Die Demenz ist eine der größten Herausforderungen im Gesundheitswesen des 21. Jahrhunderts. In Deutschland leben aktuell etwa 1,6 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung. Die Zunahme der Erkrankung stellt Kliniken und Altenpflegeeinrichtungen vor enorme Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, dass Pflegekräfte und andere Fachkräfte im Gesundheitswesen fundiertes Wissen über Demenz besitzen und in der Lage sind, Betroffene professionell und empathisch zu betreuen.
Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Unterrichtsmaterialien und Ressourcen, die für die Aus- und Weiterbildung im Bereich Demenzpflege zur Verfügung stehen. Ziel ist es, Lehrende und Lernende gleichermaßen zu unterstützen, ein tiefes Verständnis für die Erkrankung zu entwickeln und die bestmögliche Versorgung von Menschen mit Demenz sicherzustellen.
Unterrichtseinheit "Demenz": Ein umfassendes Lernpaket
Eine hochwertige Unterrichtseinheit zum Thema Demenz befasst sich mit der Entstehung der Erkrankung sowie den damit verbundenen Stadien und Symptomen. Sie stellt Lehrkräften umfassende Arbeitsmaterialien, interaktive Übungen und eine PowerPoint-Präsentation zur Verfügung. Diese Unterrichtseinheit eignet sich für die berufliche Bildung im Bereich Ernährung & Gesundheit, Gesundheitsschutz, Pflege, Therapie und Medizin und ist auf etwa 6 Unterrichtsstunden ausgelegt.
Inhalte der Unterrichtseinheit
Die Unterrichtseinheit beginnt mit einem Erfahrungsaustausch, bei dem die Lernenden ihre persönlichen Erfahrungen mit Menschen mit Demenz teilen. Anschließend werden die unterschiedlichen Symptome der Erkrankung sowie die verschiedenen Demenzformen vorgestellt. Ein wichtiger Aspekt ist die Unterscheidung zwischen Demenz- und Delirsymptomen. Im weiteren Verlauf werden die Stadien der Demenz thematisiert und nichtmedikamentöse Therapieansätze vorgestellt und diskutiert.
Die Unterrichtseinheit beinhaltet auch zusammenhängende Arbeitsblätter, auf denen die Lernenden ihre Erfahrungen mit Demenzerkrankungen festhalten. Sie ergründen drei Störungen beziehungsweise Leitsymptome, die im Laufe der Demenzerkrankung auftreten, und vergleichen Fallbeispiele zu Demenz und Delir anhand vorgegebener Faktoren. Zudem werden Maßnahmen der Delirprävention erörtert und nichtmedikamentöse Therapiemaßnahmen diskutiert.
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Interaktive Übungen zur Wissensvertiefung
Die Unterrichtseinheit wird durch interaktive Übungen ergänzt, die das Wissen der Lernenden vertiefen und ihre Diagnosekompetenz schulen. In einer Übung befassen sich die Lernenden mit der primären und sekundären Form der Demenzerkrankung und ordnen vorgegebene Merkmale den jeweiligen Formen zu. Eine weitere Übung dient der Differenzierung zwischen Demenz und Delir anhand von Richtig-/Falsch-Fragen. In einer dritten Übung erlernen die Schülerinnen und Schüler, charakteristische Erscheinungsformen der Demenzerkrankung dem jeweiligen Stadium zuzuordnen.
Unterrichtsablauf im Detail
Der Unterrichtsablauf ist klar strukturiert und umfasst verschiedene Phasen:
- Einstieg: Erfahrungsaustausch der Lernenden in Paararbeit (15 Minuten)
- Erarbeitung I: Bearbeitung von Aufgaben auf dem Arbeitsblatt und Erläuterung grundsätzlicher Informationen zur Demenzerkrankung. Bearbeitung der ersten interaktiven Übung zu den primären und sekundären Formen der Demenz (35 Minuten)
- Erarbeitung II: Thematisierung der primären und sekundären Demenzen. Bearbeitung von Aufgaben auf dem Arbeitsblatt und Besprechung der Ergebnisse im Plenum (40 Minuten)
- Erarbeitung III: Erläuterung der Unterschiede der Symptomatik von Demenz und Delir. Bearbeitung der zweiten interaktiven Übung "Demenz und Delir". Recherchen zur Delirprävention. Bearbeitung der dritten interaktiven Übung "Stadien der Demenz" (90 Minuten)
- Abschluss: Lehrkraftvortrag zur Bedeutung der Kommunikation. Rechercheauftrag zu nichtmedikamentösen Therapieformen. Präsentation und Diskussion der Ergebnisse im Plenum (135 Minuten)
Didaktisch-methodischer Kommentar
Die Unterrichtseinheit zielt darauf ab, dass die Auszubildenden erkennen, dass die Zahl an demenzerkrankten Personen stetig zunimmt und dass es erforderlich ist, auch im späten Stadium der Demenz Zugangswege zu finden, um die Pflege und Betreuung Betroffener zu gewährleisten.
Demenz kindgerecht erklären
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Kindern das Thema Demenz näherzubringen. Hier sind einige Angebote:
- Film „Knietzsche und die Demenz“: Der Animationsfilm begleitet Knietzsche, den kleinsten Philosophen der Welt, und seine Oma auf der Reise, die Demenz zu entdecken. Ein für Grundschülerinnen und Grundschüler angepasstes Konzept schafft einen kindgerechten Einstieg in das komplexe Thema.
- Workshop-Konzept: Lehrkräfte und Pädagogen finden weitere ausgearbeitete Unterrichtseinheiten und umfangreiches Material unter Alzheimer4Teachers.
- Infomaterial für Kinder und Jugendliche: Pädagogen und Erzieher finden Infomaterial auf der Internetseite der Nationalen Demenzstrategie.
- Demenz Lernspiel "Was hat Oma?": Das kostenfreie, interaktive Online-Spiel wurde von der Technischen Universität Dresden in Zusammenarbeit mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft entwickelt. Es erklärt kindgerecht Demenz und gibt Tipps für den Umgang mit Menschen mit Demenz.
Weiterführende Informationen und Ressourcen
Es gibt zahlreiche weitere Informationsquellen und Ressourcen zum Thema Demenz:
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- Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg: Bietet kostenfreie Podcastfolgen für Kinder und Jugendliche.
- Kompetenzzentrum Demenz Schleswig-Holstein: Bietet zusätzliche Informationen, zum Beispiel zu der kostenfreien Online-Gruppe für junge Angehörige von Menschen mit Demenz.
- Kultusministerkonferenz: Hat "Beispiele guter Praxis für die Verknüpfung des Lernbereiches Demenz mit weiteren Lernfeldern in der Altenpflegeausbildung" für Berufsfachschulen für Altenpflege zusammengestellt.
- Sächsisches Staatsministerium für Kultus: Hat bereits im Jahr 2016 Materialien für den Unterricht in allen Altersklassen und Schularten veröffentlicht.
Lernvideos zum Thema Demenz
Lernvideos sind eine wertvolle Ergänzung zu Schulungskursen und können Theorie und Praxis gut verbinden. Hier ist eine Auswahl sehenswerter Lernvideos:
- Demenzerkrankungen im Überblick:
- Alzheimer Demenz
- Lewy-Körperchen Demenz
- Ein Tag im Leben von Theo: Zeigt einen einfühlsamen Einblick in den Pflegealltag eines an Alzheimer erkrankten Mannes, der von seiner Ehefrau zuhause gepflegt wird.
- Umgang und Kommunikation bei Demenz:
- Integrative Validation nach Richard
- Marte Meo
Nicht-medikamentöse Therapien
Es gibt eine Vielzahl von nicht-medikamentösen Therapien, um die geistige Leistungsfähigkeit und die Alltagsfähigkeiten von Menschen mit Demenz zu fördern und Verhaltensauffälligkeiten zu reduzieren. Dazu gehören beispielsweise:
- Ergotherapie: Üben von Tätigkeiten wie Körperpflege, Ankleiden oder Aufgaben im Haushalt.
- Gemeinsame Aktivitäten: Fördern das Wohnbefinden, steigern die Lebensqualität und tragen dazu bei, die Selbständigkeit länger zu erhalten. Beispiele sind Musikhören, Ansehen alter Fotos, Kuchenbacken oder Ausflüge.
- App der Deutschen Alzheimer Gesellschaft „Alzheimer & YOU - den Alltag aktiv gestalten“: Bietet Angehörigen Anregungen zur Alltagsgestaltung.
- Kreativität trotz(t) Demenz: Fingerfarben und ein großflächiges Papier können zu einem intensiven Erlebnis werden.
- Musik: Weckt Emotionen und Erinnerungen. Gemeinsames Singen, Tanzen oder Musizieren bringen Freude und Bewegung in den Tag.
Umgang mit herausforderndem Verhalten
Häufig entwickeln sich durch eine Demenz Verhaltensweisen, die für die Angehörigen schwierig sind. Angehörige und Pflegende können Konflikte oft durch ihr Verhalten und eine angepasste Kommunikation vermeiden. Der AOK Pflegecoach und Demenzworld bieten E-Learning-Module mit Filmbeispielen, um die veränderten Verhaltensweisen besser zu verstehen.
Unterstützung für pflegende Angehörige
Pflegende Angehörige leisten eine seelisch wie körperlich schwierige und belastende Arbeit. Es ist wichtig, dass sie sich rechtzeitig um Unterstützung kümmern und Hilfe zulassen.
- Schulungskurse für Angehörige: Bieten eine gute Möglichkeit, sich umfassend und im Austausch mit anderen Angehörigen über Demenz-Erkrankungen, den Umgang mit herausforderndem Verhalten und die eigenen Belastungen zu informieren.
- Entlastungsangebote: Ehrenamtliche Angebote zur Unterstützung im Alltag oder Angebote zur Tagespflege.
- Tagesstätten: Der Besuch einer Tagesstätte wirkt sich meist sehr positiv auf das Wohlbefinden der Kranken aus und entlastet gleichzeitig die pflegenden Angehörigen.
Mundpflege bei Demenz
Bei Menschen, die in ihrer Wahrnehmung beeinträchtigt sind, ist die Mundpflege häufig erschwert. Behutsames Vorgehen ist entscheidend, um Abwehrreaktionen zu vermeiden. Die Prinzipien der basalen Stimulation sind hierfür besonders geeignet.
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Bewegung und Aktivität
Mehr Aktivität bedeutet mehr Wohlbefinden, wirkt glückssteigernd und fitnessfördernd. Das Alltagstrainigsprogramm (ATP) mit 25 Übungskarten motiviert mit leicht umzusetzenden Tipps und Anregungen. Die Demenzbotschafterin Martina Voss-Tecklenburg zeigt im Rahmen der Aktion „TEAMGEIST für Menschen mit Demenz“ Bewegungen, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen.
Selbstbestimmung trotz Demenz
Ein Leben mit Demenz ist noch lange selbstbestimmt möglich. Es ist wichtig, gelassen zu reagieren und auf „Entgleisungen“ vorbereitet zu sein. Man sollte anderen Menschen gegenüber offensiv mit diesen Situationen umgehen.
Empathie und Verständnis
Im Umgang mit Demenzkranken ist vor allem das Verstehen sehr wichtig. Angehörige sollten sich immer wieder vor Augen führen, in welcher Situation sich die Betroffenen befinden. Dafür ist es wichtig, sich gut über das Krankheitsbild zu informieren.
Unterstützung bei der Entscheidung für ein Pflegeheim
Es ist wichtig, rechtzeitig auch den Gedanken zuzulassen, dass die Pflege nicht mehr allein bewältigt werden kann und ein Umzug ins Pflegeheim der richtige Weg ist. Gut vorbereitet kann es ein Segen für beide sei und wieder Lebensqualität und Lebensfreude zurückbringen.
Aufklärung in der Schule
Die Schule ist ein wichtiger Ort für Aufklärung und Wissensvermittlung zum Thema Demenz. Materialien und Filme wie "Romys Salon" können im Unterricht eingesetzt werden, um das Thema kindgerecht zu vermitteln.
Alzheimer4teachers: Eine umfassende Plattform für Lehrkräfte
Alzheimer4teachers richtet sich an Pädagoginnen und Pädagogen, die im Unterricht Kindern und Jugendlichen das Thema Demenz näherbringen wollen. Die Seite bietet gut aufbereitetes und erprobtes Unterrichtsmaterial für Grundschülerinnen und Grundschüler bis zu Teenagern.
Prävention von Demenz
Der Artikel von dasGehirn.info bietet einen guten Überblick über Möglichkeiten der Demenz - Prävention (Stand 05.2013).
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