Das Buch "Das emotionale Gehirn" von Prof. Dr. Dr. Lisa Feldman Barrett, übersetzt von Elisabeth Liebl, ist ein wissenschaftlicher Beitrag zur Emotionspsychologie, der die traditionelle Vorstellung von Emotionen als angeborene und universelle Reaktionsmuster in Frage stellt. Stattdessen argumentiert Barrett, dass Emotionen konstruiert werden und aus grundlegenden Bausteinen bestehen, die von Kultur zu Kultur variieren. Das Buch bietet eine Methoden-kritische Analyse von Forschungsergebnissen und deren Interpretation, und die zentrale Botschaft lautet: „Wir sind die Architekten unserer eigenen Erfahrungen“.
Die neue Wissenschaft der Emotionen
Die ersten drei Kapitel des Buches erkunden die neue Wissenschaft von den Emotionen. Psychologie, Neurowissenschaften und verwandte Disziplinen wenden sich von der Suche nach dem „emotionalen Fingerabdruck“ ab und fragen stattdessen, wie Gefühle konstruiert werden. Die Autorin zeigt beispielhaft, was eine Methoden-kritische Analyse von Forschungsergebnissen und deren Interpretation bedeuten kann.
Wie Gefühle entstehen
In den Kapiteln 4 bis 7 wird dargelegt, wie Gefühle nach Ansicht der Autorin tatsächlich entstehen. Hierbei spielen die Konzepte „Interozeption“ und „Affekt“ eine zentrale Rolle. Die Interozeption ist ein Schlüsselelement der Emotionen, die aber dadurch allein nicht erklärt werden können. Das menschliche Gehirn ist in der Lage, Bedeutung zu erzeugen. Emotionen sind Bedeutung. Sie erklären unsere interozeptiven Veränderungen und das zugehörige Erleben vor dem Hintergrund einer aktuellen Situation. Emotionen sind ein Rezept für Handeln. Emotionen haben nach Ansicht der Autorin fünf Funktionen: Sie schaffen Bedeutung, sie konfigurieren Bedeutungen vor, sie regulieren das Körperbudget, sie dienen der emotionalen Kommunikation und sie üben sozialen Einfluss aus.
Implikationen für den Alltag
Die Kapitel 8 bis 12 gehen der Frage nach, welche praktischen Implikationen diese neuen Erkenntnisse für den Alltag haben und was sie für unsere hergebrachte Haltung zu Gesundheit, emotionale Intelligenz, Kindererziehung, persönliche Beziehungen, Rechtssysteme, ja für die menschliche Natur im Allgemeinen bedeuten. Es geht um die Auflösung traditioneller Grenzen, wie der zwischen körperlichen und geistigen Krankheiten und der zwischen der physischen und der sozialen Welt.
Emotionen und Rechtsprechung
Dass Emotionen und Recht(ssprechung) etwas miteinander zu tun haben, ist vielleicht wenigen bewusst. Begeht etwa jemand im Affekt eine unerlaubte Handlung, so kann nach § 827 BGB die Verantwortlichkeit für den Schaden, die „Deliktsfähigkeit“, ausgeschlossen sein.
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Emotionale Intelligenz (EQ)
Daniel Goleman hat mit seinem Buch "Emotionale Intelligenz" einem breiten Publikum das Konzept der emotionalen Intelligenz vorgestellt. Er argumentiert, dass ein hoher IQ überbewertet wird und der Schlüssel zu einem erfüllten und erfolgreichen Leben in der emotionalen Intelligenz liegt - der Fähigkeit, die eigenen Emotionen und die Emotionen anderer zu verstehen, zu bewerten und zu kontrollieren. Das Buch ist in fünf Abschnitte unterteilt: das emotionale Gehirn, das Wesen der emotionalen Intelligenz, angewandte emotionale Intelligenz, Fenster der Möglichkeiten und emotionale Alphabetisierung.
Das emotionale Gehirn
Jeder Mensch hat zwei Gehirne - das emotionale und das rationale Gehirn. Das rationale Gehirn ist auf die Vernunft ausgerichtet, und der Platz des Denkens ist der Neokortex. Das limbische System spielt eine entscheidende Rolle in Herzensangelegenheiten und emotionalen Notfällen. Die Amygdalas stehen in direkter Verbindung mit emotionalem Hijacking.
Das Wesen der emotionalen Intelligenz
IQ und emotionale Intelligenz sind keine gegensätzlichen Kompetenzen - sie sind einfach unterschiedliche Konzepte. Jeder Mensch ist eine einzigartige Mischung aus IQ und EQ. Goleman fasst die Forschungsergebnisse von Salmoey und Mayer zusammen und stellt fünf Komponenten der emotionalen Intelligenz vor: die eigenen Gefühle kennen (emotionale Selbstwahrnehmung), Emotionen managen, sich selbst motivieren, Erkennen von Emotionen bei anderen und Umgang mit Beziehungen.
Angewandte emotionale Intelligenz
Emotionale Intelligenz spielt eine entscheidende Rolle in Ehe, Arbeit und Medizin. In der Ehe ist die Kultivierung einer freigegebenen emotionalen Intelligenz der Schlüssel zur Lösung von Problemen. Effiziente Führungskräfte nutzen Emotionen, um konstruktives Feedback zu geben und die Produktivität ihrer Mitarbeiter zu steigern. Emotionale Intelligenz am Arbeitsplatz spielt auch eine wichtige Rolle bei der Beseitigung von Vorurteilen und der Förderung von Vielfalt. In der Medizin kann emotionale Intelligenz den Menschen helfen, sich weniger allein und verwirrt zu fühlen, und ihnen den nötigen Trost spenden.
Fenster der Gelegenheiten
Die Familie und emotional intelligente Eltern spielen eine wichtige Rolle für die eigene emotionale Intelligenz. Es ist möglich, das emotionale Gehirn "umzuerziehen" und neu zu programmieren.
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Emotionale Alphabetisierung
Der beste Weg, verheerende Trends wie soziale Probleme, Aggressionen, Essstörungen und Sucht zu bekämpfen, liegt in der Bildung. Emotionale Kompetenz sollte in den Schulen gelehrt werden.
Emotionale Intelligenz am Arbeitsplatz
Goleman betont, dass emotionale Intelligenz in allen Bereichen unseres Lebens von entscheidender Bedeutung ist, auch bei der Arbeit. Organisation der Arbeit, Zusammenarbeit im Team, Transparenz, Feedback und Beziehungen am Arbeitsplatz sind allesamt von emotionaler Intelligenz geprägt.
Die Bedeutung des limbischen Systems
Hans-Georg Häusel erklärt, dass das limbische System, insbesondere die Amygdala und der Hippocampus, eine zentrale Rolle bei der emotionalen Verarbeitung und der Bewertung von Unternehmen spielt. Er betont, dass über 70 bis 80 Prozent der Entscheidungen unbewusst getroffen werden und dass Emotionen eine tragende Rolle bei der Informationsbewertung spielen. Das Interview beleuchtet auch die drei Hauptsysteme des emotionalen Betriebssystems des Menschen: das Balance-, das Dominanz- und das Stimulanz-System.
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