Einführung
Viele Menschen möchten ihre Gehirnleistung steigern, sei es, um im Berufsleben erfolgreicher zu sein, bessere Leistungen zu erbringen oder einfach nur einen wachen Geist im Alltag zu haben. Glücklicherweise gibt es viele Möglichkeiten, die Gehirnleistung zu verbessern und das Gehirn fit zu halten. In diesem Artikel werden verschiedene Methoden vorgestellt, die jeder in seinen Alltag integrieren kann, um die Gehirnleistung zu steigern.
Anzeichen für nachlassende Gedächtnisleistung
Wenn man sich nur schwer oder gar nicht an Ereignisse, Namen oder Orte erinnern kann, dann ist das ein Anzeichen, dass die Gedächtnisleistung nachlässt. Auch Wortfindungsstörungen gehören dazu. Oder Aufgaben im Alltag fallen schwer. Zum Beispiel, wenn man plötzlich Probleme hat, das richtige Programm für die Waschmaschine einzustellen.
Die Neuroplastizität des Gehirns
SWR4-Psychologin Felicitas Heyne sagt: "Es gibt keinen Zeitpunkt an dem es zu früh ist." Sie vergleicht das Gehirn mit einem Muskel, der trainiert werden will. Unser Gehirn ist bis ins hohe Alter in der Lage weitere Neuronen zu bilden, sich neu zu vernetzen. Man nennt es Neuroplastizität und das ist tatsächlich eine Eigenschaft, die unser Gehirn bis ins hohe Alter nicht verliert. Wichtig dabei ist, dass Training immer unterschiedlich zu gestalten. Man sollte nicht immer das Gleiche machen, sondern abwechseln.
Allgemeine Tipps zur Steigerung der Gehirnleistung
Generell rät Felicitas Heyne die gewohnte Alltagsroutine zu durchbrechen. Soll unser Gehirn fit bleiben, sind zusätzlich zum Training noch andere Faktoren wichtig - zum Beispiel der Schlaf. Während wir schlafen regeneriert sich unser Gehirn. Die Eindrücke und Erlebnisse das Tages werden sortiert und abgespeichert. Auch mit einer gesunden Ernährung können wir viel für unser Gehirn tun. Das Gehirn wird durch Sport besser durchblutet. Jeder kann seine eigene Gehirnleistung steigern und das sogar nur durch Kleinigkeiten, die du in deiner Routine verändern musst.
10 Tipps zur Steigerung der Gehirnleistung
Anhand der nun folgenden 10 Tipps kann jeder Schüler, Student und Berufstätige seine Gehirnleistung verbessern. Auch für den Alltag, der viel von jedem von uns abverlangt, ist ein wacher Geist von großem Vorteil. Auch hier lohnt es sich das Gehirn zu trainieren, um so nach und nach die Gehirnleistung steigern zu können.
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Tipp 1: Regelmäßiger Sport
Regelmäßiger Sport kann die mentale Performance verbessern. Wenn man sich wenig bewegt, ist es sehr wahrscheinlich, dass der Körper Muskelmasse abbaut, da er diese nicht benötigt. Auch das Gehirn kann dann betroffen sein. Wenn man sich kaum bewegt, wird meist die Herzfrequenz heruntergeschraubt. Durch den ruhigen Herzschlag kann es passieren, dass weniger Blut in das Gehirn transportiert wird. Um die Gehirnleistung verbessern zu wollen, kann also regelmäßige Bewegung helfen. Durch regelmäßigen Sport tust du also nicht nur etwas für deinen Körper, sondern auch für deinen Kopf und versorgst dein Gehirn mit frischem Sauerstoff. Nun verhilft uns Bewegung und Sport nicht nur zu einem fitteren, gesünderen Körper, Sport hält auch unser Gehirn fit. Vor allem regelmäßiger Ausdauersport tut den grauen Zellen gut. Diverse wissenschaftliche Studien zeigen: Laufen stärkt nicht nur das Herz-Kreislaufsystem und die Muskulatur, es trainiert nebenbei auch das Gehirn. Denn es verbessert das Erinnerungsvermögen sowie die Konzentration und steigert die Aufmerksamkeitsleistung. Durch regelmäßiges Radfahren, Laufen oder Schwimmen kannst du zudem binnen weniger Wochen dein visuell-räumliches Gedächtnis verbessern. Das Gehirn ist zwar kein Muskel, aber durch Bewegung wird der Stoffwechsel angeregt - auch im Kopf. Das fördert den Wachstum neuer Neuronen und kann die Alterungsprozesse des Gehirns verzögern.
Tipp 2: Ruhe und Konzentration
Um die geistige Leistung zu verbessern, muss das Umfeld stimmen. Generell sollten alle Störfaktoren, die für Ablenkung sorgen könnten, ausgeschaltet werden, um die Gehirnleistung zu verbessern. Das bedeutet, dass man sich besser konzentrieren kann, wenn kein Radio oder Fernseher im Raum läuft, in dem man arbeitet. Auch können ständig telefonierende Kollegen sehr störend für die eigene Konzentration sein. Hier sollte ein möglichst guter Kompromiss für beide Seiten gefunden werden.
Tipp 3: Ernährung für die Denkleistung
Mit dem Frühstück beginnt der Tag. Wer das Frühstück jedoch ausfallen lässt, weil er auf seine Figur achten will, der handelt falsch. Das Gehirn braucht Nahrung, um zu funktionieren. Generell sollte man sich ausgewogen und abwechslungsreich ernähren. Das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit am Tag und sollte aus möglichst vielen Vollkorn-haltigen Nahrungsmitteln bestehen. Diese liefern Spurenelemente und hochwertige Energie für das Gehirn, die dann die Gehirnleistung verbessern lassen. Achte bei deiner Ernährung darauf, dass dein Körper auch die Nährstoffe bekommt, die für deine mentale Performance wichtig sind.
Tipp 4: Ausreichend trinken
Der moderne Mensch neigt dazu, das Trinken zu vernachlässigen und genau das ist falsch! Es wird der tägliche Konsum von mindestens 2 Litern empfohlen, um die Gehirnleistung verbessern zu können. Hierbei sollte man zudem besonderen Wert auf hochwertige Flüssigkeiten legen. Saftschorlen, ungesüßte Tees und Wasser sind hier ideal. Eine Studie hat gezeigt, dass Dehydrierung einen negativen Einfluss auf die Konzentration hat. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt im Schnitt 1,5 Liter Trinkflüssigkeit am Tag. Dazu kommt noch Flüssigkeit aus fester Nahrung, womit wir etwa 2,6 Liter Flüssigkeitszufuhr pro Tag erreichen. Ideale Durstlöscher sind Wasser, ungesüßte Kräutertees und Fruchtschorlen (im Verhältnis 1:3: ein Teil Saft und drei Teile Wasser).
Tipp 5: Notizen machen
Viele vergessen wichtige Informationen sofort wieder, weil sie diese nur kurz aufgenommen haben. Am besten notiert man sich wichtige Informationen in Stichworten. So kann man hinterher nichts vergessen und nachvollziehen, um was es ging. Außerdem solltest du entscheiden, womit du dein Gehirn "belasten" willst. Häufig hilft es, unnötige Informationen in Form von Notizen auszulagern. So musst du dich nicht mehr damit beschäftigen und kannst deine Gehirnleistung verbessern.
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Tipp 6: Positive Einstellung bewahren
Wer sich gegenüber seinen gestellten Aufgaben mit einer positiven Haltung bewegt, wird garantiert besser mit der Bewältigung der Aufgaben zurecht kommen, als derjenige, der negativ an die Sache heran geht. Versuche dir realistische Ziele zu stecken und jeden Tag kleine Erfolge durch das Erreichen der Ziele zu feiern. So entwickelst du von Tag zu Tag eine positivere Einstellung zu deinen kognitiven Herausforderungen und es lässt sich ganz nebenbei die Gehirnleistung verbessern.
Tipp 7: Ausreichend Schlaf
Schlafen kann ebenfalls die Gehirnleistung verbessern. Nur wer sich ausreichend Erholung gönnt, kann auch volle Leistung bringen. Pro Nacht empfehlen Experten, dass man 7-8 Stunden schlafen soll - abhängig davon wie aktiv du am Tag bist. Nicht nur die Quantität zählt, auch die Schlafqualität spielt eine wichtige Rolle bei der Erholung. Schlafentzug kann nämlich die Reaktionen einzelner Nervenzellen verlangsamen, wodurch das Gehirn länger braucht, um etwas wahrzunehmen.
Tipp 8: Optisches schaffen
Wer sich Informationen als Bild vorstellt, kann sich selbst komplexere Informationen besser einprägen und merken. Zusammenhänge werden so meist noch klarer und das Abrufen der Informationen gelingt meist deutlich zügiger. Deiner Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Tapezier deine Wände mit Post-Its oder mal dir Diagramme auf. Jeder entscheidet selber, worin die richtige Lerntaktik besteht und es gibt kein richtig oder falsch.
Tipp 9: Kreativ werden
Wer sich in seiner Freizeit mit kreativen Dingen beschäftigt, findet im Alltag schneller die richtigen Gedanken. Es ist extrem wichtig, einer ausgleichenden Tätigkeit, neben dem Lernen bzw. Arbeiten, nachzugehen. Dazu eigenen sich am besten kreative Tätigkeiten wie Malen, Fotografieren oder Musik, aber auch Sport kann Abhilfe schaffen! Einfach einmal ausprobieren, denn wer so einen Ausgleich schafft, kann seine Gehirnleistung verbessern.
Tipp 10: Planen
Wer sich und seinen Alltag strukturiert und ordnet, wird garantiert bessere Leistungen im Bereich des Denkens erbringen können. Je besser du deinen Alltag organisierst, desto weniger musst du die Kapazität deines Gehirns mit unnöttigen Informationen strapazieren. Versuch deinen Alltag so routiniert wie möglich zu gestalten!
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Hirngerechtes Lernen
Hirngerechtes lernen - der Begriff stammt von Vera F. Birkenbihl - steht im Mittelpunkt eines gezielten Lerncoachings. Dabei geht es nicht nur um die richtige Ernährung, Schlaf, Bewegung und die Bedeutung von Wasser und Sauerstoff für unsere grauen Zellen, sondern um eine neue Art des Lernens, denn wenn wir wissen wie unser Gehirn funktioniert und arbeitet, können wir es auch sinnvoll nutzen. Das Gehirn besteht aus 100 Milliarden Nervenzellen, entscheidend für die Funktion unseres Denkapparates sind aber die Verbindungen zwischen den Nervenzellen. Beim Lernen wachsen und verändern sich diese neuronalen Verknüpfungen. „Synaptisches Lernen“ geschieht langsam, hier macht´s die Wiederholung, häufig aber kurz üben. Aber Achtung vor immer gleichen Inhalten, hier schaltet unser Gehirn gern auf Durchzug, es liebt die Abwechslung.
Die Rolle der Emotionen beim Lernen
Durch die Ergebnisse der Hirnforschung wissen wir inzwischen wie wichtig Gefühle für das Lernen sind. Viel mehr noch sie sind Motor oder Bremse für einen erfolgreichen Lernprozess. In der Amygdala, dem Mandelkern, wird alles, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen, geprüft. Scheint Gefahr im Vollzug, wird Alarm geschlagen, Kreativität und strukturiertes Nachdenken blockiert und Platz gemacht für evolutionsbedingte Körperreaktionen. Ein Verhaltensautomatismus der unseren Vorfahren das Überleben sicherte, heute in Prüfungssituationen aber kontraproduktiv ist. Gefühle tauchen einfach auf, sie beeinflussen unsere Lernvorgänge, werden aber auch durch diese beeinflusst. Nach Gerald Hüther sind wir dann im Lernen erfolgreich, wenn unsere Lernanstrengungen von positiven emotionalen und sozialen Erfahrungen begleitet sind. Hier ist Lachen besonders effektiv, es regt die Endorphinproduktion an und wirkt entspannend, baut Stress ab und kann sogar Schmerzen lindern. Lachen ist eine wahre Dopamindusche und dieser Botenstoff ist für das Lernen von entscheidender Bedeutung. Er sensibilisiert die Zellen für die Aufnahme neuer Informationen, sorgt für die feste Verankerung im Gedächtnis und den späteren Zugriff darauf. Dopamin ist ein echter Lernverstärker - also warum das trockene Vokabellernen nicht einmal mit einer gehörigen Portion Humor würzen?
Weitere Tipps zur Steigerung der Gehirnleistung
1. Wirkung der NMDA-Rezeptoren einschränken
Diese Moleküle im Gehirn gehören zu den Mechanismen neuronaler Plastizität und ermöglichen die Bildung von Gedächtnisinhalten etwa im Hippocampus und der Hirnrinde.
2. Ausreichend Schlaf
Ausschlafen macht das Gehirn lernbereit, und der Schlaf nach dem Lernen stärkt die Herausbildung von Gedächtnisinhalten und das Erinnerungsvermögen. Das ist deswegen so, weil die gleichen Neuronen, die zum Verarbeiten und Speichern der Lerninformation aktiviert werden, im Schlaf erneut aktiv sind. Das geschieht dann sogar schneller, bevorzugt bei denjenigen Neuronen, die die wichtigeren Informationen speichern. Der Schlaf erleichtert zum einen das Lernen und stärkt die Gedächtnisleistung. Zum anderen reorganisiert und strukturiert er geistige Inhalte und ermöglicht es somit, neu gelernte Information in bereits bestehende Wissensschemata einzugliedern.
3. Aerobic
Aerobic kommt den Leistungen des Gehirns in allen Altersstufen zugute. Sport verbessert das Gedächtnis und erhöht Flexibilität und Schnelligkeit bei der Informationsverarbeitung. Man hat festgestellt, dass 30 Minuten Fahrradfahren oder Laufen genügen, um Reaktionszeit und Informationsverarbeitung im Gehirn zu verbessern. Dies geschieht, weil die körperliche Betätigung den Wachstumsfaktor BDNF ausschüttet, ein Gehirnprotein, welches die Plastizität bzw. die Fähigkeit der Neuronen erhöht, die fürs Lernen notwendigen Verbindungen untereinander herzustellen, außerdem die Anzahl der täglich neu entstehenden Neuronen erhöht und deren Gefäßbildung und Blutzufuhr stärkt.
4. Emotionen und moderater Stress
In Situationen, bei denen Emotionen im Spiel sind, oder bei moderatem Stress kann die Aktivierung von Hirnstrukturen wie der Amygdala sowie die Freisetzung von Hormonen wie Adrenalin und Glucocorticoiden im Blut das Lernen und Erinnern erleichtern, indem sie direkt oder indirekt auf die Neuronalnetze des Gehirns einwirken. Diese Emotion bzw. moderaten Stress bei den Lernenden führt man herbei, indem man ihnen zunächst motivierende Informationen über den Lerngegenstand gibt.
5. Arbeitsgedächtnis trainieren
Das Arbeitsgedächtnis benutzen wir zum Nachdenken und Überlegen, für die Zukunftsplanung, und wenn wir Entscheidungen treffen. Dank seiner behalten wir etwa mögliche Züge einer Schachpartie oder verschiedene Optionen bei einer Entscheidungsfindung. Fächer wie Philosophie oder Mathematik fördern diese Art Gedächtnis, das eng mit der fließenden Intelligenz verbunden ist, d.h. mit der Fähigkeit, zu überlegen und neue Probleme unabhängig von Vorwissen zu lösen. Das Arbeitsgedächtnis hängt von Frontal- und Parietallappen des Gehirns ab; seine intensive Beanspruchung erhöht die Aktivität dieser Gehirnlappen und verbessert auch die neuronalen Verbindungen zwischen den beiden Hirnhälften. Es ist möglich, die Verbesserung bei der Fähigkeit zur Ausführung einer bestimmten Aufgabe des Arbeitsgedächtnisses auf eine andere weniger trainierte Aufgabe zu übertragen.
6. Lernautonomie fördern
Diese Vorgehensweise motiviert die Lernenden, fokussiert ihre Aufmerksamkeit und macht sie zu einer Art Sherlock Holmes, also zu einem Detektiv oder Forscher, der in jeglicher Informationsquelle die mögliche Antwort auf offene Fragen sucht. Außerdem zeigt man dem Lernenden so, wie er am besten arbeiten und Lernautonomie bekommen kann.
7. Erinnerung nutzen
Die Erinnerung dient zum einen der Überprüfung des Gelernten und außerdem brauchen wir sie zum Weiterlernen. Das Abfragen von kürzlich gelernten Informationen hilft dem Langzeitgedächtnis, da es die neuronalen Netze des Erinnerns in die darauf folgenden Lernmöglichkeiten einbezieht. Außerdem kann man dadurch die Aufmerksamkeit länger halten und vermeiden, beim Textelesen auf dem Computerbildschirm abgelenkt zu werden.
8. Mündliche Prüfungen
Vorträge oder mündliche Prüfungen ermöglichen nicht nur eine eingehende Überprüfung der erworbenen Kenntnisse, sondern regen vor allem zu einer Lerntechnik an, die mehr auf dem Verstehen des Stoffs beruht als auf simplem Auswendiglernen.
9. Mehrsprachigkeit
Menschen, die sich in der Kindheit mehrere Sprachen aneignen und sie im Laufe ihres Lebens sprechen, entwickeln eine höhere selektive Aufmerksamkeit sowie eine bessere Praxis, mentale Inhalte umzuwandeln. Dies macht es ihnen leichter, komplexen Lernstoff aufzunehmen, vor allem solchen, bei dem veränderte Regeln der Ausführung zur Anwendung kommen. Die Ergebnisse vieler Experimente zeigen, dass Zweisprachige schneller und effektiver als Einsprachige sind, wenn sie etwa Gegenstände nach ihrer Farbe einordnen und sie sie plötzlich nach ihrer Form klassifizieren sollen, auch wenn ihr Wortschatz in den einzelnen Sprachen geringer sein mag. Die größere Umsetzungsfähigkeit und geistige Flexibilität zweisprachiger Menschen zeigt sich im Leben häufig; sie wurde in allen Altersstufen beobachtet und bleibt im Alter länger erhalten als bei Einsprachigen. Um einen Automatismus wie den sprachlichen zu erzeugen und aus ihm Nutzen zu ziehen, muss man schon früh damit beginnen und ihn regelmäßig trainieren.
10. Lesen
Von allen intellektuellen Tätigkeiten, die die mentalen Fähigkeiten steigern, ist das Lesen die einfachste sowie mit Sicherheit die mit der besten Kosten-Nutzen-Bilanz. Lesen ist eine der besten Übungen, um das Gehirn in Form zu halten, weil das Lesen eine große Zahl mentaler Prozesse erfordert, wobei Wahrnehmen, Erinnern und Überlegen herausragen. Beim Lesen aktivieren wir vorzugsweise die linke Gehirnhälfte, die bei den meisten Menschen mehr analytische Fähigkeiten aufweist; aber viele Bereiche aus beiden Hirnhälften werden aktiviert und nehmen am Prozess teil. Buchstaben, Wörter, Sätze entschlüsseln und sie in geistige Klänge umzuwandeln erfordert die Aktivität großer Bereiche des Neocortex. Der Occipital- und der Temporallappen werden aktiv, wenn der semantische Wert der Wörter erkannt werden soll. Sobald wir geistig den Klang der gelesenen Wörter wachrufen, wird der Motorcortex aktiv. Die Erinnerungen, die die Interpretation des Gelesenen wachruft, aktivieren mit Macht den Hippocampus und den Gyrus temporalis medius, einen Teil des Temporallappens. Erzählungen und emotionaler Inhalt des Geschriebenen, fiktiv oder nicht fiktiv, aktivieren die Amygdala und weitere emotionale Zonen des Gehirns. Lesen stärkt auch soziale Fähigkeiten und Empathie, abgesehen davon, dass es das Stressniveau des Lesers senkt.
Weitere einfache Tricks zur Aktivierung neuer Gehirnzellen
Nicht nur deine Muskeln, auch dein Gehirn möchte regelmäßig trainiert werden. Mit drei einfachen Tricks kannst du deine Gehirnleistung nicht nur aufrecht erhalten, sondern sogar neue Gehirnzellen aktivieren.
1. Benutze deine nicht dominante Hand
Sofern du nicht mit beiden Händen gleich geschickt bist, kann diese Aufgabe sehr fordernd sein: Wenn du Rechtshänder bist, versuche einfach, deine linke Hand mehr zu gebrauchen - sei es beim Schreiben, Essen, Zähneputzen oder Greifen. Durch diese ungewohnten Bewegungen werden die dafür zuständigen Bereiche deiner Großhirnrinde gezwungen, inaktive Neuronen zu aktivieren.
2. Lerne eine neue Sprache
Selbst im hohen Alter ist das Erlernen einer neuen Sprache eine prima Möglichkeit, die Fähigkeit deiner Synapsen, sich zu verändern, zu trainieren. Besonders der Neuroplastizität deines linken Temporallappens komme der Lernprozess zugute - auch wenn du die Sprache am Ende nicht perfekt beherrschst. Unsere Fähigkeit zur Kommunikation basiert nämlich auf der Benutzung einer kleinen, abgegrenzten Region des Hirns. Je mehr Gehirnfläche du dafür benötigst, desto mehr Verbindungen im Gehirn werden aktiviert.
3. Schalte das Navi aus
Der Hauptgedächtnisbereich des Gehirns, der Hippocampus, kann auch als das GPS des Hirns bezeichnet werden. Tatsächlich helfen dir diese Neuronen - Gitterzellen genannt -, dich zu orientieren. Diese Gitterzellen sind Teil des neuronalen Gewebes. Bei Alzheimer kann dies verloren gehen und in schweren Fällen zu Orientierungslosigkeit führen. Wenn du dich also auf deinen inneren Kompass verlässt, anstatt dir sofort überall die Route vorgeben zu lassen, trainierst du effektiv deine räumliche Orientierung und hältst dein Gehirn fit.
Aufnahmevermögen steigern
Viele Menschen lassen sich beim Lernen oder bei der Arbeit leicht ablenken. Ein echter Killer für die Konzentration. Doch manchmal fühlt es sich an, als wäre Sand im Getriebe. Die Konzentration lässt nach, das Gehirn arbeitet scheinbar langsamer, und die Gedanken schweifen ab. Doch was verringert die Denkleistung? Hierfür gibt es mehrere Ursachen, zum Beispiel:
- Eine Informations-Überlast. Wer etwa am Computer arbeitet, während im Hintergrund der Fernseher läuft, und gleichzeitig Nachrichten am Handy beantwortet, überlastet das Filtersystem im Gehirn, das die Informationen bewertet und verarbeitet.
- Körperliche Stressfaktoren wie Entzündungen, Verletzungen der Blutgefäße oder Eiweißablagerungen im Gehirn.
- Krankheiten wie Depressionen.
- Schlafstörungen.
- Nebenwirkungen von Medikamenten.
- Alkoholgenuss.
Tipps zur Verbesserung der Konzentration
- Musik einschalten: Musik hat viele positive Effekte auf die Denkleistung. Sie aktiviert zur gleichen Zeit die rechte und die linke Gehirnhälfte. Das führt dazu, dass das Gehirn eine höhere Lernleistung hat und das Gedächtnis besser funktioniert. Ob Musik dadurch auch die Konzentrationsfähigkeit steigert, ist allerdings umstritten. Es wird aber empfohlen, beispielsweise vor einer Lernphase seine Lieblingsmusik zu hören. Das steigert die Laune, und ein positiver Gemütszustand hilft, sich besser auf die anstehende Aufgabe zu fokussieren.
- Das Gehirn füttern: Ernähren Sie sich ausgewogen, denn zahlreiche Vitamine und Nährstoffe verbessern die Hirnfunktion. Wichtigster Energielieferant des Gehirns ist Glukose (Einfachzucker). Sie ist in Haushaltszucker beziehungsweise Süßigkeiten schnell, jedoch nur kurzfristig, verfügbar. Deshalb bewirken Süßigkeiten oder reiner Traubenzucker ein schnelles „Hoch“, sie können aber nicht längerfristig die Konzentration steigern. Der Abfall des Blutzuckers führt sogar eher zu Müdigkeit und Konzentrationsproblemen. Eine bessere Alternative stellen Vollkorn-Produkte dar, in denen Glukose in Form von Stärke gebunden ist, die langsam im Körper abgebaut wird. Auch Omega-3-Fettsäuren können helfen. Sie sind unter anderem in Kaltwasserfischen wie Lachs, Makrele, Hering und in Ölen wie Leinöl, Rapsöl und Olivenöl enthalten sowie in Samen (Cashewkerne) und Nüssen (Walnüsse, Paranüsse). Sie können helfen, die Konzentration langfristig zu steigern.
- Sport und Bewegung: Sport kann die Hirnleistung fördern. Wer den Puls beim Ausdauertraining nach oben schnellen lässt, kann sich besser konzentrieren und auch besser an Gelerntes erinnern. Die Wirkung ist am effektivsten, wenn die Übungen direkt vor der Konzentrationsphase durchgeführt werden, beziehungsweise direkt danach, falls es darum geht, Informationen im Gedächtnis zu festigen. Neben Ausdauertraining können auch schon kleine aktive Pausen und kurze Spaziergänge an der frischen Luft die Konzentration verbessern.
- Bloß kein Multitasking: Auch wenn es verlockend erscheint, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen, so ist es doch ein Mythos, dass Multitasking effektiv ist. Wer sich konzentrieren will, sollte also am besten das Smartphone in einem anderen Raum lassen, den Fernseher ausschalten und sich nur mit einer, einzigen Aufgabe beschäftigen - dafür aber richtig.
- Gehirnhälften-Jogging: Setzen Sie sich aufrecht in den Schneidersitz. Die Arme sind zu beiden Seiten ausgestreckt, die Handflächen zeigen nach unten. Während Sie einatmen, klappen Sie die linke Handfläche nach unten, die rechte entgegengesetzt nach oben. Beim Ausatmen wechseln. Wiederholen Sie diese Übung zehnmal, um Ihre Konzentrationsfähigkeit zu steigern.
- Achtsamkeitsübungen: Achtsamkeitsübungen können dabei helfen, die Aufmerksamkeit auch für den Rest des Tages zu steigern, indem Sie Ihre Aufmerksamkeit gekonnt auf das Hier und Jetzt lenken. Setzen Sie sich dafür täglich für ein paar Minuten mit geschlossenen Augen bequem hin.
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