Die Aktivierung der Selbstheilungskräfte des Gehirns ist ein faszinierendes Thema, das sowohl wissenschaftliche als auch alternative Heilmethoden umfasst. Unser Körper besitzt ein erstaunliches Potenzial, sich selbst zu regenerieren. Die Regeneration kann leicht gelingen, wenn wir ihm die richtigen Bedingungen bieten. Ärzte und Wissenschaftler beschreiben, wie das Gehirn eine entscheidende Rolle bei der Aktivierung dieser Kräfte spielt. Positive Emotionen, soziale Verbundenheit und Sinnhaftigkeit im Leben sind zentrale Faktoren, die Heilungsprozesse beeinflussen. Dieses komplexe Zusammenspiel von Körper und Geist bietet einen vielversprechenden Ansatz zur Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens.
Die untrennbare Verbindung von Körper und Geist
Die ärztliche Kunst besteht darin, den Prozess der Selbstheilung zu unterstützen - auf körperlicher Ebene ebenso wie auf psychischer Ebene, denn beide sind untrennbar miteinander verbunden. Gefühle und Gedanken haben einen enormen Einfluss auf das eigene Wohlbefinden. Schon die kleinste seelische Störung bringt den Körper aus der Balance und verstärkt das Risiko für Beschwerden. Frauen und Männer, die beruflich unter Druck stehen, haben ein viel höheres Risiko, sich eine Erkältung zu holen, als andere, die keinen Stress haben.
Neuronale Vernetzungen und Begeisterung
Jedes Mal, wenn man sich für etwas begeistert, wird im Gehirn ein besonderer Cocktail an neuroplastischen Botenstoffen ausgeschüttet. Und der wirkt wie Dünger auf die Nervenzellen und neuronalen Vernetzungen, die in diesem Zustand besonders intensiv genutzt, also aktiviert werden. Deshalb wird alles, was wir mit großer Begeisterung denken und tun und was wir dabei lernen, wenn wir uns dafür begeistern, nicht nur sehr fest im Gehirn verankert, sondern auch an dieses gute Gefühl gekoppelt, das wir dabei haben. Es hat einige Zeit gedauert, bis die Neurobiologen dieses Phänomen verstehen und die ihm zugrundeliegenden Mechanismen aufklären konnten. Aber jetzt ist es so weit, und das hat Auswirkungen. Denn diese Erkenntnis bringt feste Überzeugungen ins Wanken, auf deren Grundlage so manches aufgebaut und organisiert wurde.
Verantwortung für die eigene Gesundheit übernehmen
Wie soll ein Mensch nun auf einmal Verantwortung für seine eigene Bildung oder für seine eigene Gesundheit übernehmen - und wie sollen in seinem Gehirn die dazu erforderlichen Netzwerke mit dem Dünger der Begeisterung gestärkt werden - wenn ihm bisher alle Verantwortung dafür abgenommen wurde. Wenn er noch nie erlebt hat, wie beglückend es ist, sich um seine Gesunderhaltung selbst zu kümmern, mit Begeisterung Sport zu treiben, sich gesund zu ernähren und sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Wie soll sich jemand für all das begeistern, wenn ihm doch bisher immer nur gesagt worden ist, was er alles zu tun und zu lassen hat, damit er nicht krank oder möglichst schnell wieder gesund wird. Und wie soll überhaupt jemand auf die Idee kommen, Verantwortung für seine Gesundheit zu übernehmen, dem von Kindesbeinen an erklärt worden ist, dass der eigene Körper wie eine Maschine funktioniere, der deshalb sein Herz als Pumpe bezeichnet und der glaubt, dass ihm im Alter das Hirn oder die Gelenke einrosten? Wer so denkt, muss jede Erkrankung als Maschinenschaden und den Arzt als „Reparateur“ betrachten, der die Störung im Getriebe ausfindig macht und mit den richtigen Techniken und den richtigen Medikamenten die Pumpe oder das Gelenk oder das Gehirn wieder zum Funktionieren bringt. Je mehr die Personen in diesem Reparaturdenken gefangen bleiben, umso stabiler bleibt die Nachfrage nach entsprechenden Reparaturleistungen.
Der Teufelskreis des Reparaturdenkens
So entsteht ein Teufelskreis, der zwar die Kosten des Gesundheitssystems steigert, nicht aber den Gesundheitszustand der Bevölkerung. Auflösen lässt er sich nicht durch immer neue Maßnahmen zur Kostenreduktion und Kostenverteilung, sondern durch eine Veränderung dessen, was seine Entstehung und Eskalation ermöglicht hat: Die in den Hirnen aller Beteiligten fest verankerte Vorstellung, dass man, wenn man krank geworden ist, wieder gesund gemacht werden kann. „Ideen sind wie Ketten, derer man sich nicht entreißt, ohne sein Herz zu zerreißen“ hatte schon Karl Marx festgestellt, und diese Erkenntnis wird nun auch durch die neueren Erkenntnisse der Hirnforschung bestätigt. Wir hängen mit dem Herzen an bestimmten Vorstellungen und Überzeugungen, weil sie fester, als wir uns das eingestehen wollen, an Gefühle gekoppelt sind. Es ist eben leichter, sich an der Vorstellung zu begeistern, an etwas erkranken und von jemandem wieder gesund gemacht werden zu können, als die Verantwortung für die eigene Gesundheit selbst zu übernehmen.
Lesen Sie auch: Die Physiologie des Gehirns im Detail
Niemand kann einen anderen Menschen gesund machen
Aber nicht einmal einen gebrochenen Arm bekommt man von allein, und kein Arzt kann den gebrochenen Arm reparieren oder gar heilen. Er kann mit seiner fachlichen Kompetenz und seinen technischen Möglichkeiten lediglich Bedingungen schaffen, unter denen die Selbstheilungskräfte des Patienten optimal wirksam werden und die gebrochenen Knochen wieder gut zusammenwachsen. Allgemeiner ausgedruckt heißt das: Niemand kann einen anderen Menschen gesund machen. Jede Heilung ist immer und grundsätzlich Selbstheilung. Die ärztliche Kunst besteht darin, diesen Prozess der Selbstheilung zu unterstützen. Auf körperlicher Ebene ebenso wie auf psychischer Ebene. Denn beide sind untrennbar miteinander verbunden. Auch das ist eine sehr brauchbare neuere Erkenntnis der Neurobiologen.
Salutogenetische Faktoren und die Bedeutung subjektiver Bewertungen
Der gebrochene Knochen wächst schneller wieder zusammen, wenn es dem Patienten gut geht, wenn er der ärztlichen Hilfestellung vertraut, wenn er das erlebt, was schon Aaron Antonovsky als entscheidende salutogenetische, also gesund machende Faktoren herausgearbeitet hat: Wenn er versteht, was der Arzt weshalb tut und worauf es für seine Gesundung ankommt, wenn er das Gefühl hat, den Heilungsprozess selbst auch aktiv unterstützen zu können, und wenn er das, was er in seinem Zustand erlebt, in einen größeren, sinnhaften Zusammenhang einordnen kann. Es sind also weniger die objektiven Kriterien einer Behandlung, sondern viel mehr die subjektiven Bewertungen einer Behandlung durch den Patienten, die darüber entscheiden, wie gut es ihm gelingt, seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Unterdrückt wird die Fähigkeit zur Selbstheilung, wie die neueren Erkenntnisse aus der Angst- und Stressforschung belegen, durch Verunsicherung, Angst, Hilflosigkeit und psychoemotionale Belastungen, also im weitesten Sinne durch einen Mangel an Vertrauen, sowohl in Bezug auf die Reorganisationsfähigkeit des eigenen Körpers wie auch im Hinblick auf die Kompetenz, das Einfühlungsvermögen und die Umsicht des behandelnden Arztes.
Umsetzungsprobleme im gegenwärtigen Gesundheitssystem
Innerhalb des gegenwärtigen medizinischen Versorgungssystems der westlichen Industriestaaten stößt dieser Ansatz allerdings auf erhebliche Umsetzungsprobleme: Um die Selbstheilungskräfte eines Patienten zu reaktivieren, bedarf es einer eingehenden Kenntnis der Lebensgeschichte des Patienten. Der behandelnde Arzt braucht ausreichend Zeit, um herauszufinden, welche Erfahrungen der jeweilige Patient gemacht hat und welche Vorstellungen und Überzeugungen, welche Haltungen und inneren Einstellungen aufgrund dieser Erfahrungen entstanden sind. Dazu bedarf es einer persönlichen Beziehung, die von gegenseitigem Vertrauen geprägt ist. Um eine solche Beziehung aufzubauen, müsste der Arzt seinem Patienten in einer offenen, nicht durch diagnostische Befunde oder materielle Interessen geprägten Haltung begegnen. Nur so kann es dem Arzt gelingen, den Patienten einzuladen und zu ermutigen, neue Erfahrung machen zu wollen. Aufseiten des Patienten müssten gegenwärtig noch weitverbreitete falsche Erwartungshaltungen ebenso wie negative Vorurteile abgebaut werden. Und aufseiten der Ärzte wären fragwürdige Selbstbilder, vorschnelle Urteile und Bewertungen und ein Mangel an Einfühlungsvermögen in die Situation des Patienten zu überwinden.
Die Notwendigkeit, Menschen für ihre Gesundheit zu begeistern
Aber der zunehmende Kostendruck im Gesundheitswesen wird zwangsläufig dazu führen, dass in Zukunft verstärkt nach bisher unzureichend beachteten Potenzialen zur Kostenreduzierung vor allem bei medizinischen Langzeitbehandlungen gesucht werden muss. Bei dieser Suche, so darf jetzt schon prognostiziert werden, wird man die enormen Kostenersparnisse nicht mehr allzu lange übersehen können, die automatisch entstünden, wenn es gelänge, Menschen dafür zu begeistern, mehr als bisher für ihre Gesundheit tun zu wollen. Dann ließen sich auch im Fall einer Erkrankung die Selbstheilungskräfte der Patienten deutlich effektiver und nachhaltiger reaktivieren als bisher.
Wege zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte
Doch wie lassen sich die Selbstheilungskräfte aktivieren? Hier sind einige bewährte Methoden und Ansätze:
Lesen Sie auch: Das Gehirn im Detail
Die Kraft der Gedanken und Emotionen
Positive Gedanken, Visualisierungen und Vertrauen in die Selbstregeneration des Körpers können dazu beitragen, Heilungsprozesse zu beschleunigen. Studien zeigen, dass der Glaube an die eigenen Heilfähigkeiten eine wichtige Rolle spielt. Wer seine Selbstheilungskräfte stärken will, sollte achtsam gegenüber seinen Bedürfnissen sein.
Stressmanagement und Entspannung
Chronischer Stress zählt zu den größten Hemmnissen für die Selbstheilungskräfte des Körpers. Er setzt eine Kettenreaktion körperlicher Prozesse in Gang, die das Immunsystem schwächen, Entzündungen fördern und Heilungsprozesse verzögern können. Eine besonders wirkungsvolle Methode zur Stressreduktion ist die Meditation. Sie hilft, das Nervensystem zu beruhigen und die Konzentration zu steigern. Bereits wenige Minuten täglicher Meditation können die Produktion von Stresshormonen senken und zu einem ausgeglicheneren Lebensgefühl beitragen.
Gesunde Ernährung
Eine ausgewogene und vitalstoffreiche Ernährung ist eine der wichtigsten Säulen für die Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Der Körper benötigt eine Vielzahl von Nährstoffen, um Zellen zu regenerieren, das Immunsystem zu stärken und entzündliche Prozesse zu reduzieren. Antioxidantien, die in Beeren, grünem Blattgemüse und Nüssen enthalten sind, helfen dabei, Zellschäden durch freie Radikale zu minimieren. Ebenso spielen Omega-3-Fettsäuren, die in Fisch, Leinsamen und Walnüssen vorkommen, eine wichtige Rolle, da sie entzündungshemmend wirken und die Herzgesundheit fördern. Fermentierte Lebensmittel wie Joghurt, Sauerkraut und Kimchi unterstützen eine gesunde Darmflora, was wiederum das Immunsystem stärkt.
Regelmäßige Bewegung
Regelmäßige körperliche Aktivität trägt entscheidend dazu bei, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Bewegung verbessert die Durchblutung, versorgt Zellen mit Sauerstoff und fördert die Ausscheidung von Giftstoffen. Sanfte Sportarten wie Yoga und Tai-Chi sind besonders vorteilhaft, weil sie nicht nur die Muskulatur kräftigen und die Beweglichkeit fördern, sondern auch eine beruhigende Wirkung auf den Geist haben. Sie unterstützen den Abbau von Stresshormonen und versuchen, einen Zustand innerer Ruhe zu erreichen.
Ausreichend Schlaf
Ein erholsamer Schlaf ist wichtig für die Selbstheilung, da in der gesamten Nacht Reparaturprozesse im Körper stattfinden. Während des Tiefschlafs regenerieren sich die Körperzellen, das Immunsystem wird gestärkt, und das Gehirn verarbeitet die Erlebnisse des Tages. Um die Schlafqualität zu verbessern, ist es ratsam, eine feste Schlafroutine zu etablieren.
Lesen Sie auch: Alles über Hirndurchblutungsstörungen: Symptome und Therapien
Naturheilverfahren
Zusätzlich zu einer gesunden Lebensweise können verschiedene Naturheilverfahren die Selbstheilungskräfte gezielt unterstützen. Homöopathie beispielsweise setzt auf natürliche Wirkstoffe, die dem Körper helfen, sich selbst zu regulieren. Ein weiteres bewährtes Verfahren ist die Akupunktur. Diese traditionelle chinesische Heilmethode kann Energieblockaden im Körper lösen und so die Selbstheilung anregen. Auch die Kneipp-Therapie, die auf abwechselnd warme und kalte Anwendungen mit Wasser setzt, kann die körpereigenen Abwehrkräfte stärken. Ein weiteres effektives Mittel ist das Fasten, das autophage Prozesse im Körper aktiviert - eine natürliche Zell-Heilung.
Mind-Body-Medizin (MBM): Die Verbindung von Geist und Körper
Die Mind-Body-Medizin (MBM) setzt auf Selbstwirksamkeit und -regulation des Menschen und verbindet mentale und verhaltensmedizinische Ansätze mit Lebensstilstrategien wie Stressregulation, Entspannung etc. Bei den Mind-Body-Therapien (MBT) können Top-down- und Bottom-up-Mechanismen unterschieden werden. Top-down wirken vor allem Mind-Body-Verfahren wie Meditation, Hypnose und Imagination, bottom-up solche wie Yoga, Qigong und Tai-Chi.
Wie könnten MBT wirken?
Psychologisch gesehen dürfte bei der Reaktion auf MBT neben spezifischen psychologischen Faktoren (zum Beispiel Meditationserfahrung) die subjektive Bedeutung wesentlich sein, die der Patient einer MBT zuschreibt. Moerman hat hierfür - anstelle des Placeboeffekts - den Begriff der „meaning response“ vorgeschlagen, also der psychophysiologischen „Bedeutungsreaktion“. Diese hängt von persönlichen, situativen und kulturellen Faktoren ab.
Psychoneurophysiologische Ansatzpunkte für MBT
Bei der selbstheilenden Wirkung von MBT spielen besonders die psychoneurophysiologischen Wirkwege eine Rolle. Chronischer Stress kann die Homöostase des Organismus dauerhaft stören und so zu Stoffwechselveränderungen, immunologischen Dysfunktionen und erhöhter Krankheitswahrscheinlichkeit beitragen. MBT können über verschiedene psychoneurophysiologische Wirkwege sowohl in stressbedingte Funktionsstörungen eingreifen als auch zur Stärkung beruhigender Mechanismen beitragen.
Die Rolle des Vagus
Im Rahmen der Stressreaktion werden regulatorische Rückkopplungsschleifen aktiviert, um das homöostatische Gleichgewicht im Organismus aufrechtzuerhalten. Dabei spielt der Parasympathikus beziehungsweise Vagus-Nerv als Gegenspieler des Sympathikus eine zentrale Rolle. Durch die Aktivierung des Parasympathikus kommt es zu einer erhöhten Herz-Raten-Variabilität (HRV), zu einer verringerten Herz- und Atemfrequenz, zur Muskelentspannung, zur Steigerung der Darmperistaltik, zur Blutdrucksenkung, Glukoseregulierung und allgemeinen Beruhigung. Die Fähigkeit, bei Stress eine hohe HRV aufrechtzuerhalten, ist Zeichen einer flexiblen adaptiven Stressantwort und damit von Stressresilienz.
Verbindungen zwischen Gehirn und Mikrobiom
Auch zwischen Gehirn und dem Mikrobiom im Darm bestehen wechselseitige Verbindungen. Bei chronischem Stress wird die Grenze zwischen Darmbakterien und Darmwand durchlässig (leaky gut), wodurch Darmbakterien, Stoffwechselprodukte und neuroaktive Substanzen in das mesenterische lymphatische Gewebe gelangen können. Dies führt zu erhöhter Entzündungsaktivität, die direkt oder indirekt über den Vagusnerv und spinale afferente Neuronen ins Gehirn geleitet wird und mit Sickness Behavior, aber auch rückwirkend mit einer reflektorischen Verminderung der Entzündungsaktivität einhergeht.
Die bemerkenswerte Plastizität des Gehirns
Unser Denkorgan ist hochempfindlich. Abgestorbene Neurone wachsen in der Regel zwar nicht wieder nach, viele Schäden aber repariert das Nervengewebe von ganz allein - vorausgesetzt, wir funken nicht zur falschen Zeit dazwischen! Das Gehirn ist zu beachtlichen Umbaumaßnahmen fähig! Sowohl angeborene als auch später erworbene Schäden kann es bis zu einem gewissen Grad kompensieren oder gar reparieren. Dazu zählen auch so genannte »stille Hirninfarkte«, also kleine Schlaganfälle, die man zwar im Hirnscanner sehen kann, von denen die Patienten aber nichts spüren, weil das Gehirn sie unbemerkt ausbügelt.
Forschungsergebnisse zur Hirnplastizität
Im Jahr 2019 baten die Neurowissenschaftlerin Dorit Kliemann und ihr Team von der University of Iowa sechs Erwachsene zwischen 20 und 30 Jahren in den Magnetresonanztomografen. Allen sechs Probanden war während ihrer Kindheit wegen schwerer epileptischer Anfälle eine Hemisphäre entfernt worden. Die Forscherinnen und Forscher untersuchten diverse Hirnfunktionen, darunter auch, wie gut die einzelnen Areale zusammenarbeiteten. Dabei stellten sie kaum Unterschiede zu Kontrollprobanden mit vollständigem Gehirn fest.
Die Veränderung der Lehrmeinung
Tatsächlich war über Jahrhunderte hinweg gängige Lehrmeinung, die Strukturen des zentralen Nervensystems seien im Erwachsenenalter so stabil, dass eine Schädigung irreversible Folgen hätte. Man nahm an, bestimmte Hirn- oder Rückenmarksareale hätten jeweils eine feste Funktion, die unwiederbringlich verloren gehe, sobald die Region durch einen Schlaganfall oder eine andere Verletzung beschädigt sei. Vor 10 bis 20 Jahren begann das Bild sich jedoch allmählich zu wandeln.