Das Gehirn und die finnische Sprache: Eine faszinierende Verbindung

Eine Fremdsprache zu erlernen, trainiert nicht nur unser Gehirn, sondern heißt auch, andere Welten zu verstehen. Besonders das Finnische, mit seiner Andersartigkeit, fordert uns einiges ab: neue Laute, ungewohnte Grammatik und eine völlig andere Denkweise.

Finnisch lernen als Gehirntraining

Finnisch zu lernen ist nicht nur eine kulturelle Bereicherung, sondern auch ein effektives Workout für dein Gehirn. Studien zeigen, dass das Erlernen komplexer Sprachen die Neuroplastizität fördert - also die Fähigkeit deines Gehirns, sich anzupassen und neue Verbindungen zu schaffen. Jede neue Vokabel und jede Regel, die man verinnerlicht, ist wie ein neues Puzzle-Teil, das das Gehirn anregt. Gerade durch seine Andersartigkeit verlangt Finnisch uns einiges ab: neue Laute, ungewohnte Grammatik und eine völlig andere Denkweise.

Das Erlernen einer Sprache wie Finnisch ist vergleichbar mit dem Erwerb interkultureller Kompetenzen und fördert die Offenheit für andere Kulturen.

Die finnische Sprache und ihre Herausforderungen

Finnisch ist keine einfache Sprache. Das merkt man immer wieder, wenn man versucht, einfache Sätze zu bilden oder einem Gespräch zu folgen. Finnisch gehört nicht zur selben Sprachfamilie wie Deutsch, Englisch oder Französisch. Während diese zur indogermanischen Sprachfamilie zählen, gehört Finnisch zu den finno-ugrischen Sprachen.

Die indogermanischen Sprachen, zu denen Deutsch und Englisch gehören, entwickelten sich aus einer Ursprache, die vor etwa 5.000 Jahren in der Region des heutigen Osteuropas gesprochen wurde. Diese Sprachfamilie breitete sich mit der Zeit aus und bildete verschiedene Zweige wie die germanischen, romanischen oder slawischen Sprachen. Finnisch hingegen hat seine Wurzeln in der finno-ugrischen Sprachfamilie, die aus den uralten Sprachen der Ural-Region entstand. Das Ergebnis: eine Sprache, die sich in ihrer Struktur, ihrem Klang und ihrer Grammatik fundamental von den indogermanischen Sprachen unterscheidet.

Lesen Sie auch: Faszination Nesseltiere: Wie sie ohne Gehirn leben

Finnisch fordert uns heraus, weil es mit vielen typischen Konventionen bricht, die wir aus westlichen Sprachen gewohnt sind. Es gibt keine Artikel, keine Präpositionen, und die Wortreihenfolge ist flexibel. Stattdessen regiert die Grammatik: Finnisch hat 15 Fälle, die alle ihre eigene Funktion und Endung mitbringen. Während wir im Deutschen Präpositionen wie „auf“, „unter“ oder „neben“ verwenden, gibt es im Finnischen keine. Stattdessen werden die Bedeutungen durch Endungen ausgedrückt - insgesamt gibt es 15 grammatische Fälle. Finnisch folgt einem Prinzip der Vokalharmonie. Das bedeutet, dass die Vokale eines Wortes harmonieren müssen. Es gibt „vordere“ (ä, ö, y) und „hintere“ (a, o, u) Vokale, die niemals gemeinsam in einem Wort vorkommen. Im Finnischen gibt es keine Artikel wie „der“, „die“ oder „das“. Auch das grammatische Geschlecht fehlt komplett - es gibt kein „he“ oder „she“, sondern nur „hän“. Finnisch liebt es, Wörter zu kombinieren. Dadurch entstehen oft unglaublich lange Begriffe, die wie Zungenbrecher wirken. Während Sprachen wie Englisch eine feste Satzstruktur haben (Subjekt, Prädikat, Objekt), ist die Satzstellung im Finnischen flexibel.

Die Struktur des finnischen Gehirns und Sprachbegabung

Das Genie wurde durch das Hirnforschungszentrum der Universität Düsseldorf bestätigt, das sein Gehirn sezierte und seine Sprachbegabung in einen engen Zusammenhang mit der Gehirnstruktur stellte.

Die Bedeutung von Sprachkursen

Unsere Sprachkurse vermitteln neben Sprachkenntnissen interkulturelle Kompetenzen und fördern die Offenheit für andere Kulturen. Unsere Dozent/-innen sind Sprecher/-innen mit muttersprachlicher Kompetenz, sie leben mit uns die den Volkshochschulen eigene Fortbildungskultur und sind mehrsprachig. Unsere Kurse bieten kommunikations- und handlungsorientierten Sprachunterricht für private und berufliche Kontexte. Nur im Rahmen des sozialen Sprachenlernens in der Gruppe ist interkulturelle Kommunikation erfahrbar.

Emil Krebs: Ein Sprachwunder

Arawakisch, Burjatisch, Gujarati, Tocharisch oder Vedisch: Emil Krebs hatte Kenntnisse in all diesen Sprachen. Und mehr: als Dolmetscher im Auswärtigen Amt war er befähigt, aus über 40 Fremdsprachen amtlich zu übersetzen. Bis zu seinem Tod beherrschte er 68 Sprachen, hat sich mit über 100 Sprachen befasst und eine umfangreiche Privatbibliothek mit etwa 5.700 Schriften und Büchern in fast 120 Sprachen hinterlassen. Er ist eines der größten Sprachwunder der Menschheitsgeschichte.

Ausstellung im Auswärtigen Amt Eine Ausstellung im Lichthof des Auswärtigen Amts würdigte dieses besondere Sprachtalent. Organisiert von Eckhard Hoffmann, Großneffe von Emil Krebs, und kuratiert vom Berliner Künstler Andreas Tschersich gewährt die Ausstellung Einblicke in Emil Krebs Leben und Schaffen. Eine besondere Rolle spielt dabei die Zeit, die er in China verbrachte. Ein virtueller Rundgang durch die Ausstellung steht Ihnen hier zur Verfügung Das Sprachangebot der Schule war ihm nicht genugBereits auf der Schule wählte der am 15.11.1867 in Freiburg/Schlesien (heute Swiebodzice) geborene Emil Krebs, der zudem noch in anderen Fächer gute Leistungen erbrachte, alle angebotenen Sprachen (Latein, Griechisch, Französisch und Hebräisch). Da selbst dies seinen Sprachhunger nicht befriedigen konnte, befasste er sich autodidaktisch noch mit Neu-Griechisch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Russisch, Polnisch, Arabisch und Türkisch und so waren ihm mit dem Schulabschluss im Jahr 1887 bereits zwölf Sprachen geläufig. In seiner Studienzeit widmete sich Emil Krebs zunächst der evangelischen Theologie (1887) und den Rechtswissenschaften (Staatsprüfung: 1891), konzentrierte sich jedoch dann auf das Studium östlicher Sprachen und Kulturen, und insbesondere auf das Chinesische. Dies war seit 1887 am Seminar für orientalische Sprachen und Kulturen (SOS) möglich, das aus Mitteln des Auswärtigen Amtes und des Reichskolonialamtes finanziert wurde, jedoch gleichzeitig der Universität angegliedert war und Kolonialbeamte, Handelsreisende u.a. auf ihren Einsatz im Osten vorbereiten sollte. Den politischen Anstoß zu seiner Gründung hatte Bismarck selbst gegeben, der sich beim Berliner Kongress ärgerte, dass ihm kein Dolmetscher für die türkische Sprache zur Verfügung stand.

Lesen Sie auch: Lesen Sie mehr über die neuesten Fortschritte in der Neurowissenschaft.

Emil Krebs im Dienst des Auswärtigen Amts in Peking

Nach einer Tätigkeit als Gerichtsreferendar trat er am 30. September 1893 in den Auswärtigen Dienst ein und wurde als Dolmetscher nach Peking entsandt. Aus der zunächst 10-jährigen Verpflichtung entwickelte sich ein Aufenthalt von fast einem Vierteljahrhundert. Seine Ernennung zum Ersten Dolmetscher erfolgte im Juli 1901, die zum Legationsrat im Jahr 1913. Seine tiefe Verwurzelung mit China mag auch dadurch zum Ausdruck kommen, dass er seine deutsche Frau Amande Heyne am 5.2.1913 nicht in Deutschland, sondern in Shanghai heiratete. Emil Krebs verzichtete auf eine Ernennung zum Konsul und wollte sich dem Konsulatsexamen nicht unterziehen, vermutlich, weil seine eigentliche Berufung - trotz Jurastudiums - die Sprachstudien waren. Er studierte chinesische Schriften zu allen Lebensbereichen - sogar die chinesische Blindenschrift. Auch stellte er Sprachvergleiche zwischen dem Chinesischen, Mongolischen, Mandschurischen, Tibetischen und Arabischen an.

Über die Sprache das Wesen der Völker kennenlernen

Dabei wollte er nicht nur die Schriftsprache fremder Völker, sondern auch ihr Wesen aus der geschichtlichen Vergangenheit heraus erkennen. Seine in einem Manuskript 1920 formulierte Haltung zu China mutet antikolonialistisch an und zeugt von Einfühlungsvermögen in andere Kulturen: Die nunmehr etwa achtzigjährige Geschichte der näheren Beziehungen Chinas zu den europäischen Staaten stellt eine ununterbrochene Kette von Vergewaltigungen der territorialen und souveränen Rechte Chinas auf politischem, wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet dar… In China wurde er nicht nur von Botschafter Otto von Hentig als überragende Fachkraft geschätzt, sondern auch von chinesischen Autoritäten in sprachlichen Fragen (Chinesisch, Mongolisch, Mandschurisch und Tibetisch) zu Rate gezogen. In den gebildeten Kreisen Pekings war er ein beliebter Gast und auch die chinesische Kaiserinwitwe empfing ihn gerne als Gesprächspartner.

Emil Krebs im Chiffrier- und Sprachendienst des Auswärtigen Amts in Berlin

Mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen am 25. März 1917 musste Krebs aus Peking abreisen. Zurück in Berlin, schloss er sich soweit wie möglich von der Umwelt ab und gab sich noch eifriger seinen Sprachstudien hin. Dabei nahm bis zu seinem Tode nicht nur zahlreiche europäische, sondern auch noch viele andere Sprachen auf: Ägyptisch, Albanisch, Arabisch, Armenisch, Baskisch, Birmanisch, Georgisch, Hebräisch, Japanisch, Javanisch, Koreanisch, Kroatisch, Lateinisch, Norwegisch, Persisch, Russisch, Syrisch, Türkisch, Urdu sowie auch die Keilschriftsprachen Sumerisch, Assyrisch und Babylonisch. Der vielseitige und arbeitsame Krebs wurde nach seiner Rückkehr 1921 dem Chiffrierdienst des Auswärtigen Amtes zugeteilt und 1923 zusätzlich im Sprachendienst beschäftigt. Außerdem war er als Gerichtsdolmetscher tätig. Versuche, ihm eine Anstellung am Seminar für orientalische Sprachen zu vermitteln, blieben dagegen erfolglos. Der damalige Leiter des Sprachendienstes Gautier kommentierte seine Arbeit bewundernd mit den Worten: Krebs ersetzt uns 30 Außendienstmitarbeiter.

Emil Krebs' Lernmethoden

Die Schriften von Krebs belegen, dass er zum Erwerb weiterer Sprachen oft nicht die eigene Muttersprache nutzte, sondern andere Sprachen als „Mittlersprache“ einsetzte: Afghanisch, Birmanisch, Gujarati, Hindi, Irisch, Singhalesisch, Portugiesisch studierte er über Englisch; über das Russische lernte er die Sprachen Burjätisch, Finnisch, Tatarisch, Ukrainisch; das schwierige Baskisch eignete er sich ausschließlich über Spanisch an. Dabei befasste er sich gleichzeitig mit den Dialekten Guipuzkoa, Bizkaya, Laburdi und Zubero sowie auch dem Altenglischen, dem Pekinger und Shanghaier Dialekt, umgangssprachlichen Varianten des Chinesischen, mit Kalmückisch, Ordoss, Sardisch, Toskanisch u.a. Wie sein Bedürfnis, neue Sprachen zu lernen, im Alltag sichtbar werden konnte, sei durch folgende Anekdote wiedergeben:Dann hielt es ihn nicht mehr. Er stand auf und ging auf einen hinter uns stehenden Tisch zu. Linkisch führte er sich bei zwei dunkelhaarigen Herrn vom Mittelmeertyp ein und verließ sie bald ganz erlöst. Fremde, ihm selbst fremde Sprachlaute waren an sein Ohr geschlagen. Er konnte sie weder im Osten noch Westen Asiens unterbringen. Es war Armenisch gewesen. Noch am gleichen Tag bestellte er telegraphisch in der Leipziger Universitätsbibliothek eine armenische Grammatik, altarmenische Kirchenliteratur und moderne armenische Romane. Für die armenische Grammatik brauchte er zwei, für das Altarmenische drei und für die gesprochene Sprache vier Wochen.

Emil Krebs' Persönlichkeit

Seine Bibliophilie und sein Hang zur Eigenbrötlerei seien durch folgende Erinnerung wiedergegeben:So kenne ich meinen Schwager. In seinem Zimmer in der Lindenallee, Bücher, Bücher bis an die Decke. Das Universum, in Sprachen geballt, auf engem Raum. Da leuchten die Reihen gelbseidener Bände auf, Geschenke der Kaiserin von China, dazwischen viel in blauer Seide. Seltsame Zeichen auf Pergamenten, auf Holz, auf Palmblättern. Als Möbel ein Stehpult, eine Trittleiter, kein Stuhl. Allzu ausgiebige Besucher wurden durch langes Stehen zum baldigen Rückzug gezwungen. Und dazwischen er, in dunkelrotem Kimono, ein Buch vor den Augen, unablässig murmelnd. Immer freundlich, wenn man ihn störte, aber zerstreut. Und einmal wehrte meine Schwester die Besucher mit dem Satz ab: „Mein Krebschen lernt gerade burjätisch“

Lesen Sie auch: Tinnitus und Gehirnaktivität: Ein detaillierter Einblick

Emil Krebs' Tod

Jedem Genie gebührt ein würdiger Tod, und so waren die Umstände seines Todes am 31. März 1930 wie sein ganzes Leben: Er verstarb auf seiner Dienststelle im Sprachendienst des Auswärtigen Amts während einer Übersetzung an einem Gehirnschlag und wurde später auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf begraben.

Finnisch im Alltag

Finnland ist mein zweites Zuhause geworden und ich fühle mich mittendrin - und manchmal trotzdem außen vor, zumindest sprachlich. Seit 2018 versuche ich, Finnisch zu lernen. Versuche ist hier das Schlüsselwort, denn mal lief es richtig gut, dann wieder kaum bis gar nicht. Mein Duolingo-Widget ist sogar schon gestorben -nach einem Jahr ohne die App zu öffnen war er eben zu traurig… Verstehen klappt mittlerweile ganz okay: Wörter aufschlüsseln, Zusammenhänge erkennen - da bin ich dabei. Sprechen? Nun ja, reden wir lieber nicht darüber. Aber warum ist Finnisch eigentlich so schwer?

tags: #das #gehirn #finnisch