Demenz-Wohngemeinschaften in Kassel: Ein Überblick

Demenz-Wohngemeinschaften sind eine attraktive Alternative zur klassischen stationären Versorgung oder zur angestammten Wohnung, wenn dort die Pflege und Versorgung nicht mehr möglich sind. Sie bieten eine Möglichkeit, ein selbstbestimmtes Leben in einer häuslichen und gemeinschaftlichen Umgebung zu führen, während gleichzeitig professionelle Pflege und Betreuung gewährleistet sind. Dieser Artikel gibt einen Überblick über Demenz-Wohngemeinschaften in Kassel, ihre Konzepte, Vorteile und Rahmenbedingungen.

Was sind Demenz-Wohngemeinschaften?

Ambulant betreute Wohngemeinschaften richten sich an Menschen, die an Demenz erkrankt sind und an deren Angehörige. Sie stellen eine Wohnform dar, die es den Bewohnern ermöglicht, ihren gewohnten Alltag in Normalität fortzusetzen und selbst zu gestalten - eingebunden in die Gemeinschaft. Im Kern sind sie eine Form des gemeinschaftlichen Wohnens, bei der Menschen mit Demenz zusammenleben und von einem ambulanten Pflegedienst betreut werden. Ziel ist es, den Bewohnern ein möglichst selbstständiges und selbstbestimmtes Leben in einer familiären Atmosphäre zu ermöglichen. Die Mieter bilden eine Auftraggebergemeinschaft, die zusammen mit den Angehörigen über alle Belange des Miteinanders entscheidet. So wird selbstbestimmtes Leben in der Gemeinschaft mit der Sicherheit professioneller Pflege und Betreuung gekoppelt.

Konzepte und Besonderheiten von Demenz-Wohngemeinschaften in Kassel

In Kassel gibt es verschiedene Demenz-Wohngemeinschaften mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Konzepten. Einige Beispiele sind:

  • Wohngruppenhaus "Schöne Aussicht" in Kassel Harleshausen: Dieses Haus bietet vier Wohngruppen (Malve, Jasmin, Rosmarin und Lavendel), in denen jeweils 12-15 Menschen zu Hause sind. Der Leitsatz lautet: "So viel Normalität und Eigenverantwortung wie möglich, so viel Betreuung und Hilfe wie nötig und erwünscht." Die Bewohner können ihren Tag nach eigenen Wünschen und Vorlieben gestalten, wobei die Familie eine wichtige Rolle spielt und jederzeit willkommen ist. Das Zentrum jeder Wohngruppe ist die geräumige Wohnküche, in der täglich frisch gekocht und gebacken wird. Es werden ausschließlich Einzelzimmer angeboten, die persönlich eingerichtet werden können. Veränderungen wie Demenz oder Depression werden als individuelle Daseinsform betrachtet, und es wird versucht, die Lebenswelt des Menschen nicht zu korrigieren, sondern ihn so anzunehmen, wie er ist.

  • Ambulante Wohngemeinschaften: Hier leben drei bis maximal elf Bewohner zusammen, jeder mit einem eigenen Zimmer. Der Lebensmittelpunkt ist eine große Wohnküche, in der gemeinsam gekocht wird. Der tägliche Ablauf ist stark von den Gewohnheiten und dem Alltag der jeweiligen Bewohner geprägt. Diese Wohngemeinschaften richten sich an Pflegebedürftige, deren Versorgung in der eigenen Häuslichkeit nicht mehr möglich ist und die keine vollstationäre Pflege benötigen.

    Lesen Sie auch: Fortgeschrittene Demenz: Ein umfassender Überblick

  • Wohngemeinschaft in einem umgebauten Ladengeschäft: Ein Beispiel ist der Umbau eines Ladengeschäfts aus den 60er Jahren zu einer Wohngemeinschaft für neun Mieter mit Demenz. Auf einer Fläche von 262 qm gibt es neun private Zimmer sowie gemeinschaftliches Wohnen, Essen und Kochen. Ziel der Planung war es, eine sozial- und altersgerechte Wohngemeinschaft zu schaffen, die den Bewohnern erlaubt, in ihrem Viertel zu bleiben, am sozialen Leben teilzunehmen und Betreuung rund um die Uhr zu erhalten. Wohn- und Esszimmer sind über schwellenlose Türen mit einer ca. 130 qm großen Terrasse verbunden.

  • Ambulant betreute Pflegewohngemeinschaften in der Samuel-Beckett-Anlage: Diese bieten eine ideale Kombination aus Eigenständigkeit, Gemeinsamkeit und einem sicheren Netz von einfach abrufbaren Unterstützungs-, Betreuungs- und Pflegeleistungen. Im weitläufigen Wohn- und Essbereich findet das gemeinsame Leben statt, während die geräumigen Einzel- bzw. Doppelzimmer Privatheit bieten. Die Bewohner planen ihren Tag, kochen, kaufen ein und genießen ihre Freizeit in Gesellschaft. Bei Bedarf sind die Mitarbeiter der AWO für sie da und bieten vielfältige Unterstützung. Die Pflegeversicherung sieht vor, dass die Mietergemeinschaft die ihnen zustehenden Geldleistungen bündeln kann. Die Gemeinschaftswohnungen befinden sich in der Samuel-Beckett-Anlage im Stadtteil Vorderen Westen, der durch historische Bebauung, Kulturdenkmäler, Plätze, Cafés, Restaurants und individuelle Geschäfte geprägt ist.

  • Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz im Brückenhof ("WIB"): Diese wurde im Februar 2008 eröffnet. Jeder Bewohner schließt einen individuellen Mietvertrag für sein Zimmer sowie einen Anteil an den Gemeinschaftsflächen ab, entrichtet eine Betreuungspauschale und leistet seinen Beitrag in die gemeinsame Haushaltskasse. Nach individuellem Bedarf wird ein Pflegevertrag mit dem Pflegedienst abgeschlossen. Ziel ist die starke Beteiligung und Mitwirkung von Angehörigen und Nachbarschaft.

  • Wohngemeinschaften der Diakoniestationen Kassel: In großzügigen Wohnungen mit Einzelzimmern und einem großen Gemeinschaftsbereich mit Wohnküche begleitet das Team der Diakoniestationen Kassel die Mieter rund um die Uhr. Die Pflege- und Präsenzkräfte unterstützen bei der Körperpflege und allen Alltagsverrichtungen, beim Kochen, in der Hauswirtschaft und bei der Freizeitgestaltung. Besonderes Augenmerk liegt darauf, dass sich die Mieter an möglichst vielen Alltagsaktivitäten beteiligen. Um das Zusammenwirken der unterschiedlichen Akteure sicherzustellen, übernimmt eine Mitarbeiterin des Diakonischen Werkes Region Kassel die Koordination in drei Wohngemeinschaften in den Stadtteilen Brückenhof und Helleböhn sowie in Baunatal.

Vorteile von Demenz-Wohngemeinschaften

  • Selbstbestimmung: Bewohner können ihren Alltag weitgehend selbst gestalten und ihre individuellen Vorlieben und Gewohnheiten beibehalten.
  • Gemeinschaft: Das Zusammenleben in einer kleinen Gruppe bietet soziale Kontakte und Geborgenheit.
  • Häusliche Atmosphäre: Die Wohngemeinschaften sind in der Regel wohnlich eingerichtet und vermitteln ein Gefühl von Zuhause.
  • Professionelle Betreuung: Ein ambulanter Pflegedienst sorgt für die notwendige Pflege und Betreuung rund um die Uhr.
  • Entlastung der Angehörigen: Angehörige werden entlastet, da sie die Gewissheit haben, dass ihre Lieben gut versorgt sind.
  • Teilhabe am sozialen Leben: Durch die Integration in das Wohnviertel und die Beteiligung an Alltagsaktivitäten können die Bewohner weiterhin am sozialen Leben teilnehmen.
  • Flexibilität: Ambulante Wohngemeinschaften bieten ein hohes Maß an Flexibilität und können an die individuellen Bedürfnisse der Bewohner angepasst werden.

Finanzierung und rechtliche Rahmenbedingungen

Die Finanzierung von Demenz-Wohngemeinschaften setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen:

Lesen Sie auch: Wechselwirkungen zwischen Schmerzmitteln und Demenz

  • Miete: Jeder Bewohner schließt einen Mietvertrag für sein Zimmer und einen Anteil an den Gemeinschaftsflächen ab.
  • Betreuungspauschale: Diese deckt die Kosten für die Organisation und Koordination der Wohngemeinschaft ab.
  • Haushaltskasse: Die Bewohner leisten einen Beitrag in die gemeinsame Haushaltskasse, aus der Lebensmittel und andere gemeinschaftliche Ausgaben bezahlt werden.
  • Pflegeleistungen: Die Kosten für die Pflege werden in der Regel von der Pflegeversicherung übernommen, abhängig vom Pflegegrad des Bewohners.
  • Zusätzliche Leistungen: Je nach Bedarf können zusätzliche Leistungen wie hauswirtschaftliche Hilfen oder Freizeitangebote in Anspruch genommen werden, die privat finanziert werden müssen.

Es ist wichtig, sich vor dem Einzug in eine Demenz-Wohngemeinschaft umfassend über die Kosten und Finanzierungsmöglichkeiten zu informieren. Die Pflegekasse und andere Beratungsstellen können hierbei Unterstützung bieten.

Kurzzeitpflege als Übergangslösung

In bestimmten Situationen kann eine Kurzzeitpflege in einer stationären Einrichtung eine sinnvolle Übergangslösung sein, beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt oder wenn die häusliche Pflege vorübergehend nicht möglich ist. In der Kurzzeitpflege erhalten pflegebedürftige Menschen für einen begrenzten Zeitraum pflegerische Versorgung und Begleitung. Die Kosten für den pflegebedingten Aufwand werden von der Pflegeversicherung übernommen, während die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten selbst getragen werden müssen.

Checkliste für die Wahl einer Demenz-Wohngemeinschaft

Bei der Wahl einer Demenz-Wohngemeinschaft sollten folgende Aspekte berücksichtigt werden:

  • Lage und Umgebung: Ist die Wohngemeinschaft gut erreichbar und in ein soziales Umfeld eingebunden?
  • Größe und Zusammensetzung der Gruppe: Passt die Größe der Gruppe zu den Bedürfnissen des zukünftigen Bewohners?
  • Räumlichkeiten: Sind die Zimmer und Gemeinschaftsräume wohnlich und barrierefrei gestaltet?
  • Konzept und Betreuung: Entspricht das Konzept der Wohngemeinschaft den Vorstellungen des Bewohners und seiner Angehörigen?
  • Pflege und medizinische Versorgung: Ist eine umfassende pflegerische und medizinische Versorgung gewährleistet?
  • Kosten und Finanzierung: Sind die Kosten transparent und finanzierbar?
  • Mitspracherecht: Haben die Bewohner und ihre Angehörigen ein Mitspracherecht bei der Gestaltung des Alltags?
  • Besichtigung und Gespräch: Nehmen Sie sich Zeit für eine Besichtigung der Wohngemeinschaft und ein ausführliches Gespräch mit den Verantwortlichen.

Lesen Sie auch: Ursachen und Behandlung von Zittern bei Demenz

tags: #demenz #wohngemeinschaft #kassel