Rad zurück. Er steigerte seine Entfernungen und plante weitere Reisen. Er fuhr durch Deutschland, nach England, Frankreich und durch ganz Europa. Später reiste er in die USA und nach Japan.

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Schmid hat zwei lebensbedrohliche Krankheiten, kann nicht allein ins Kino oder Konzert gehen und fährt den Leuten versehentlich mit dem Einkaufswagen in die Hacken. Trotzdem macht er solche Touren. Sie sind für ihn eine Vorbereitung auf eine Weltreise, die er für 2017 plante.

Schmids Weisheit lautet: Gib das alte Leben auf! Er kann nicht mehr Motorrad fahren, aber er macht das, was er noch kann. Er will den Leuten Mut machen und zeigen, dass ein Schlag nicht zum Schicksal werden muss.

Die Forschung im Bereich der Hirntumoren

Die Forschung im Bereich der Hirntumoren hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. So konnten beispielsweise die Überlebenschancen von Kindern mit einem Hirntumor in Schweden und Dänemark deutlich verbessert werden.

Auch in Deutschland gibt es zahlreiche Forschungsprojekte, die sich mit der Verbesserung der Diagnose und Therapie von Hirntumoren beschäftigen. Ein Beispiel ist das Universitäre Cancer Center Hamburg (UCC Hamburg), das sich zum Ziel gesetzt hat, die Versorgung von Krebspatienten zu verbessern.

Das UCC Hamburg vergibt jährlich Promotionspreise für herausragende Doktorarbeiten aus verschiedenen Forschungsbereichen der Onkologie. Zudem fördert das Bundesforschungsministerium ein Verbundprojekt zur intraoperativen Analyse von entferntem Tumorgewebe.

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Annukka: Ein würdevolles Sterben ermöglichen

Die Geschichte von Annukka, die mit zweieinhalb Jahren an einem Hirntumor erkrankte, zeigt, wie wichtig es ist, Kindern ein würdevolles Sterben zu ermöglichen. Ihre Eltern entschieden sich gegen eine hochdosierte Strahlentherapie, die ihr Leben zwar verlängert, aber auch schwere Schädigungen verursacht hätte.

Stattdessen konzentrierten sie sich darauf, Annukka ein schmerzfreies und würdevolles Leben bis zum Tod zu ermöglichen. Sie holten sich Hilfe von den Bremer Engeln, einem Verein, der schwerstkranke Kinder und ihre Angehörigen betreut.

Im Gespräch mit den Bremer Engeln wurde den Eltern klar, dass sie auf Annukka hören mussten und dass von ihnen allen eine 180-Grad-Wende gefordert war. Sie lernten, dass sie keinen Notarzt rufen durften, der verpflichtet gewesen wäre, Annukkas Leben um jeden Preis zu retten.

Schließlich beschlossen sie, gemeinsam ins Kinderhospiz Löwenherz in Syke zu gehen. Dort starb Annukka im Alter von dreieinhalb Jahren. Ihre Eltern waren dabei und konnten ihr sagen, dass sie gehen darf und ihr ein letztes Schlaflied vorsingen.

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