Die Lewy-Body-Demenz (LBD), auch Lewy-Körperchen-Demenz oder Lewy-Körper-Demenz genannt, ist eine Form der neurodegenerativen Demenzen, bei der bestimmte Bereiche im Gehirn nach und nach geschädigt werden. Sie ist nach Alzheimer die zweithäufigste Demenzform und tritt meist ab dem 65. Lebensjahr auf. In Deutschland leben schätzungsweise 90.000 bis 180.000 Menschen mit LBD.
Was ist Lewy-Body-Demenz?
Die Lewy-Body-Demenz ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch das Vorhandensein abnormaler Ansammlungen von Proteinablagerungen im Gehirn, sogenannten Lewy-Körperchen, gekennzeichnet ist. Diese Lewy-Körperchen lagern sich im Großhirn und im Hirnstamm ab und führen dort zum Absterben von Nervenzellen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen für die Bildung der Lewy-Körperchen sind bislang unbekannt. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass genetische Veränderungen eine Rolle spielen können. So findet sich sowohl bei Menschen mit LBD als auch bei Parkinson-Patienten das Gen für eine bestimmte Protein-Variante (Apolipoprotein E4, kurz: ApoE4). Dieses Gen reguliert die Konzentration des Eiweißes Alpha-Synuclein, das zu den nervenschädigenden Lewy-Körperchen verklumpt.
Gesicherte Risikofaktoren für die LBD sind nicht bekannt. Es scheint jedoch einen Zusammenhang mit einer Genvariante namens ApoE4 zu geben. Dieses Gen reguliert das Protein Alpha-Synuclein, das bei der Lewy-Körperchen-Demenz und bei der Parkinson-Demenz zu den schädlichen Verklumpungen im Gehirn führt. ApoE4 ist auch ein Risikofaktor für die Alzheimer-Krankheit. Lewy-Körperchen-Demenz ist nicht erblich und es kommt sehr selten vor, dass mehr als ein Mitglied einer Familie erkrankt.
Symptome der Lewy-Body-Demenz
Die Symptome der Lewy-Body-Demenz ähneln denen der Alzheimer- und der Parkinson-Krankheit. Betroffen sind zunächst die Alltagsfähigkeiten, die mit dem Planen, Organisieren und Orientieren zusammenhängen. Insbesondere Aufmerksamkeit und Konzentration sind gestört. Charakteristisch dabei ist, dass die geistige Leistungsfähigkeit im Tagesverlauf sehr stark schwanken kann.
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Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Visuelle Halluzinationen: Betroffene sehen Menschen, Tiere oder Dinge, die nicht da sind. Diese Halluzinationen sind oft sehr detailreich und können Angst auslösen.
- Schwankungen in der Aufmerksamkeit und Wachheit: Die geistige und körperliche Verfassung der Patienten kann stark schwanken. Sie können an einigen Tagen vollkommen gesund wirken, an anderen Tagen hingegen stark beeinträchtigt sein.
- Parkinson-ähnliche Symptome: Muskelstarre, Muskelzittern, eine instabile Körperhaltung mit Schwankungs- und Sturzneigung sowie verlangsamte Bewegungen können auftreten.
- REM-Schlaf-Verhaltensstörung: Die Betroffenen leben ihre Träume regelrecht aus, was sich durch unruhigen Schlaf, vermehrte Bewegungen und Sprechen im Schlaf bemerkbar macht.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Gedächtnisprobleme, Schwierigkeiten, Familienmitglieder oder bekannte Gegenstände zu erkennen, sowie Sprachstörungen können auftreten.
- Weitere Symptome: Depressionen, niedriger Blutdruck beim Aufstehen, Harninkontinenz und Schluckstörungen im späteren Verlauf der Erkrankung sind möglich.
Diagnose der Lewy-Body-Demenz
Die Diagnose einer Lewy-Körperchen-Demenz ist schwierig, da viele Symptome denen von Alzheimer oder Parkinson ähneln. Trotzdem gibt es heute gute Möglichkeiten, die Erkrankung bereits zu Lebzeiten mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erkennen.
Für die Diagnose und Behandlung gilt die S3-Leitlinie „Demenzen“, herausgegeben von der AWMF. Bei Lewy-Body-Demenz stehen früh kognitive und psychische Symptome im Vordergrund - wie zum Beispiel Halluzinationen und geistige Leistungsschwankungen. Hinweise liefern die LBD-typischen Symptome wie Halluzinationen und Leistungsschwankungen. MRT und CT schließen andere Erkrankungen aus, weisen aber nicht direkt auf Lewy-Körperchen hin.
Die Diagnose wird anhand der Symptome und durch Ausschluss anderer Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen gestellt. Dazu werden die Krankengeschichte erhoben, eine körperliche Untersuchung sowie Demenztests durchgeführt. Einige neuropsychologische Tests können Hinweise auf eine Lewy-Körper-Demenz geben. Besonders aufschlussreich sind Verfahren, die sogenannte visuell-konstruktive Fähigkeiten prüfen - also das Zusammenspiel von Sehen, Denken und Motorik. Dabei soll der Patient eine herkömmliche Uhr zeichnen - mit Ziffernblatt und Zeigern. Der Uhrentest kann helfen, frühzeitig Auffälligkeiten zu erkennen - gerade, wenn klassische Demenztests wie der Mini-Mental-Status-Test noch unauffällig bleiben.
Spezielle bildgebende Verfahren wie FDG-PET und DaT-SPECT können helfen, eine Lewy-Body-Demenz von anderen Demenzformen zu unterscheiden. Die FDG-PET zeigt LBD-typische Veränderungen im Hinterkopfbereich, während mit dem DaT-SPECT LBD-typische Nervenschädigungen gut erkannt werden können.
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Dazu werden drei Kriterien überprüft: Gedächtnisprobleme, die häufigen Schwankungen unterworfen sind, wiederholt auftretende Halluzinationen und motorische Störungen. Sind zwei der drei Kriterien erfüllt, ist von einer Lewy-Körperchen-Demenz auszugehen.
Behandlung der Lewy-Body-Demenz
Eine Lewy-Körperchen-Demenz ist bisher leider nicht heilbar. Die Behandlung zielt darauf ab, Symptome zu lindern - mit Medikamenten und nicht-medikamentösen Maßnahmen.
Medikamentöse Behandlung:
Derzeit gibt es noch keine Medikamente, die speziell für diese Form der Demenz zugelassen sind. Die medikamentöse Therapie gestaltet sich auch deshalb schwierig, weil die Reaktion auf die Medikamente von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein kann.
- Cholinesterasehemmer: Bei Lewy-Body-Demenz können sogenannte Cholinesterasehemmer zum Einsatz kommen. Diese Medikamente (wie Rivastigmin oder Donepezil) können zur Behandlung der Demenz eingesetzt werden und die psychotischen Symptome lindern, indem sie den Abbau des Nervenbotenstoffes Acetylcholin im Gehirn blockieren. Doch bei Menschen mit einer Lewy-Körperchen-Demenz ist Vorsicht geboten: Viele reagieren überempfindlich auf diese Medikamente.
- Antipsychotika: Psychotische Störungen können mit Quetiapin oder Clozapin behandelt werden. Dabei ist zu beachten, dass sich die motorische Symptome verschlechtern können. Gegenüber Neuroleptika, also Medikamenten, die gegen solche Sinnestäuschungen wirken, reagieren Menschen mit Lewy-Körperchen-Demenz oft überempfindlich. In der Folge können sich etwa Bewegungsstörungen verstärken, das Bewusstsein kann sich eintrüben oder die Betroffenen fallen in tagelangen Tiefschlaf.
- Parkinson-Medikamente: Die motorischen Symptome können mit dem Parkinson-Medikament Levodopa in niedriger Dosierung verbessert werden. Allerdings ist die Wirkung ist bei der Lewy-Körperchen-Demenz allerdings in der Regel geringer als bei der Parkinson-Krankheit. Als Nebenwirkung können sich Halluzinationen und Wahnvorstellungen verstärken.
- Antidepressiva: Sollte zusätzlich eine Depression vorliegen, können sogenannte selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (u. a. Citalopram) angewandt werden.
Ein Medikamentenplan hilft Ihnen dabei, den Überblick über Dosierung, Einnahmezeiten und mögliche Nebenwirkungen zu behalten.
Nicht-medikamentöse Behandlung:
Da die medikamentöse Behandlung schwierig ist, kommt der nicht-medikamentösen Therapie bei der Lewy-Körperchen-Demenz eine große Bedeutung zu. Die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten kann verbessert, die geistigen Fähigkeiten möglichst lange erhalten und herausforderndes Verhalten gemildert werden.
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Bei der Lewy-Body-Demenz können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen sinnvoll sein. Ziel ist es, die geistigen Fähigkeiten zu fördern, den Alltag zu strukturieren und das Wohlbefinden zu verbessern. Menschen mit Lewy-Körper-Demenz sind oft sehr empfindlich gegenüber Stress, Lärm oder Reizüberflutung.
Die Maßnahmen richten sich nach den individuellen Beschwerden und ähneln denen bei der Alzheimer-Demenz:
- Verhaltenstherapie
- Hirnleistungstrainings
- Emotionsorientierte Ansätze
- Biografiearbeit
- Kunst- und Musiktherapie
- Kognitives Training
- Bewegung und Sport
- Gesunde, mediterrane Ernährung
- Gedächtnistraining
Dabei muss man darauf achten, übermäßige Sinnenstimulation zu vermeiden, da Menschen mit Lewy-Körperchen-Demenz äußerst sensibel auf ihre Umwelt reagieren.
Leben mit Lewy-Body-Demenz
Im fortgeschrittenen Stadium nehmen die Symptome deutlich zu. Menschen mit anerkanntem Pflegegrad, die zuhause gepflegt werden, haben Anspruch auf sogenannte Pflegehilfsmittel zum Verbrauch im Wert von bis zu 42 Euro monatlich. Dazu zählen unter anderem Einmalhandschuhe, Mundschutz und Desinfektionstücher. Viele der Betroffenen ziehen sich obendrein zurück, sind ängstlich oder gereizt. Umso wichtiger ist es, dass Sie als Angehörige gut über das Krankheitsbild informiert sind.
Wenn Sie jemanden mit Lewy-Körper-Demenz zuhause pflegen oder betreuen, können Sie im Alltag viel für diese Person tun. Von Tipps zum Umgang bis zur Entlastung für Angehörige. Lernen Sie mehr über Alzheimer & Demenz - in Ihrem Tempo und wann es Ihnen passt.
- Strukturierte Tagesabläufe,
- ruhige Kommunikation,
- klare Routinen
- Orientierungshilfen im Wohnumfeld
sind entscheidend. Leichte körperliche Aktivität wie Spaziergänge oder Gymnastik kann Mobilität, Gleichgewicht und Stimmung positiv beeinflussen.
Ja, mit geeigneter Unterstützung durch Pflegefachkräfte, Tagespflegeangebote und angepasste Wohnumgebung ist häusliche Betreuung möglich.
Verlauf und Prognose
Die Lewy-Körperchen-Demenz ist unheilbar. Nach der Diagnosestellung leben die Betroffenen im Durchschnitt zwischen sieben und acht Jahren. Wie bei den anderen Demenzformen verlieren die Betroffenen nach und nach die Fähigkeit, sich im Alltag allein zurechtzufinden. Während sich bereits früh Halluzinationen zeigen, ist die Gedächtnisfunktion zu Beginn nur gering beeinträchtigt und die Sprachfähigkeit erst mit weitem Fortschritt der Erkrankung betroffen. Die Betroffenen werden zunächst immobil, im späteren Verlauf bettlägerig. Im Endstadium zeigen sich Schluckbeschwerden. Die meisten Patienten mit Lewy-Body-Demenz sterben an Lungenentzündung.
Halluzinationen bei Demenz
Halluzinationen sind Sinnestäuschungen, bei denen Betroffene Reize wahrnehmen, die objektiv nicht existieren. Sie können ein besonders belastendes Symptom im Verlauf einer Demenzerkrankung sein. Menschen mit Demenz verlieren phasenweise den Bezug zur Realität und sehen, hören, fühlen oder riechen Dinge, die für Außenstehende nicht vorhanden sind, für sie selbst jedoch völlig real erscheinen.
Formen und Ursachen von Halluzinationen bei Demenz:
Etwa ein Drittel aller Menschen mit Demenz erlebt im Krankheitsverlauf Halluzinationen oder Wahnvorstellungen. Diese können immer wieder auftreten. Besonders optische Halluzinationen sind typisch bei Lewy-Body-Demenz oder Parkinson-Demenz. Betroffene sehen mitunter Tiere oder verstorbene Angehörige, oft sehr eindrücklich beschrieben.
Bei Alzheimer und Vaskulärer Demenz treten eher Wahnvorstellungen auf, etwa die Überzeugung, jemand habe etwas gestohlen oder ein Familienmitglied sei durch einen Doppelgänger ersetzt worden.
Die Ursachen für solche Symptome sind vielfältig:
- Schädigungen von Nervenzellen im Gehirn
- Nachlassendes Gedächtnis
- Abnehmender Realitätsbezug
- Hör- und Seheinschränkungen
- Veränderte Verarbeitung von Reizen (z. B. Schatten, Geräusche)
Ein Flüstern der Blätter kann dann als Tuscheln der Nachbarn erscheinen, ein Schatten im Raum wird als bedrohliches Tier wahrgenommen.
Umgang mit Halluzinationen:
Halluzinationen und Wahnvorstellungen lösen bei Betroffenen oft Angst, Unruhe oder Aggressionen aus. Für Angehörige oder Pflegende ist das häufig schwer auszuhalten.
Versuche, Betroffene von der Realität zu überzeugen, führen meist zu noch größerer Verunsicherung und sollten vermieden werden.
Stattdessen gilt:
- Die Wahrnehmung als subjektive Realität anerkennen
- Ängste ernst nehmen und mit Respekt reagieren
- Behutsam die Aufmerksamkeit umlenken - auf positive, beruhigende Themen
- Eine ruhige, reizreduzierte Umgebung schaffen, um Stress zu minimieren
In manchen Fällen kann auch eine medikamentöse Behandlung notwendig sein.
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