Demenz: Pathophysiologie und Ursachen im Überblick

Einführung

Demenz ist ein Sammelbegriff für eine Gruppe von Symptomen, die durch eine Abnahme der geistigen Fähigkeiten verursacht werden und das tägliche Leben beeinträchtigen. Es handelt sich dabei um keine spezifische Krankheit, sondern um ein Syndrom als Folge einer chronischen oder fortschreitenden Krankheit des Gehirns. Die Demenz gehört zu den schweren neurokognitiven Störungen, eine Gruppe von Krankheiten, die durch eine Verschlechterung des Gedächtnisses und der Exekutivfunktionen einer Person gekennzeichnet sind. Dabei kommt es zur Störung vieler höherer kortikaler Funktionen, einschließlich Gedächtnis, Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen. Das Bewusstsein wird hierbei nicht getrübt.

Weltweit sind derzeit über 55 Millionen Menschen von Demenz betroffen, wobei jedes Jahr fast 10 Millionen neue Fälle hinzukommen. Demenz entsteht durch verschiedene Erkrankungen und Verletzungen, die das Gehirn beeinträchtigen. Die Symptome von Demenz sind abhängig von der Art der Demenz und dem betroffenen Gehirnbereich. Demenz zeigt einen irreversiblen Verlauf, was bedeutet, dass die Defizite sich im Laufe der Zeit ausweiten.

Formen der Demenz

Es gibt verschiedene Formen von Demenz, die unterschiedliche Ursachen haben können. Zu den häufigsten Formen gehören:

  • Alzheimer-Krankheit: Sie macht etwa 60-70 % aller Demenzfälle aus. Kennzeichnend für die Erkrankung ist der langsam fortschreitende Untergang von Nervenzellen und Nervenzellkontakten. Im Gehirn von Alzheimer-Kranken sind typische Eiweißablagerungen (Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen) festzustellen.
  • Vaskuläre Demenz: Sie ist mit etwa 15 Prozent aller Demenzerkrankungen die zweithäufigste Form nach Alzheimer-Demenz. Vaskuläre Demenz entsteht aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn.
  • Frontotemporale Demenz (FTD): Die frontotemporale Demenz (FTD) ist eine seltene Form einer schnell fortschreitenden Demenz. Kennzeichnend bei der FTD ist, dass Nervenzellen speziell im Stirnhirn (Frontallappen) und im Schläfenlappen (Temporallappen) untergehen.
  • Lewy-Körperchen-Demenz: Hierbei handelt es sich um eine Demenzform, die durch das Vorhandensein von Lewy-Körperchen in den Nervenzellen des Gehirns gekennzeichnet ist.
  • Demenz bei Parkinson: Diese Form der Demenz tritt im Zusammenhang mit der Parkinson-Krankheit auf.
  • Gemischte Demenzen: Hierbei handelt es sich um Mischformen von Alzheimer-Demenz und einer vaskulären Demenz.

Pathophysiologie der Demenz

Demenz wird durch Schäden an den Gehirnzellen verursacht, die die Kommunikation zwischen den Zellen beeinträchtigen und so zu einer Veränderung der kognitiven und nicht-kognitiven Funktionen führen. Die Pathogenese der Demenz ist multifaktoriell und komplex. Die genauen Ursachen sind bislang nicht vollständig geklärt, aber es wird vermutet, dass eine Kombination von genetischen, metabolischen und infektiösen Faktoren eine Rolle spielt. Weitere mögliche Einflussfaktoren sind toxische, infektiöse und immunologische Mechanismen.

Alzheimer-Krankheit

Bei der Alzheimer-Krankheit sterben nach und nach Nervenzellen im Gehirn ab, was zu einem fortschreitenden Verlust der geistigen (kognitiven) Fähigkeiten führt. Im Gehirn von Alzheimer-Patienten bilden sich charakteristische Ablagerungen von Beta-Amyloid-Plaques, die als Marker der Krankheit gelten. Diese Plaques beeinträchtigen die synaptische Kommunikation zwischen den Neuronen, was zu einer Verschlechterung der kognitiven Funktionen führt. Beta-Amyloid verhindert auch den ordnungsgemäßen Transport von Proteinen in die Mitochondrien (Kraftwerke der Zellen), was zu einer Beeinträchtigung des Energiestoffwechsels der Nervenzellen führt. Ein weiterer zentraler Mechanismus bei Alzheimer ist die Überproduktion des Neurotransmitters Glutamat, ausgelöst durch die Ansammlung von Beta-Amyloid.

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Vaskuläre Demenz

Vaskuläre Demenz entsteht aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn. Ursachen hierfür können Ablagerungen in Blutgefäßen, Blutgerinnsel oder Hirnblutungen auch in kleinerem Umfang sein. Diese können dazu führen, dass Bereiche des Gehirns mit zu wenig Sauerstoff versorgt werden. Hierdurch können Hirnzellen in unterschiedlichen Bereichen des Gehirns geschädigt werden oder absterben.

Frontotemporale Demenz (FTD)

Bislang ist nicht im Detail geklärt, wie es zum Untergang der Nervenzellen bei der FTD kommt. Ein Teil der frontotemporalen Demenzen ist erblich bedingt und Fälle treten familiär gehäuft auf (familiäre FTD). Auch ein Teil der ohne familiäre Häufung auftretenden frontotemporalen Demenzen kann im Zusammenhang mit genetischen Veränderungen stehen. Insgesamt sind etwa 10-15% aller frontotemporalen Demenzen genetisch bedingt, v. a. die Verhaltensvariante.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen der Demenz sind vielfältig und nicht immer vollständig geklärt. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:

  • Alter: Das Alter ist der bedeutendste Risikofaktor für die Entstehung einer Demenz. Die senile Demenz beginnt typischerweise nach dem 65. Lebensjahr.
  • Genetische Faktoren: Genetische Faktoren spielen eine wesentliche Rolle bei der Entstehung der Alzheimer-Krankheit und anderer Demenzen. Allerdings sind sie in weniger als 3% der Fälle der alleinige Auslöser für die Krankheit.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Das Risiko für eine vaskuläre Demenz kann steigen, wenn das Herz-Kreislaufsystem beeinträchtigt ist.
  • Metabolisches Syndrom: Metabolisches Syndrom ist eine klinische Bezeichnung für die Symptomkombination Adipositas (Übergewicht), Hypertonie (Bluthochdruck), erhöhte Nüchternglucose (Nüchternblutzucker) und Nüchterninsulin-Serumspiegels (Insulinresistenz) und Fettstoffwechselstörung (erhöhte VLDL-Triglyceride, erniedrigtes HDL-Cholesterin).
  • Umweltfaktoren: Studien deuten darauf hin, dass langfristige Auswirkungen von Feinstaub auf neurologische Erkrankungen bestehen.
  • Weitere Faktoren: Schlafstörungen, soziale Isolation, Depressionen, Vitaminmangel und Schilddrüsenerkrankungen können ebenfalls das Demenzrisiko erhöhen.

Diagnose

Die Diagnose von Demenz kann eine Herausforderung sein, da es keine spezifischen Tests gibt, die eine eindeutige Diagnose stellen können. Die Diagnose erfordert eine umfassende Bewertung durch medizinisches Fachpersonal, einschließlich Neurologen, Psychologen und Psychiatern. Bevor eine Demenzdiagnose gestellt wird, ist es wichtig, andere Erkrankungen, die ähnliche Symptome verursachen können, auszuschließen.

Im Rahmen der Diagnose werden zunächst die Symptome und deren Verlauf erfasst. Dies gibt möglicherweise schon Hinweise, um welche Art von Demenz es sich handelt. Um die Diagnose zu stellen, werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, darunter:

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  • Körperliche Untersuchung: Hierbei werden das Herz-Kreislauf-System sowie neurologische Funktionen, zum Beispiel der Gleichgewichtssinn, untersucht.
  • Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen können Hinweise auf Risikofaktoren für Durchblutungsstörungen geben.
  • Neuropsychologische Tests: Diese Tests dienen der standardisierten Quantifizierung der kognitiven Leistungseinbußen.
  • Bildgebende Verfahren: Mithilfe von MRT (Magnet-Resonanz-Tomographie) oder CT (Computer-Tomografie) kann eine Schrumpfung bestimmter Bereiche des Gehirns sichtbar gemacht werden.

Behandlung

Obwohl es derzeit keine Heilung für Demenz gibt, gibt es Medikamente und nicht-medikamentöse Therapien, die dazu beitragen können, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die Behandlung von Demenz umfasst in der Regel:

  • Medikamentöse Therapie: Medikamente können zur Stabilisierung der geistigen Leistungsfähigkeit und der Alltagsbewältigung, zur Milderung von Verhaltensstörungen und in manchen Fällen auch zur Verhinderung weiterer Schädigungen des Gehirns eingesetzt werden.
  • Nicht-medikamentöse Therapie: Hierzu gehören die geistige und körperliche Aktivierung der Betroffenen, die richtige Weise des Umgangs, die bedarfsgerechte Gestaltung der Wohnung und die Beratung der Angehörigen.
  • Psychosoziale Interventionen: Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu verbessern.

Prävention

Die Prävention von Demenz ist ein wichtiges Forschungsthema, da die Zahl der Betroffenen weltweit zunimmt. Aktuelle Studien und Publikationen weisen darauf hin, dass eine gesunde Lebensweise einschließlich regelmäßiger körperlicher Aktivität, gesunder Ernährung, sozialer Interaktion und geistiger Stimulation, das Risiko für Demenz verringern kann. Durch gezielte Präventionsmaßnahmen, wie die Bekämpfung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen und Adipositas, könnte das Demenzrisiko um bis zu 40 % reduziert werden.

Herausforderungen bei der zahnmedizinischen Behandlung von Demenzpersonen

Die zahnmedizinische Behandlung von Demenzpatienten erfordert besondere Aufmerksamkeit und Sensibilität seitens Zahnärzten und Praxisteams, um den besonderen Bedürfnissen der Patientengruppe gerecht zu werden. Eine der größten Herausforderungen bei der Behandlung von Demenzpatienten besteht darin, dass sie möglicherweise nicht in der Lage sind, Schmerzen oder Unbehagen zu äußern. Daher ist es wichtig, dass Zahnärzte auf nonverbale Anzeichen achten, die auf ein mögliches Problem hindeuten könnten. Ein weiterer wichtiger Aspekt der zahnmedizinischen Versorgung von Demenzpatienten ist die Prävention von Zahnproblemen. Dazu gehört eine gute Mundhygiene, die bei Demenzpatienten möglicherweise nicht selbstverständlich ist. Bei der zahnmedizinischen Behandlung von Demenzpatienten ist es außerdem ratsam, individuell angepasste Zahnersatzlösungen zu verwenden. Zahnersatz sollte mit Namen versehen und leicht erkennbar sein, da das Einsetzen und Entfernen von Zahnersatz für Demenzpatienten ein kognitiver Prozess ist.

Forschung

Die Forschung zur Demenz ist ein aktives und sich ständig weiterentwickelndes Feld. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf der ganzen Welt arbeiten daran, die Ursachen der Demenz besser zu verstehen, neue diagnostische Verfahren zu entwickeln und wirksame Behandlungen zu finden. Aktuell sind Medikamente in der Entwicklung, die in einem sehr frühen Stadium der Alzheimer-Krankheit den Krankheitsverlauf verzögern sollen. Zwei dieser Medikamente - Lecanemab (Handelsname "Leqembi") und Donanemab (Handelsname "Kisunla") - sind 2025 in der Europäischen Union zugelassen worden und stehen seit September bzw. November 2025 auch für die Behandlung zur Verfügung. Da beide Wirkstoffe mit starken Nebenwirkungen verbunden sein können, sind für die Behandlung damit strenge Richtlinien erlassen worden.

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