Demenz ist ein Syndrom, das durch den Abbau kognitiver, emotionaler und sozialer Fähigkeiten gekennzeichnet ist. Obwohl es viele Ursachen für Demenz gibt, ist die Alzheimer-Krankheit die häufigste Form. Die Diagnose Demenz stellt Betroffene und Angehörige vor große Herausforderungen. Dieser Artikel beleuchtet die seelischen Ursachen von Demenz, die Auswirkungen auf die Betroffenen und ihre Familien sowie die verschiedenen Behandlungsansätze.
Was ist Demenz?
Der Begriff "Demenz" leitet sich vom lateinischen "de-mens" ab und bedeutet sinngemäß "weg vom Geist". Demenz ist ein Krankheitssyndrom, das sich durch den Abbau des Gedächtnisses sowie anderer kognitiver, emotionaler und sozialer Fähigkeiten und Fertigkeiten auszeichnet. Der fortschreitende Krankheitsprozess wirkt sich zuerst auf die höheren Hirnfunktionen aus. Beeinträchtigungen zeigen sich vor allem bei der Merkfähigkeit, dem Denk- und Problemlösevermögen, räumlich-konstruktiven Fähigkeiten sowie der Sprache. Nur bei einigen Formen ist auch die Persönlichkeit oder die Motorik betroffen.
Es ist wichtig zu verstehen, dass "Demenz" und "Alzheimer" nicht dasselbe sind. Demenz ist ein Muster von Symptomen, das viele verschiedene Ursachen haben kann. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache für Demenz, aber es gibt auch andere Formen wie die vaskuläre Demenz, die Lewy-Körperchen-Demenz und die frontotemporale Demenz.
In Deutschland leben nach jüngsten Schätzungen rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Durchschnittlich treten Tag für Tag etwa 900 Neuerkrankungen auf. Infolge der demografischen Veränderungen kommt es zu weitaus mehr Neuerkrankungen als zu Sterbefällen unter den bereits Erkrankten. Sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt, wird sich die Krankenzahl bis zum Jahr 2050 auf 2,3 bis 2,7 Millionen erhöhen.
Frühe Symptome und Diagnose
Eine Demenz beginnt schleichend. Die ersten Warnzeichen zeigen sich meist in Gedächtnis- und Orientierungsproblemen. Menschen mit einer beginnenden Demenz haben Schwierigkeiten mit gewohnten Aufgaben oder können dem Gesprächsverlauf in einer Gruppe nicht mehr richtig folgen. Auch auffällige Veränderungen in der Stimmungslage oder dem Verhalten können am Beginn einer Demenzerkrankung stehen.
Lesen Sie auch: Fortgeschrittene Demenz: Ein umfassender Überblick
Es ist wichtig zu beachten, dass alle Symptome auch andere Ursachen haben können. Wenn jedoch häufig und über längere Zeit Störungen des Kurzzeitgedächtnisses, der Konzentration oder der Orientierung auftreten, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Auch bei stärkeren Schwankungen der Stimmungslage und geistigen Fähigkeiten ist es gut, einen Arzt zu kontaktieren.
Die Diagnose von Demenzerkrankungen lässt sich bei den meisten Betroffenen mit einfachen Mitteln stellen. Die Ärztin oder der Arzt muss bei Patientinnen und Patienten mit Störungen des Gedächtnisses, der Orientierung, der Sprache oder des Denk- und Urteilsvermögens eine sorgfältige Untersuchung durchführen, um behebbare Ursachen dieser Leistungsstörungen auszuschließen, einen individuell abgestimmten Behandlungsplan zu entwerfen und die Betroffenen und ihre Familien aufzuklären und zu beraten.
Seelische Ursachen und Risikofaktoren
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass psychische Störungen das Risiko für die Entwicklung einer Demenz erhöhen können. Eine Studie analysierte Daten von 1,7 Millionen Menschen in Neuseeland und zeigte, dass Personen mit einer Angststörung, Depression oder einer bipolaren Störung etwa viermal so oft eine Demenz entwickelten. Menschen mit Psychose oder Schizophrenie erkrankten sogar sechsmal häufiger als mental gesunde Vergleichspersonen. Zudem begann der geistige Abbau bei den Vorerkrankten im Schnitt 5,6 Jahre früher.
Eine Übersichtsarbeit von internationalen Fachleuten identifizierte zwölf beeinflussbare Faktoren, die für rund 40 Prozent der Demenzfälle weltweit verantwortlich sein sollen. Zu diesen Faktoren gehören neben Adipositas, Bluthochdruck und Diabetes mellitus auch ein niedriges Bildungsniveau, soziale Isolation und psychische Störungen.
Es ist wichtig zu beachten, dass diese Studien keine Kausalität beweisen. Es ist möglich, dass psychische Störungen ein Frühsymptom der Demenz sind oder dass andere Faktoren, die mit psychischen Störungen einhergehen, das Demenzrisiko erhöhen.
Lesen Sie auch: Wechselwirkungen zwischen Schmerzmitteln und Demenz
Depression bei Demenz
Nicht selten entwickeln Menschen mit Demenzerkrankung zusätzlich eine Depression. Fachleute schätzen, dass rund 40 Prozent aller Alzheimer-Erkrankten betroffen sind. Eine Studie zeigte, dass Menschen mit Alzheimer-Demenz ein mehr als doppelt so hohes Risiko hatten, eine Depression zu entwickeln, als Nicht-Demenzkranke. Das Risiko war im ersten Jahr nach der Diagnosestellung sogar dreifach höher und bis zu drei Jahre später noch deutlich erhöht.
Depressionen bei Demenzkranken äußern sich sehr unterschiedlich. Während manche Menschen unruhig werden oder ständig Nähe suchen, ziehen sich andere zurück, schlafen schlecht oder entwickeln ein ungewöhnliches Sammelverhalten. Oft kommen körperliche Beschwerden hinzu, etwa Kopf- oder Magenschmerzen.
Depression und Demenz können das Risiko für einen Suizid erhöhen. Vor allem in den ersten drei Monaten nach Diagnosestellung ist das Suizidrisiko erhöht, denn die ärztliche Übermittlung der Diagnose kann Betroffene in eine existenzielle Krise stürzen. Stärkend wirken soziale Beziehungen, gute Begleitung durch Angehörige sowie Zugang zu professioneller Hilfe und externe Unterstützung.
Psychische und Verhaltenssymptome (BPSD)
Psychische und Verhaltenssymptome (BPSD) treten sehr häufig im Rahmen von Demenzerkrankungen auf. Sie umfassen affektive Symptome, Veränderungen des Antriebs (Hyperaktivität bzw. Apathie), psychotische Symptome und Verhaltenssymptome.
Mögliche Symptome sind Depression, Angst, Agitation, Apathie, Enthemmung, Aggression, Reizbarkeit, Wahn, Halluzinationen, Zwangsstörungen, Appetitstörungen und Schlafstörungen.
Lesen Sie auch: Ursachen und Behandlung von Zittern bei Demenz
Die Behandlung von BPSD umfasst primär nichtmedikamentöse Maßnahmen wie die Anpassung von Einflussfaktoren (Umgebung, Kommunikation, Komorbiditäten, Schmerz), Schulungen von Angehörigen und Pflegenden sowie pflegerische Maßnahmen, kognitive, sensorische, aktivierende und körperliche Therapien. Psychopharmakotherapie wird in Akut- und Notfallsituationen oder bei unzureichendem Therapieansprechen eingesetzt.
Behandlungsmöglichkeiten
Demenzerkrankungen sind derzeit noch nicht heilbar. Dementsprechend konzentriert sich die Behandlung darauf, die Lebensqualität der Patienten und ihrer Angehörigen zu verbessern. Inzwischen gelten medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapien als gleichwertige Behandlungsmaßnahmen, die sich auch gegenseitig ergänzen.
Medikamentöse Behandlung
Die medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten richten sich nach der zugrundeliegenden Demenzform. Antidementiva können bei einigen Demenzformen eingesetzt werden, um den Erkrankungsverlauf und den Funktionsverlust im Alltag zu entschleunigen. Zur Linderung von Begleitsymptomen wie Unruhe, Halluzinationen, Depressivität oder Schlafstörungen können bestimmte Antidepressiva und Antipsychotika eingesetzt werden.
Nicht-medikamentöse Behandlung
Eine wichtige Bedeutung in der Therapie der Demenz haben psychosoziale Interventionen. So kann insbesondere im Anfangsstadium der Erkrankung eine Psychotherapie sinnvoll sein, um die Diagnose leichter zu bewältigen. Weitere nicht-medikamentöse Therapiebausteine sind eine alltagsnahe kognitive Stimulation, eine individuell angepasste Ergotherapie und gezielte körperliche Aktivitäten. Diese Maßnahmen sollten nach Möglichkeit im häuslichen Umfeld des Patienten durchgeführt werden. Ziel ist es, die Lebensqualität, Fähigkeiten und positive Gefühle der Demenzkranken zu fördern und gleichzeitig die Pflegenden zu entlasten. Zusätzlich sinnvoll sind intensive Angehörigentrainings, um Belastungsfolgen wie Depressionen oder Burnout bei Familienangehörigen zu vermeiden. Gleichzeitig lassen sich dank entsprechender Trainings Heimeinweisungen länger vermeiden.
Nicht-medikamentöse Therapieansätze zielen darauf ab, die Befindlichkeit der erkrankten Person und die Anpassungsfähigkeit an das nachlassende Leistungsvermögen zu verbessern. Die Art der eingesetzten Verfahren richtet sich vorwiegend nach der Art der Demenz, dem Stadium der Erkrankung, den Bedürfnissen der Erkrankten und der Betreuenden.
Kognitive Verfahren, Ergotherapie, körperliche Aktivierung, künstlerische Therapien und sensorische Verfahren können eingesetzt werden, um die Fähigkeiten des Patienten zu fördern und dessen Lebensqualität zu erhalten.
Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten
Bei allen der Demenz zugrundeliegenden Erkrankungen können neben der Beeinträchtigung des Denkens und des Gedächtnisses auch Störungen im Erleben und Verhalten auftreten, z.B. Depression, Aggression oder Angst. Es sollte zunächst versucht werden, auf nicht-medikamentöse Art einzugreifen, in dem zunächst die Auslöser identifiziert werden. Dann können z.B. Hilfsmittel eingesetzt werden, die das tägliche Leben erleichtern, oder Maßnahmen, die die soziale Einbindung fördern und erhalten.
Herausforderungen für Angehörige
Eine Demenzerkrankung kann auch für Freunde und Angehörige eine besondere Herausforderung sein. Die meisten einer Demenz zugrunde liegenden Erkrankungen sind prozesshaft fortschreitend, nur für wenige gibt es zugelassene Medikamente, die jedoch die Krankheit weder beseitigen noch den Krankheitsverlauf beeinflussen können.
Es ist wichtig, die Familie stets mit in die Therapie einzubeziehen und diese über das Krankheitsbild und dessen Auswirkungen umfassend zu informieren. Wichtig ist nicht zuletzt, dass pflegende Angehörige sich rechtzeitig Hilfe und Unterstützung holen.
Prävention
Obwohl Demenz derzeit nicht heilbar ist, gibt es Möglichkeiten, das Risiko einer Erkrankung zu verringern. Eine viel zitierte Übersichtsarbeit beschreibt zwölf beeinflussbare Faktoren, die für rund 40 Prozent der Demenzfälle weltweit verantwortlich sein sollen. Bei ihnen anzusetzen, könnte daher zahlreichen Erkrankungen vorbeugen. Genannt werden unter anderem Adipositas, Bluthochdruck und Diabetes mellitus sowie ein niedriges Bildungsniveau, soziale Isolation - und psychische Störungen.
Regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, soziale Kontakte, Stressbewältigung und geistige Aktivität können dazu beitragen, das Gehirn gesund zu halten und das Demenzrisiko zu senken.