Die Ultraschalluntersuchung des Gehirns, auch Sonographie genannt, hat sich in der neurologischen Diagnostik als eine wertvolle Methode etabliert. Sie ermöglicht die Beurteilung der Blutgefäße, des Hirngewebes und anderer Strukturen im Kopf- und Halsbereich. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Anwendungsbereiche, Vorteile und Grenzen der Ultraschalluntersuchung in der Neurologie.
Einleitung
Lange Zeit war es ein Traum der Medizin, in den menschlichen Körper hineinzuschauen. Mit der Entwicklung der Röntgentechnik vor über 100 Jahren wurde dieser Traum Wirklichkeit. Seit den 1970er Jahren haben sich neben der Röntgendiagnostik auch die Computertomographie (CT), die Magnetresonanztomographie (MRT), der Ultraschall (Sonographie) und die Positronenemissionstomographie (PET) in der neurologischen Diagnostik etabliert.
Bildgebende Verfahren in der Neurologie: Ein Überblick
Die neurologische Diagnostik bedient sich verschiedener bildgebender Verfahren, die jeweils spezifische Vor- und Nachteile aufweisen.
Computertomographie (CT)
Die Computertomographie erzeugt überlagerungsfreie Schnittbilder des Körpers, indem die Schwächung von Röntgenstrahlen aus verschiedenen Richtungen gemessen wird. Die CT ist besonders geeignet zur Diagnose von Verletzungen oder krankhaften Veränderungen mit hoher Dichte, wie Blutungen und Knochenstrukturen. In der Notfalldiagnostik beim akuten Schlaganfall spielt die CT-Perfusion eine wichtige Rolle, bei der die Anflutung und Abflutung von Kontrastmittel im Gehirngewebe gemessen wird. Die Strahlenbelastung einer CT des Schädels beträgt etwa 2 Millisievert.
Magnetresonanztomographie (MRT)
Die Magnetresonanztomographie erzeugt ebenfalls Schnittbilder, jedoch ohne den Einsatz von Röntgenstrahlen. Stattdessen werden die Wasserstoffatome im Körper genutzt, die auf ein Magnetfeld reagieren. Die MRT ermöglicht eine detaillierte Darstellung von Weichteilstrukturen und krankhaften Veränderungen, die häufig mit Wassereinlagerungen verbunden sind. Ein weiterer Vorteil der MRT ist die Möglichkeit zur dreidimensionalen Darstellung. Darüber hinaus kann die MRT zur Messung der Gehirnaktivität bei bestimmten Aufgaben oder im Ruhezustand sowie zur Messung von Stoffwechselvorgängen (MR-Spektroskopie) eingesetzt werden.
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Angiographie
Bei der Angiographie wird ein Kontrastmittel in die Leistenarterie gespritzt und über einen Katheter bis in die hirnversorgenden Gefäße vorgeschoben. Dadurch können die Gefäße auf Röntgenbildern sichtbar gemacht werden.
Positronen-Emissions-Tomographie (PET)
Die Positronen-Emissions-Tomographie ist ein nuklearmedizinisches Verfahren, das Informationen über den Stoffwechsel des Körpers liefert. Dazu werden schwach radioaktive Substanzen (Tracer) eingesetzt, die im Körper verstoffwechselt werden. Die PET kann beispielsweise zur Diagnose der Alzheimer-Krankheit oder zur Beurteilung von Tumorerkrankungen eingesetzt werden.
Die Ultraschalluntersuchung in der Neurologie: Grundlagen und Technik
Die Ultraschalluntersuchung basiert auf der Nutzung von Schallwellen im Frequenzbereich von 1 bis 10 MHz. Diese Schallwellen werden von einem Schallkopf ausgesendet und dringen in das Gewebe ein. An den Grenzflächen zwischen verschiedenen Geweben werden die Schallwellen reflektiert oder gestreut. Diese Echos werden vom Schallkopf empfangen und in ein Bild umgewandelt.
Beim Ultraschall wird der Doppler-Effekt genutzt, der vom Physiker und Mathematiker Christian Doppler im 19. Jahrhundert entdeckt wurde. Dieser Effekt beschreibt die Veränderung der Frequenz einer Welle (z.B. Schallwelle) in Abhängigkeit von der Bewegung der Quelle oder des Beobachters. In der Ultraschalldiagnostik wird der Doppler-Effekt genutzt, um die Blutflussgeschwindigkeit in den Gefäßen zu messen.
Arten der Ultraschalluntersuchung
In der neurologischen Ultraschalldiagnostik werden verschiedene Techniken eingesetzt:
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- Dopplersonographie: Hierbei wird die Flussgeschwindigkeit des Blutes in den Gefäßen gemessen und akustisch und grafisch dargestellt.
- Farbduplexsonographie: Hierbei werden die Gefäße und der darin enthaltene Blutfluss als farbiges Bild dargestellt. Dies ermöglicht eine detailliertere Beurteilung der Gefäßmorphologie und der Blutflussverhältnisse.
- Extrakranielle Dopplersonographie (ECD): Untersuchung der Halsgefäße mit einer stiftähnlichen Sonde.
- Transkranielle Dopplersonographie (TCD): Untersuchung der Gefäße des Gehirns.
Anwendungsbereiche der Ultraschalluntersuchung in der Neurologie
Die Ultraschalluntersuchung findet in der Neurologie vielfältige Anwendung:
Gefäßdiagnostik
Die Ultraschalluntersuchung ist eine Standardmethode zur Beurteilung der hirnversorgenden Gefäße, insbesondere der Halsschlagadern (Arteria carotis) und der Nackenschlagadern (Arteria vertebralis). Sie ermöglicht die Erkennung von:
- Verengungen (Stenosen) und Verschlüssen: Diese können die Ursache für einen Schlaganfall sein.
- Erweiterungen (Dilatationen): Diese können auf eine Gefäßschwäche hindeuten.
- Arteriosklerotischen Ablagerungen: Diese können das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen.
- Veränderungen der Gefäßwanddicke: Diese können auf eine Entzündung oder andere Erkrankungen hindeuten.
- Einblutungen in die Gefäßwand (Dissektionen): Diese können zu einem Gefäßverschluss führen.
- Gefäßspasmen: Plötzliche krampfartige Verengungen der Gefäße.
- Umgehungskreisläufen: Diese können sich bei Gefäßverschlüssen bilden, um die Blutversorgung des Gehirns aufrechtzuerhalten.
Die neurologische Gefäßultraschalldiagnostik ist heutzutage eine Standardmethode in der Ursachenklärung von Schlaganfällen und wird oft schon aus der Notfallaufnahme heraus oder von der Stroke-Unit initiiert.
Diagnostik der Riesenzellarteriitis
Die Arteriitis temporalis (Riesenzellarteriitis) ist eine systemische Gefäßentzündung, die vor allem bei älteren Menschen die Schläfenarterien befällt. Unbehandelt besteht ein Risiko zu erblinden. Ein Baustein der Diagnostik ist die spezielle Ultraschalluntersuchung der teils schmerzhaft verdickten Gefäße, bei der sich Wandverdickungen (Halo) darstellen lassen. Gemäß Empfehlungen der Europäischen Rheumaliga (EULAR) ist die Duplex-Sonographie der Temporalarterien die Methode erster Wahl in der Diagnostik einer Riesenzellarteriitis mit kranialem Befallsmuster.
Untersuchung peripherer Nerven und Muskeln
Dank der technischen Weiterentwicklung der Ultraschallsonden und Ultraschallgeräte wird auch die Anwendung zur Untersuchung des peripheren Nervensystems immer besser. Die peripheren Nerven des Arms und des Beines können an zahlreichen Stellen mittels Ultraschalls untersucht werden. Bei der Beurteilung der Muskulatur wird auf die Lage, Form, Größe und Echogenität geachtet. Insbesondere die Messung der Muskelmasse zur Bestimmung einer Muskelabnahme oder -zunahme ist heutzutage hilfreich bei zahlreichen Nerv- und Muskelerkrankungen.
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Diagnostik bei Säuglingen und Neugeborenen
Bei Säuglingen und Neugeborenen ist die Ultraschalluntersuchung des Gehirns besonders wertvoll, da der Schädel noch nicht vollständig geschlossen ist. Durch die Fontanellen können intrakranielle Strukturen mittels Ultraschalls sehr gut dargestellt werden. Die Ultraschalluntersuchung kann zur Erkennung von Blutungen, Fehlbildungen und Ventrikelerweiterungen im Gehirn eingesetzt werden. Im Gegensatz zur MRT ist für die Ultraschalluntersuchung keine Sedierung erforderlich, so dass sie auch auf der Intensivstation im Inkubator durchgeführt werden kann. Auch das Rückenmark des Neugeborenen kann mit Ultraschall exzellent dargestellt werden, da die Wirbelbögen in dieser Altersgruppe noch nicht vollständig verknöchert sind.
Weitere Anwendungsbereiche
- Erkrankungen der Augenmuskeln (Myositis)
- Erkrankungen, die durch eine Zunahme des Nervenwasserdrucks (Idiopathische und sekundäre intrakranielle Hypertension) zu einer Veränderung am Eintrittspunkt des Sehnervens in den Augapfel (Papille) oder am Sehnerven selbst führen.
- Früherkennung von Parkinson: Bereits Mitte der 90er-Jahre wurden mit Ultraschall typische Veränderungen wie ein hoher Eisengehalt und vermehrte Entzündungsquellen im Mittelhirn entdeckt, die auf eine Parkinson-Erkrankung hindeuteten.
Vorteile der Ultraschalluntersuchung
Die Ultraschalluntersuchung bietet eine Reihe von Vorteilen gegenüber anderen bildgebenden Verfahren:
- Nicht-invasiv: Es werden keine Strahlen oder andere schädliche Substanzen eingesetzt.
- Schmerzfrei: Die Untersuchung ist in der Regel schmerzfrei und gut verträglich.
- Echtzeit-Bildgebung: Die Ultraschalluntersuchung ermöglicht die Darstellung von bewegten Strukturen in Echtzeit.
- Hohe Verfügbarkeit: Ultraschallgeräte sind in vielen Arztpraxen und Krankenhäusern verfügbar.
- Geringe Kosten: Die Ultraschalluntersuchung ist im Vergleich zu anderen bildgebenden Verfahren relativ kostengünstig.
- Wiederholbarkeit: Die Ultraschalluntersuchung kann beliebig oft wiederholt werden, ohne dass es zu einer Strahlenbelastung kommt.
- Mobil: Ultraschallgeräte sind mobil und können auch am Krankenbett eingesetzt werden.
Grenzen der Ultraschalluntersuchung
Die Ultraschalluntersuchung hat jedoch auch einige Grenzen:
- Schallschatten: Knochen und Luft können die Schallwellen behindern und zu Schallschatten führen, die die Bildqualität beeinträchtigen.
- Abhängigkeit vom Untersucher: Die Qualität der Ultraschalluntersuchung hängt stark von der Erfahrung und dem Können des Untersuchers ab.
- Eingeschränkte Darstellung tieferliegender Strukturen: Die Ultraschalluntersuchung ist weniger geeignet zur Darstellung von Strukturen, die tief im Körper liegen.
- Übergewichtige Patienten: Bei übergewichtigen Patienten kann die Bildqualität durch das Fettgewebe beeinträchtigt werden.
Neue Entwicklungen in der Ultraschalltechnologie
In den letzten Jahren hat es bedeutende Fortschritte in der Ultraschalltechnologie gegeben, die die Möglichkeiten der neurologischen Diagnostik erweitert haben:
- Hochauflösende Ultraschallgeräte: Diese ermöglichen eine detailliertere Darstellung von Geweben und Gefäßen.
- Kontrastmittelverstärkter Ultraschall: Die Verwendung von Kontrastmitteln kann die Sichtbarkeit von Gefäßen und Tumoren verbessern.
- 3D-Ultraschall: Diese Technik ermöglicht die Erstellung von dreidimensionalen Bildern, die die anatomischen Strukturen besser darstellen.
- MRT-gesteuerter fokussierter Ultraschall (MRgFUS): Mittels Ultraschalls wird hierbei im MRT Hirngewebe verödet. Diese Technik wird beispielsweise zur Behandlung von essentiellem Tremor eingesetzt.
- Neuartige Hochgeschwindigkeitsultraschallgeräte in Kombination mit KI-gestützter Bildanalyse: Diese ermöglichen hoch aufgelöste Einblicke ins Säuglingsgehirn und könnten sich zur schnellen Diagnose von Schlaganfällen oder Sauerstoffmangel bei Neugeborenen eignen.
- Ultraschall-basierte Neurostimulation: Wissenschaftler arbeiten an einer nicht-invasiven Neurostimulation der Gehirnareale auf Basis von Ultraschall. Diese Technologie könnte in Zukunft für die Therapie von verschiedenen neurologischen Erkrankungen wie beispielsweise Epilepsie oder zur Behandlung der Folgen von Schlaganfällen eingesetzt werden.
Durchführung einer Ultraschalluntersuchung
Die Ultraschalluntersuchung ist in der Regel einfach und schnell durchzuführen. Der Patient liegt oder sitzt bequem, während der Untersucher den Schallkopf auf die zu untersuchende Körperregion aufsetzt. Um den Kontakt zwischen Schallkopf und Haut zu verbessern, wird ein Gel aufgetragen. Die Untersuchung dauert in der Regel 20 bis 30 Minuten.
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