Eine Demenzerkrankung, wie beispielsweise Morbus Alzheimer, führt im Laufe der Zeit zum Ausfall immer weiterer Gehirnfunktionen. Das Gehirn fungiert dabei als Steuerungszentrale für den gesamten Körper. Während sich die Erkrankung typischerweise langsam entwickelt, können plötzliche Verschlechterungen auftreten, die sowohl Betroffene als auch Angehörige stark beunruhigen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen solcher plötzlichen Verschlechterungen, die damit verbundenen Symptome und gibt Hinweise zum richtigen Umgang.
Einführung in die Demenz
Demenz ist ein Oberbegriff für verschiedene Erkrankungen, die mit einem fortschreitenden Verlust kognitiver Fähigkeiten einhergehen. Dazu gehören Gedächtnis, Denkvermögen, Orientierung, Sprache und Urteilsvermögen. Im Frühstadium der Demenz machen sich oft Störungen im Kurzzeitgedächtnis bemerkbar. Betroffene können sich Informationen nicht mehr gut merken und haben Probleme, Gesprächen zu folgen. Sie verlegen Gegenstände und haben Wortfindungsstörungen, bei denen sie mitten im Gespräch den Faden verlieren. In der frühen Phase treten erste Schwierigkeiten in der zeitlichen und räumlichen Orientierung auf. Erkrankte können alltägliche Aufgaben wie das Einkaufen, Essen kochen oder Wäsche erledigen noch alleine bewältigen.
Im mittleren Demenzstadium wird die Erkrankung deutlicher, da auch das Langzeitgedächtnis des Gehirns betroffen ist. Erkrankte können sich weniger an wichtige Erlebnisse und Ereignisse erinnern. Sie wissen beispielsweise nicht mehr, ob sie Kinder haben oder verheiratet sind. Im mittleren Krankheitsstadium fällt die räumliche Orientierung immer schwerer, was auch die eigene Wohnung betreffen kann. Durch den Verlust des räumlichen Sehens werden auch bekannte Gesichter zunehmend nicht mehr erkannt.
Im Endstadium einer Demenz verschlechtert sich der Gesundheitszustand von Patienten so stark, dass sie rund um die Uhr auf Hilfe und Pflege angewiesen sind. Erkrankte werden immer schwächer, was sie auch anfälliger für andere Krankheiten wie Atemwegsinfekte macht. Sie haben Schwierigkeiten mit dem Trinken, Essen und Schlucken. Sie kommunizieren weniger und sind müde, weshalb sie mehr schlafen.
Ursachen für plötzliche Verschlechterungen
Eine plötzliche Verschlechterung der Demenz wird von Beteiligten insbesondere bei einer akuten Verwirrtheit angenommen, die plötzlich auftritt und wieder abklingt. Angehörige denken dann auch häufig an einen Schlaganfall. Die typische Verwirrtheit einer Demenz entwickelt sich aber, wie in den Stadien beschrieben, langsamer und bessert sich auch nicht mehr.
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Plötzliche Veränderungen bei Demenzkranken können verschiedene Ursachen haben. Es sollten also sowohl körperliche als auch psychische Symptome abgeklärt werden.
Häufige Ursachen für eine akute Verschlechterung sind:
- Infektionen: Insbesondere Harnwegsinfekte oder Lungenentzündungen können den Gesundheitszustand von Demenzpatienten erheblich beeinträchtigen. Erschwert wird eine Diagnose durch Kommunikationsprobleme, die durch die Demenz verursacht werden.
- Schmerzen: Während einer Demenzerkrankung können auch Schmerzen auftreten, die selten erkannt und behandelt werden. Die Einschätzung ist schwierig, weshalb schon kleine Veränderungen im gewohnten Verhalten des Patienten auf Schmerzen hinweisen könnten, was ein hohes Maß an Aufmerksamkeit erfordert. Oft reagieren Menschen mit Demenz unruhig, ängstlich oder zurückgezogen auf Schmerzen. Sie wissen im späten Krankheitsstadium nicht mehr, was mit ihnen geschieht.
- Dehydration: Ältere Menschen und ältere Demenzpatienten trinken oft viel zu wenig. Eine Dehydratation, wie ein Flüssigkeitsmangel medizinisch auch genannt wird, kann zu Verwirrtheit und anderen Symptomen führen.
- Veränderungen im Umfeld: Nicht zuletzt reagieren Demenzkranke auf Veränderungen wie Umzüge oft mit Unruhe und Desorientierung.
Symptome einer plötzlichen Verschlechterung
Unter plötzlichen Verschlechterungen versteht man eine akute Veränderung des Verhaltens oder der kognitiven Fähigkeiten eines Menschen mit Demenz. Diese können sich in verschiedenen Symptomen äußern, wie zum Beispiel:
- Verwirrtheit und Desorientierung: Erkrankte wissen plötzlich nicht mehr, wo sie sind oder wer sie sind.
- Psychische Probleme: Es können Ängste, Unruhe und Aggressivität auftreten.
- Schlafstörungen: Der Schlaf-Wach-Rhythmus kann durcheinandergeraten.
- Veränderungen im Essverhalten: Appetitlosigkeit oder übermäßiges Essen können auftreten.
- Körperliche Beschwerden: Fieber, Infekte oder Schmerzen können zu einer Verschlechterung führen.
Vaskuläre Demenz als Ursache für plötzliche Verschlechterung
Die vaskuläre Demenz (VD) ist eine Form der Demenz, die ihren Ursprung in den Blutgefäßen des Gehirns hat - der Begriff „vaskulär“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „die Gefäße betreffend“. Vaskuläre Demenz ist mit etwa 15 Prozent aller Demenzerkrankungen die zweithäufigste Form nach Alzheimer-Demenz.
Vaskuläre Demenz entsteht aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn. Ursachen hierfür können Ablagerungen in Blutgefäßen, Blutgerinnsel oder Hirnblutungen auch in kleinerem Umfang sein. Diese können dazu führen, dass Bereiche des Gehirns mit zu wenig Sauerstoff versorgt werden. Hierdurch können Hirnzellen in unterschiedlichen Bereichen des Gehirns geschädigt werden oder absterben. Auch im weiteren Verlauf können sich die Symptome entweder schleichend oder plötzlich verschlechtern. Dazwischen kann es auch längere stabile Phasen geben.
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Bei vaskulärer Demenz können zu Beginn vor allem Probleme mit Aufmerksamkeit, verlangsamtem Denken sowie Persönlichkeitsveränderungen auftreten. Dazu können Gangstörungen oder Kontrollverluste der Blase sowie Probleme mit der Sprache kommen. Auch Gedächtnisstörungen können auftreten, stehen aber zu Beginn nicht immer im Vordergrund.
Erfahrungen als pflegende Angehörige sammelt Kirstin Puchner seit 1986. Was mit unpassenden Worten anfing, wurde Jahre später über einige Umwege als vaskuläre Demenz diagnostiziert. Seit 2018 wissen Kirstin und ihr Mann, dass er an vaskulärer Demenz leidet - einer Demenzform, die meist ausgelöst wird durch kleine Durchblutungsstörungen im Gehirn.
Selbst mit vielen Übungen sind eine vaskuläre Demenz und ihre Folgen nicht rückgängig zu machen. Ja, die Erstanzeichen haben sich mit der Zeit verstärkt: Heute kann er Gesprächen mit tieferem Inhalt nicht mehr weit folgen. Werden die Zusammenhänge zu komplex, schaltet er ab und zieht sich dann in sich zurück, ohne Ankündigung. Wenn wir irgendwo eingeladen sind, wo mehrere Leute sind, beteiligt er sich von sich aus nicht mehr an Gesprächen.
Frontotemporale Demenz (FTD)
Die frontotemporale Demenz (FTD) ist eine seltene Form einer schnell fortschreitenden Demenz. Sie macht Schätzungen zufolge zusammen mit der Alzheimer-Demenz die Mehrzahl aller Demenzerkrankungen unter 65 Jahren aus. Kennzeichnend bei der FTD ist, dass Nervenzellen speziell im Stirnhirn (Frontallappen) und im Schläfenlappen (Temporallappen) untergehen. Im Vergleich zur Alzheimer-Demenz bricht die FTD früher aus: meist zwischen dem 45. und 65. Lebensjahr.
Bei der verhaltensbetonten Variante der frontotemporalen Demenz zeigen sich zuerst Veränderungen im Verhalten und der Persönlichkeit: Anfangs wirken die Betroffenen oft unkonzentriert, desinteressiert und achtlos. Im weiteren Verlauf kann es zu sprachlichen Beeinträchtigungen wie Wortfindungs- und Grammatikstörungen oder Problemen beim Sprachverständnis kommen. Schließlich kommen Gedächtnisstörungen zum Krankheitsbild hinzu.
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Umgang mit plötzlichen Veränderungen
Pflegende Angehörige sollten bei plötzlichen Veränderungen ruhig bleiben und eine vertraute Umgebung schaffen. Gewohnte Strukturen und Routinen verleihen Betroffenen ein hohes Maß an Sicherheit. Das Führen eines Pflegetagebuchs ist bei der Betreuung von Menschen mit Demenz generell sinnvoll. Hierin können auch Symptome und Veränderungen notiert werden. So wird es etwas leichter, den aktuellen Gesundheitszustand entweder einem Krankheitsstadium zuordnen zu können oder nach Ursachen für plötzliche Veränderungen zu forschen.
In beiden Fällen sollte entweder der Hausarzt oder aber der behandelnde Facharzt zurate gezogen werden. Allein das Beurteilen, ob ein Mensch mit Demenz unter Schmerzen leidet, kann kaum von Laien bewerkstelligt werden. Hilfreich ist das Mitteilen von Beobachtungen dennoch.
Maßnahmen zur Linderung von Beschwerden
In der späten Krankheitsphase können belastende Beschwerden bei Menschen mit Demenz auftreten, die aber oft vorbeugend verhindert oder zumindest gemildert werden können.
- Schmerzen: Bei der Therapie greifen Ärzte deshalb auf verschiedene Medikamente und ein Stufenschema zurück, um den Erfolg der Behandlung richtig einschätzen zu können. Vor bewegungsbedingten Schmerzen können vor anstehenden Phasen mit Bewegung präventiv Schmerzmittel verabreicht werden.
- Luftnot: Ist eine Ursachenbehandlung nicht mehr oder nicht mehr anders möglich, kann Luftnot durch eine Sauerstofftherapie gemildert werden. Kurzfristig gelindert werden kann Luftnot durch das Öffnen von Fenstern oder das Zuführen von frischer Luft mittels Handfächer oder Ventilator. In einer aufrechten Sitzposition mit erhöhtem Kopf und seitlich abgestützten Armen können Demenzpatienten leichter atmen. Bei einer starken Luftnot und dem Ausbleiben einer Wirkung von anderen Maßnahmen wird Betroffenen Morphin in niedriger Dosierung verabreicht.
- Unruhe: Gegen Angst hilft Demenzkranken die Betreuung durch Vertraute, Musik oder Massagen und Berührungen.
Die letzte Lebensphase
Die Begleitung eines Demenzkranken bis zu seinem Tod ist anspruchsvoll und herausfordernd, aber auch erfüllend. Mit viel Verständnis für individuelle Bedürfnisse, Wünsche und Respekt können Ängste und Unsicherheiten von Betroffenen etwas gemildert werden. Da die sprachlichen Fähigkeiten von Betroffenen zu diesem Zeitpunkt kaum noch vorhanden sind, sollte nonverbale Kommunikation Verwendung finden werden. Auch durch Blickkontakt, Mimik und sanfte Berührungen kann Sterbenden tröstend beigestanden werden. Musik, Vorlesen oder das Sprechen über schöne Erinnerungen können beruhigend wirken. In der Sterbephase ist es sinnvoll, dass Schmerzen ausreichend behandelt werden. Neben einer angenehmen Umgebung sorgt eine gute Körperpflege für etwas mehr Wohlgefühl. Sofern es möglich ist, sollten sich pflegende Angehörige in dieser Phase von professionellen Palliativ-Teams oder Hospizdiensten unterstützen lassen, um die noch verbliebene Lebensqualität zu erhöhen.
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