Gehirnerschütterungen im Fussball: Forschung und Risiken

Sport ist gesund, aber birgt auch Risiken. Jährlich ereignen sich in Deutschland etwa zwei Millionen Sportverletzungen, wobei Fußballer überdurchschnittlich oft betroffen sind. Ein besonderes Augenmerk liegt auf Kopfverletzungen, insbesondere Gehirnerschütterungen, die im Fußballsport nicht zu unterschätzen sind. Dieser Artikel beleuchtet die Forschung zu Gehirnerschütterungen im Fußball, ihre Symptome, Behandlungsmethoden und langfristigen Folgen.

Was ist eine Gehirnerschütterung?

Eine Gehirnerschütterung, in der Fachsprache Commotio cerebri genannt, ist eine milde Form des Schädel-Hirn-Traumas (SHT). Sie entsteht durch eine Krafteinwirkung auf den Kopf, die das Gehirn im Schädelinneren „schüttelt“. Dies kann durch direkte Schläge, Stürze oder Zusammenstöße verursacht werden, wie sie im Fußball häufig vorkommen. Man unterscheidet direkte Schädigungen, die unmittelbar durch die Krafteinwirkung entstehen, und indirekte Schädigungen, die als Folge des Traumas auftreten.

Die Glasgow Coma Scale (GCS) dient zur Einstufung des Bewusstseinszustandes nach einem Schädel-Hirn-Trauma. Bei einer Gehirnerschütterung erreicht der Patient in der Regel 13 bis 15 Punkte auf der GCS. Eine kurze Bewusstlosigkeit von wenigen Sekunden bis Minuten kann auftreten, ist aber nicht zwingend.

Ursachen und Häufigkeit von Kopfverletzungen im Fußball

Kopfverletzungen, einschließlich Gehirnerschütterungen, sind im Fußballsport eine häufige Verletzungsart. Laut dem VBG Sport-Report der Unfallversicherung machen sie in den Profiligen 6 bis 17 Prozent der Verletzungsstatistik aus. Besonders gefährdet sind Spieler bei Zusammenstößen, Stürzen oder durch den Aufprall des Balls.

Eine Studie der Boston Harvard Medical School fand problematische Entzündungen in Fußballerhirnen, selbst wenn kein schwerer Stoß den Schädel getroffen hatte. Dies unterstützt die These, dass schon die üblichen Kopfbälle ausreichen können, um das Gehirn nachhaltig zu erschüttern. Kinder sind besonders gefährdet, da ihre Köpfe im Verhältnis zu ihren Körpern größer sind und beim Kopfball stärker ins Schleudern geraten.

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Symptome einer Gehirnerschütterung

Gehirnerschütterungen können vielfältige Symptome verursachen, die in akute, kurz- und langfristige Beschwerden unterteilt werden können.

Akute Symptome

  • Kurze Bewusstlosigkeit (Sekunden bis Minuten)
  • Benommenheit
  • Vorübergehende Amnesie (Erinnerungslücken)
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Sehstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Selten: Verlust des Geschmacks- oder Geruchssinns, Tinnitus

Kurzfristige Symptome

  • Anhaltende Kopfschmerzen
  • Konzentrationsprobleme
  • Schlafstörungen
  • Gedächtnisprobleme (Kurzzeitgedächtnis)
  • Posttraumatisches Syndrom

Langfristige Symptome

  • Kognitive Beeinträchtigungen (Schwierigkeiten beim Lernen und Erinnern)
  • Dauerhafte Kopfschmerzen
  • Emotionale oder psychologische Veränderungen (erhöhte Reizbarkeit, depressive Verstimmungen)

Es ist wichtig zu beachten, dass die Symptome nicht immer sofort auftreten und sich erst im Laufe der Zeit entwickeln können.

Schweregrade von Schädel-Hirn-Traumata

Neben der Gehirnerschütterung (SHT 1. Grades) gibt es auch schwerere Formen des Schädel-Hirn-Traumas:

  • SHT 2. Grades (Gehirnprellung/Contusio cerebri): Längere Bewusstlosigkeit (länger als 15 Minuten), starke Verwirrtheit, anhaltende Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Sehstörungen, Gleichgewichtsstörungen, Beeinträchtigung der Konzentration und Gedächtnisleistung.
  • SHT 3. Grades (Gehirnquetschung/Compressio cerebri): Tiefe Bewusstlosigkeit oder Koma (Tage bis Wochen), erhebliche Hirnschwellung, Einschränkung der Sauerstoffversorgung des Gehirns. Langzeitschäden können Gedächtnisverlust, schwere kognitive Einschränkungen, Sprachstörungen, motorische Beeinträchtigungen und epileptische Anfälle umfassen.

Diagnose und Behandlung von Gehirnerschütterungen

Die Diagnose einer Gehirnerschütterung erfolgt zunächst anhand der Glasgow Coma Scale (GCS) zur Bestimmung des Schweregrades der Verletzung. Zudem ist es wichtig, die medizinische Vorgeschichte des Patienten zu erheben, um Risikofaktoren wie die Einnahme von Blutverdünnungsmedikamenten oder frühere Schädel-Hirn-Traumata zu berücksichtigen.

Die Behandlung von Gehirnerschütterungen zielt darauf ab, dem Körper Ruhe zu geben, damit sich das Gehirn erholen und reparieren kann. Dies umfasst:

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  • Körperliche und geistige Ruhe: Vermeidung von Sport und anstrengenden Aktivitäten.
  • Schmerzmittel: Zur Linderung von Kopfschmerzen.
  • Physiotherapie: Bei Bedarf zur Unterstützung der Rehabilitation.
  • Psychosoziale Betreuung und Antidepressiva: Bei Vorliegen eines posttraumatischen Syndroms.

Bei schwereren Schädel-Hirn-Traumata (SHT 2. und 3. Grades) ist eine intensivmedizinische Überwachung und Behandlung erforderlich, einschließlich künstlicher Beatmung, Kontrolle von Sauerstoffmangel und Blutdruckschwankungen sowie gegebenenfalls neurochirurgische Eingriffe zur Druckentlastung des Gehirns.

Langzeitfolgen und Risiken

Wer eine Gehirnerschütterung nicht ernst nimmt, sofort wieder Sport macht und erneut einen Schlag gegen den Kopf bekommt, riskiert langfristige Folgen wie Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten. Eine nicht vollständig ausgeheilte Gehirnerschütterung kann zu chronischen Beschwerden und einer erhöhten Anfälligkeit für weitere Verletzungen führen.

Studien haben gezeigt, dass Gehirnerschütterungen das Suizid- und Depressionsrisiko erhöhen können. Eine Studie des Sunnybrook Health Sciences Centre in Toronto analysierte Daten von über 235.000 Erwachsenen, die wegen einer Gehirnerschütterung behandelt worden waren, und fand heraus, dass diese Patienten in den zehn Jahren nach der Diagnose dreimal so häufig an einer Depression erkrankten und ihre Selbstmordrate sogar vier Mal höher war als bei der Durchschnittsbevölkerung.

Chronische Schädel-Hirn-Traumata können über Jahre hinweg zu Hirnleistungsstörungen führen. Ein Beispiel hierfür ist die sogenannte Boxer-Demenz, die bei Sportlern auftritt, die wiederholt solche Traumata erleiden.

Prävention von Kopfverletzungen im Fußball

Um Kopfverletzungen im Fußball vorzubeugen, sind verschiedene Maßnahmen wichtig:

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  • Aufwärmen: Jede Trainingseinheit sollte mit einem Aufwärmprogramm beginnen, um Zerrungen und Muskelfaserrisse zu vermeiden.
  • Richtiges Equipment: Die Verwendung einer guten Ausrüstung und gegebenenfalls Schutzkleidung kann das Verletzungs- und Unfallrisiko mindern.
  • Bewusste Ernährung: Eine bewusste Ernährung tut dem Körper generell Gutes.
  • Regelmäßige ärztliche Untersuchung: Wer längere Zeit keinen Sport gemacht hat, sollte sich vor Trainingsbeginn von einem Arzt durchchecken lassen. Dies gilt besonders bei Vorerkrankungen an Lunge, Herz oder Gelenken sowie für Personen über 35 Jahre.
  • Geduld und abwechslungsreiches Training: Zu Beginn des Trainings sollte der Körper durch kurze und regelmäßige Übungsintervalle an die Belastung gewöhnt werden. Einseitiges Training kann zu Überlastung und damit zu Verletzungen führen. Am besten kombiniert man Sportarten, mit denen Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit und Koordination trainiert werden.
  • Regeln und Fair Play: Einhaltung der Regeln und ein faires Spielverhalten können das Risiko von Zusammenstößen und Verletzungen reduzieren.

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