Das wirksamste Mittel gegen Migräne

Kopfschmerzen und Migräne können den Alltag stark beeinträchtigen - sei es durch Schmerzen, Einschränkungen oder die Sorge vor der nächsten Attacke. Gut informiert zu sein, kann helfen, Kopfschmerzen und Migräne besser zu verstehen und damit umzugehen. Die Migräne ist die häufigste Kopfschmerzform, die zum Arztbesuch führt. Ihre Behandlung ist für die Lebensqualität der Betroffenen von großer Bedeutung. Es gibt eine Vielzahl an Medikamenten zur Behandlung von Migräneattacken und Vorbeugung der Migräne.

Ursachen und Symptome von Migräne

Migräne ist mehr als ein unangenehmer Kopfschmerz. Oft gehen der Migräne vorankündigende Symptome wie z.B. Sehstörungen voraus. Die anfallsweise folgenden Kopfschmerzen werden oft durch Symptome wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Licht- oder Lärmempfindlichkeit begleitet. Klar ist aber mittlerweile, dass es sich bei der Migräne um eine Erkrankung des Gehirns handelt, für die es höchstwahrscheinlich eine genetische Veranlagung gibt. „Dies bedeutet, dass das Gehirn des betroffenen Migränepatienten auf bestimmte Auslösefaktoren oder Überlastungen mit einer Migräneattacke reagieren kann“, schreibt die DMKG in einem Blogbeitrag. Kommt es dann zu einem Anfall, läuft dieser meist so ab: Durch verschiedene Auslöser kommt es zu einer Aktivierung schmerzverarbeitender Zentren und zur Ausschüttung von schmerzvermittelnden Botenstoffen. Die Auslöser eines solchen Anfalls sind vielfältig und ebenfalls noch nicht vollständig erforscht. Beispielsweise können Stress, falsche Ernährung, Alkohol, Hormone, bestimmte allergene Stoffe und viele weitere Faktoren Migräneattacken auslösen - das hängt aber ganz individuell von der betroffenen Person ab.

Medikamentöse Behandlung von Migräne

Es gibt drei Arten von Migräne-Medikamenten: Einige können einer Migräne-Attacke vorbeugen, mit anderen kann man akute Kopfschmerzen bei Migräne behandeln, und ein Wirkstoff eignet sich für beide Zwecke. Migräne-Medikamente sind teils rezeptfrei, teils rezeptpflichtig. Zudem sind verschiedene Darreichungsformen verfügbar. Medikamente können keine Migräne heilen - ebenso wenig wie nicht-medikamentöse Maßnahmen. Beides kann aber wesentlich dazu beitragen, dass man seltener und weniger schwere Migräne-Beschwerden hat.

Medikamente zur Akutbehandlung

Migräne-Medikamente zur Behandlung akuter Migräne-Attacken helfen nur, wenn Sie bereits Kopfschmerzen haben. Sie helfen also nicht vorbeugend.

Folgende Wirkstoffe gegen Migräne-Kopfschmerzen sind zum Beispiel als Tabletten rezeptfrei in der Apotheke erhältlich (Ausnahmen gibt es für bestimmte Dosierungen beziehungsweise Darreichungsformen):

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  • Acetylsalicylsäure
  • Almotriptan
  • Dexketoprofen
  • Diclofenac
  • Ibuprofen
  • Ketoprofen
  • Naproxen
  • Naratriptan
  • Paracetamol
  • Phenazon
  • Sumatriptan

Wirksam bei akuten Anfällen von Migräne sind auch Tabletten mit Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Koffein kombiniert.

Verschreibungspflichtig (rezeptpflichtig) sind folgende Wirkstoffe zur Behandlung akuter Migräne-Kopfschmerzen:

  • Dexibuprofen
  • Eletriptan
  • Ergotamin
  • Frovatriptan
  • Lasmiditan
  • Metamizol
  • Propyphenazon
  • Rizatriptan
  • Zolmitriptan

Medikamente zur Vorbeugung

Diese Medikamente helfen nicht bei akuten Migräne-Kopfschmerzen, sondern wirken nur vorbeugend. Dafür muss man sie aber regelmäßig anwenden. In Betracht kommen sie bei häufiger oder starker Migräne (etwa in Form von Tabletten oder Spritzen). Welches prophylaktische Mittel gegen Migräne im Einzelfall am besten geeignet ist, hängt vor allem davon ab, wie häufig jemand Migräne-Attacken hat und welche Begleiterkrankungen gegebenenfalls vorliegen.

In der Regel sind Medikamente zur Vorbeugung (Prophylaxe) von Migräne rezeptpflichtig. Dazu zählen Präparate mit Wirkstoffen wie:

  • Amitriptylin
  • Atogepant
  • Bisoprolol
  • Botulinumtoxin A (Onabotulinumtoxin A)
  • Eptinezumab
  • Erenumab
  • Flunarizin
  • Fremanezumab
  • Galcanezumab
  • Metoprolol
  • Propranolol
  • Topiramat
  • Valproinsäure

Daneben gibt es rezeptfreie pflanzliche Tabletten (auf Basis von Mutterkraut), die aufgrund langjähriger Erfahrung zur Vorbeugung von migräneartigen Kopfschmerzen angewendet werden können. Die Wirkstoffe Eptinezumab, Erenumab, Fremanezumab und Galcanezumab sind als „Migräne-Spritze“ verfügbar.

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Medikamente mit akuter und vorbeugender Wirkung

Rimegepant ist bislang der einzige zugelassene Wirkstoff, der sowohl gegen akute Migräne-Kopfschmerzen hilft als auch neuen Attacken vorbeugt.

Abgabevorschriften

In Deutschland sind herkömmliche Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Ibuprofen und Diclofenac rezeptfrei erhältlich. Dabei gelten teils Ausnahmen für höhere Dosierungen beziehungsweise bestimmte Darreichungsformen. Bei Migräne-Medikamenten mit Triptanen ist es ebenfalls unterschiedlich: Sumatriptan, Almotriptan oder Naratriptan sind teils rezeptfrei, teils rezeptpflichtig. Alle anderen Triptane sind immer rezeptpflichtig. Migräne-Medikamente zur Vorbeugung akuter Attacken sind - mit Ausnahme von Mutterkraut-Tabletten (traditionelles pflanzliches Arzneimittel) - verschreibungspflichtig. Ebenfalls nur auf Rezept gibt es den Wirkstoff Rimegepant, der sich sowohl zur Vorbeugung als auch Akutbehandlung von Migräne-Attacken eignet.

Darreichungsformen

Medikamente gegen Migräne gibt es in unterschiedlichen Darreichungsformen. Dazu zählen:

  • Tabletten
  • Kapseln
  • Lösungen
  • Pulver
  • Säfte
  • Zäpfchen
  • Spritzen
  • Nasensprays
  • Infusionen

Welche Tabletten bei Ihrer Migräne helfen oder ob eine andere Darreichungsform für Sie besser geeignet ist, wählt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt anhand der Schmerzart und Schmerzdauer sowie nach Ihren persönlichen Vorlieben aus.

Wirkungsweise

Viele Medikamente bei Migräne wirken, indem sie die Effekte von körpereigenen Botenstoffen unterdrücken. Klassische Schmerzmittel blockieren dafür ein Enzym namens Cyclooxygenase. Spezifische Migräne-Mittel hemmen Bindungsstellen im zentralen Nervensystem oder Eiweiße, die mit Migräne in Verbindung stehen.

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Anwendungsgebiete

Medikamente gegen Migräne verwendet man, um akute Migräne-Kopfschmerzen zu lindern und/oder um neuen Attacken vorzubeugen.

Einnahme und Anwendung

Weil es so viele unterschiedliche Medikamente gegen Migräne gibt, gibt es keine allgemeingültige Einnahmeempfehlung. Die folgenden generellen Hinweise treffen aber häufig zu:

  • Herkömmliche Schmerzmittel wie Ibuprofen können Sie bis zu dreimal täglich einnehmen. Davon ausgenommen ist Naproxen, das im Körper besonders lange wirkt. Hier ist eine zweimal tägliche Gabe ausreichend.
  • Wenden Sie spezifische Medikamente wie Triptane und Ergotamine höchstens zweimal pro Tag an. Zwischen der ersten und zweiten Gabe müssen mindestens zwei Stunden liegen (manchmal auch vier). Hat Ihnen die erste Dosis nicht geholfen, verzichten Sie auf die zweite.
  • Wer unter Migräne mit Aura leidet, sollte Triptane (z.B. Sumatriptan) erst dann einnehmen, wenn die Kopfschmerz-Phase beginnt. Triptane wirken nämlich nicht vorbeugend. Zudem folgt nicht auf jede Aura-Phase auch eine Kopfschmerz-Phase.
  • Orale Medikamente zur Vorbeugung von Migräne (wie Tabletten) werden normalerweise einmal täglich eingenommen. Vorbeugende Migräne-Medikamente zum Spritzen („Migräne-Spritze“) werden - je nach Präparat - entweder einmal monatlich oder sogar nur alle drei Monate unter die Haut injiziert oder als Infusion verabreicht.

Von den hier genannten generellen Hinweisen zur Einnahme und Anwendung von Migräne-Mitteln gibt es viele Ausnahmen. Informieren Sie sich immer in der Packungsbeilage, bevor Sie ein Medikament verwenden. Bei Fragen wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.

Nebenwirkungen

Wenn Sie bei Migräne herkömmliche Schmerzmittel (wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen) nehmen, müssen Sie am ehesten mit Magen-Darm-Problemen wie Bauchschmerzen, Sodbrennen und Übelkeit rechnen. Bei Triptanen berichten Betroffene oft von Schwindel, Müdigkeit sowie spürbarem und beschleunigtem Herzschlag. Patienten und Patientinnen mit Herz-Kreislauf-Problemen sollten vor der Einnahme von Triptanen immer ärztliche Rücksprache halten. Migräne-Spritzen sind in der Regel sehr gut verträglich. Zudem können sie bei übermäßigem Gebrauch selbst Kopfschmerzen verursachen. Mediziner sprechen dann von einem sogenannten Medikamenten-induzierten Kopfschmerz. Um diesen zu vermeiden, wurde die 10-20-Regel entwickelt: Nehmen Sie Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen-Tabletten) gegen Migräne oder andere Schmerzen an maximal zehn Tagen pro Monat ein. An den übrigen 20 Tagen sollten Sie eine Einnahme vermeiden. Wichtige Informationen zu den möglichen Nebenwirkungen Ihres Migräne-Medikaments finden Sie in der Packungsbeilage. Wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke, wenn Sie Nebenwirkungen vermuten.

Gegenanzeigen

Migräne-Medikamente darf man im Allgemeinen nicht anwenden, wenn man überempfindlich oder allergisch auf den enthaltenen Wirkstoff oder einen anderen Bestandteil des Medikaments reagiert. Fast alle herkömmlichen Schmerzmittel eignen sich nicht bei akuten Magen-Darm-Blutungen oder eingeschränkter Herz-, Leber- und Nierenfunktion. Weil viele Migräne-Medikamente gefäßverengend wirken, dürfen sie nicht bei Bluthochdruck, koronarer Herzkrankheit (KHK), ischämischen Herzerkrankungen (z.B. Herzinfarkt, Angina pectoris), Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen eingenommen werden. Gab es in der Vorgeschichte Erkrankungen der Hirngefäße (z.B. Schlaganfall) oder liegen periphere Gefäßerkrankungen (wie Raucherbein = pAVK) vor, dürfen manche Migräne-Mittel ebenfalls nicht zum Einsatz kommen. Mehr Informationen zu möglichen Gegenanzeigen finden Sie in der Packungsbeilage Ihres Migräne-Medikaments.

Wechselwirkungen

Wenn Sie wegen anderer Erkrankungen noch weitere Arzneimittel einnehmen, sind Wechselwirkungen mit Ihrem Migräne-Medikament möglich. Die Präparate können sich gegenseitig in ihrer Wirkung und/oder ihren Nebenwirkungen beeinflussen. Besonders oft kommt es zu Wechselwirkungen bei herkömmlichen Schmerzmitteln oder bei vorbeugenden Migräne-Medikamenten, die als Tabletten eingenommen werden. Informieren Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin über alle Medikamente, die Sie einnehmen. So lassen sich mögliche Wechselwirkungen im Vorfeld besser abschätzen.

Migräne-Medikamente bei Kindern

Viele Medikamente, die Erwachsene gegen Migräne anwenden, sind nicht für Kinder geeignet. Lassen Sie Schmerzen bei Ihrem Kind immer kinderärztlich abklären. Migräne bei Kindern äußert sich oft anders als bei Erwachsenen. Der Kinderarzt oder die Kinderärztin kann Ihnen sagen, welche Medikamenten Sie Ihrem Kind bei Migräne-Schmerzen geben können.

Migräne-Medikamente in der Schwangerschaft und Stillzeit

Informieren Sie sich vor der Anwendung von Migräne-Medikamenten bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie schwanger sind oder stillen. Die Experten des Pharmakovigilanz- und Beratungszentrums für Embryonaltoxikologie der Charité Berlin raten, akute Attacken von Migräne in der Schwangerschaft bis zur 28. Woche vorzugsweise mit Paracetamol oder Ibuprofen zu behandeln. Im späteren Schwangerschaftsverlauf ist Paracetamol das Mittel der Wahl. Bei besonders schweren Attacken können Ärzte und Ärztinnen das gut untersuchte Sumatriptan verordnen. In den seltenen Fällen, wenn eine Migräne-Prophylaxe mit Medikamenten notwendig ist, sind Metoprolol und Amitriptylin zu bevorzugen. Topiramat darf seit Herbst 2023 nicht mehr zur Migräne-Vorbeugung bei Schwangeren eingesetzt werden (außer es steht keine andere geeignete Behandlung zur Verfügung). Der Grund ist, dass Migräne-Medikamente mit diesem Wirkstoff schwere Fehlbildungen beim Kind verursachen können.

Triptane: Eine wichtige Säule in der Migränebehandlung

Triptane sind eine Gruppe von Substanzen, die im Gefäßsystem und im Gehirn an bestimmten Stellen angreifen. Ihre Wirkung besteht darin, dass sie über verschiedene Mechanismen Migräne-Kopfschmerzen bekämpfen. „Triptane sind Standardmedikamente und eine wichtige Säule im Behandlungskonzept von mittelschwerer und schwerer Migräne“, sagt Professorin Gudrun Goßrau, Leiterin der Kopfschmerzambulanz am Uniklinikum Dresden und Generalsekretärin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Auch bei Cluster-Kopfschmerzen kommen Triptane zum Einsatz.

Wirkungsweise von Triptanen

Triptane setzen sich auf bestimmte Moleküle - sogenannte 5-HT1-Rezeptoren - auf der Oberfläche von menschlichen Zellen, insbesondere von Zellen, die im Gehirn vorkommen. Dort lösen sie eine Kaskade an Reaktionen aus, die vor allem zwei Folgen hat: Erstens hemmen sie Entzündungsvorgänge im Bereich von bestimmten Arterien (Dura-Arterien), die das Gehirn versorgen. Zweitens sorgen sie dafür, dass sich die Gefäße im Gehirn etwas zusammenziehen. Zwar sind die genauen Ursachen, die eine Migräne auslösen, noch nicht vollständig erforscht. Aber Forscherinnen und Forscher gehen davon aus, dass unter anderem diese Vorgänge - Entzündungen in der Gefäßumgebung und geweitete Gefäße - zu Migräne führen. Fest steht: Triptane wirken sehr gut gegen Kopfschmerzen.

Welche Triptane gibt es?

Es gibt sieben verschiedene Triptane, die alle ähnlich wirken, sich aber in Details unterscheiden. So tritt beispielsweise bei manchen Triptanen die Wirkung schnell ein, hält aber nicht so lange an. Bei anderen Triptanen tritt die Wirkung etwas später ein, hält aber lange an. Die allermeisten Triptane können als Tabletten eingenommen werden, es gibt aber auch einzelne, die als Spritze oder als Nasenspray verabreicht werden können. „Die Behandlung sollte individuell erfolgen.

Vergleich von Triptanen mit anderen Schmerzmitteln

Triptane haben in zahlreichen Studien gezeigt, dass sie besonders wirksam sind gegen mittelschwere und schwere Migräne. Gerade im Vergleich zu anderen Schmerzmedikamenten wirken sie besser.

Nebenwirkungen von Triptanen

Weil Triptane dafür sorgen, dass sich die Gefäße - insbesondere im Gehirn - etwas zusammenziehen, kommt es nach der Einnahme der Medikamente häufig zu einem vorübergehenden Blutdruckanstieg. Wegen dieser Nebenwirkung dürfen Triptane bei manchen vorliegenden Leiden - insbesondere bei Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems - nicht eingenommen werden. Auch andere, Nebenwirkungen wie Kribbelgefühle, Kältegefühle in den Extremitäten, Schwindel und Müdigkeit können vorkommen. Bei Triptanen kommt es etwas häufiger zu diesen Nebenwirkungen als bei anderen Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder ASS.

Wer sollte keine Triptane nehmen?

Wenn bestimmte Medikamente eingenommen werden oder Erkrankungen vorliegen, dürfen Triptane nicht eingenommen werden. Man spricht dann von Kontraindikationen. Zu diesen Kontraindikationen gehören unter anderem: Ein Herzinfarkt oder Schlaganfall in der Vergangenheit, eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), eine schwere Leberfunktionsstörung, mittelschwerer bis schwerer Bluthochdruck.

Wann wirken Triptane nicht?

Es gibt immer auch eine gewisse Zahl an Menschen, bei denen Triptane nicht wirken. Sie werden Non-Responder genannt. Die genauen Gründe, warum Triptane bei ihnen nicht wirken, kennt man nicht. Doch der Anteil der Non-Responder unter den Migräne-Patientinnen und -patienten ist eher gering. Für Non-Responder und Menschen, die wegen einer Kontraindikation keine Triptane nehmen dürfen, gibt es neuartige Migräne-Medikamente.

Rezeptfreie Triptane

Zurzeit sind in Deutschland drei verschiedene Triptane ohne Rezeptpflicht zugelassen. Sie können von Menschen zwischen 18 und 65 Jahren, bei denen zuvor eine Migräne diagnostiziert wurde, ohne Rezept gekauft werden. Man spricht dann auch von OTC-Medikamenten - OTC steht für „over the counter“ (auf Deutsch: über den Ladentisch).

NSAR: Nicht-steroidale Antirheumatika

NSAR wirken, indem sie die Bildung von sogenannten Prostaglandinen hemmen. Diese Gewebshormone beeinflussen viele Vorgänge im Körper und sind u.a. für die Entstehung von Entzündungsprozessen und Schmerzen zuständig.

Paracetamol

Es gehört nicht zu den NSAR, weil es nicht oder kaum entzündungshemmend ist. Wie das Mittel exakt wirkt, ist bisher nicht eindeutig erforscht. Experten gehen aber davon aus, dass es wie NSAR die Bildung von Prostaglandinen im Gehirn hemmt. Die schmerzlindernde Wirkung ist weniger stark als bei NSAR, dafür ist es fiebersenkend.

Antiemetika

Bei vielen Patienten ist der Migräne-Anfall mit Übelkeit und Erbrechen verbunden. Hier können spezielle Medikamente (Antiemetika) helfen. Sie sollten sie vor dem Schmerzmittel einnehmen. Antiemetika wie Metoclopramid und Domperidon regen die Bewegungen der Magenmuskulatur an.

Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MÜK)

Alle Schmerzmittel, vor allem Medikamente gegen Migräne, können bei zu häufiger Einnahme schädlich sein. Sie können zu einem Dauerkopfschmerz führen, einem sogenannten Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MÜK). Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie an mehr als zehn Tagen im Monat Schmerztabletten benötigen. Generell sollten Sie Schmerzmittel, aber auch Triptane nicht häufiger als zehnmal pro Monat einnehmen, maximal an drei Tagen hintereinander.

Migräneprophylaxe

Werden Kopfschmerzen und Migräne von der Ausnahme zu nahezu ständigen Begleitern, so kann eine Behandlung mit Akutschmerzmitteln keine (alleinige) Lösung sein: Hier gewinnt die Migräne-Prophylaxe (Vorbeugung) an Bedeutung. Ziel der Prophylaxe bei Chronischer Migräne ist, dass die Schmerzattacken deutlich weniger werden und/oder die Schmerzstärke spürbar geringer wird. Eine medikamentöse Prophylaxe sollte gemäß Leitlinien erwogen werden, wenn mindestens einer der folgenden Punkte zutrifft:

  • 3 oder mehr Migräneattacken im Monat
  • Anzahl der Migräneattacken nimmt zu
  • Migräneattacken dauern länger als 72 Stunden
  • Schmerz- oder Migränemittel wirken nicht ausreichend
  • Einnahme von Schmerz- oder Migränemittel an > 10 Tagen im Monat
  • Lebensqualität durch Migräne stark eingeschränkt

Bestimmte Arzneimittel können die Anzahl und die Schwere von Migräneattacken langfristig verringern. Es gibt unterschiedliche Darreichungsformen der Medikamente, zum Beispiel als Tablette, Fertigspritze oder Fertigpen. Sie alle haben gemeinsam, dass sie regelmäßig eingenommen oder verabreicht werden müssen. Es gibt jedoch Unterschiede, inwiefern Patientinnen und Patienten die Einnahme oder Verabreichung selbst durchführen können oder hierfür auf medizinisches Personal angewiesen sind. Einige der Substanzen sollten nicht von Frauen in der Schwangerschaft oder mit Kinderwunsch verwendet werden.

Antiepileptika / Antikonvulsiva

Antiepileptika sind krampflösende Wirkstoffe und finden eigentlich Anwendung in der Therapie von Epilepsie, werden aber auch in der Migränebehandlung eingesetzt. Mögliche Nebenwirkungen von Antiepileptika als Prophylaktika bei Migräne sind z.B. Müdigkeit, Hautausschläge oder Missempfindungen wie Kribbeln der Haut und Schwindel.

Blutdrucksenker

Bestimmte Blutdrucksenker werden zur Vorbeugung von Migräneattacken angewendet. Sie beruhigen das Nervensystem, verlangsamen den Herzschlag und senken den Blutdruck. Es können sowohl Betablocker als auch ACE-Hemmer oder Sartane zum Einsatz kommen. Zu den Nebenwirkungen von Betablockern gehören z.B. Müdigkeit, Schwindel, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und Magen-Darm-Beschwerden.

Calciumantagonisten

Der Kalziumkanal-Blocker Flunarizin wird vorwiegend zur Behandlung von Schwindel eingesetzt, diese zeigt auch Effekte in der Migräneprophylaxe. Die Wirkweise ist noch nicht gänzlich geklärt. Sie basiert vermutlich auf der Blockade des Calciumstroms in die Muskelzellen, welcher fürs Zusammenziehen und Anspannen von Muskeln sorgt. Allerdings kommt es unter der Einnahme vermehrt zu Nebenwirkungen wie z.B. Depressionen und Gewichtzunahme.

Gegen CGRP und seinen Rezeptor gerichtete Wirkstoffe

Der Botenstoff CGRP (Calcitonin-Gene-Related-Peptide) wirkt gefäßerweiternd. CGRP wird eine wichtige Rolle in der Pathophysiologie der Migräne zugeschrieben. Es gibt so genannte monoklonale Antikörper, die unter die Haut gespritzt oder als Infusion gegeben werden. Als Nebenwirkungen können z.B. Rötungen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Verstopfung oder Schwindel auftreten. Es gibt auch Gepante, die oral gegeben werden. Als Nebenwirkungen können z.B. Übelkeit, Verstopfungen, Müdigkeit oder Schläfrigkeit, verminderter Appetit oder Gewichtsabnahme auftreten.

Neuromodulatoren

Die Zahl der Migräneanfälle kann durch Injektionen eines sogenannten Neuromodulators verringert werden. Der Wirkstoff kann hilfreich in der Medizin eingesetzt werden, indem er z. B. die Ausschüttung des Botenstoffs Acetylcholin an der Verbindung von Nerven und Muskeln hemmt. Zudem wird vermutet, dass der Wirkstoff die an der Migräneentstehung beteiligte Neuropeptiden wie CGRP beeinflusst. Nebenwirkungen können z.B. muskelkaterähnliche Beschwerden, hängende Augenlider oder Schmerzen an der Injektionsstelle sein.

Trizyklische Antidepressiva

Unter den Antidepressiva, die normalerweise zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden, wird nur ein Medikament zur Vorbeugung einer Migräne empfohlen: der nicht selektive Monoamin-Rückaufnahme-Hemmer Amitriptylin. Möglich Nebenwirkungen sind z.B. Verstopfung oder Kreislaufschwäche.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Ihr Arzt kann Ihnen helfen, die besten Strategien gegen Kopfschmerzen und Migräne-Anfälle zu finden. Die Behandlung der Chronischen Migräne sollte dabei nicht nur Medikamente umfassen. Auch begleitende Maßnahmen, also nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten, können viel bewirken. Dazu gehören z. B.:

  • Sport- und Physiotherapie
  • Psychologische Beratung
  • Entspannungsverfahren
  • Akupunktur
  • Neurostimulation
  • Biofeedback-Therapie

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Behandlungsmöglichkeit individuell für Ihre chronische Migräne geeignet ist.

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