Alzheimer und Demenz: Ein umfassender Überblick über Unterschiede, Diagnose und Behandlung

Demenz und Alzheimer sind Begriffe, die oft synonym verwendet werden, obwohl sie unterschiedliche Bedeutungen haben. Demenz ist ein Oberbegriff für eine Vielzahl von neurologischen Erkrankungen, die mit einem fortschreitenden Verlust der geistigen Fähigkeiten einhergehen. Alzheimer hingegen ist die häufigste Form der Demenz und eine spezifische neurodegenerative Erkrankung des Gehirns. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede zwischen Alzheimer und Demenz, die verschiedenen Demenzformen, die Symptome, Diagnosemethoden, Behandlungsmöglichkeiten und Präventionsstrategien.

Was ist Demenz?

Der Begriff Demenz stammt aus dem Lateinischen ("Dementia") und bedeutet so viel wie "Torheit" oder "Wahnsinn". Demenz ist ein Sammelbegriff für verschiedene neurologische und neurophysiologische Erkrankungen, die mit einer Minderung der geistigen Fähigkeiten einhergehen. Dazu gehören unter anderem Gedächtnis, Denkvermögen, Sprache, Orientierung und Urteilsvermögen. Demenz ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Syndrom, das durch verschiedene Erkrankungen verursacht werden kann.

Zu den Demenz-Krankheiten zählen unter anderem:

  • Vaskuläre Demenz
  • Lewy-Körperchen-Demenz
  • Demenz bei Morbus Parkinson
  • Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
  • Korsakow-Syndrom
  • Chronische Traumatische Enzephalopathie (CTE)

Laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) lebten Ende 2021 in Deutschland rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz.

Was ist Morbus Alzheimer?

Die Alzheimer-Krankheit, auch Morbus Alzheimer oder Demenz vom Alzheimer-Typ genannt, ist eine neurodegenerative Erkrankung und die häufigste Form der Demenz. "Morbus" bedeutet Krankheit. Neurodegenerativ bedeutet, dass Zellen des Nervensystems nach und nach geschädigt werden und absterben bzw. ihre Funktion nicht mehr erfüllen können. Die Alzheimer-Krankheit macht etwa 60 bis 70 Prozent aller Demenzfälle aus.

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Morbus Alzheimer wurde nach Alois Alzheimer benannt, der im Jahr 1906 erstmals die charakteristischen Veränderungen im Gehirn einer Patientin mit Demenz beschrieb. Diese Veränderungen umfassen Ablagerungen von Beta-Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen, die zum Verlust von Nervenzellen und Gehirngewebe führen.

Der Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz

Der Hauptunterschied zwischen Alzheimer und Demenz besteht darin, dass Demenz ein Oberbegriff für eine Vielzahl von Erkrankungen ist, während Alzheimer eine spezifische Form der Demenz darstellt. Mit anderen Worten: Nicht jede Demenz ist Alzheimer, aber Alzheimer ist immer eine Form von Demenz.

Die Ursachen für die verschiedenen Demenzformen sind unterschiedlich. Während Morbus Alzheimer durch den Verlust von Nervenzellen und Gehirngewebe aufgrund von Tau-Fibrillen und Beta-Amyloid-Plaques entsteht, wird bei der vaskulären Demenz das Gehirn durch Durchblutungsstörungen geschädigt. Die Auswirkungen und Symptome können jedoch ähnlich sein.

Symptome von Alzheimer und Demenz

Die Symptome von Demenz und Alzheimer können je nach Stadium der Erkrankung und der betroffenen Hirnregionen variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Gedächtnisverlust: Vergesslichkeit ist oft eines der ersten und auffälligsten Anzeichen von Alzheimer. Betroffene vergessen wichtige Termine, kürzlich geführte Gespräche oder verlegen Gegenstände. Im weiteren Verlauf der Erkrankung können auch das Langzeitgedächtnis und Erinnerungen an die eigene Vergangenheit beeinträchtigt werden.
  • Orientierungslosigkeit: Alzheimer-Patienten können die örtliche und zeitliche Orientierung verlieren. Sie vergessen, wo sie sind und wie sie dorthin gekommen sind. Typisch sind auch Schwierigkeiten mit der Uhrzeit, der Jahreszeit oder der zeitlichen Einordnung in Kategorien wie "gestern", "heute" und "morgen".
  • Sprachstörungen: Bei einer Alzheimererkrankung sind Störungen der Kommunikation und der Sprache ein charakteristisches Symptom. Die Medizin spricht dann von einer sogenannten Aphasie. Wortfindungsstörungen sind klassische Alzheimer-Anzeichen im Bereich Kommunikation und Sprache. Demenzerkrankte benennen Dinge plötzlich anders und sagen zum Beispiel "Hand-Uhr" statt "Armbanduhr".
  • Probleme mit dem Denkvermögen: Der fortschreitende kognitive Abbau macht es Betroffenen mit Alzheimer zunehmend schwer, allgemeine Informationen richtig einzuordnen. So ist es möglich, dass Menschen mit Alzheimer beispielsweise ihren Standort, einzelne Gegenstände, andere Personen oder gesprochene Worte falsch bzw. anders interpretieren, weil sie es nicht mehr in den richtigen Kontext setzen können. Eines von vielen möglichen Szenarien wäre, dass an der Wand befestigte Bilderrahmen nicht mehr als solche wahrgenommen werden, sondern als Fenster.
  • Verhaltensänderungen: Eine Alzheimer-Krankheit kann mit Veränderungen in Verhalten, Stimmung und Persönlichkeit der Patienten einhergehen. Für die Betroffenen wird es immer schwieriger, ihre Gefühle zu kontrollieren. Starke Gefühlsausbrüche, beispielsweise in Form von Wut und Aggression, können im Pflegealltag sehr herausfordernd sein.
  • Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Alltags: Menschen mit Alzheimer kann es zunehmend schwerfallen, gewohnte Alltagsaufgaben zu erledigen. Im fortgeschrittenen Stadium haben viele Patienten auch Schwierigkeiten bei alltäglichen Ritualen wie Essen und Trinken oder der Körperpflege. Ein ungepflegtes Erscheinungsbild bei Patienten ist oftmals ein Ausdruck von fehlenden Fähigkeiten, beispielsweise nicht mehr weiß, wie er seinen Haarkamm bedienen soll.
  • Verlust des Urteilsvermögens: Verhältnismäßige Entscheidungen zu treffen, bereitet Menschen mit Alzheimer zunehmend Schwierigkeiten. Die Ursache dahinter ist ein vermindertes Urteilsvermögen.
  • Fehlinterpretationen: Der fortschreitende kognitive Abbau macht es Betroffenen mit Alzheimer zunehmend schwer, allgemeine Informationen richtig einzuordnen.

Diagnose von Alzheimer und Demenz

Die Diagnose von Alzheimer und Demenz umfasst in der Regel mehrere Untersuchungen und spezielle Tests. Das ist wichtig, denn die Symptome des Patienten müssen gründlich bewertet und abgeklärt werden. Eine frühe Diagnose ist wichtig, auch wenn die Krankheit an sich bislang nicht heilbar ist. Sie bildet die Grundlage für alle weiteren Maßnahmen.

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Zu den Diagnosemethoden gehören:

  • Kognitive Tests und psychometrische Tests: Im Rahmen von verschiedenen Demenz-Tests wird die geistige Leistungsfähigkeit untersucht. Dabei absolvieren Patienten kleinere Aufgaben und beantworten Fragen.
  • Neurologische Untersuchung: Eine neurologische Untersuchung dient dazu, andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen, wie beispielsweise einen Schlaganfall oder einen Hirntumor.
  • Bildgebende Verfahren: Mittels Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) können Veränderungen im Gehirn sichtbar gemacht werden, die auf Alzheimer oder andere Demenzformen hindeuten.
  • Liquoruntersuchung: Bei einer Liquoruntersuchung wird Nervenwasser entnommen und auf bestimmte Biomarker untersucht, die auf Alzheimer hindeuten können.
  • Bluttests: Mit einem einfachen Bluttest kann festgestellt werden, ob und wie viele Kopien von ApoE4 vorhanden sind.

Erste Anlaufstelle zur Abklärung dieser Auffälligkeiten ist in der Regel der Hausarzt. Neurologen sind Spezialisten für Erkrankungen des Nervensystems, einschließlich des Gehirns. In vielen Krankenhäusern gibt es spezielle Gedächtnissprechstunden oder ganze Gedächtnisambulanzen, die auf die Frühdiagnostik bei beginnenden Gedächtnisproblemen spezialisiert sind.

Stadien der Alzheimer-Krankheit

Die Alzheimer-Krankheit verläuft in der Regel in mehreren Stadien, die durch zunehmende kognitive und funktionelle Beeinträchtigungen gekennzeichnet sind. Die Dauer der einzelnen Stadien kann jedoch individuell variieren.

  • Stadium 1 (Keine Beeinträchtigung): Es sind noch keine Anzeichen von Alzheimer zu erkennen.
  • Stadium 2 (Sehr leichte kognitive Beeinträchtigung): Das Wahrnehmungsvermögen ist sehr leicht gemindert. Dies kann möglicherweise altersbedingt sein. Es sind keine Anzeichen von Alzheimer zu erkennen.
  • Stadium 3 (Leichte kognitive Beeinträchtigung): Das Wahrnehmungsvermögen ist leicht gemindert. Es treten erste Schwierigkeiten auf, wie zum Beispiel das Vergessen von Namen, gerade Gelesenem oder kürzlich Erlebtem. Es zeigen sich erste Symptome von Alzheimer.
  • Stadium 4 (Mäßige kognitive Beeinträchtigung): Das Wahrnehmungsvermögen ist mäßig gemindert. Symptome von Alzheimer werden erkennbar. Für diese Stufe typisch sind Erinnerungslücken an die eigene Vergangenheit, schlechte Stimmung und Schwierigkeiten bei Rechen- oder anderen komplexen Aufgaben wie dem Planen einer Feier.
  • Stadium 5 (Mittelschwere kognitive Beeinträchtigung): Das Wahrnehmungsvermögen ist mittelschwer gemindert. Es treten auffällig viele Gedächtnis- und Denklücken auf. Erkrankte brauchen erste Hilfestellungen im Alltag. Sie können Probleme haben, sich an ihre Telefonnummer zu erinnern, vergessen welcher Tag ist oder wo sie gerade sind.
  • Stadium 6 (Schwere kognitive Beeinträchtigung): Das Wahrnehmungsvermögen ist schwerwiegend gemindert. Das Gedächtnis wird zunehmend schlechter. Es können erste Persönlichkeitsveränderungen auftreten. Symptome sind beispielsweise das Vergessen des eigenen Namens oder das Nichterkennen von bekannten Personen.
  • Stadium 7 (Sehr schwere kognitive Beeinträchtigung): Das Wahrnehmungsvermögen ist sehr schwer gemindert. Betroffene können sich nicht mehr mitteilen und ihre Bewegungen kontrollieren.

Behandlung von Alzheimer und Demenz

Obwohl es derzeit keine Heilung für Alzheimer und die meisten anderen Demenzformen gibt, gibt es verschiedene Behandlungen, die helfen können, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

  • Medikamentöse Therapie: Für die Alzheimer-Behandlung sind verschiedene Wirkstoffe zugelassen, darunter sogenannte Cholinesterase-Hemmer und Memantin. Sie beeinflussen genau die Botenstoffe im Gehirn, die für die Gedächtnisfunktion eine zentrale Rolle spielen, und können den Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit leicht verzögern. Bei anderen Demenzformen wirken diese Medikamente in der Regel nicht. Seit diesem Jahr stehen zwei Antikörper zur ursächlichen Behandlung der frühen Alzheimer-Demenz zur Verfügung. Ursächlich bedeutet: Sie bauen aktiv Amyloid-Plaques ab.
  • Nicht-medikamentöse Therapie: Nicht-medikamentöse Therapiebausteine nehmen bei allen Formen der Demenz eine wichtige Funktion ein - neben täglichem Gedächtnistraining, wie zum Beispiel Ergotherapie, Musiktherapie oder Biographiearbeit. Auch Psychotherapie kann eine Option sein, schließlich stellt die Diagnose Demenz auch eine große emotionale Belastung dar. Das Ziel besteht in jedem Fall darin, Betroffenen den Umgang mit der Erkrankung zu erleichtern und ihnen so lange wie möglich ein selbstständiges Leben zu ermöglichen.
  • Unterstützung und Entlastung für Angehörige: Wenn Sie einen Menschen mit Demenz zuhause pflegen, müssen Sie einen Weg finden, wie Sie langfristig gut miteinander kommunizieren und leben können. Kleine Orientierungs- und Erinnerungshilfen im Wohnraum können Betroffenen und Angehörigen den Pflegealltag erleichtern. Kleinere Aufgaben und Übungen für die Person mit Alzheimer schaffen auch Ihnen als Pflegeperson kleine Pausen.

Risikofaktoren und Prävention von Alzheimer und Demenz

Es gibt eine Reihe an Faktoren, die das Risiko für die Entwicklung von Demenzerkrankungen und kognitiven Abbauprozessen erhöhen können. Einige Risikofaktoren sind nicht beeinflussbar, wie beispielsweise das Alter oder die genetische Veranlagung. Es gibt aber auch Risikofaktoren, die durch einen gesunden Lebensstil reduziert werden können.

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Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:

  • Hohes Alter
  • Genetische Veranlagung (familiäre Alzheimer-Demenz)
  • Bluthochdruck
  • Diabetes
  • Bewegungsmangel
  • Geistige Inaktivität
  • Soziale Isolation
  • Übergewicht
  • Rauchen
  • Depressionen

Studien zeigen: Ein gesunder Lebensstil mit Bewegung, geistiger Aktivität, sozialem Austausch und gesunder Ernährung kann das Risiko senken. Mental aktive Menschen besitzen ein geringeres Demenzrisiko. Umso geistig aktiver man ein Leben lang ist, desto höher die sogenannte kognitive Reserve, die es ermöglicht, die Folgen einer Demenz länger auszugleichen.

Leben mit Demenz und Alzheimer

Die Diagnose Demenz oder Alzheimer ist für die meisten Menschen ein Schock. Es ist wichtig, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und sich Unterstützung zu suchen. Viele Betroffene und Angehörige finden Halt in Selbsthilfegruppen oder suchen professionelle Beratung.

Im Laufe der Zeit müssen viele Entscheidungen getroffen werden: zur Unterstützung im Alltag genauso wie zur Behandlung, zur späteren Versorgung und zur passenden Wohnform (häusliches Umfeld, Pflegeheim, Wohngruppe). Menschen mit Demenz wollen sich dabei aktiv an Entscheidungen über ihre Belange beteiligen, solange es ihnen möglich ist. Ihnen ist es wichtig, dass viel mit ihnen und weniger über sie gesprochen wird.

Für Angehörige ist es wichtig, in die Behandlungspläne einbezogen zu werden und Angebote zu erhalten, die zur persönlichen Situation und den eigenen Bedürfnissen passen. Darunter fallen neben Schulungen auch praktische Hilfen, zum Beispiel zu finanzieller Unterstützung und Beratung bei Antragsstellung.

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