Demenz ist eine Erkrankung, die nicht nur Betroffene, sondern auch ihre Familien vor große Herausforderungen stellt. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Aspekte der Demenz, von den ersten Anzeichen über den Umgang mit Betroffenen bis hin zu rechtlichen und praktischen Hilfestellungen.
Was wir von Menschen mit Demenz lernen können
Menschen mit Demenz können uns wertvolle Lektionen erteilen, insbesondere im Hinblick auf Ehrlichkeit, Achtsamkeit und das Leben im Augenblick. Sie sind oft absolut ehrlich, da kognitive Einschränkungen das Lügen erschweren. Sie leben im Hier und Jetzt und verlassen sich stark auf ihr Bauchgefühl.
Wir können von Demenzkranken lernen, uns weniger auf äußere Zwänge wie Zeitpläne zu konzentrieren und mehr auf unser inneres Wohlbefinden zu achten. Sie leben die Zeit, Zeit ist für sie ein Zustand. Davon könnten wir uns so manches Mal etwas abschauen und entspannter durch den Tag gehen. Sie sind sehr feinfühlig und achten sehr stark auf nonverbale Signale - sicher nicht bewusst, aber unbewusst. Sie achten darauf, was sie spüren. Und ein wenig mehr auf den eigenen Bauch statt nur auf den Kopf zu hören, ist etwas, was man für sein eigenes Leben ruhig einmal in Betracht ziehen kann.
Anzeichen und Symptome von Demenz
Die Symptome einer Demenz können vielfältig sein und sich im Laufe der Zeit verändern. Es ist wichtig, aufmerksam zu sein und Veränderungen im Verhalten und den Fähigkeiten von Angehörigen ernst zu nehmen.
Einige der häufigsten Anzeichen sind:
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- Vergesslichkeit: Demente Menschen vergessen oft wichtige Dinge, die erledigt werden sollten. Spätestens, wenn Sie die fünfte Bankautomatenkarte oder zehnte EC-Karte beantragen müssen, sollten die Alarmglocken läuten. Ab und zu verlegt wohl jeder seine Geldbörse oder sucht seine Brille. Findet sich allerdings der Schuhlöffel im Honigglas oder Schmuck im Backrohr, kann nicht mehr von normaler Vergesslichkeit gesprochen werden.
- Zeitliche Verwirrung: Oft kann es auch zur zeitlichen Verwirrung kommen. Der Verlust des abstrakten Denkens führt bei Demenzkranken dazu, dass das Zeitgefühl verloren geht und Tageszeiten nicht mehr richtig gedeutet werden können. So kann es passieren, dass das Abendessen für das Frühstück gehalten wird und Termine versäumt werden.
- Verlorene Gegenstände: Spätestens, wenn Sie die fünfte Bankautomatenkarte oder zehnte EC-Karte beantragen müssen, sollten die Alarmglocken läuten. Ab und zu verlegt wohl jeder seine Geldbörse oder sucht seine Brille. Findet sich allerdings der Schuhlöffel im Honigglas oder Schmuck im Backrohr, kann nicht mehr von normaler Vergesslichkeit gesprochen werden.
- Beeinträchtigung der Urteilsfähigkeit: Die ersten sichtbaren Probleme zeigen sich bei komplexen Handlungen, wie Bankgeschäften. Doch auch vermeintlich einfache Aktionen, wie die Wahl der zum Wetter passenden Bekleidung, werden bei Demenzkranken nicht mehr richtig bewältigt. Eine dünne Bluse im Winter oder Stiefel und Schal an heißen Sommertagen sind ein Indiz, dass etwas nicht mehr stimmt.
- Persönlichkeitsänderungen: Vor allem starke Persönlichkeitsänderungen sind häufig ein Zeichen für eine Demenz. Zwar werden Menschen im Alter oft empfindlicher und wählerischer. Kippt jedoch die Persönlichkeit auffallend und bisher freundliche Menschen sind immer leichter reizbar bis streitsüchtig, sollten die Ursachen hierzu hinterfragt werden. Die Betroffenen fühlen sich unwohl, unsicher und reagieren mitunter mit gegensätzlichen Verhaltensmustern. Weitere Veränderungen der Persönlichkeit können jedoch auch in die andere Richtung tendieren: Oft sind vor allem betagte Menschen sehr müde. Der Angehörige wird vielleicht weinerlich oder ängstlich; manchmal kommt eine unerklärbare Unruhe hinzu. Genau hinschauen sollten Sie, wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Angehöriger leidet zunehmend an Depressionen. Die Depression kann bereits Teil der Demenzerkrankung sein oder vielleicht auch eine Vorstufe, in deren Verlauf kognitive Fähigkeiten verloren gehen, um dann in eine Demenz zu münden.
- Lustlosigkeit: Demenzkranke Menschen verlieren häufig das Interesse an Hobbys, können Arbeiten nicht mehr zu Ende bringen und sind freudlos bei jeglicher Art von Aktivität. Oft wird daher diese Symptomatik der Alzheimerdemenz als „depressive Verstimmung“ abgetan.
- Verlust des Geruchssinns: Wer plötzlich nichts mehr riecht oder den Geschmackssinn verliert (beides ist ja aneinander gekoppelt), sollte sich Gewissheit über den Auslöser verschaffen. Demenz und vor allem Morbus Parkinson gehen oft mit dem Verlust des Riechens einher.
- Halluzinationen und Wahnvorstellungen: Im weiteren Verlauf der Erkrankung kann sich dieses Symptom verstärken. Häufig treten zunächst Verwechslungen auf, bei denen frühere Erinnerungen mit der Gegenwart verschwimmen - etwa wenn eine betroffene Person im Arzt den eigenen Vater zu erkennen glaubt. Solche Verkennungen können sich auch in Form von Wahnvorstellungen äußern, wie etwa dem Verdacht, die Verkäuferin würde einem betrügen oder die Partnerin würde Geld klauen. Solche Äußerungen sollten nicht einfach abgetan, sondern ernst genommen und einfühlsam begleitet werden.
- Unruhe und Nervosität: Menschen mit einer fortgeschrittener Demenz sind oft unruhig, nervös und rastlos. Ein misstrauisches Verhalten ist ebenfalls typisch für diese Krankheit. Gleichzeitig verschlechtert sich zunehmend auch das Zeitgefühl der Betroffenen.
- Sprachstörungen: Wohl jeder kennt das Gefühl, wenn einem das Wort auf der Zunge liegt. So ergeht es Menschen mit Demenz häufig. Nur, dass ihnen zunehmend die einfachsten Worte nicht mehr einfallen, sie unpassende Füllworte verwenden und ihre Sätze immer kürzer werden. Ebenfalls treten Wortschöpfungen (zum Beispiel Kühlkasten oder Gefrierdings für Kühlschrank) auf. Einschränkungen in der Sprache oder Probleme beim Folgen des Gesprächs deuten ebenfalls auf einen schleichenden Gedächtnisverlust hin.
- Orientierungslosigkeit: Der Angehörige findet den gewohnten Heimweg nicht mehr und ist erstaunt, wenn Sie eine Verabredung einhalten. Oder er vergisst gehäuft, welcher Tag genau ist bzw. stellt immer wieder gewohnte Termine in Frage. Er könnte sogar in seiner eigenen Straße stehen und die Orientierung verloren haben. Räumliche und zeitliche Desorientierung ist ein Merkmal für Demenz im Frühstadium.
- Probleme bei gewohnten Abläufen: Smart Home Geräte gibt es mittlerweile auch im Küchenbereich. Sie können Demenzkranke dabei unterstützen, so lange wie möglich zu Hause wohnen zu bleiben. Atypische Störungen äußern sich bei alltäglichen Handlungen wie Kochen, beim Anziehen oder Autofahren.
- Zurückgezogenheit: Bereits zu Beginn der Erkrankung bemerken Betroffene die Veränderungen und versuchen, diese vor der Öffentlichkeit zu verstecken. Deshalb ziehen sie sich zurück und sprechen immer weniger mit anderen Menschen, oftmals, weil sie sich für die eigenen Symptome schämen. So wird die Skatrunde abgesagt, weil das Busfahren zu schwierig geworden ist oder es werden immer wieder Angehörige um die Erledigung von Einkäufen oder anderen kleinen Dingen gebeten, weil man es sich selbst nicht mehr zutraut. Dieses Anzeichen von Demenz ist typisch, wird aber oftmals mit einer depressiven Verstimmung verwechselt.
- Ungepflegtes Erscheinungsbild: Demenzkranke vergessen nicht immer nur Namen und Gesichter, sondern auch die eigene Körperpflege. Wenn der sonst routinierte Tagesablauf stockt und Ihr Angehöriger sich nicht mehr regelmäßig wäscht oder ankleidet, kann dies ein Anzeichen auf eine fortschreitende Demenz sein.
- Nichterkennen bekannter Personen: Schreitet eine Demenz weiter fort, nehmen auch die Symptome zu. Nach und nach leidet auch das Langzeitgedächtnis. Dies äußert sich schließlich darin, dass Betroffene plötzlich gute Bekannte und später die eigene Familie nicht mehr erkennen. Ein erstes Anzeichen ist hierbei, wenn Ihr Angehöriger zunehmend Schwierigkeiten dabei hat, sich an Namen zu erinnern oder diese den richtigen Personen zuzuordnen.
- Klare Kindheitserinnerungen werden präsenter: Erinnerungen, die Jahrzehnte zurückliegen, sind Ihrem Angehörigen plötzlich ganz präsent, während er nicht mehr weiß, was es heute zu essen gab?
Schwierigkeiten bei der Diagnose und der Umgang mit Verweigerung
Es ist nicht selten, dass Betroffene einen Arztbesuch verweigern, oft aus Angst vor der Diagnose oder dem Verlust der Selbstständigkeit. In solchen Fällen ist es wichtig, behutsam vorzugehen und das Gespräch zu suchen. Es kann hilfreich sein, den Arztbesuch mit anderen Beschwerden wie Schwindel oder Kopfweh zu begründen.
Der Fall des Vaters (81) mit Demenzsymptomen
Ein konkretes Beispiel ist der Fall eines 81-jährigen Vaters, der seit etwa 4-5 Jahren leichte bis starke Demenzsymptome zeigt. Anfänglich waren es Wiederholungen innerhalb eines Gesprächs, dann kamen Irritationen und Verwechslungen was Orte und Zeiten angeht dazu, mittlerweile ist das Kurzzeitgedächtnis fast komplett weg und er erkennt sein eigenes Haus, seine Familie und Bekannten nicht wieder. Er hält sich selber für einen jungen Mann und spricht meist über Themen aus seiner Ausbildung oder ersten Arbeit.
Die Familie steht vor der Herausforderung, ihn zu einer qualifizierten Diagnose zu bewegen, da er Ärzte meidet und seine Vergesslichkeit abstreitet.
Mögliche Lösungsansätze
- Hausbesuche: Gibt es Neurologen/Psychologen, die Hausbesuche machen? Wenn einer auf einmal vor der Haustüre steht, dann wirkt hoffentlich der "Gott in weiß"-Effekt und er lässt sich untersuchen.
- Vorwände nutzen: Ihn unter einem Vorwand zum Neurologen zu locken. Er klagt gelegentlich über Schwindel und Kopfweh - das könnte man ja als Vorwand nehmen und wenn er dann beim Arzt sitzt, macht er die Tests und Untersuchungen zur Demenz hoffentlich mit.
- Gespräche mit dem Hausarzt: Könnten Sie mit dem Hausarzt reden und die besondere Lage mit all den Beobachtungen und Befürchtungen schildern ? Vielleicht ist er ein netter und guter Arzt, der dann tatsächlich auch einen Hausbesuch vornehmen könnte, für einen ersten Eindruck und dann möglicherweise den unwilligen Patienten überzeugt sich in der Praxis untersuchen zu lassen.
Es ist wichtig zu bedenken, dass der Betroffene möglicherweise ahnt, dass etwas nicht in Ordnung ist, und Angst vor der Diagnose hat.
Die Bedeutung einer Diagnose
Eine offizielle Diagnose ist entscheidend für die weitere Versorgung und Unterstützung des Betroffenen. Sie ermöglicht den Zugang zu Leistungen wie Pflegestufe bzw. ein Pflegegrad bestimmt werden kann. der Hausarzt kann diese Diagnose nicht stellen.
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Was bringt eine offizielle Diagnose?
- Pflegegrad: Für die Aufnahme in ein Pflegeheim braucht man i.A.einen Pflegegrad, soweit mir bekannt ist, auch wenn mal Kurzzeitpflege anstehen sollte.
- Rechtliche Absicherung: Was wäre z.B. bei Geschäftsabschlüssen am Telefon oder irgendeiner anderen finanziellen Angelegenheit? Dement heißt doch nicht automatisch geschäftsuntüchtig oder unmündig.
- Planungssicherheit: Unsere Sorge war ebe, falls irgendwas gesundheitliches mit unserer Mutter wäre und sie sich temporär oder dauerhaft nicht mehr um ihn kümmern könnte. Wir Kinder könnten kurzfristig für ein paar Wochen einspringen. Aber dauerhaft ist das keine Lösung. Und um dann Pflege (im Haus, Tagespflege oder auch ein Pflegeheim) zu bekommen, braucht man doch vermutlich eine offizielle Diagnose und eine Einstufung des Pflegegrades.
Der diagnostische Prozess
Im Grunde ist ja der erste Ansprechpartner der Hausarzt und das sollte auch so sein. Der Hausarzt, der sensibilisiert ist, der untersucht selber. Wenn die Symptome ganz leicht sind, so dass wir im Alltag, wenn wir mit einem Menschen sprechen, der über seine Vergesslichkeit redet, gar nicht das nachvollziehen können und denken: 'Naja, der wirkt doch eigentlich sehr fit und ganz normal', dann muss man ausführlicher untersuchen.
- Neuropsychologische Testung: Das heißt, das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit, die Sprache und verschiedene andere höhere Hirnfunktionen werden untersucht. Das sind Tests, die mit dem Stift auszufüllen sind oder am Computer.
- Kurztests: In einem Kurztest werden drei Wörter vorgegeben, 'Auto, Blume, Kerze', dann wird eine kleine Rechenaufgabe - Man muss von 100 sieben abziehen bis 65 runter - gestellt. Damit wird so ein bisschen die Aufmerksamkeit, den Faden halten, die Konzentration geprüft und nachdem die Patienten gerechnet haben, wird gefragt: 'Ich hatte Ihnen eben oder Sie hatten mir drei Wörter wiederholt, wie hießen die? Und die Patienten, die eine deutlichere Ausprägung haben, die können sich nie diese drei Wörter merken.
- Ausführlicher Gedächtnistest: Ein ausführlicher Gedächtnistest, den wir in der Gedächtnisambulanz machen, ist, dass man 15 Wörter lernen muss und zwar fünfmal hintereinander und dass danach eine zweite Wortliste gelernt wird, auch mit 15 Wörtern und dass danach - nach weiteren 20 Minuten - nach der ersten Wortliste nochmal gefragt wird.
Formen der Demenz
Im alltäglichen Sprachgebrauch werden die Begriffe „Alzheimer“ und „Demenz“ oft gleichbedeutend verwandt. Tatsächlich ist Demenz der Oberbegriff und Alzheimer eine Form der Erkrankung.
- Alzheimer-Demenz: Die Alzheimer-Demenz ist die häufigste Demenzform. Ihre Ursachen sind leider noch nicht vollständig geklärt. Doch man kennt die Prozesse, die das Entstehen der Krankheit begünstigen.
- Vaskuläre Demenzen: Vaskulär bedeutet „gefäßbedingt“. Unter vaskulären Demenzen versteht man alle Formen, bei denen die Krankheit durch Veränderungen der Durchblutung des Gehirns ausgelöst wird. Dazu gehören Gefäßverschlüsse und Infarkte.
- Lewy-Körperchen-Demenz: Die Symptome dieser Form der Erkrankung ähneln denen der Alzheimer Demenz. Zusätzlich treten oft Halluzinationen auf. Auch häufige Stürze oder Parkinson-Symptome können auf diese Form deuten. Die Patienten sprechen gut auf Antidementiva an.
- Frontotemporale Demenz: Frontotemporale Demenzen beginnen oft bereits zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr. Auffällig ist eine gestörte Fähigkeit, Impulse zu steuern.
Umgang mit schwierigen Verhaltensweisen
Demenzerkrankungen sorgen nicht nur dafür, dass die kognitiven Fähigkeiten in Verlust gehen, sondern können auch Charakter und Persönlichkeit von Betroffenen verändern; sogar fast schon ins Gegenteil verkehren. Aggressionen, Beleidigungen und Gewaltausbrüche sind keine Seltenheit. Eine häusliche Pflege kann für Kinder zum Albtraum werden. Es kann sogar so schlimm für die Kinder werden, dass sie sich den Tod von Mutter oder Vater herbeiwünschen. Nicht nur, um Elternteilen weitere Qualen zu ersparen, sondern auch, um sich von der eigenen Bürde zu erleichtern. Schockiert von derartigen Aussagen sind nur Menschen, die die Facetten einer Demenz noch nie gesehen und erlebt haben.
Es ist entscheidend, die Ursache für das Verhalten zu verstehen und entsprechend zu reagieren.
Strategien für den Umgang
- Wissen aneignen: Gegen Gewalt in der Pflege hilft in erster Linie die Aneignung von Wissen. Pflegende Töchter und Söhne sollten an Pflegekursen und Fortbildungen teilnehmen. Auch der Austausch mit anderen kann helfen, besser mit den belastenden Situationen umzugehen.
- Gelassenheit bewahren: Wer seine Mutter oder seinen Vater pflegt, braucht ein „dickes Fell“. Diese Gelassenheit entwickelt sich jedoch nur dann, wenn man sich vor Augen führt, dass fast alle negativen Ereignisse auf eine Ursache zurückzuführen sind - die Krankheit. Dieses Wissen bringt mehr Ruhe in den Alltag.
- Entlastung suchen: Zusätzlich kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, dass pflegende Familienmitglieder alle Möglichkeiten der Entlastung und Entspannung nutzen sollten. Im Akutfall hilft es auch, den Raum kurz zu verlassen, um durchzuatmen und eine weitere Konfrontation.
- Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen: Hilft alles nicht weiter, muss über eine pflegerische Alternative für die Mutter nachgedacht werden. Ein Pflegeheim oder eine 24 Stunden Betreuung können sich positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden aller Beteiligten auswirken.
Wenn Mutter die Pflege verweigert
Zusätzlich ist es jedoch auch dem kognitiven Verfall geschuldet, dass Pflegebedürftige die Pflege verweigern. So ganz aus dem Kopf der Mutter ist die Tatsache aber nicht, dass plötzlich alles anders als früher ist. Früher waren es schließlich Mutter und Vater, die sich um die Kinder gekümmert haben. Heute sind es Tochter oder Sohn, die auf Mutter und Vater aufpassen müssen, damit sie keinen Unsinn machen. Der Verlust der eigenen Selbstständigkeit und Selbstbestimmtheit nagt auch noch im Unterbewusstsein. Und aus den Ängsten heraus, dass sich die Abwärtsspirale weiter dreht, kommt es zu Frust, Ablehnung und Aggressivität. Hieraus resultiert meistens die Verweigerung jeglicher Hilfs- und Pflegemaßnahmen.
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Familienmitgliedern wird angeraten, den Versuch zu unternehmen, sich in Betroffene hineinzuversetzen und Geduld aufzubringen. Manchmal merkt die demente Mutter selbst, dass die Hilfe braucht und lernt Akzeptanz. Dies kann ein weiter Weg sein, da Betroffene nur noch wenige Informationen aufnehmen und verarbeiten können. Es kann sogar sein, dass es nach einem positiven Erlebnis am anderen Tag wieder ganz anders aussieht. Auch hier bieten sich Foren und Beratungsstellen an, wenn Grenzen überschritten wurden. Man kann Betroffene im fortgeschrittenen Stadium nicht sich selbst überlassen, wenn sie die Pflege verweigern. Im allerschlimmsten Fall, wenn Pflegebedürftige dadurch sich selbst oder andere in Gefahr bringen, kommt eine Zwangseinweisung in Betracht.
Rechtliche Aspekte
Die Rechtslage bei Demenz ist nicht immer eindeutig. Denn Demenz bedeutet nicht automatisch Geschäftsunfähigkeit.
Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung
Entscheidend sind Vorsorgevollmachten und Betreuungsverfügungen. Sie ermöglichen eine vorausschauende Festlegung individueller Wünsche. Fehlen diese Vorsorgedokumente, ordnet das sogenannte Betreuungsgericht eine gesetzliche Betreuung an, die sich an den Bedürfnissen der betroffenen Person orientiert.
- Vorsorgevollmacht: Mit einer Vorsorgevollmacht kann im im Voraus geregelt werden, wer Entscheidungen treffen soll, wenn aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls eine Person dazu nicht mehr in der Lage sein sollte. Anders als ein gesetzlicher Betreuer ist der durch eine Vorsorgevollmacht Bevollmächtigte dem Betreuungsgericht gegenüber nicht rechenschaftspflichtig.
- Betreuungsverfügung: In einer Betreuungsverfügung kann eine Person benannt werden, die im Falle der eigenen Entscheidungsunfähigkeit als Betreuer eingesetzt werden soll. Das Gericht prüft dann, ob die Bestellung eines Betreuers erforderlich und die vorgeschlagene Person geeignet ist. Im Unterschied zur Vorsorgevollmacht, steht die Betreuung unter gerichtlicher Aufsicht.
Patientenverfügung
Die Patientenverfügung ist ein Vorsorgedokument, das im späteren Stadium einer Demenzerkrankung sehr wichtig werden kann. Die Demenz beeinträchtigt mit der Zeit die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen und eigene Wünsche zu äußern. In späteren Stadien der Erkrankung können Betroffene oft nicht mehr klar kommunizieren, welche medizinischen Behandlungen sie wünschen oder ablehnen.
Geschäftsunfähigkeit
Geschäftsunfähigkeit ist ein rechtlicher Begriff. Er beschreibt, dass eine Person aufgrund ihres geistigen Zustands oder ihres Alters nicht in der Lage ist, rechtlich bindende Verträge oder Geschäfte selbstständig abzuschließen. In Deutschland ist dies im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt. Geschäfte, die von geschäftsunfähigen Personen getätigt werden, sind grundsätzlich nichtig.
Freiheitsentziehende Maßnahmen (FEM)
- Freiheitsentziehende Maßnahmen (FEM) in Heimen, Krankenhäusern oder Einrichtungen sind ohne vorherige Genehmigung des Betreuungsgerichts nur bei akuter Gefahr erlaubt. Zu Hause sind sie hingegen ohne Zustimmung des Gerichts möglich. In beiden Fällen ist Freiheitsentzug nur bei erheblicher Selbst- oder Fremdgefährdung erlaubt. Bevor freiheitsentziehende Maßnahmen angewendet werden, sollten immer alternative Maßnahmen, z.B.
- Als freiheitsentziehende Maßnahmen (FEM) gelten alle Maßnahmen, die die Bewegungsfreiheit eines Menschen gegen dessen Willen einschränken. Andere Methoden, die einem Menschen die Möglichkeit nehmen, das Bett, den Stuhl, den Raum oder das Haus zu verlassen, z.B.
- Freiheitsentziehende Unterbringung meint die Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung, z.B.
Weitere rechtliche Aspekte
- Wahlrecht: Da das Wählen ein grundlegendes Bürgerrecht darstellt, bleibt das Wahlrecht auch bei einer Demenzerkrankung bestehen. Es kann nicht auf andere Personen übertragen werden. Während Menschen mit Demenz eine Begleitung in die Wahlkabine mitnehmen dürfen, ist diese ausschließlich zur technischen Unterstützung zulässig.
- Bankgeschäfte: Solange Demenzerkrankte voll geschäftsfähig sind, können sie frei über ihr Geld verfügen und alle Bankgeschäfte selbstständig erledigen. Sobald die Geschäftsfähigkeit aufgrund der Demenz nicht mehr gegeben ist, wird in der Regel ein rechtlicher Betreuer bestellt. Dieser regelt die finanziellen Angelegenheiten im Sinne des Betroffenen.
Tipps für pflegende Angehörige
Pflegende Kinder und Enkel sollten sich nach der Diagnose mit der Erkrankung auseinandersetzen, damit sie lernen, wie sie mit den Veränderungen bei Mutter oder Vater umgehen können. Es ist davon auszugehen, dass sich die kognitiven Fähigkeiten und auch persönliche Charakterzüge ändern werden. Wer hierauf gefasst ist, kann die Situationen besser verstehen. Betroffene haben ebenfalls zu Beginn Schwierigkeiten im Umgang mit ihrer Erkrankung. Sie haben Angst, ihre Autonomie und Autorität zu verlieren. Viele wollen ihren Kindern nicht zur Last fallen und versuchen weiter, eigenständig zu leben. Klappt das nicht so gut, gehört Frust zu den Folgen. Diesen Frust können sie auch auf aggressive Weise an ihren Familienmitgliedern auslassen. Wird dies zu viel, sollten die Kinder Grenzen aufzeigen und in Akutsituationen den Raum verlassen. Besteht die Gefahr einer Eigen- oder Fremdverletzung, muss professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.
Praktische Ratschläge
- Sich informieren: Lernen Sie mehr über Alzheimer & Demenz - in Ihrem Tempo und wann es Ihnen passt.
- Unterstützung suchen: Pflegestützpunkte und Betreuungsvereine bieten umfassende Beratung und Unterstützung für pflegende Angehörige.
- Ehrlich sein: Familienmitglieder sollten zu jeder Zeit ehrlich mit sich selbst sein und auch zugeben, wenn sie die Pflege von Elternteilen überfordert. Auch sie müssen lernen, Hilfe anzunehmen und alle Möglichkeiten der Entlastung auszuschöpfen. Ein schlechtes Gewissen ist hier fehl am Platz.