Demenz: Fragen und Antworten – Ein umfassender Leitfaden

Demenz ist ein Thema, das viele Menschen betrifft und oft Fragen aufwirft. Dieser Artikel soll einen Überblick über die wichtigsten Aspekte der Demenz geben, von den ersten Anzeichen bis hin zu Diagnose, Behandlung, Kommunikation und rechtlichen Fragen.

Bin ich vergesslich - habe ich Demenz?

Vergesslichkeit allein ist noch kein Grund zur Panik. Es ist wichtig zu wissen, dass Gedächtnisprobleme nur eines von mehreren Symptomen einer Demenzerkrankung sind. Weitere Symptome können sein:

  • Probleme beim Sprechen
  • Schwierigkeiten, sich zu orientieren (zeitlich und räumlich)
  • Schwierigkeiten, Routineaufgaben zu erledigen
  • Veränderungen im Verhalten und der Persönlichkeit
  • Probleme mit dem Denkvermögen und der Urteilsfähigkeit

Gelegentliche Aussetzer sind im gewissen Grad normal und nicht unbedingt bedenklich. Ein Nachlassen der Gedächtnisleistung kann jedoch ein Warnsignal sein, besonders wenn die Vergesslichkeit zunimmt oder der Alltag nicht mehr selbstständig geplant werden kann.

Was kann ich tun?1. Sprechen Sie mit einer vertrauten Person über Ihre Ängste und Sorgen.

  1. Seien Sie ehrlich zu sich selbst und beschreiben Sie die Veränderungen, die Sie an sich selbst bemerken.
  2. Suchen Sie Ihren Hausarzt/Ihre Hausärztin auf, um Untersuchungen vornehmen zu lassen und ggf. an einen Spezialisten überwiesen zu werden.

Wie wird Demenz diagnostiziert? Wer stellt die Diagnose? Wer bestätigt Demenz?

Die Diagnose von Demenz ist ein mehrstufiger Prozess. Meist wird zunächst der Hausarzt/die Hausärztin aufgesucht, der/die eine Verdachtsdiagnose stellt. Um die Diagnose zu bestätigen und andere Ursachen auszuschließen, werden weitere Untersuchungen durchgeführt:

  1. Psychologische Tests: Mini-Mental-Status Test und andere neuropsychologische Tests zur Überprüfung von Gedächtnis, Denkvermögen, Sprache und Wahrnehmungsfähigkeit.
  2. Neurologische Untersuchungen: Um neurologische Ursachen auszuschließen.
  3. Bildgebende Verfahren: Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns, um Veränderungen im Gehirn sichtbar zu machen und andere Erkrankungen auszuschließen.
  4. Anamneseerhebung: Ausführliches Gespräch mit dem Betroffenen und seinen Angehörigen, um die Krankheitsgeschichte zu erfassen.
  5. Laboruntersuchungen: Zum Ausschluss anderer Erkrankungen.

Die endgültige Diagnose erfolgt in der Regel durch einen Facharzt für Neurologie oder Psychiatrie, idealerweise in einer Gedächtnisambulanz oder Memory-Klinik.

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Was tun nach der Diagnose?

Eine frühzeitige Diagnose ist wichtig, um frühzeitig mit medikamentöser und/oder therapeutischer Behandlung zu beginnen.

Behandlungsmöglichkeiten:

  • Medikamentöse Therapie: Antidementiva können bei einigen Demenzformen das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen und die Symptome lindern.
  • Nicht-medikamentöse Therapien: Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie, Musiktherapie, Kunsttherapie, Verhaltenstherapie und Erinnerungstherapie können die Lebensqualität verbessern und Verhaltensstörungen lindern.
  • Psychosoziale Interventionen: Beratung und Unterstützung für Betroffene und Angehörige, Selbsthilfegruppen.

Ein Leben mit Demenz gestalten

Die Gestaltung des Alltags, die Kommunikation und der Umgang mit Vergesslichkeit sind zentrale Aspekte im Leben mit Demenz.

Alltagsgestaltung

Menschen mit Demenz verlieren oft frühzeitig die Fähigkeit, Alltagsaktivitäten zu planen und durchzuführen. Ohne Unterstützung kommen sie mit dem Alltag nicht mehr zurecht. Wichtig ist, den Alltag so zu gestalten, dass er den Bedürfnissen und Fähigkeiten des Betroffenen entspricht.

Tipps für die Alltagsgestaltung:

  • Struktur und Routine: Ein geregelter Tagesablauf mit festen Zeiten für Mahlzeiten, Aktivitäten und Ruhephasen gibt Sicherheit und Orientierung.
  • Einfache Aufgaben: Aufgaben in kleine, überschaubare Schritte aufteilen.
  • Vertraute Umgebung: Eine vertraute Umgebung mit wenig Ablenkung erleichtert die Orientierung.
  • Sicherheit: Stolperfallen beseitigen, Elektro- und Gasgeräte sichern, Nachtbeleuchtung anpassen.
  • Beschäftigung: Aktivitäten anbieten, die den Interessen und Fähigkeiten des Betroffenen entsprechen (z.B. Musik hören, Singen, Handarbeiten, Spaziergänge).
  • Einbeziehung: Den Betroffenen in Alltagstätigkeiten einbeziehen, um das Gefühl der Zugehörigkeit und Nützlichkeit zu erhalten.

Kommunikation

Die Kommunikation mit Menschen mit Demenz verändert sich im Laufe der Erkrankung. Es ist wichtig, die eigene Kommunikation anzupassen und auf die Bedürfnisse des Betroffenen einzugehen.

Tipps für die Kommunikation:

  • Aufmerksamkeit: Gewinnen Sie die volle Aufmerksamkeit der Person, bevor Sie ein Gespräch beginnen.
  • Blickkontakt: Suchen Sie den Blickkontakt auf Augenhöhe und lächeln Sie.
  • Sprache: Sprechen Sie langsam und deutlich. Nutzen Sie kurze und einfache Sätze mit nur einer Aussage. Machen Sie Sprechpausen.
  • Wiederholungen: Wiederholen Sie wichtige Informationen und unterstützen Sie Botschaften mit klaren Gesten und Gesichtsausdruck.
  • Fragen: Stellen Sie stets nur eine Frage auf einmal. Formulieren Sie Ihre Frage positiv und stellen Sie Fragen, die sich mit "Ja" oder "Nein" beantworten lassen.
  • Geduld: Geben Sie Ihrem Gegenüber ausreichend Zeit, um zu antworten.
  • Validation: Gehen Sie auf die Gefühlswelt des Betroffenen ein und nehmen Sie seine Äußerungen ernst, auch wenn sie nicht der Realität entsprechen.
  • Nonverbale Kommunikation: Achten Sie auf Ihre Körpersprache, Mimik und Gestik.
  • Umgang mit Fehlern: Korrigieren Sie unverständliche oder falsche Aussagen nicht, sondern loben Sie stattdessen, was weiterhin gelingt.
  • Umgang mit Wiederholungen: Antworten Sie ruhig, selbst wenn Sie dieselbe Frage bereits mehrmals beantwortet haben. Versuchen Sie, die Person nach der Beantwortung der Frage mit einer anderen Aktivität abzulenken oder das Thema zu wechseln.
  • Umgang mit emotionalen Ausbrüchen: Bleiben Sie ruhig und reagieren Sie nicht direkt auf die Äusserungen. Nehmen Sie die Gefühle der erkrankten Person ernst und lenken Sie ihre Aufmerksamkeit behutsam auf ein anderes Thema.
  • Reizarme Umgebung: Achten Sie auf eine reizarme Umgebung ohne laute Hintergrundgeräusche oder grelles Licht.

Umgang mit Vergesslichkeit

Vergesslichkeit ist ein Hauptsymptom der Demenz. Es ist wichtig, geduldig und verständnisvoll zu sein und den Betroffenen nicht auf seine Fehler hinzuweisen.

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Tipps für den Umgang mit Vergesslichkeit:

  • Hilfsmittel: Kalender, Uhren, Notizzettel und andere Hilfsmittel können helfen, die Orientierung zu erleichtern.
  • Erinnerungsstücke: Fotos, Musik und andere Erinnerungsstücke können helfen, Erinnerungen wachzurufen.
  • Geduld: Geben Sie dem Betroffenen Zeit, sich zu erinnern.
  • Unterstützung: Bieten Sie Unterstützung an, ohne den Betroffenen zu überfordern.
  • Akzeptanz: Akzeptieren Sie die Vergesslichkeit als Teil der Erkrankung.

Meine Mutter / mein Vater ist zunehmend vergesslich. Was soll ich tun?

Wenn Sie bemerken, dass Ihre Mutter/Ihr Vater zunehmend vergesslich wird und Sie Angst haben, dass ihr/ihm etwas zustößt, sollten Sie das Gespräch suchen und sich überlegen, welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt.

Mögliche Schritte:

  1. Gespräch suchen: Sprechen Sie mit Ihrer Mutter/Ihrem Vater über Ihre Beobachtungen und Sorgen.
  2. Bedürfnisse klären: Machen Sie sich bewusst, welche Wünsche und Bedürfnisse Ihre Mutter/Ihr Vater hat und welche Ihre eigenen sind.
  3. Unterstützungsmöglichkeiten prüfen: Informieren Sie sich über mobile Pflege- und Betreuungsdienste, Tagesbetreuung, Tageszentren oder andere Entlastungsangebote.
  4. Hausarzt/Hausärztin konsultieren: Besprechen Sie Ihre Sorgen mit dem Hausarzt/der Hausärztin und lassen Sie ggf. eine Untersuchung durchführen.
  5. Stationäre Pflegeeinrichtung: Die Übersiedelung in eine stationäre Pflegeeinrichtung sollte erst dann in Betracht gezogen werden, wenn andere Optionen nicht mehr ausreichen.

Rechtliche und finanzielle Aspekte

Eine Demenzerkrankung bringt auch rechtliche und finanzielle Fragen mit sich. Es ist wichtig, sich frühzeitig mit diesen Themen auseinanderzusetzen.

Wichtige Themen:

  • Vorsorgevollmacht: Eine Vorsorgevollmacht ermöglicht es, eine Person des Vertrauens zu bevollmächtigen, im Falle der Geschäftsunfähigkeit Entscheidungen zu treffen.
  • Betreuungsverfügung: In einer Betreuungsverfügung kann man festlegen, wer im Falle einer Betreuung als Betreuer bestellt werden soll und welche Wünsche man bezüglich der Betreuung hat.
  • Patientenverfügung: In einer Patientenverfügung kann man seine Wünsche bezüglich medizinischer Behandlungen im Falle der Einwilligungsunfähigkeit festhalten.
  • Pflegeversicherung: Bei Pflegebedürftigkeit kann ein Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung gestellt werden.
  • Schwerbehindertenausweis: Bei Vorliegen einer Schwerbehinderung kann ein Schwerbehindertenausweis beantragt werden.

Wo bekomme ich Informationen und Unterstützung?

  • Alzheimer Gesellschaft: Die Alzheimer Gesellschaft bietet Informationen, Beratung und Unterstützung für Betroffene und Angehörige.
  • Pflegestützpunkte: Pflegestützpunkte bieten eine umfassende Beratung zu allen Fragen rund um die Pflege.
  • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr hilfreich und entlastend sein.
  • Rechtsanwälte/Notare: Für rechtliche Fragen können Sie sich an einen Rechtsanwalt oder Notar wenden.

Demenzformen

Demenz ist ein Überbegriff für verschiedene Erkrankungen, die mit einem Abbau der geistigen Fähigkeiten einhergehen. Die häufigste Form ist die Alzheimer-Krankheit.

Weitere Demenzformen:

  • Vaskuläre Demenz: Durchblutungsstörungen im Gehirn.
  • Frontotemporale Demenz: Betrifft vor allem die Stirn- und Schläfenlappen des Gehirns.
  • Lewy-Körperchen-Demenz: Ablagerungen von Lewy-Körperchen im Gehirn.
  • Demenz bei Morbus Parkinson: Tritt im Verlauf einer Parkinson-Erkrankung auf.
  • Gemischte Demenz: Kombination aus verschiedenen Demenzformen.

Vorbeugung

Leider gibt es bisher keine Möglichkeit, Demenz sicher vorzubeugen. Es gibt jedoch einige Risikofaktoren, die beeinflussbar sind:

  • Regelmäßige körperliche Aktivität: Bewegung fördert die Durchblutung des Gehirns und kann das Risiko für Demenz senken.
  • Geistige Aktivität: Fordern Sie Ihr Gehirn regelmäßig heraus, z.B. durch Lesen, Kreuzworträtsel lösen, Sprachen lernen oder ein Instrument spielen.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Fisch kann das Gehirn schützen.
  • Soziale Kontakte: Pflegen Sie soziale Kontakte und bleiben Sie aktiv in Ihrer Gemeinde.
  • Vermeidung von Risikofaktoren: Vermeiden Sie Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes.

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